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SLUBlog

Autor: Martin Munke

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Über Flucht schreiben: der Sommer der Migration 2015 in der österreichischen Literatur

2015 kamen hunderttausende Flüchtlinge nach Europa. Nicht nur in Deutschland, sondern z. B. auch in Österreich fanden sie Aufnahme und begannen bald, ihre Erlebnisse literarisch zu verarbeiten. Die Wiener Literaturwissenschaftlerin Wiebke Sievers stellt solche Stimmen und ihre Texte am 23. Mai in der SLUB vor. Der Vortrag wird sich damit befassen, mit welchen ästhetischen Mitteln die literarischen Texte über Krieg, Flucht und die politischen Entwicklungen in Europa reflektieren. Oder mit den Worten Oskar Walzels: „Poesie und Realität: beiden will ich gerecht zu werden suchen“.

 

 

 

Im "Sommer der Migration" stießen die Flüchtlinge nicht nur in der Zivilgesellschaft, sondern auch in der Politik vielfach auf Solidarität. Für einen kurzen Moment entwickelten all diese Menschen gemeinsam ein Bild von einem anderen Europa, in dem globale Ungleichheiten nicht mehr als selbstverständlich hingenommen werden. Seitdem hat sich manches geändert. Oft artikuliert sich im öffentlichen Diskurs eine Politik, die Asylsuchende genauso wie jene, die sie unterstützen, kriminalisiert. Gleichzeitig erscheinen die ersten literarischen Werke über den Krieg in Syrien, die Flucht nach Europa und die Möglichkeiten und Grenzen zivilgesellschaftlichen Engagements. Hamed Abboud nutzt in Der Tod backt einen Geburtstagskuchen (2017) die Form des Grotesken, um uns die Grausamkeit von Krieg und Flucht vor Augen zu führen. Omar Khir Alanam entwirft in seinem Gedicht „Heimatlos“, mit dem er 2017 den dritten Platz bei den österreichischen Poetry Slam Meisterschaften belegte, und in seiner autobiographischen Erzählung Danke! Wie Österreich meine Heimat wurde (2018) die Heimat als einen Ort, der ihm nicht nur Zuflucht, Frieden und Liebe bietet, sondern auch die Freiheit, seine Stimme zu erheben. Vladimir Vertlib schließlich zeichnet in Viktor hilft (2018) eine Welt, die sich nicht so einfach in Gutmenschen und Rassisten unterteilen lässt. Vielmehr werden die Figuren, die den Flüchtlingen helfen, von ähnlichen Träumen und Enttäuschungen angetrieben, wie jene, die die Grenzen schließen wollen. 

 

Der Veranstaltung findet - in Kooperation mit dem MitteleuropaZentrum der TU Dresden (MEZ) - statt im Rahmen der KOOP-LITERA Deutschland 2019 (8. Arbeitstagung der deutschen Literaturarchive und verwandter Institutionen), die vom 22. bis 24. Mai in der SLUB durchgeführt wird. Moderiert wird der Abend von MEZ-Direktor Prof. Dr. Dr. h.c. Walter Schmitz und von SLUB-Mitarbeiter Martin Munke.

Die Referentin

 

Dr. Wiebke Sievers studierte Literaturübersetzen an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und der Université Stendhal in Grenoble und promovierte im Fach Translation Studies an der University of Warwick. In ihrer Doktorarbeit befasste sie sich mit der Übersetzung deutscher Literatur in Großbritannien und Frankreich. Seit 2003 ist sie an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien tätig. Seit 2013 ist sie zudem Gastwissenschaftlerin an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, wo sie an einer Habilitation zum Thema Migration und Literatur in Österreich arbeitet. Zu ihren aktuellen Publikationen zählen die Sammelbände Immigrant and ethnic minority writers since 1945: fourteen national contexts in Europe and beyond (mit Sandra Vlasta, 2018) und Grenzüberschreitungen: Ein literatursoziologischer Blick auf die lange Geschichte von Literatur und Migration (2016) sowie der Interviewband „Ich zeig dir, wo die Krebse überwintern”: Gespräche mit zugewanderten Schriftstellerinnen und Schriftstellern (mit Holger Englerth und Silke Schwaiger, 2017).

