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Autor: Katrin Bicher

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Kriegsspuren - dokumentiert. Quellenpräsentation im Rahmen des Heinrich Schütz Musikfestes

Die Präsentation von (musikalischen) Quellen der Barock-Zeit ist mittlerweile fester Bestandteil des Heinrich Schütz Musikfests. In diesem Jahr steht dieses unter dem Thema "Verley uns frieden".

 

Seit jeher prägen Kriege die Kulturgeschichte der Menschheit. Künstlerisch gefasst und historiographisch verarbeitet, wird der Krieg in Liedern, Epen, Chroniken, Bildern, Monumenten bezeugt. Seine Spuren hinterlässt er dabei nicht nur als Motiv, sondern ganz existenziell auch am Material der Überlieferung. 

In diesem Jahr gedenken wir mehrerer Kriege und ihrer Folgen - ein wichtiger Bezugspunkt der Erinnerung sind dabei die Auseinandersetzungen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, denen sich auch das diesjährige Heinrich Schütz Musikfest unter der Überschrift "Verley uns Frieden" widmet. Kriegsspuren sind deshalb Leitfaden einer Präsentation von Quellen aus dem Bestand der SLUB im Rahmen dieses Festivals: Äußeren Kriegszeichen, wie Materialschäden und dem restauratorischen Umgang mit ihnen, aber auch motivischen Einflüssen, dem künstlerischen Verarbeiten der Kriegserfahrungen, in Quellen des 17. bis 21. Jahrhunderts gehen Katrin Bicher (Musikabteilung) und Dominik Stoltz (Abteilung Handschriften und Alte Drucke) im Gespräch mit Arno Paduch (Zinkenist, Leiter des Johann-Rosenmüller-Ensembles) nach.

 

 

Thomas Strutius: Verleih uns Frieden gnädiglich - Mus.1914-E-500

 

Ergänzt wird die Präsentation von und das Gespräch über die Quellen durch eine Führung durch die Restaurierungswerkstätten der SLUB.

 

Kriegsspuren - dokumentiert: Quellenpräsentation - Gespräch - Führung durch die Restaurierungswerkstatt

Mittwoch, 10. Oktober 2018, 17 Uhr
Zentralbibliothek, Zellescher Weg 18, Talleyrand-Zimmer

Der Eintritt ist frei. Bitte melden Sie sich hier an.

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470 Jahre Hof- und Staatskapelle Dresden: Herzlichen Glückwunsch!

Am 22. September 1548, seinem Namenstag, unterzeichnete Kurfürst Moritz von Sachsen eine Cantoreyordnung, die der Musik am Dresdner Hof eine neue Wertigkeit bescheinigte. Mindestens elf „große Personen zum Baß, Alt und Tenor“ und neun „Knaben zum Diskant“ sollten fortan unter anderem Gottesdienste, Tafel- und Hoffeste musikalisch ausschmücken.

Damit verfügte das territorialpolitisch ambitionierte albertinische Haus über ein ausstrahlungskräftiges Instrument zur Demonstration seiner Macht und Herrschaftsansprüche nach außen und innen. Über alle - z.T. katastrophalen - Zeitläufe hinweg, wurde dieses Ensemble erhalten und diente der kulturellen Repräsentation des Hofes und später des Landes bis heute.

Die Beurkundung der Dresdner Hof- (heutigen Staats-)kapelle durch Moritz jährt sich nun zum 470. Mal und gibt damit Zeugnis über die älteste ununterbrochen aktive Kapelle – der wir alles Gute zum Geburtstag zurufen und wünschen, die nächsten Jahrhunderte mögen von ebenso viel Vitalität und Engagement für die jeweils aktuelle Musik geprägt sein, wie die vergangenen. Diese Geschichte der Staatskapelle lässt sich in ihren Quellen, die zum Bestand der SLUB gehören, auf das Beste nachvollziehen: Auch wenn ein großer Teil der älteren Kapellmusikalien 1763 zerstört worden sind, ist das Repertoire in Abschriften überliefert (die übrigens anzeigen, wie weit das Dresdner Musikleben als Vorbild reichte). Die jüngeren Notenbestände sind in mehreren Etappen in die Königliche Bibliothek, die Vorgängereinrichtung der SLUB, gelangt. Die Musikalien des sogenannten Schrank II oder des Opernarchivs belegen, digital zugänglich, beredt die Qualität der Kapelle, die Heinrich Schütz als „Liecht unter [anderen] Capellen“ pries, die Jean Jaques Rousseau 1767 in seinem Dictionnaire de musique als „das vollendetste und am besten zusammengesetzte Ensemble“ bezeichnete, von der Beethoven schrieb, „man hört allgemein, dass die Hofkapelle in Dresden die beste in Europa sey“, die Richard Strauss als „das beste Opernorchester der Welt“ rühmte, und deren hervorragenden Leumund man beliebig bis in die Gegenwart zitieren könnte.

