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SLUBlog

Autor: Frank Aurich

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Kriegsbedingt verlagertes Kulturgut: Deutschland gibt spätmittelalterliche Handschrift an Polen zurück

Das Auswärtige Amt und der Freistaat Sachsen sind übereingekommen, eine lateinische Handschrift von Predigten aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts an Polen zurückzugeben. Das Werk wird seit 1958  in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) aufbewahrt. Die Modalitäten der Rückgabe werden zwischen den Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und Polens abgestimmt.

 

Bei der Handschrift handelt es sich um einen theologischen Sammelband polnischer Herkunft mit dem Titel "Sermones de tempore", der noch im 15. Jahrhundert in die Sammlung der Vikariatsbibliothek beim Kollegiatstift Wiślica gehörte. Er wurde Ende 1944 von deutschen Stellen aus der Polnischen Nationalbibliothek in Warschau entnommen und nach Görbitsch bei Frankfurt/Oder verbracht. Dort beschlagnahmten sowjetische Truppen nach Kriegsende das Werk und verbrachten es nach Moskau. 1958 übergab die Sowjetunion die Handschrift zusammen mit einer Reihe von aus Dresden stammenden Sammlungen an die damalige DDR – wie sich nun herausgestellt hat irrtümlich.

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SLUB unterstützt Erste Brandenburgische Landesaussstellung in Doberlug-Kirchhain als Leihgeber

Aus Anlass des  200. Jubiläums des Wiener Kongresses von 1814/15 veranstaltet das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Doberlug-Kirchhain die Erste Brandenburgische Landesausstellung. Unter dem Titel »Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft« wird das historisch schwierige Nebeneinander von Sachsen und Preußen dargestellt. Die SLUB unterstützt die Ausstellung mit zahlreichen Leihgaben und zeigt damit, dass sie eine gute Nachbarschaft zwischen den Bundesländern pflegt.

 

Unter den Leihgaben befindet sich ein von Anton Graff (1736-1813) gemaltes Portrait des Direktors der Kurfürstlichen Bibliothek in Dresden und Sprachwissenschaftlers Johann Christoph Adelung (1732-1806). Adelung vertrat in seiner Zeit und seinen grammatischen und lexikographischen Werken die These, dass in der obersächsischen Sprache ein Standarddeutsch zu sehen sei und geriet darüber mit Gelehrten der Zeit z.B. Christoph Martin Wieland (1733-1813) in öffentlichen Streit. Auch diese Frage war Gegenstand sächsisch-preußischer Differenzen und wird deshalb heute in der Ersten Brandenburgischen Landesausstellung behandelt.

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Meilenstein! 22.222 Karten und Ansichten im Kartenforum online

Was in Vorbereitung des 800jährigen Dresdner Stadtjubiläums 2006 mit der Digitalisierung von 100 Karten und Ansichten von Dresden aus dem 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert begann, hat in der Folgezeit eine geradezu rasante Fortsetzung erfahren. Nunmehr stehen 22.222 Karten und topographische Ansichten im Kartenforum online zur Verfügung.

 

 

"La Chaine du Mont-Blanc" im Maßstab 1:50'000 ist unsere 22.222 digitalisierte Karte. Der Schweizer Xaver Imfeld war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einer der bedeutendsten Kartographen. Seine Reliefkarten gelten als Meilensteine und belegen, wie die dreidimensionale Gestalt der Erdoberfläche in einer zweidimensionalen Darstellung wiedergegeben werden kann. Die 1890 beauftragte Karte "La Chaine du Mont-Blanc" ist ein Meisterwerk dieser Darstellung. Überaus plastisch erkennt man die Abbildung des hochalpines Gletschergebietes.

 

22.222 digitale Karten bedürfen immer besserer Recherche- und Differenzierungsinstrumente. Mit einer facettierten Suche und der optionalen Einblendung einer Timeline werden Recherchen heute wirksam unterstützt.

