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Autor: Jens Bove

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Ausstellung Wolfgang G. Schröter: Das große Color-Praktikum – Auftrag Innovation

Farbfotografie! In den 1950er Jahren hielt sie weithin Einzug in Fotoalben und Zeitschriften. Ihre blassen Pastelltöne prägen bis heute unser Bild dieser Zeit. Zugleich aber war Farbe in der Fotografie noch bis in die 1960er Jahre ein weites Feld von Versuchen und Experimenten. Fotoindustrie und professionelle Farbfotografen schufen permanent neue Bildstrategien und kamen zu spektakulären visuellen Ergebnissen.

 

Zu den bemerkenswertesten Zeugnissen dieser Zeit zählen die Werke von Wolfgang G. Schröter: Ganzkörperfotogramme auf riesigen Diabahnen, Bewegungsstudien mit farbig gestaffeltem Stroboskop-Blitz, Röhrenbildschirm-Abbildungen von elektronisch veränderten Porträtfotografien, Teleskopaufnahmen von Galaxien und Sternennebeln, die äquidensitometrisch – also nach Lichtintensität – in Farbflächen zerlegt wurden...

 

In der neuen Ausstellung im LVR-LandesMuseum Bonn mit Werken Wolfgang G. Schröters aus dem Archiv der Fotografen in der Deutschen Fotothek erhalten wir die seltene und spannende Möglichkeit in äußerst komplexe, sowohl analoge als auch elektronische Prozesse der Bilderzeugung Einblick zu nehmen – ab 28. April bis 26. Juni 2016. Vor allem aber sehen wir einen Meister der frühen, kreativen und experimentellen Farbfotografie bei der Arbeit.

 

Seine Erfahrungen legte der Fotograf und Dozent 1966 in dem international vielbeachteten Lehrbuch „Das große Color-Praktikum“ nieder, dessen Titel wir nun für eine Präsentation seiner extrem farbigen, teils fast abstrakten Arbeiten aus dem Archiv der Fotografen in der Deutschen Fotothek verwenden.

 

Wolfgang G. Schröter etabliert sich in den 1950er Jahren als freier Bildjournalist und professioneller Farbfotograf in der DDR. Im Auftrag international operierender foto-optischer Unternehmen wie AFGA/ORWO in Wolfen und Carl Zeiss in Jena schafft er avantgardistische, ästhetisch und technologisch herausragenden Farbaufnahmen. Durch seine Kontakte zur Industrie hat er freien Zugriff auf Materialien und exklusive technische Geräte. Finanzielle und ideologische Beschränkungen seitens der Auftraggeber sind kaum gegeben.

 

Seine farbfotografischen Arbeiten in Werbedruckschriften, Zeitschriften und auf Messeständen entsprechen der Ästhetik der westlichen Industrie- und Wissenschaftsfotografie und finden als solche dennoch Eingang in den Bildkanon der künstlerischen Fotografie in der DDR.

 

Schröters Umgang mit Farbe, Fläche und Kontur in der angewandten und der Wissenschaftsfotografie – zunächst analog, schon seit Beginn der 1970er Jahre auch auf Basis elektronischer Bilderzeugung – erweist sich als visionäre Bildleistung. Er setzt klassische fotokünstlerische Verfahren wie das Fotogramm ebenso ein wie die prä-digitale elektronische Bildauswertung und überträgt wissenschaftliche Motivwelten in die Werbe- und Kunstfotografie. So antizipiert er eine Medienkunst, deren Ausmaß erst mit der digitalen Revolution um die Jahrtausendwende ihre ganze Tragweite entfaltet.

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Deutsche Fotothek präsentiert Nachlass Erwin Fiegers

Anfang Juni konnte der rund 30.000 Aufnahmen umfassende Nachlass von Erwin Fieger (1928-2013) in das Archiv der Fotografen in der Deutschen Fotothek an der SLUB aufgenommen werden.

 

Fieger zählt zu den Pionieren einer neuen Farbästhetik in der Colorfotografie der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit. Seine Ausstellungen auf der Photokina in Köln und zahlreiche Bildbände bahnen der Farbfotografie den Weg zu ihrer Etablierung als autonomes künstlerisches Medium.

 

Erwin Fieger verstand seine Fotografien als eine „Huldigung an das Leben“. Weitgehend ohne Aufträge bereiste er seit Ende der 1950er Jahre die Welt, um Farbfotografie zu betreiben, weit jenseits des damals Üblichen. Die Ergebnisse seiner Reisen publizierte er in Bildbänden, die Maßstäbe setzten - auch weil der studierte Grafiker Fieger eine seltene Einheit von Fotografie, Layout, Typografie, Druckqualität und Verarbeitung erzielte. 1951-1954 studierte er Graphik-Design an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Eugen Funk und arbeitete ab 1962 als selbständiger Bildjournalist.