 

Donnerstag, 23.05.2019 18:00 Uhr
Klemperer-Saal in der Zentralbibliothek, Zellescher Weg 18

 

 

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Jahrgang 1936 der sächsischen NS-Tageszeitung "Der Freiheitkampf" digital zugänglich

Die nationalsozialistische Zeitung „Der Freiheitskampf“ erschien von 1930 bis 1945. Im Rahmen des DFG-Projekts Digitalisierung historischer Zeitungen haben wir sämtliche bei uns vorliegenden Ausgaben digitalisiert. Das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT) erschließt diese inhaltlich in Form einer Online-Datenbank, um die Zeitungen leichter recherchierbar und für wissenschaftliche Zwecke effektiver nutzbar zu machen. An einem Spezial-Arbeitsplatz im SLUBForum kann "Der Freiheitskampf" eingesehen werden. Bisher waren die Jahrgänge 1930 bis 1935 fertig bearbeitet und in der Datenbank verzeichnet. Jetzt kommt ein neuer Jahrgang hinzu, wie unser Gastautor Christoph Hanzig (HAIT) berichtet.

 

 

 

 

Ein wichtiges Thema der NS-Propaganda im Jahr 1936 waren die Olympischen Spiele in Deutschland. Auch die sächsische NS-Tageszeitung "Der Freiheitskampf" berichtete ausführlich über die sportlichen Ergebnisse und das Rahmenprogramm. Im Digitalisierungs- und Erschließungsprojekt von SLUB und Hannah-Arendt-Insitut für Totalitarismusforschung (HAIT) liegt nun der Jahrgang 1936 fertig bearbeitet vor.

Besonders vor den ausländischen Gästen wollte sich das "Dritte Reich" als glückliches und friedliebendes Land präsentieren. Schon den erstmalig durchgeführten olympischen Fackellauf verbanden die NS-Funktionäre mit öffentlichen Propagandaveranstaltungen. So hielt bspw. NSDAP-Kreisleiter Helmut Walter in Anwesenheit von Gauleiter Martin Mutschmann am Dresdner Königsufer eine Rede, in der er den vermeintlichen "Friedenswillen" Hitlers vor der Zuschauermenge beschwor.

 

 

Der "Freiheitskamp"“ half aktiv bei der Werbung für Dresden als Ausflugsziel bei den Olympia-Gästen.  Als lohnendes Ziel wurde besonders die in der Stadt stattfindende Reichsgartenschau ausgegeben. Allerdings war auch die Reichsgartenschau in Dresden keine unpolitische Gartenbauausstellung, sondern diente u.a. der Verbreitung der "Blut und Boden"-Ideologie und im Rahmen der Autarkie-Bestrebungen der Kriegsvorbereitung.

Der "Freiheitskampf" zeichnete im Jahr 1936 immer wieder das Propagandabild des um Frieden bemühten Nationalsozialismus und des kriegstreibenden "jüdischen Bolschewismus". Den 1936 begonnen Spanischen Bürgerkrieg nutzte die Zeitung als negatives Gegenbeispiel zu Deutschland, wobei sie einseitig für die nationalistische Seite unter Franco Partei ergriff. Eine deutsche militärische Unterstützung Francos wurde in der Berichterstattung des "Freiheitskampfes" selbstverständlich nicht erwähnt. Stattdessen berichtete die NS-Zeitung fast täglich über angebliche Verbrechen der spanischen Republikaner.

 

 

 

Die Datenbankeinträge des Jahrganges 1936 wurden durch das HAIT freigeschaltet und sind nun online durchsuchbar. Allerdings fehlen Einträge aus der Zeit zwischen dem 1. Mai und dem 19. Juli 1936, da der Bestand der SLUB an dieser Stelle eine Lücke aufweist. Über die thematische Erschließung hinaus wurde die Kategoriestruktur überarbeitet. Außerdem sind Personen mit der Gemeinsamen Normdatei (GND) der Deutschen Nationalbibliothek und sächsische Orte mit mehr als 2000 Einwohnern mit dem Historischen Ortsverzeichnis (HOV) des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde verlinkt worden. Neben dem oben genannten Arbeitsplatz in unserer Zentralbibliothek können die Digitalisate auch in der Bibliothek des HAIT eingesehen werden. 

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Sport frei in der SLUB: 15. Markt für Dresdner Geschichte und Geschichten zum Thema Sport und Tourismus

 

Die Bäume auf dem Wall stehen noch - ansonsten erinnert nichts mehr an den Sportplatz, auf dem sich heute das Hauptgebäude der SLUB befindet. Am Wochenende (23./24. Februar) kommt der Sport zumindest für zwei Tage zurück in die Bibliothek, wenn sich der 15. Markt für Dresdner Geschichte und Geschichten den Themenfeldern Sport und Tourismus in Dresden und Umgebung widmet. Ehrenamtliche Historikerinnen und Historiker präsentieren hier die Ergebnisse ihrer Erforschung der Orts- und Regionalgeschichte – oftmals mit Hilfe von Quellen aus der SLUB. Die Bandbreite der Forschungsfelder reicht von Dresdner Ausflugsgaststätten im Stadtzentrum über den Segelflugsport auf den Dresdner Elbwiesen und Hotel- und Tourismusgeschichte(n) aus der DDR-Zeit bis hin zu Sportvereinen in der Dresdner Johannstadt.