Die Musikabteilung der SLUB als Aufbewahrungsort ihrer musikalischen Quellen bietet nicht nur optimale Bedingungen zur Bestandserhaltung dieses Erbes, sie kann durch ihre Infrastruktur auch den bestmöglichen Zugang zu den Zeugnissen der Musikgeschichte bieten. So werden derzeit beispielsweise die Aufführungsmaterialien des frühen 20. Jahrhunderts im Rahmen des LDP digitalisiert und geben demnächst über sachsen.digital jedem Interessierten neue Auskünfte zu Fragen der Interpretations-, Institutions- und Sozialgeschichte der Musik in Dresden. Unserem Glückwunsch zum Geburtstag schließen wir deshalb einen Dank für die gute Zusammenarbeit an und freuen uns auf die nächsten Projekte zur gemeinsamen Dokumentation der facettenreichen Kapellgeschichte.

 

Musikalien der Kapelle aus dem Schrank II und dem Opernarchiv hofmusik.slub-dresden.de

Die Deutsche Fotothek bietet zahlreiche Bilddokumente der Sächsischen Staatskapelle

 

 

Der Beitrag wurde von Katrin Bicher und Cynthia Meißner verfasst.

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"Träne[n] in der Puccini-Stimme" – zum Todestag von Elfride Trötschel

Vor 60 Jahren, am 20. Juni 1958, starb die Dresdner Opernsängerin Elfride Trötschel. Ihre Stimme aber bleibt unsterblich – zum Beispiel in der Mediathek der SLUB. Hinterlassen hat Elfride Trötschel neben vielen Erinnerungen vor allem einige Aufnahmen. In ihnen wird die Faszination, die sie auf ihre Zeitgenossen ausübte, unmittelbar erlebbar – hören Sie selbst:

 

Elfride Trötschel und Lorenz Fehenberger in Puccinis "La Boheme";
Abspielen mit Klick auf das Bild.

 

Die Deutsche Fotothek gibt Ihnen dazu einen interessanten Einblick in ihr Leben auf und hinter der Bühne – in Reihen wie dem "Porträt der Kammersängerin Elfride Trötschel mit ihrem Sohn", "Szenenbilder[n] aus "La Bohème von G. Puccini" oder in Bildern der "Erste[n] Premiere und Dresdner Nachkriegsinszenierung der Oper "Fidelio" von Beethoven anläßlich der Wiedereröffnung des Großen Hauses der Staatstheater Dresden." Gleichmaßen bilden die Programmheftsammlungen einen beredtes Zeugnis ihres Wirkens.

 

Zum Leben Elfride Trötschels

 