 

Fieger erhielt bereits als junger Fotograf die Einladung der photokina 1960, sich mit seinen London-Farbaufnahmen an der Ausstellung "Magie der Farbe" zu beteiligen und die Gesamtgestaltung der Schau zu übernehmen. Sie erhielt anschließend auf der photobiennale in Venedig die Goldmedaille, ebenso wie das Design des zwei Jahre später publizierten gleichnamigen Bildbandes. Zahlreiche Ausstellungen, Fotobücher und Auszeichnungen folgten. Den Kulturpreis der DGPH erhielt Fieger 1974 "in Anerkennung der wegweisenden Rolle, die seiner ganz persönlichen Leistung bei der Durchsetzung eigenständiger Formen der modernen Farbphotographie zukommt. Fiegers bedeutender Anteil prägt sich insbesondere aus in großangelegten, international erfolgreichen Bildbänden. Sie beruhen ganz auf seinen Ideen, und ihre Gestaltung ist in allen Einzelheiten sein Werk. Gegen überkommene Vorstellungen wie gegen materielle Schwierigkeiten hat er es verstanden, mit vorbildlicher Konsequenz die besonderen Gesetze der Farbphotographie einer neuen Form der Weltschilderung nutzbar zu machen." 2004 hatte er seine letzte Ausstellung, danach musste er wegen nachlassenden Sehvermögens seine photographische Tätigkeit einstellen.

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Das Auge des Arbeiters. Fotografie und Bildpropaganda im Stadtmuseum Dresden

Die Sonderausstellung "Das Auge des Arbeiters | Erinnerungsfotografie und Bildpropaganda um 1930" ist seit gestern bis 12. Juli 2015 im Stadtmuseum Dresden zu sehen. Die Deutsche Fotothek ist mit Aufnahmen u.a. von Hans Bresler und Kurt Burghardt vertreten.

 

Proletarierin liest die Zeitschrift "Der Arbeiter-Fotograf" (Schwägerin des Fotografen Hans Bresler). SLUB/ Deutsche Fotothek

 

Als die ersten Fotografen im 19. Jahrhundert Bilder "mit Licht malten", ahnten sie nicht, dass sie damit am Anfang eines Weges standen, der in die Allgegenwart digitaler Bilder in heutiger Zeit einmünden sollte. Die "Demokratisierung" der Bildproduktion begann im Ersten Weltkrieg, als preiswerte Kameras das Fotografieren erschwinglich werden ließen. Die illustrierte Massenpresse und der Film bildeten die industrialisierten Gegenstücke zu dieser Privatisierung des Blicks.

 

In der Medienmoderne des beginnenden 20. Jahrhunderts entstanden nun erstmals auch Bilder von Arbeitern über Arbeiter: Amateurfotografien, die das eigene Bild vom Alltag in den Familien und Fabriken vermittelten, vom Kampf auf den Straßen und von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft berichteten. Motivwahl, Komposition und Montage wurden von diesen Arbeiterfotografien auf spezifische Art und Weise genutzt. In der Ausstellung werden ihre Aufnahmen aus Sammlungen in Sachsen in Beziehung zu anderen Objekten, Bildern und Symbolen aus dem Arbeitermilieu gesetzt. Hierin wird das Vordringen der Arbeiterschaft in den öffentlichen Raum sichtbar – einem Bereich, in dem sie als Minderprivilegierte bis dahin kaum vertreten gewesen waren.

 

 

Das Programm der Abschlusstagung des DFG-Projekt zur Geschichte der Arbeiterfotografie der Weimarer Republik am 27. und 28. März sowie die Online-Anmeldung finden Sie unter www.isgv.de/arbeiterfotografie. Eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben und um Anmeldung bis zum 22. März 2015 (heute!) wird gebeten.

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1945 – Köln und Dresden. Fotografien von Hermann Claasen und Richard Peter sen.

Zwei Fotobücher prägen bis heute unsere Wahrnehmung der zerstörten deutschen Städte des zweiten Weltkriegs: Hermann Claasens (1899-1987) "Gesang im Feuerofen" von 1947 zeigt das zerstörte Köln; Richard Peters (1895-1977) Buch "Dresden, eine Kamera klagt an", 1950 erstmals erschienen, war mit seinen zahlreichen Neuauflagen das erfolgreichste Fotobuch der DDR.

