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SLUBlog

Autor: Thomas Bürger

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Offen und vernetzt: Forschungsdaten in den Kulturwissenschaften

Der Rohstoff des 21. Jahrhunderts sind Daten. Google, Amazon, Facebook und Co. leben von unseren Daten –  und dies bekanntlich nicht schlecht. Und Sie bestimmen immer mehr unseren Alltag. Die wissenschaftlichen Fachdisziplinen wiederum pflegen sehr unterschiedliche, teils offene, teils schwer zugängliche Datenkulturen. Durch Erhebungen, Messungen, Simulationen, bildgebende Verfahren etc. entstehen – etwa in den Lebenswissenschaften, in den Sozial- und Geowissenschaften oder in der Astronomie – gigantische Datenmengen, die künftig im Rahmen einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) besser erschlossen und enger vernetzt werden sollen.

 

Der Forschungsdatenzyklus und verwandte ThemengebieteAuch die Kultur- und Geisteswissenschaften widmen den auf Daten aufbauenden neuen digitalen Auswertungsmöglichkeiten mehr Aufmerksamkeit. Die Gedächtniseinrichtungen Bibliothek, Archiv und Museum spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie digitalisieren große Teile ihrer analogen Sammlungen, um sie zugänglich zu machen, zu vernetzen, neue Forschungsmethoden zu ermöglichen.

 

Die SLUB trägt zur Forschungsdatenkultur auf verschiedenen Ebenen bei: Sie digitalisiert Handschriften und Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, Karten und Grafiken, Fotos und Karten und liefert hochwertige Metadaten und zunehmend auch Volltexte. Sie unterstützt Open Access, elektronisches Publizieren, den gesamten Forschungskreislauf von der Idee bis zur Publikation von Texten, Bildern und Daten und deren Langzeitsicherung. Zur Entwicklung innovativer und nachhaltiger Werkzeuge und Services arbeitet sie mit Partnerbibliotheken und Universitäten eng zusammen.

 

 

Wer heute studiert, sollte sich neben fachlichem Wissen auch ein gutes IT-Basis-Wissen aneignen. Und neugierig sein, was neue Techniken an neuen Arbeitsmöglichkeiten eröffnen. Die Digital Humanities benötigen qualifiziertes Personal z.B. für Digitale Editionen, für die Weiterentwicklung  qualifizierter semantischer Suchen in den unabsehbar großen Datenmengen und für viele weitere neue Herausforderungen.

Die datenbasierte Erforschung von Vergangenheit und Gegenwart hat eine große Zukunft. Vieles ist noch im Werden. Das schafft Unsicherheiten, bietet aber auch große Chancen, sich mit Ideen und Taten einzubringen.

 


Dieses Thema wurde von Prof. Dr. Thomas Bürger auch beim 107. Deutschen Bibliothekartag im Juni in Berlin präsentiert.
Die Folien zum Votrag können Sie hier herunterladen.

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300.000 plus x - Die Vermessung des 17. Jahrhunderts kommt voran

Die 300.000er-Marke ist überschritten. Das Verzeichnis der im deutschen Sprachgebiet erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts (VD17) verzeichnet jetzt mehr als 300.000 Drucke in mehr als 700.000 Exemplaren. Als dieses nationale Projekt mit Förderung der DFG in der 1980er-Jahren geplant wurde, schätzte man die Gesamtzahl auf 265.000 Buchtitel in mindestens doppelt so viel Exemplaren. Inzwischen haben rund 50 Bibliotheken, darunter besonders bestandsreiche wie die in Berlin, Dresden, Göttingen, Gotha, Halle, München, Weimar und Wolfenbüttel ihre Bücher im VD17 nachgewiesen. Allein die SLUB konnte zwischen 1996 und 2006 mit Förderung der DFG rund 67.000 Titelnachweise in 78.000 Exemplaren beisteuern.

 

Die Dokumentation der Buchproduktion eines Jahrhunderts ist die Grundlage für dessen Kenntnis. Erfasst werden – als Forschungsdaten in normierter Form – Namen von Autoren und Orten, die Schriftengattungen, darüber hinaus Widmungsempfänger, Zensoren oder Buchprovenienzen. So entsteht eine repräsentative Dokumentation früherer Netzwerke und Wissenszentren.

 

Das Elbtal in Dedekinds Musenlust, Dresden 1657, ist ein Sitz der Künste. Die deutschen Künstler (rechts) sind jetzt den klassischen Musen (links) ebenbürtig. (Titelblatt zu Dedekinds 'Elbianischer Musenlust' von P.P. Troschel, df_hauptktalog_0027351)

 

Hintergründe

Das 17. Jahrhunderts ist die Zeit der konfessionellen Konflikte im territorial zersplitterten Europa, die Zeit des Absolutismus und der aufblühenden Naturwissenschaften. 1618 begann der Dreißigjährige Krieg, der Tod und Elend brachte. Entsprechend häufig ist das Sterben ein Thema, die Schriftgattung der protestantischen Leichenpredigt ist weit verbreitet.

