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SLUBlog

Autor: Andrea Hammes

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Konzertprogramme im FID Musik – Experten beraten sich in der SLUB

Konzertprogramme und -daten nehmen in der musikwissenschaftlichen Forschung eine immer größere Rolle ein. So sind in den letzten Jahren verschiedenste Projekte entstanden, die einzelne Quellenkorpora erschließen und unter verschiedenen Forschungsperspektiven in den Blick nehmen – national genauso wie international. Was in Deutschland jedoch bislang fehlt, ist eine zentrale Infrastruktur, die die Ergebnisse dieser Einzelinitiativen unter einem Dach zusammenführt, als zentraler Sucheinstieg fungieren kann und vor allem die zusammengetragenen Daten langfristig sichert und vorhält. Um dieses Desiderat kümmert sich nun die SLUB Dresden im Rahmen des Fachinformationsdienstes Musikwissenschaft, den sie seit Januar 2017 gemeinschaftlich mit der Bayerischen Staatsbibliothek München betreibt.

 

Ziel des DFG-geförderten FID-Programms ist die bestmögliche Unterstützung der Spitzenforschung des Faches – deutschlandweit. Die Musikabteilung der SLUB beteiligt sich mit insgesamt drei Arbeitspaketen an der Ausgestaltung des Angebots und ist Ende Oktober dazu in einen intensiven Austausch mit internationalen Experten getreten: Im Rahmen eines zweitägigen Workshops wurde über die optimale Gestaltung einer Infrastruktur zu Erfassung und Recherche von sogenannten „Music Performance Ephemera“, also Konzertprogrammen, Postern, Rezensionen o.ä., beraten. Ergebnis soll eine Datenbank sein, die sich in Zukunft im Idealfall als ein zentraler Sucheinstieg für Konzertereignisse und ihre Nachweise in ganz Deutschland etabliert – von den Anfängen des Konzertwesens bis hin zur Gegenwart.

 

 

Die Gäste kamen aus aller Welt und vertreten internationale Projekte wie das Leipziger Repertoire Thomaner, Theater und Musik in Weimar, das schweizerische OnStage, das britische JazzCats oder das französische Dezède. Diskutiert wurden unter anderem wünschenswerte Sucheinstiege, Formatfragen, das Potential von Normdaten und der mögliche Einsatz von Citizen Science bzw. Crowdsourcing. Der Ertrag der intensiven Diskussionen und Gespräche fließt nun in die Konzeption der Datenbank ein. Seien Sie gespannt auf das Ergebnis!

 

Fotos: SLUB Dresden / Ramona Ahlers-Bergner

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Openness in (Musik-)Bibliotheken und Archiven

Wie können Wissen und Kulturgut der Wissenschaft und Öffentlichkeit in der digitalen Welt möglichst barrierefrei und offen zugänglich gemacht werden? Die Themenkreise der konsequenten Anwendung und Durchsetzung von Open Access, Open Source und Open Data treiben auch die SLUB Dresden seit langem um – die Verleihung der Open Library Badge 2016 ist deutliches Zeichen der verfolgten Strategie größtmöglicher Offenheit.

 

Doch gerade im Bereich der Musik sind der digitalen Bereitstellung von Materialien als Teil dieser Openness-Strategie Grenzen gesetzt – Urheber- und Leistungsschutzrechte bilden eine komplexe Gemengelage. Nichtsdestotrotz fördert die Musikabteilung der SLUB mit verschiedenen Projekten den Grundsatz, relevante Forschungsquellen und Materialien – sofern rechtlich möglich – unter freien Lizenzen digital zugänglich zu machen und damit Kulturgut nachhaltig zu sichern und zur Verfügung zu stellen. Die Ergebnisse dieser Bemühungen können in den Digitalen Sammlungen und der Digitalen Mediathek sowie in der Deutschen Digitalen Bibliothek rund um die Uhr und weltweit genutzt werden. Das „Archiv der Stimmen“ der Mediathek stellt beispielsweise mehr als 18.000 Tonaufnahmen aus der Schellackära und damit erstmals ein umfangreiches Korpus zur Interpretationsgeschichte von E-Musik bereit. Insgesamt sind in der Digitalen Mediathek bereits mehr als 36.000 digitalisierte Tondokumente verfügbar. Und die Bereitstellung historischer Notenmaterialien erreicht internationale Resonanz: Als Folge der unlängst abgeschlossenen Hofmusikprojekte, in deren Rahmen mehr als eine Million Seiten historischer Noten aus dem Umfeld des Dresdner Hofes digitalisiert wurden, sind beispielsweise bereits mehrere neue Werkausgaben erschienen und wichtige Forschungsergebnisse zu verzeichnen. So titelte der Vivaldi-Forscher Michael Talbot gerade erst „Eine weitere Fehlzuschreibung (und Wiederentdeckung) zu Vivaldi in Dresden“. Er lobt explizit die Digitalisierungsbemühungen der SLUB, auf deren Grundlage die vorgestellten neuen Erkenntnisse beruhen.