 

Mit der Ausstellung "1945 – Köln und Dresden", die am heutigen Mittwoch in Bonn eröffnet wird, erinnert das LVR-LandesMuseum Bonn an das Ende des 2. Weltkrieges vor nunmehr 70 Jahren. Die Ausstellung zeigt nicht nur die beiden Büchern zugrunde liegenden Vintageprints, sondern rekonstruiert auch die Entstehungsgeschichte beider Werke und stellt sie vor allem in den historischen Kontext der Erstpublikation. So wird deutlich, dass sich beide Bildbände von jeweils ganz unterschiedlicher Perspektive mit dem Schrecken des Zweiten Weltkriegs auseinander setzen: Hermann Claasens Buch, das fast ausschließlich Trümmer von Kölner Kirchen zeigt, aus katholisch-rheinischer Sicht, während Richard Peters Buch ganz im Sinne der Politik des kalten Krieges zwar auch Hitlerdeutschland anklagte, aber auch implizit den "angloamerikanischen Imperialismus".

 

 

Möglich wird eine solche historische Hinterfragung beider Bücher durch die Kooperation der drei Ausstellungspartner Stiftung F.C. Gundlach, LVR-LandesMuseum Bonn und Deutsche Fotothek der SLUB: Alle drei Institutionen verfügen nicht nur über bedeutende Fotosammlungen, sondern bewahren auch umfangreiches Archivmaterial zu den jeweiligen Fotografen als Grundlage einer vertiefenden Erforschung auf. Die Ausstellung "1945 – Köln und Dresden" begründet nun eine jährliche Ausstellungsreihe der Kooperationspartner aus den jeweiligen Archivbeständen.

 

Zur Ausstellung erscheint eine Begleitpublikation in Form einer Archivbox in einer Auflage von 500 Exemplaren. 50 Vorzugsexemplare enthalten zusätzlich zwei Handabzüge von Originalnegativen beider Fotografen. Die Ausstellung wird im LVR-LandesMuseum Bonn ab 19. März bis 7. Juni 2015 gezeigt. Nächste Station: Stadtmuseum Dresden, 4. Juli bis 27. September 2015.

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Das Auge des Arbeiters. Arbeiterfotografie & Kunst – Ausstellungseröffnung in Zwickau

In Momentaufnahmen "von unten" belichtet die Ausstellung "Das Auge des Arbeiters" Arbeiterfotografie & Kunst um 1930 bis 3. August 2014 im Max-Pechstein-Museum der Kunstsammlungen Zwickau. Die Eröffnung findet am morgigen 23. Mai, um 17 Uhr statt.

 

 

Rund 200 Fotografien lenken den Blick auf bisher kaum wahrgenommene Akteure im Spannungsfeld zwischen privater Medienkultur und linker Propaganda: Arbeiter, Handwerker und Kleinbauern, die um 1930 ihre Lebenswelt fotografierten. Mit ihrem Alltag bildeten sie soziale wie politische Konflikte ab – und trugen damit zu deren agitatorischer Inszenierung in der Parteipresse bei. So erweisen sich die Amateuraufnahmen vom Beginn der Medienmoderne als Vorboten sowohl der DDR-Fotokultur als auch der heutigen Bilderflut des Internets.

 

Die Deutsche Fotothek ist in der Ausstellung mit rund 70 Aufnahmen von Kurt Beck, Hans Bresler, Kurt Burghardt, Erich Meinhold, Richard Peter sen. und Kurt Winkler vertreten. Acht großformatige Totenbilder von Richard Peter sen. werden eigens in einer Installation im Kuppelsaal des Museums präsentiert.

 

In der Ausstellung treten die Arbeiterfotografien in einen Dialog mit Malerei und Grafik der Neuen Sachlichkeit und des Kritischen Realismus. Ein Mittler zwischen den Welten war der Betonbauer Albert Hennig (1907–1998). Er wagte 1932 am Dessauer Bauhaus den Sprung vom proletarischen Amateurfotografen zum "Reklamemann". Als Künstler zu arbeiten, sollte ihm jedoch erst sehr viel später gelingen. Die Kunstsammlungen Zwickau bewahren Hennigs ebenso umfangreichen wie außergewöhnlichen Nachlass – darunter über 400 erstmals katalogisierte Fotografien, die im Archiv der Fotografen der Deutschen Fotothek online recherierbar sind. Eine Auswahl ist in der Ausstellung zu sehen.

 

Die Ausstellung gastiert bis 3. August in Zwickau, von August bis Oktober im Käthe-Kollwitz Museum Köln und ab März 2015 im Stadtmuseum Dresden.

Kommentare

sehr interesssant !
19.09.2017 13:35
Zugang zu Anchestry
19.09.2017 11:43
Lizenz
19.09.2017 11:14
Tolles Angebot - danke!
19.09.2017 09:18
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18.09.2017 23:53

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