 

Mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft erfolgte bis 2011 im Rahmen des DFG-Projekts "Exemplarische Digitalisierung und Erschließung historischer Karten und Ansichten der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und weiterer Einrichtungen" der weitere kontinuierliche Ausbau des Informationsportals "Kartenforum". Mit Beständen aus drei wichtigen Partnereinrichtungen - Sächsisches Staatsarchiv, Bibliothek der TU Bergakademie Freiberg sowie der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften Görlitz - wurde das dabei Kartenforum qualitativ sinnvoll ergänzt und auch quantitativ mit 12.400 digitalisierten Karten und Ansichten entscheidend erweitert.

 

Dem Makel, dass dieser umfangreiche digitale Kartenbestand, bislang nicht georeferenziert und somit nicht per interoperabler Dienste verfügbar ist, wird aktuell in einem weiteren von der DFG geförderten Forschungsprojekt "Kartenforum 2.0" abgeholfen. Dessen Ziel ist nicht nur die Georeferenzierung der Digitalisate, sondern die parallele Entwicklung einer betriebsfähigen virtuellen Arbeitsplattform. Diese soll Forschern künftig die Möglichkeit bieten, Karten nach ihren räumlichen Bezügen zu recherchieren und in ihrer eigenen Arbeitsumgebung zu visualisieren.

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SLUB übergibt NS-Raubgut an Nachkommen von Sigmund Waldes

Mehr als 70 Jahre nach der Beschlagnahmung durch die Nationalsozialisten haben in der vergangenen Woche 159 Bücher mit ihrer Rückgabe an die Erben von Sigmund Waldes (geb. 1877 in Prag, gest. 1961 in Maspeth/Long Island - USA) ihren Weg zu den rechtmäßigen Eigentümern gefunden.

 

Die Brüder Sigmund und Heinrich Waldes waren als Fabrikanten von Knöpfen mit Werkstätten in Prag, Dresden, Long Island und der Schweiz über Deutschland hinaus tätig und angesehen. Sigmund Waldes war seit 1908 einer der Gesellschafter des Werkes in Dresden, in der Kleinen Plauenschen Gasse Nr. 37/43. Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialistische Regierung in Deutschland war er nach Paris gegangen und später über Barcelona nach New York ausgewandert, wo er die dortige Filiale übernahm und zum Hauptsitz ausbaute. Sigmund Waldes starb 1961.

 

Begonnen hat der lange Weg der Bücher im Jahr 1938, als die Sammlung bibliophiler Drucke des 19. und 20. Jahrhunderts in Dresden beschlagnahmt und über einen Zwischenhändler im Jahr 1941 an die Sächsische Landesbibliothek verkauft wurde. Mehr als sechs Jahrzehnte später, im Jahr 2001, nutzte die SLUB das Portal www.lostart.de, um die Existenz der Sammlung in der Rubrik Fundmeldungen anzuzeigen, und berichtete in der Fachpresse über die Sammlung im Kontext schon erfolgter Rückgaben jüdischen Eigentums. 

 

Ein Kontakt zu den Erben kam erst Jahre später durch einen in Berlin lebenden amerikanischen Bürger zustande, der über diesen Aufsatz und den Eintrag in lostart.de aufmerksam wurde. Durch diesen Kontakt ist es der SLUB nunmehr möglich, in Entsprechung der Grundsätze der Washingtoner Konferenz aus dem Jahr 1998 in Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden ("Washington Principles") diese Bücher aus dem jüdischen Eigentum von Sigmund Waldes zu restituieren. Die Übergabe fand in der vergangenen Woche an die Vertreter der Erben in den Räumen der SLUB statt. (Foto)

 

Näheres zur Provenienzforschung in der SLUB und zum Umgang mit NS-Raubgut erfahren Sie unter https://nsraubgut.slub-dresden.de/ns-raubgut/

 

Der Sammlungsleiter Frank Aurich und zwei Vertreter der Erben bei der Übergabe der Bände