1913 in Dresden in eine Musikerfamilie hineingeboren, verlor Elfride Trötschel mit neun Jahren ihre Eltern. Nachdem sie in ihrer Pflegefamilie emotional stark vernachlässigt worden war, brachte ihr erst der Wechsel in eine andere Familie nach mehreren Jahren das Gefühl von Heimat und Sicherheit wieder. Sicherheit und Heimat fand sie auch im Ensemble des Dresdner Opernchores, wo sie nach einer Gesangsausbildung, u.a. durch Paul Schöffler, Bariton der Dresdner Staatsoper, 1931 als Mitglied aufgenommen wurde. Dort auch entdeckte Karl Böhm, Dirigent der Dresdner Oper, 1934 ihren lyrischen Sopran und engagierte sie als Solistin. Sofort schloss das Dresdner Publikum die Sängerin mit der "Träne in der Puccini-Stimme", wie Joseph Keilberth (Dirigent der Dresdner Oper 1945-1949) die ergreifende Wirkung Elfride Trötschels beschrieben haben soll, in sein Herz - und entließ sie eigentlich nie wieder. Auch, wenn sie 1948 ein Engagement Walter Felsensteins an die Komische Oper in Berlin annahm, auch, wenn sie eine international beachtete Karriere als Konzertsängerin mit Gastspielen in aller Welt gestaltete, auch, wenn sie sich Anfang der 1950er Jahre an die West-Berliner Städtische Oper verpflichtete – das Dresdner Publikum erkannte in Elfride Trötschel immer eine der ihren. Etwas lag in ihrer Stimme, das ihre Zeitgenossen zutiefst berührte: Reinhard Ulbricht, 1947-1995 Mitglied und Konzertmeister der Staatskapelle, erinnert sich dem Journalisten Steffen Lieberwirth gegenüber "wie die Trötschel reihenweise die Menschen beim Tod der Butterfly zum Weinen gebracht hat" und erzählt, wie selbst Kollegen im Orchester und auf der Bühne in ihren Bann gezogen wurden. Elfride Trötschels Fähigkeit, kraft ihrer Stimme gerade das Dresdner Publikum zu fesseln, wird dabei bis heute nicht nur lebhaft erinnert, sondern ist auch literarisch festgehalten worden - etwa, wenn mit den Aufnahmen der großen Dresdner Sänger wie Elfride Trötschel die realsozialistische Niederung in Uwe Tellkamps Turm-Welt vergessen werden konnte, aber auch, wenn Thomas Rosenlöcher seines Großvaters gedenkt, der - Straßenbahnschaffner - die Trötschel vom vierten Rang aus mit feuchten Augen anhimmelte.

Die existenziellen Erfahrungen werden es gewesen sein, die Verluste wie der Tod der Eltern, die Zerstörung der Oper, das Auseinanderfallen des Ensembles, die Niederschlag in Elfride Trötschels Interpretationen fanden – und die sie mit den Dresdnern der unmittelbaren Nachkriegszeit teilte.

 

Am 20. Juni 1958 ist Elfride Trötschel im Alter von nur 44 Jahren gestorben. Dass sie bis heute lebhaft erinnert wird, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass die Wiederkehr ihres Todestages regelmäßig begangen wird – heute zum 60. Todestag beispielsweise mit einer Gedenkveranstaltung auf dem Cottaer Friedhof.

 

Bild 1: Porträt der Kammersängerin Elfride Trötschel in ihrer Wohnung (SLUB/Deutsche Fotothek)

Bild 2: Zar und Zimmermann / Elfride Trötschel (SLUB/Deutsche Fotothek)

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Wie der Hirsch schreiet - Vokalmusik aus den sächsischen Landes- und Fürstenschulen

Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser" - die Vertonung des 42. Psalms durch Johann Schelle (1648-1701) steht sinnbildlich für das Verlangen nicht nur der einzelnen Seele nach Gott, sondern auch nach adäquaten Ausdrucksformen dieser Sehnsucht.
Vor allem Musik gilt dabei seit jeher neben dem Wort als mächtiges Mittel zu spiritueller Kommunikation und Interaktion.
So wundert es nicht, dass Kurfürst Moritz - nachdem die Lehre Luthers seit 1539 in Sachsen auch ganz offiziell unterstützt wurde - kurz nach Antritt seiner Herrschaft mit der Gründung dreier Landesschulen (1543-1550) ein großangelegtes Bildungsprogramm umsetzte. Dieses diente dem wissenschaftlichen Nachwuchs für politische, theologische und pädagogische Ämter und räumte der Musik eine ganz besondere Rolle ein. Musik nämlich half den Schülern zwar auch, die lateinische Sprache zu lernen, sie half ihnen aber in erster Linie, Gottesdienste - im großen liturgischen wie im kleinen privaten Rahmen - sinnlich und sinnfällig zu feiern.

 

Musikalien der Fürsten- und Landesschule Grimma in der SLUB

Zeugnis dieser reformationshistorisch bedeutenden Musikpraxis legen große Sammlungen und Bibliotheken mit Schulmusikalien ab. Eine der wichtigsten überlieferten Musikalienbibliotheken stammt aus der Fürsten- und Landesschule Grimma und wurde seit Ende des 19. Jahrhunderts schrittweise in die heutige Musikabteilung der SLUB Dresden übernommen. In ihr wird der große Reichtum mitteldeutscher Schul-Musikpflege des 16. bis 20. Jahrhunderts deutlich, einer Musikpflege, die sich jahrhundertelang höchst aktuellen Kompositionen italienischer, mitteldeutscher, aber auch weiter reichender Provenienzen widmete.

