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Kategorie: Ausstellungen

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Punk und Kunst und Underground: Das usw.-Sonderheft zur Intermedia 1985 in Coswig

Seit Samstag gibt es im Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, was auf die Ohren und für die Augen: Die Ausstellung „Geniale Dilletanten“ führt die Besucher in die Subkultur der 1980er Jahre. Für die Dresdner Station wurde die Ausstellung um Positionen nonkonformer und alternativer Kunst der späten DDR erweitert. Im Fokus steht dabei die wegweisende „Intermedia I“, die 1985 in Coswig bei Dresden stattfand. Das multimediale Festival war geprägt von der wie selbstverständlich zelebrierten Vermischung verschiedenster künstlerischer Ausdrucksformen. Im Gegensatz zum offiziellen Kunstbetrieb, ganz in der Charakteristik der gegenweltlichen Kunstszene verschmolzen Graphik, Lyrik, Malerei, Performance, Musik, Tanz und Film zu einer gelebten und nicht mehr voneinander zu trennenden künstlerischen Einheit. Zwei Tage lang zelebrierten Maler und Filmemacher, Tänzer und Punkbands gemeinsam mit 1.000 Gästen die kollektive Grenzüberschreitung.

 

Die Dresdner Künstlerzeitschrift „usw.“ widmete diesem Ereignis noch im selben Jahr eine Sondernummer mit Texten und Fotos, die – wie auch die Aufnahme auf der dazu gehörenden Musikkassette – während des Festivals entstanden. Zusätzlich enthielt das Heft Xeroskopien schwarz-weißer Reproduktionen der Faltrollos, mit denen die Künstler, unter anderem Christine Schlegel, Veit Hofmann, Lutz Fleischer und Wolfgang Smy, die Räume in Coswig ausgestaltet hatten. Zwei dieser Rollos sind neben zahlreichen anderen Dokumenten und Kunstwerken in der Ausstellung zu sehen. In der SLUB kann man ergänzend dazu im Intermedia-Sonderheft blättern und in die Kassette reinhören, die beide seit 1986 im Bestand sind.

 

Der Herausgeber von „usw.“, Micha Brendel, bot der Sächsischen Landesbibliothek damals das Intermedia-Sonderheft zusammen mit weiteren Ausgaben der Zeitschrift zum Kauf an – ein Angebot, das die Bibliothek gern annahm, um damit, ergänzend zur Sammlung originalgrafischer Künstlerbücher, die Grundlage für eine Sammlung künstlerischer Kleinzeitschriften zu bilden. Die im kulturpolitischen Klima der späten DDR nicht ganz unproblematischen Erwerbungen nonkonformer, unangepasster Zeitschriften konnten bis 1990 und darüber hinaus fortgesetzt werden, was zu einem einzigartigen Bestand mit über zwanzig, größtenteils vollständig vorhandenen Zeitschriftentiteln führte.

 

Auf dem Fachinformationsportal arthistoricum.net finden Sie weitere Informationen zu den Künstlerzeitschriften der DDR im Bestand der SLUB. Das Intermedia-Sonderheft mit seinen Beilagen kann im Sondersammlungslesesaal eingesehen bzw. das Digitalisat der MC an der Medienstation angehört werden.

 

Fotos: Intermedia I. Sonderheft der Zeitschrift usw., Dresden 1985, Umschlagbild (Micha Brendel, Joerg Sonntag), Musik-Kassette, Foto: SLUB Dresden / S. Gude

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Tipp für Sommerfrischler: Ausstellung Bansin Sommer 1946

Noch bis zum 13. August zeigt die Villa Irmgard im Kaiserbad Heringsdorf Fotografien von Abraham Pisarek aus der Deutschen Fotothek in der SLUB.

 

Zu sehen sind 60 von 300 Aufnahmen des Berliner Fotografen, der mit seiner Familie im August und September 1946 seine Ferien auf Usedom verbrachte. Private Urlaubserinnerungen und gleichermaßen Zeitdokumente spiegeln diese Fotografien alles in allem eine unglaubliche Normalität im Jahr 1 nach dem 2. Weltkrieg: Kinderferienlager für Stadtkinder am Langenberg, Jugendliche auf einem Schiffswrack am Bansiner Strand, Fischer bei ihrer Arbeit, die Fischerhütten, Wahlgänger bei der Kommunalwahl am 15. September 1946 im Bansiner Warmbad, Kinder am Strand und Bauern bei der Getreideernte.

