1. SLUB Dresden
  2. SLUBlog

SLUBlog

Autor: Julia Meyer

Ansichten: 142
0

Mit der AfD in die Herbstferien - Buchempfehlung "Endland"

Während die einen sich für das neue Semester startklar machen, gehen die anderen in die Herbstferien. Aus dem SLUB-Fachreferat Kinder- und Jugendbuch kommt deshalb zum Ferienbeginn eine Buchempfehlung für junge Leser sowie für Lehrkräfte im Fach Deutsch oder Politik – und zugleich für alle, die sich nach der U18-Wahl in Sachsen fragen: Warum wählen unsere Kinder die AfD in vielen Wahlkreisen zur stärksten Partei?

 

„Sich ein Land vorzustellen, in dem die AFD die Macht hat? Ein interessantes Gedankenexperiment!“, befand DIE ZEIT in ihrer Rezension des Jugendromans Endland wenige Tage vor der Bundestagswahl. Heute sehen wir dieses Szenario in greifbare Nähe gerückt. Der Journalist und promovierte Politikwissenschaftler Martin Schäuble führt es uns vor Augen.

 

Sein dystopischer Science-Fiction-Thriller spielt in Endland, das sich in den drei Jahren, nachdem die Partei Nationale Alternative an die Regierung gewählt wurde, bereits deutlich verändert hat. Der junge Soldat Anton bewacht die Grenzmauer, die Endland nun umschließt. Begeistert von der Nationalen Alternative und vom Selbstbewusstsein seines Landes radikalisiert er sich zunehmend. Seinem besten Freund Noah ist diese Politik verhasst, die Flüchtlingen keinen Schutz mehr bietet. Im letzten noch verbliebenen Flüchtlingslager Endlands lebt Fana, die nach ihrer Flucht aus Äthiopien ausgerechnet auf Anton trifft und sich mit ihm anfreundet. Als Anton einen tödlichen Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft ausführen soll, ist er gezwungen, sich zu entscheiden: für eine nationale Ideologie oder für seine Freunde.

 

Martin Schäuble, dessen Bücher wie Die Geschichte der Israelis und Palästinenser oder Black Box Dschihad stets auf den Empfehlungslisten für Jugendliteratur stehen, ist als Journalist an seinen Themen ganz nah dran. Er erlernte sein schriftstellerisches Handwerk als Volontär der Chemnitzer Freien Presse, wo er anschließend als Nachrichtenredakteur schrieb. Auch wenn der inzwischen vielfach prämierte Sachbuchautor nun bereits seinen zweiten Jugendroman vorlegt, verzichtet er beim Schreiben fiktiver Texte nie auf journalistische Recherche.

 

In Interviews für den Hanser Verlag sowie für den Radiosender rbb berichtet Schäuble ausführlich von seinen Vorbereitungen für „Endland“: „Ich habe in den rechten Milieus recherchiert, Pegida besucht, an Parteiveranstaltungen teilgenommen, mit Sympathisanten gesprochen und mit Mitgliedern. Ich bin nach Äthiopien gereist und habe dort wie hier mit Flüchtlingen aus den verschiedensten Ländern gesprochen.“

 

Wer mag, führt Schäubles "Gedankenexperiment“ weiter aus und fragt nach der Rolle wissenschaftlicher Bibliotheken wie der SLUB in Endland. Welche Maßnahmen werden wir dort ergreifen, um das „Deutsche Leitbild“ als bildungs- und kulturpolitischen Auftrag umzusetzen? Ob wir als Landesbibliothek weiterhin sämtliche Publikationen aus Sachsen archivieren? Als sogenanntes „Pflichtexemplar“ kam die 2001 im Eigenverlag veröffentlichte Studie von Martin Schäuble über die Sächsische Schweiz in unseren Bestand. Der Titel Rausgehasst. Rassismus und Neonazi-Terror in einer Touristenidylle ist zwar nicht im Buchhandel lieferbar und wird weder auf der Website des Autors noch in seinem Wikipedia-Artikel genannt, steht aber in der SLUB ausleihbar für Sie bereit.

 

Mit diesen Lektüreempfehlungen wünschen wir allen Schülern, Lehrern und Eltern schöne Herbstferien. Vielleicht gehen Sie mal wieder in der Sächsischen Schweiz wandern? Berg Heil!

 

Autorenfoto: www.stephan-roehl.de

Ansichten: 342
2

Iranische Poesie in Deutschland. Zweisprachige Lesung und Workshop am 21.6., 18.00 Uhr, SLUB

Was jeweils als Tabu und Grenzüberschreitung gilt, kann in verschiedenen Kulturen ganz unterschiedlich definiert werden. Wenn Menschen fremder Kulturen zusammenkommen, gerät die Unkenntnis über die Tabus der Anderen leicht zum Stolperstein in der Kommunikation.

 

Als Rahmenprogramm zur wissenschaftlichen Tagung Taboo and Transgression  veranstaltet die SLUB eine öffentliche Autorenlesung samt Workshop zur zeitgenössischen persischen Literatur.  Zu Gast sind die in Deutschland lebende iranische Autorin Massumeh Ziai sowie der Übersetzer und ehrenamtliche Mitarbeiter der SLUB Lotfali Semino. Sie stellen iranische Kurzprosa und Lyrik vor, darunter auch die Romane Tarlan und Kellervogel der jüngst mit dem Liberaturpreis 2017 ausgezeichneten Autorin Fariba Vafi,  und erläutern im Publikumsgespräch den interkulturellen Kontext.