 

Mehr als 40 Aussteller haben sich für die Posterpräsentation angemeldet. In Vorträgen werden einzelne Fragen vertieft, etwa die nach der Bedeutung von offener Datendokumentation und Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen auch in der ehrenamtlichen Forschung. Den Auftaktvortrag am 23. Februar um 10:30 Uhr hält Joachim Schindler zur 150-jährigen Geschichte des organisierten Tourismus in Dresden und Umgebung. Seine Bücher zur Geschichte von Wandern und Bergsteigen in der Sächsischen Schweiz finden sich auch im SLUB-Bestand, im vergangenen Jahr wurde Schindler - selbst passionierter Bergsteiger - mit dem Sächsischen Landespreis für Heimatforschung ausgezeichnet. Führungen durch die Ausstellung, die SLUB und das Buchmuseum runden das Programm ab. Kommen Sie vorbei!

 

 

Veranstaltungsort: Klemperer-Saal der SLUB

Öffnungszeiten
: Samstag 23. Februar 10 bis 17 Uhr, Sonntag 24. Februar 10 bis 15 Uhr

Eintritt
: 2 Euro für Besucher ab 16 Jahre (Freien Eintritt haben Vereinsmitglieder, geladene Gäste, Sponsoren, Aussteller, die einen Ausstellerausweis vorweisen können und Inhaber des Dresden-Passes.)

Programm
: Eine detaillierte Auflistung der Aussteller, Vorträge und Führungen finden Sie auf der Website des Vereins "Dresdner Geschichtsmarkt" e.V.

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Sportlich ins neue Jahr: Jetzt Beiträge für den Dresdner Geschichtsmarkt anmelden

Wo sich heute das Hauptgebäude der SLUB befindet, lag bis vor 20 Jahren ein Sportgelände der TU Dresden. Mit der Geschichte von Sport und Tourismus in der Stadt und ihrer Umgebung befasst sich auch der 15. Markt für Dresdner Geschichte und Geschichten, der am 23. und 24. Februar 2019 in unseren Räumen stattfinden wird. Ehrenamtliche Historikerinnen und Historiker können hier die Ergebnisse ihrer
Forschungen zur Orts- und Regionalgeschichte vorstellen – mit Postern, Vorträgen und selbst gestalteten Publikationen. Noch bis zum 21. Dezember 2018 haben Sie die Möglichkeit, sich für eine aktive Teilnahme als Aussteller und/oder Referent anzumelden. Die digitalen Angebote der SLUB bieten viele Anregungen – bestimmt auch für Sie?

Einen Einstieg in die reichhaltige historische und aktuelle Literatur ermöglicht unsere Sächsische Bibliografie, etwa über eine Suche nach den Schlagworten „Dresden“ und „Sport“ bzw. „Dresden“ und „Tourismus“. Hier finden sich einige Überblickswerke wie die Festschrift zum 25jährigen Bestehen des Sportvereins Guts Muts Dresden aus dem Jahr 1927, die die sächsische Hauptstadt als Sportstadt porträtiert. Natürlich kann in der Bibliografie wie im SLUB-Katalog auch spezifischer nach einzelnen Sportarten recherchiert werden: Zum Klettern im Elbsandsteingebirge bieten wir neben aktuellen Führern auch ältere Anleitungen wie "Klettern am Fels" von 1961 an. Eine eigene Kollektion der Digitalen Sammlungen beschäftigt sich mit dem Radfahren (nicht nur, aber auch) in Sachsen und schlägt die Brücke zum Tourismus, z.B. mit dem "Radwanderbuch durch die Sächsisch-Böhmische Schweiz" von 1902 oder dem "Wanderbuch des Sächsischen Radfahrer-Bundes" von 1910 mit 13 von Dresden ausgehenden Touren - Nachfahren lohnt sich! Quellen zur Geschichte des Turnens haben wir in unserem landeskundlichen Blog "Saxorum" für Sie aufbereitet.