 

Sichtbar werden jedoch auch die Kontraste: Während einige Bilder die ärmliche Landbevölkerung zeigen - die Kinder laufen entweder barfuß oder in übergroßen Schuhen - dokumentieren die Strandbilder eine gänzlich andere Welt. Hier sitzen zwei Urlauberkinder in ihre Bilderbücher versunken im Strandkorb, da plauschen zwei Teenager am Meeressaum und die Tochter des Fotografen posiert neckisch für den Papa. Sommerfrische.

 

Komplettiert wird die Ausstellung in Kooperation des Eigenbetriebs Kaiserbäder Insel Usedom und der Deutschen Fotothek mit zeitgenössischen Presseberichten.

 

Villa Irmgard, Maxim-Gorki-Straße 13, 17424 Heringsdorf, 17. Juni bis 13. August 2017, Di/Do/Fr/Sa 12.00 bis 16.00 Uhr, Sonntag nach Vereinbarung

 

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Kunst findet immer ein Forum: Vortrag zum tschechischen Buchumschlag der 60er Jahre

Am Mittwoch, den 12. Juli 2017, ist mit Zdenek Primus (Prag) ein weiterer Experte für die bildende Kunst des 20. Jahrhunderts zu Gast in der Ausstellung „Tschechische Avantgardebuchkunst. Die Sammlung Vloemans.“.

 

Sein Vortrag unter dem Titel „Kunst ist Abstraktion. Der tschechische Buchumschlag der sechziger Jahre“ setzt die These voraus, dass Kunst stets einen natürlichen Weg zur Etablierung einer Plattform findet - obwohl ihr aufgrund gesellschaftlicher und politischer Repressionen eine freie Entfaltung versagt bleibt. Im Falle der tschechischen Kunst der späten 50er und 60er Jahre waren Bücher das Medium der Wahl: Durch die unfreien kulturellen Bedingungen erklärt sich die damalige Hinwendung zu kleinformatigen, gleichermaßen unauffälligen wie unübersehbaren Kunstwerken in Gestalt von Buchumschlägen. Auf diese Weise verwirklichten und artikulierten sich die gleichen Künstler, deren Gemälde und Plastiken in der Öffentlichkeit unsichtbar blieben, weil sie nicht präsentiert werden durften. Diesen Sachverhalt wird der Vortrag verdeutlichen und veranschaulichen, indem er beleuchtet, inwiefern die betreffenden Buchumschläge das freie, allerdings verborgene Schaffen der damaligen Künstler spiegeln.

 

 

Sie sind herzlich eingeladen: Die Veranstaltung im Vortragssaal der SLUB beginnt 19:00 Uhr, sie ist öffentlich und der Eintritt ist frei. Im Anschluss an den Vortrag besteht Gelegenheit zum Gespräch und zu einer öffentlichen Führung durch die Ausstellung.

 

Mit diesem Vortrag endet der Vortragszyklus „Tschechische Avantgardebuchkunst“. Die Ausstellung selbst, die vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gefördert wird, ist noch bis zum 31. August 2017 täglich von 10 bis 18 Uhr im Buchmuseum der SLUB zu sehen.

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Bücher nach dem Aussehen beurteilen? Vortrag zu typographisch gesteuerter Literaturrezeption

Die tschechische Avantgarde der Zwischenkriegszeit ist für ihre originellen Ansätze zur Gestaltung von Büchern als Gesamtkunstwerk bekannt. Sie zeichnete sich durch einen bemerkenswerten Erfindungsreichtum im Hinblick auf die ästhetische Aufmachung aus und rechtfertigte in dieser Eigenschaft besonders eingängig das berühmte Diktum Kurt Schwitters (1924), Typographie könne „unter Umständen“ eine eigenständige Kunstform sein.