 

 

Karolin Schmahl, Expertin für Metadatenmanagement und Standardisierung, ist an der SLUB für die Betreuung der Fachstelle Mediathek-Ton der Deutschen Digitalen Bibliothek zuständig. Sie hat sich unlängst über Möglichkeiten und Probleme von digitalen „offenen Musikarchiven“ im Rahmen der Sendung „SWR2 Cluster“ mit Martin Hagen unterhalten und damit einen wichtigen Aspekt der sogenannten „Openness“ in Bibliotheken näher beleuchtet. Die Sendung steht in der Mediathek des Senders – und auch in der SLUB– zum Nachhören bereit. Viel Spaß beim Hören!

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Aus Dresdner Handschriften von Händel bis Telemann – Kammermusik vom Hofe August des Starken im Konzert

Ein weiteres Konzert im Programm zum 200jährigen Jubiläum der Musikabteilung der SLUB Dresden lädt zum Besuch ein: Am 25. November bringen Solisten des renommierten Dresdner Barockorchester Kammermusik vom Hofe Augusts des Starken zum Erklingen.

 

Dass die Hofkapelle des sächsischen Regenten und seines Sohnes eines der besten Orchester ihrer Zeit war, belegen nicht nur die Werke, welche die am Hof angestellten Musiker hinterließen. Die Bestände, die in der Musikabteilung der SLUB Dresden aufbewahrt werden, umfassen darüber hinaus eine Fülle von Instrumentalmusik der bekanntesten Komponisten dieser Zeit. Teils lieferten diese ihre Kompositionen selber an den Hof, andere Werke wurden von Musikern der Stadt zur Repertoireerweiterung für den Dresdner Gebrauch kopiert. Neben Solokonzerten mit Orchesterbegleitung war immer auch die Kammermusik vor erlesenem Publikum eine geschätzte Herausforderung für jeden Orchestermusiker – die die Musiker der Dresdner Kapelle, allesamt Virtuosen auf ihren Instrumenten, gerne annahmen. Dass demnach auch die Kammermusik im Dresden des 18. Jahrhunderts gepflegt wurde, zeigt das Konzert anhand repräsentativer Beispiele. Dabei wird deutlich, dass die kammermusikalischen Kompositionen in und aus Dresden ein ganz eigenes, durch den konzertant-virtuosen Orchesterstil beeinflusstes Gepräge hatten. Die Repertoireerweiterung durch Komponisten anderer Musikzentren zeigt die Weltoffenheit der Kapelle in dieser Zeit, die Dresdens herausragenden Rang als Musikstadt auch im Bereich der Kammermusik festigte.

 

Die Materialien des Hofkapellbestandes sind Teil der ehemals im sogenannten „Schrank II“ in der Dresdner Hofkirche aufbewahrten Instrumentalwerke der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die zum großen Teil aus dem Nachlass des Konzertmeisters Johann Georg Pisendel stammen. Es erklingt im Konzert eine Auswahl aus dem kammermusikalischen Bestand der Sammlung, darunter Werke von Georg Philipp Telemann und Georg Friedrich Händel, aber auch von heute unbekannteren Komponisten wie Melchior Hoffmann, der das Leipziger Collegium Musicum leitete, oder Johann Pfeiffer.

 

Die in der SLUB Dresden aufbewahrten Originale der Kompositionen werden am Konzertabend ausgestellt. Darüber hinaus ist der Gesamtbestand des „Schrank II“ jederzeit in den Digitalen Sammlungen der SLUB erlebbar – wir laden Sie ein zum Stöbern und Entdecken!

 

Konzert mit Solisten des Dresdner Barockorchesters

Freitag, 25. November 2016, 19.30 Uhr

Vortragssaal, SLUB Dresden

Eintritt frei. 

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Musik und Welterfahrung – Gespräch und Quellenpräsentation mit der Gambistin Juliane Laake

„Vom Besehn der frembden Länder“ – so lautet das Motto des diesjährigen Heinrich Schütz Musikfestes. Die SLUB Dresden beteiligt sich am Programm mit einem Gespräch mit Quellenpräsentation, das im Nachgang eines Konzerts der Gambistin Juliane Laake (11. Oktober, Palais im Großen Garten) stattfinden wird. Das „Besehn der frembden Länder“ wird am 12. Oktober weitergesponnen: Zusammen mit Dr. Barbara Wiermann, der Leiterin der Musikabteilung, wird Juliane Laake am Nachmittag unter dem Titel „Musik und Welterfahrung“ in der SLUB auf eine Reise durch Vergangenheit und Gegenwart gehen. Unter anderem spüren sie den Wegen von Musik im 17. Jahrhundert nach und werfen Fragen zur Mobilität von musikalischen Ideen, Handschriften, Sammlungen, Gattungen, Musikern und Instrumenten auf. Neben der Frage, wie kultureller Austausch das Gambenrepertoire historisch bereicherte, wird jedoch auch die "Welterfahrung" der heutigen Interpretin anklingen. Die Herausforderungen beim Heben von unbekannten Schätzen der Gambenliteratur in den Bibliotheken der Welt spielen dabei ebenso eine Rolle wie Fragen zum interpretatorischen Umgang mit dem historischen Quellenmaterial.