Die Grimmaer Sammlung wird sukzessive im Rahmen des Landesdigitalisierungsprogramms online zugänglich und bietet damit der Musikforschung aber auch der Musikpraxis leichten Zugriff auf bisher womöglich wenig bekannte Facetten unserer Musikgeschichte.

Ein Programm des renommierten Sächsischen Vocalensembles stellt am kommenden Freitag, den 4. Mai 2018 in seinem Konzert um 20 Uhr in der Annenkirche Dresden Kompositionen aus den Sammlungen der sächsischen Landes- und Fürstenschulen in den Mittelpunkt und lädt ein, die Vielfalt und Komplexität schulischen Musizierens des 16. bis 18. Jahrhunderts zu erhören.

Auch wenn der Zugriff auf sehr viele Werke durch die Digitalisierung leicht wird: einige der Musikalien sind durch die Zeitläufte so stark mitgenommen worden, dass sie vor einer Digitalisierung restauratorisch behandelt werden müssen - ja, dass ihr Erhalt sogar ganz bedroht ist. Tintenfraß, aber auch äußere Einflüsse im Zuge von Kriegen und Katastrophen gefährden die Benutzbarkeit der Quellen unter Umständen irreversibel.


Durch die an der SLUB beheimatete Landesstelle für Bestandserhaltung kommen neueste Erkenntnisse der Restaurierung auch den Grimmaer Quellen zu Gute, wir freuen uns deshalb über jede Zuwendung, die den Erhalt der wertvollen und unikalen Zeugnisse der sächsischen Musikgeschichte unterstützt.

 

 

 

 

Wie der Hirsch schreiet - Vokalmusik aus den sächsischen Landesschulen / Konzert mit dem Sächsischen Vocalensemble / Freitag, 4. Mai 2018, 20 Uhr, Annenkirche Dresden

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Zwei musische Kurfürsten: Konzert und Quellenpräsentation mit Musik aus der Kammer Maria Antonia Walpurgis`und ihres Sohnes Friedrich August III.

"er [sei] so geschickt in der Musik [,] daß er auf dem Claviere sehr fertig und meisterhaft vom Blatte weg accompagnirte" - so lobte Charles Burney im Tagebuch seiner musikalischen Reisen Friedrich August III., Kurfürst in Sachsen und ein passionierter Klavierspieler. Niedergeschlagen hat sich Friedrich Augusts Vorliebe für Klaviermusik aber nicht nur in den Referenzen kunstverständiger Zeitgenossen, sondern vor allem in einer großen planvoll angelegten Sammlung von Musikalien für Tasteninstrument: in 150 Drucken und weit über 450 Handschriften sind Clavierkonzerte aus der privaten Sammlung des Kurfürsten in der SLUB überliefert. Etliche der über 340 Konzerte sind zudem für zwei Claviere bearbeitet - was darauf hinweist, dass regelmäßig in der Kammer in kleiner Besetzung groß dimensionierte Claviermusik erklang - nicht ausgeschlossen, dass Friedrich August selbst an einem der Instrumente saß.

 

 

Geprägt wurde Friedrich August III. durch die vielfältigen musikalischen Aktivitäten am Hof von früher Kindheit an, besaß doch schon seine Mutter Maria Antonia Walpurgis eine ausgesprochen hohe musikalische Begabung. Was Friedrich August III. das Clavier, das galt Maria Antonia Walpurgis die Stimme. Vor allem die Gattung der Oper nutzte sie, nicht zuletzt, um politisch wirksam zu werden. Neben dieser (hof-)öffentlichen Demonstration von Potenz über die Musik gehörte Musik aber auch fast täglich im intimeren Raum ihrer Kammer zum Hofleben dazu.

 

 

 

 

 

Diese kurfürstliche Kammermusik steht im Mittelpunkt eines Konzertes mit der Sopranistin Barbara Christina Steude und dem Leipziger CembaloDuo (Hildegard Saretz, Michaela Hasselt) am 13. April 2018, 19.30 Uhr im Vortragssaal der SLUB.

 

Auf historischen Instrumenten erklingen Werke von Peter August, Joseph Schuster, Johann Gottlieb Naumann, Giovanni Battista di Ferrandini, Nicola Porpora und Joseph Haydn, ausgewählte Quellen werden in Vitrinen präsentiert.