 

Dieser Kerngedanke lässt sich eindrucksvoll anhand der Ausstellung „Tschechische Avantgardebuchkunst. Die Sammlung Vloemans“, welche noch bis zum bis 31. August 2017 im Buchmuseum der SLUB zu sehen ist, nachvollziehen.

 

 

 

Am Abend des 28. Juni wird PD Dr. Anne Hultsch (Dresden) dies zum Anlass nehmen, Reflexionen darüber anzustoßen, inwiefern die äußere Gestalt von Büchern und Texten deren Rezeption beeinflusst. Ihr Vortrag unter dem Titel „Buchumschläge lesen, literarische Texte betrachten. Typographisch gelenkte Lektüren“ widmet sich mittels konkreter Beispiele der interessanten Frage, auf welche Art und Weise unser Zugang zu Literatur nach den Maßgaben ihrer jeweiligen typographischen Oberfläche gefiltert und manipuliert wird.

 

„Das Buch […] enthält ein Kunstwerk: das Literarische. […] Ein schlechtes Buch wird nicht besser, wenn es auch noch so schön mit vielen Streifen, Stäben und Punkten aufgemacht wird. Es bleibt ein schlechtes Buch“ (Théo van Doesburg). Diese These wird der Vortrag zur Debatte stellen, ebenso wie ihre direkte Umkehrung: Kann ein gutes Buch durch schlechte Aufmachung auch nicht verdorben werden? Anhand der Gegenüberstellung verschieden gestalteter Ausgaben jeweils ein und desselben Textes sind in dieser Angelegenheit überraschende und spannende Aufschlüsse zu erwarten.

 

 

 

Sie sind herzlich eingeladen: Die Veranstaltung im Vortragssaal der SLUB beginnt 19:00 Uhr, sie ist öffentlich und der Eintritt ist frei. Im Anschluss an den Vortrag besteht Gelegenheit zum Gespräch und zu einer öffentlichen Führung durch die Ausstellung. 

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documenta 14 mit spektakulärer Buch-Installation und SLUB-Exponat

„Von Athen lernen“ – unter diesem Motto öffnete am 10. Juni 2017 die documenta 14 in Kassel ihre Türen. Erstmals in ihrer über 60-jährigen Geschichte findet die wichtigste Schau zeitgenössischer Kunst nicht nur in Kassel, sondern zugleich auch an einem zweiten Ort statt: In Athen läuft die Ausstellung bereits seit dem 8. April 2017.

 

Mittelpunkt der documenta in Kassel ist „The Parthenon of Books“ der argentinischen Künstlerin Marta Minujín. Die aus Stahl, Kunststofffolie und mehr als 100.000 einst und heute verbotenen Büchern bestehende Installation auf dem Kasseler Friedrichsplatz bildet den Athena-Tempel auf der Athener Akropolis als Symbol für Demokratie nach. Sie setzt damit ein Zeichen gegen das Verbot von Texten und die Verfolgung der Autoren in der Vergangenheit und Gegenwart.

 

Eine andere bücherbezogene documenta-Installation in Form eines raumhohen Regals mit dem Titel „Unrechtmäßig aus jüdischem Eigentum erworbene Bücher" von Maria Eichhorn greift eine Problematik auf, der sich auch die SLUB stellt. In Kürze wird hier ein zweites Projekt zur Provenienzforschung starten, das auf die Identifizierung und Restitution von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut zielt.

 

Auch ein Exponat aus der SLUB (als Reproduktion) ist auf der documenta 14 vertreten: Der Dresdner Künstler Olaf Holzapfel, der sich in seinem Schaffen mit dem Thema Grenze auseinandersetzt, bezog in sein Projekt „Zaun“ einen 1560 entstandenen Waldriss (Vermessungszeichnung eines Waldes) aus dem Bestand der Handschriftensammlung ein.    

 

Publikationen zur aktuellen und den vorangehenden documenta-Ausstellungen finden Sie im SLUB-Katalog.

 

documenta 14:
Athen – 8. April bis 16. Juli 2017
Kassel – 10. Juni bis 17. September 2017
www.documenta14.de

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