 

Die dazu präsentierten originalen Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts aus den wertvollen Beständen der Musikabteilung der SLUB knüpfen über das sogenannte "Berliner Gambenbuch" die Verbindung zum Konzert des Vortages. Entstanden im 17. Jahrhundert wohl in der Region Berlin-Brandenburg und heute aufbewahrt in der Französischen Nationalbibliothek, legt es Zeugnis von den weitgespannten musikalischen Kontakten im Europa des 17. Jahrhunderts ab. Diese verdanken sich vor allem der Initiative des Brandenburger Kurfürsten Friedrich Wilhelm, selbst Gambenspieler, der während seiner Regierungszeit – in die die Entstehung des Buchs fällt – die berühmtesten Gambenspieler aller Länder an seinem Hof versammelte und so für eine internationale Atmosphäre sorgte. Gerade, weil außerhalb Englands nur verschwindend wenige Sammlungen mit Werken für die Sologambe aus dem 17. Jahrhundert bekannt sind, ist die Sammlung des im Konzert vorgestellten Berliner Gambenbuchs so einzigartig. Das Digitalisat ist mittlerweile online verfügbar und wird im Gespräch mit Dresdner Quellen in Bezug gesetzt.

 

Kommen Sie mit uns auf die Reise!

 

Gespräch mit Quellenpräsentation mit der Gambistin Juliane Laake

Mittwoch, 12. Oktober 2016, 17 Uhr
Talleyrandzimmer, SLUB Dresden
Eintritt frei

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Zwei Quellen, viel Futter für die Forschung – Annaberger Chorbücher digital

Als besonders wichtige Saxonica zur Kirchenmusik im 16. Jahrhundert gelten die beiden „Annaberger Chorbücher“, die als kirchliche Gebrauchshandschriften faszinierende Einblicke in die Musikpflege im Reformationszeitalter geben. Nun konnten die Bände, die zu den besonderen Schätzen der Musikabteilung gehören, im Rahmen des Landesdigitalisierungsprogramms digitalisiert werden. Ab sofort steht ihre elektronische Version der Öffentlichkeit in den Digitalen Sammlungen der SLUB zur freien Verfügung.


Die Entstehung der Sammelhandschriften (auch als Annaberger Chorbuch I bzw. II bezeichnet; SLUB-Signaturen Mus.1-D-505 bzw. Mus.1-D-506) fällt wohl in das frühe 16. Jahrhundert, ist also vermutlich noch vorreformatorisch. Dafür sprechen Komponistennamen wie Antoine Brumel, Loyset Compère, Alexander Agricola, Heinrich Isaac oder Josquin Desprez und der katholisch geprägte Inhalt. Beide Kodizes bieten nämlich eine bunte Mischung meist vierstimmiger lateinischer Kirchenmusik: Messen, einzelne Messsätze, Magnificat-Vertonungen, Motetten sowie eine Sammlung von Hymnen und Introitus-Kompositionen. Zwar wurde die Reformation im albertinischen Sachsen, so auch in Annaberg, erst im Jahr 1539 eingeführt, doch sind die Chorbücher wohl trotzdem nicht für das 1519 geweihte Gotteshaus geschaffen worden, sondern als Teil eines größeren Quellenkomplexes, der "die kursächsisch-ernestinische Hofmusikpflege um und nach 1500“ (Steude) widerspiegelt, schon früher im ernestinischen Sachsen, eventuell in Wittenberg, entstanden. Dort durch die Reformation unbrauchbar geworden, gelangten die Bände nach Annaberg. Bis 1968 gehörten die Chorbücher der Kirchenbibliothek von St. Annen, bevor sie in den Bestand der damaligen SLB übergingen. Nach ihrer Restaurierung (1969/70) und Digitalisierung sind sie nun auf verschiedenem Weg erleb- und erfahrbar: Virtuell in Form hochwertiger Digitalisate, das Original kann in der Schatzkammer der SLUB neben weiteren Schätzen aus der Sammlung des Hauses betrachtet werden.


Nachdem das Annaberger Chorbuch II seit 2010 in einer textkritischen Edition innerhalb der von Prof. Dr. Wolfgang Horn betreuten Reihe „Erbe deutscher Musik“ vorliegt, soll in Kürze eine Neuausgabe des Chorbuchs I folgen. Vom Zusammenspiel zwischen Original und Quellenkritik sind neue Impulse für die Forschung zu erhoffen, zum Beispiel durch Identifizierung weiterer anonym überlieferter Werke, die in beiden Bänden nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind.

Kommentare

Ein interessanter Abend
22.11.2017 08:50
hak
20.11.2017 10:31
Mastodon
17.11.2017 13:10
Seid ihr auch auf Mastodon (ev...
17.11.2017 12:12
Zukunft?
08.11.2017 11:00

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