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SLUBlog

Autor: Elisabeth Geldmacher

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NS-Raubgut: Restitution an die Erben von Irene Kirschstein

Im aktuellen Provenienzforschungsprojekt zu sekundärem Raubgut an der SLUB konnte ein weiteres Buch an die Erben in der NS-Zeit verfolgter Familien zurückgegeben werden. Anhand eines erhaltenen Autogramms konnte das Buch "Jugend von heute" von Otto Ernst seiner ehemaligen Besitzerin Irene Kirschstein zugeordnet werden. Ende Juni 2018 erfolgte die Rückgabe an den Enkel.

 

Das Buch war zum Kriegsende 1945 Teil der Privatbibliothek eines Gärtnereibesitzers aus Brockwitz. Als dieser wegen seiner Nähe zum nationalsozialistischen Regime enteignet wurde, gelangten Teile seiner Büchersammlung in die Sächsische Landesbibliothek. Andere Fälle (Familie Kaps, Max Geyer) indizierten, dass die Bibliothek Verdachtsfälle auf NS-Raubgut enthält. Der Vergleich des Autogramms „Irene Kirschstein“ mit den Namen bekannter verfolgter Juden aus Dresden ließ einen erhöhten Verdacht entstehen.

 

Autogramm Irene Kirschstein (SLUB/ Deutsche Fotothek)

 

Zum Leben Irene Kischsteins

 

Am 14. Januar 1889 wurde Rose Irene Brasch als Tochter des Kaufmanns Moritz Marius Brasch und dessen Frau Charlotte, geb. Feldmann, in Dresden geboren. Zusammen mit dem aus Berlin stammenden Hans Kirschstein, den sie am 22. April 1919 geheiratet hatte, bekam sie zwei Kinder: Charlotte (1920–2008) und Peter (1922-?). Die Familie lebte auf der Wintergartenstraße 19 in Dresden. Hans Kirschstein führte die Tapisseriefabrik Kirschstein & Co GmbH, die sich zuletzt auf der Elisenstraße 20 befand und 1938 arisiert wurde.

 

Eintrag der Tapisseriefabrik Kirschstein & Co GmbH im Dresdner Adressbuch (1924/25).

 

 

Eintrag Hans Kirschsteins im Dresdner Adressbuch (1939).

 

 

 

Peter Kirschstein arbeitete in Leipzig in der Pelzbranche, bis er sich im Landwerk Neuendorf/Fürstenwalde auf die Emigration nach Palästina vorbereitete.

 

 

„Wahrscheinlich letzter Brief. Mach Euch keine Sorge bin stark und mutig. Meine Gedanken bleiben ständig bei Euch. Seid innig umarmt und geküßt von Eurem Mops.“ (Quelle: Buch der Erinnerung, S. 188.)

 

Diese Worte vom April 1943 sind die letzte Nachricht Peter Kirschsteins an seine Eltern Hans und Irene und seine Schwester Charlotte. Im September 1943 befand er sich bereits im Konzentrationslager Auschwitz, wo er mit großer Sicherheit ermordet wurde. Den anderen Familienmitgliedern gelang 1939 die Emigration nach La Paz, Bolivien. Hans Kirschstein verstarb 1960 in Bolivien, Irene Kirschstein im April 1973 in Frankfurt am Main.

 

Zwar konnte bisher nicht genau nachgezeichnet werden, auf welchem Weg das Buch von Irene Kirschstein in die Privatbibliothek des Brockwitzer Gärtnereibesitzers gelangte. Aufgrund der Verfolgungsgeschichte der Familie Kirschstein und der anderen Raubgut-Funde in der Büchersammlung entschied sich die SLUB zur Restitution. Dank der Unterstützung von Mitarbeitenden des Dresdner Gedenkbuchprojektes konnte Kontakt zu den Angeörigen Irene Kirschsteins hergestellt werden. Durch die Rückgabe des Buches mit dem Autogramm Irene Kirschsteins Ende Juni 2018 an ihren Enkel befindet es sich nun an seinem rechtmäßigen Ort.

 

Der Text wurde verfasst von den MitarbeiterInnen des Projektes "NS-Raubgut in der SLUB - Erwerbungen nach 1945": Elisabeth Geldmacher, Nadine Kulbe und Robin Reschke. Das Projekt wird gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste.

 

 

Kleines Bild: Peter Kirschstein (Quelle: Buch der Erinnerung, S. 187.)

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