Lohnenswert ist natürlich auch ein Blick in die Bestände der Deutschen Fotothek. Das Archiv der Bildjournalisten und Pressefotografen Erich Höhne (1912-1999) und Erich Pohl (1904-1968) ist eine umfassende Fotodokumentation der DDR-Zeitgeschichte für die Stadt Dresden und den Raum Sachsen. Hier finden sich viele Abbildungen zur institutionellen und individuellen Sportgeschichte der Stadt und ihrer Umgebung: Rollschuhlaufen im Jahr 1960 ist hier ebenso dokumentiert wie Fußballspiele aus Anlass der staatlich verordneten deutsch-polnischen Freundschaft im April 1951 oder im April 1952, jeweils im Heinz-Steyer-Stadion, oder deutsch-tschechoslowakische Begegnungen im Oktober 1950 im alten Rudolf-Harbig-Stadion. Die Inszenierung des Sports für staatliche und pädagogische Zwecke wird auch in Aufnahmen von Richard Peter jr. sowie Renate und Roger Rössing deutlich.

Höhne und Pohl liefern darüber hinaus noch viele weitere spannende Einblicke in diverse Sportarten und Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung: die Spannbreite reicht vom Turmspringen am Freiberger Platz über den Altmarkt als Etappe auf der Friedensfahrt im Radrennen und Rudern in Blasewitz bis hin zum Klettern im Bielatal. Auch das für den Tourismus wichtige Gastronomiegewerbe wurde von beiden Fotografen umfassend porträtiert – werfen Sie einen Blick in die HO-Gaststätte „Oase“ in der Königsbrücker Straße, die Gaststätte Picknick in der Grunaer Straße oder in die Speisegaststätte Szeged in der Ernst-Thälmann-Straße (heute Wilsdruffer Straße).

Zu entdecken gibt es in der Fotothek wie in unseren anderen digitalen Angeboten natürlich noch viel mehr zum Themenfeld Sport und Tourismus – viel Spaß beim Stöbern! Und vielleicht erwächst aus den Beständen ja auch eine eigene aktive Beteiligung am Geschichtsmarkt?

15. Markt für Dresdner Geschichte und Geschichten, am 23. und 24. Februar 2019 im Klemperer-Saal der SLUB Dresden, Zellescher Weg 18

Sie wollen aktiv als Aussteller/in oder Referent/in teilnehmen? Bis zum 21. Dezember 2018 können Sie sich anmelden.

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„Retten – bergen – helfen!“ Historische Quellen zur Geschichte der sächsischen Feuerwehren digital

Täglich stehen die Kameradinnen und Kameraden der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren Sachsens für uns bereit, um Menschen zu retten, Brände zu löschen, uns vor Auswirkungen von Naturkatastrophen zu schützen und vieles anderes mehr. Der Gefahrenprävention kommt ebenfalls eine wichtige Rolle zu. Vor allem im ländlichen Raum leisten die Feuerwehrvereine zudem wichtige Beiträge zum gesellschaftlichen und kulturellen Leben.

Als Dank für diesen Einsatz und als vorfristiges Geburtstagsgeschenk zum 150-jährigen Bestehen des Landesfeuerwehrverbandes Sachsen im Jahr 2019 – gegründet wurde er im Juni 1869 in Chemnitz – stellen wir eine große Anzahl digitalisierter historischer Drucke zum sächsischen Feuerwehrwesen in einer eigenen Kollektion bereit. Besonders in Sachsen ist das Bewusstsein für die Geschichte der Feuerwehren stark ausgeprägt und daher die Zahl der Feuerwehrhistoriker groß. Nach 1990 sind mehr als 170 Chroniken und Festschriften zu sächsischen Ortsfeuerwehren erschienen, die das breite Interesse am Thema zeigen sowie seine Geschichte und Tradition darstellen. Wie die Historie des Dachverbandes reicht auch diejenige der örtlichen Wehren oft bis weit in das 19. Jahrhundert zurück. Nachgewiesen und erschlossen sind diese Veröffentlichungen in unserer Sächsischen Bibliografie und auch im SLUB-Katalog recherchierbar.

 

In unserer neuen digitalen Kollektion zum sächsischen Feuerwehrwesen finden Sie historische Zeitschriften und Bücher, die Sie bei der historischen Forschung unterstützen sollen. Dafür ergänzen wir auch gedruckte Quellen aus andere Einrichtungen, z.B. der Universitätsbibliothek Chemnitz.

Bild: Bild nach Sächsischer Feuerwehr-Kalender, 1907, bearbeitet von Henrik AhlersIn kleineren Orten kämpfen die Freiwilligen Feuerwehren wie andere Vereine auch mit Nachwuchsproblemen. Vielleicht hilft die Beschäftigung mit ihrer Geschichte, Menschen für den aktiven Dienst zu begeistern.



Die Kollektion wird laufend erweitert. Falls Sie noch geeignete Quellen zu Digitalisierung haben, kommen Sie gern auf uns zu.

 

 

Autoren: Konstantin Hermann / Martin Munke