 

Der Workshop greift die Themenstellung der Tagung auf und befragt Autoren und Übersetzer nach Tabu und Grenzüberschreitung in den jeweiligen Literaturen sowie nach der Herausforderung, wie das Nichtsagbare zu übertragen sei. Das Brechen von Tabus kann auch eine spezifische Komik in der Literatur erzeugen, so dass der Abend nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam wird.

 

Zentralbibliothek, Zellescher Weg 18, Vortragssaal der Zentralbibliothek, Zellescher Weg 18

Ansichten: 247
0

Youtube-Star Firas Alshater: Ich komm auf Dresden zu. Autorenlesung am 22.6., 20.00 Uhr, SLUB

Seine süßen Zukar-Stückchen wie Was ist deutsche Leitkultur? oder Wer sind diese Deutschen erlangten Clickraten von über 2,5 Millionen. Firas Alshater ist ein Youtube-Star im Genre der Comedy. Der 26-jährige Schauspieler und Filmemacher regt künstlerisch den interkulturellen Dialog an und führt uns mit entwaffnender Heiterkeit deutsche Stereotype vor Augen.
Vor drei Jahren kam er selbst aus Syrien nach Berlin und erzählt nun in seiner Autobiografie Ich komm auf Deutschland zu von ganz persönlichen Momenten des Ankommens. Auf seiner Deutschland-Tournee ist er zu Gast in der SLUB und liest im Rahmen der vom ZfI ausgerichteten wissenschaftlichen Tagung Taboo and Transgression aus seinem Buch. Das lokale und internationale Publikum ist eingeladen, die Herausforderungen und Potenziale des Multikulti-Miteinanders zu diskutieren - und gemeinsam herzhaft darüber zu lachen.

 

Ansichten: 193
0

Neuer Veranstaltungskalender bündelt Angebote zum Wissenschaftlichen Schreiben

Beleg, Protokoll, Seminararbeit, Bachelor- oder Masterarbeit - im Studium erworbenes Wissen muss als Prüfungsleistung verschriftlicht werden. Doch geben die formalen Vorgaben für die wissenschaftlichen Arbeiten keine Auskunft darüber, was einen guten Text und einen guten Stil ausmacht. Dabei ist wissenschaftliches Schreiben erlernbar und kann trainiert werden. Weil der Bedarf an derartigen Services groß ist, bündelt das neu gegründete Netzwerk Schreiben seine Angebote zur Schreibberatung in einem gemeinsamen Veranstaltungskalender. Nach dem Studium wachsen die Herausforderungen für Nachwuchswissenschaftler beim Verfassen von Dissertation, Fachartikeln und komplexen Projektanträgen zur Drittmittelförderung. Auch dafür bietet das Netzwerk Schreiben spezielle Workshops und Beratung. Dank der differenzierten Suchfunktion des Kalenders finden Studierende, Promovierende, Postdocs sowie Lehrende nun leichter das auf Ihre individuellen Wünsche passende Angebot und können sich dafür auch gleich anmelden.

 

Zu den Netzwerkpartnern zählen neben der SLUB das Schreibzentrum an der TU Dresden sowie die Schreibwerkstatt in der Graduiertenakademie. Um ihre Angebote aufeinander abzustimmen und Synergien zu nutzen, versammeln sich unter dem Dach der SLUB alle an der TU Dresden beratenden Schreibcoaches. Sie treffen sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch und präsentieren nun erstmalig die breite Palette ihrer Kurse gebündelt.

 

 

 

Ansichten: 132
0

Ehrenpreis für Toleranz an Elif Shafak

Meine Türkei ist so tot wie meine Großmutter, klagte Elif Shafak bereits im Januar, vor dem Referendum. Wie zur Bestärkung gewann die türkische Schriftstellerin nun den diesjährigen Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln. Shafak zählt zu den meistgelesenen Schriftstellerinnen in der Türkei, auch wenn ihre Werke dort wie die ihrer Freundin Asli Erdogan heftig umstritten sind, wie sie im Interview für den Deutschlandfunk berichtete. Shafak studierte Internationale Beziehungen an der Technischen Universität des Nahen Ostens in Ankara, erhielt einen »Master of Sciences in Gender and Women's Studies« und promovierte an derselben Universität. Die preisgekrönte Autorin schreibt auf Türkisch und auf Englisch und veröffentlichte bereits 13 Bücher, darunter Ehre (2014) und  Der Geruch des Paradieses (2016), das in der Türkei sofort auf Platz 1 der Bestsellerliste kletterte. Ihre Bücher erscheinen in über dreißig Ländern, die deutschsprachigen im Verlag Kein und Aber. Heute lebt die Autorin mit ihrem Mann und zwei Kindern in London und in Instanbul. Ihre deutschsprachigen Übersetzungen sind im Referenzbestand Interkulturalität der SLUB ausleihbar, lediglich die arabischsprachige Ausgabe von Die vierzig Geheimnisse der Liebe ist zur Zeit entliehen.

 

Der Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels ist mit 10.000 Euro dotiert und wird seit 1990 vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels (HVB) und dem Fachverband Buch- und Medienwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) ausgerichtet. Unter den Preisträgern waren bisher Christine Nöstlinger, Sir Peter Ustinov, Josef Haslinger, Karl-Markus Gauß, Ilse Aichinger, Konrad Paul Liessmann, Erich Hackl, Barbara Frischmuth, Klaus Wagenbach, Martin Pollackund  Erika Pluhar.

 

Elif Shafak © Inci Cabir

 

 

 

Social Media

Youtube Flickr

Kopieren Sie diesen Link in Ihren RSS-Reader

RSS 2.0 Nachrichten