 

Die Universitäten blühen auf, viele der damals namhaften Universitäten wie die in Altdorf oder Helmstedt wurden in napoleonischer Zeit, die jesuitischen Hochschulen im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Mehr als 63.000 meist lateinische Dissertationen enthält das VD17, die meisten waren – gemessen an heutigen Umfängen kulturwissenschaftlicher Doktorarbeiten – erstaunlich kurz. Dafür waren die Enzyklopädien und wissenschaftlichen Fachbücher umso voluminöser.

 

Das 17. Jahrhundert ist schließlich die Epoche, in der Zeitschrift und Zeitung entstanden, um wissenschaftliche und politische Nachrichten schneller verbreiten zu können. Die Informationsbeschleunigung hat eine lange Vorgeschichte und spielte in Zeiten kurzer Lebenserwartung eine wichtige Rolle. Leipzig, die Stadt der ersten deutschen Tageszeitung 1650, war bereits das Buch- und Messezentrum, das im 18. bis 20. Jahrhundert dann in die ganze Welt ausstrahlte.

 

Zukunft des Projektes

Was früher weit verbreitet war, ist heute besonders selten. Deshalb ist zu erwarten, dass noch manche Funde insbesondere in kleineren Bibliotheken, aber auch in dicken Sammelbänden großer Bibliotheken sowie in den Bibliotheken außerhalb des deutschen Sprachgebiets möglich sind. Bis 2020 sollen 90% aller verzeichneten Bücher komplett digitalisiert, wenige Jahre später mittels Fraktur-OCR im Volltext durchsuchbar sein.

 

Die dauerhafte Fortführung des VD17 haben seit 2007 die Bibliotheken in Berlin, München und Wolfenbüttel übernommen. Es ist zu wünschen, dass neue Partnerbibliotheken mitmachen und dass bald interessante Auswertungen und Visualisierungen der Daten die barocke Bücherlust der Digital Humanities anheizen.

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Spector Books erhält sächsischen Verlagspreis am heutigen Tag des Buches

Der Leipziger Verlag Spector Books ist anders: die Bücher, die Webseite, das Sortiment. Er verbindet auf sehr originelle Weise die Arbeit von Künstlern, Autoren, Designern, Druckern und Buchbindern. Nun erhält er den sächsischen Verlagspreis: „Im Wissen um die Bedeutung engster Verknüpfung von Inhalt und Form stehen die Verleger und die Verlegerin Anne König, Jan Wenzel und Markus Dressen mit ihrer Arbeit sowohl in der grafischen Tradition der Buchstadt Leipzig als auch für deren Experimentierfreudigkeit“, begründete die siebenköpfige Jury ihre Wahl.


Zum vielseitigen Verlagsangebot zählen zum Beispiel Jonas Mekas „Ich hatte keinen anderen Ort“, der Bericht des litauischen, in New York lebenden Filmemachers über seine Flucht durch Nazi- und Nachkriegs-Deutschland als displaced person, oder das von Armin Linke gestaltete Buch über das Schicksal von Flüchtlingen heute („Lampedusa. Bildgeschichten vom Rande Europas“).




Nach Nordrhein-Westfalen ist Sachsen das zweite Bundesland, das einen eigenen Verlagspreis für unabhängige Verlage auslobt. Die Verleihung findet am Welttag des Buches statt: Seit 1995 wird der 23. April als UNESCO-Festtag für das Lesen begangen (Shakespeare und Cervantes sollen am 23. April 1616 gestorben sein).

 

Die Gast-Rede im Alten Rathaus Leipzig hält Denis Scheck, den Preis überreicht Ministerin Dr. Eva-Maria Stange.

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Forschungsdesign 4.0 – Tagung über Datengenerierung und Wissenstransfer

Vom 19.-21. April diskutieren auf Einladung des ISGV rund 100 Kulturwissenschaftler*innen im Vortragssaal der SLUB über digitale Wissenschaft. Nach einem reichlichen Jahrzehnt der Digitalisierung zeichnet sich eine neue Phase und Qualität von Digitalität ab. Sie unterstützt und prägt alle Prozesse der Wissensproduktion von der Ideenfindung und Quellensammlung über die Methoden des Forschens und Teilens bis hin zur Dokumentation, (Open Access-) Publikation und Langzeitsicherung.

 

Doch wie finden im Alltag viele noch unverbundene Projekte und Initiativen zueinander? Ira Spieker, Kulturanthropologin und Ethnologin am Institut für Geschichte und Volkskunde (ISGV) und Tagungsleiterin, hat 22 Referentinnen und Referenten insbesondere aus der Landesgeschichte gebeten, methodische, organisatorische und projektpraktische Erfahrungen zu teilen und Möglichkeiten der „Wissensproduktion 4.0“ zu diskutieren.

 

Offensichtlich ist schon jetzt: Forschergruppen und Infrastruktureinrichtungen wie Archive, Bibliotheken, Museen und Rechenzentren müssen sich unter- und miteinander kreativ und verlässlich verbünden, wenn der Sprung ins Forschungsdesign 4.0 nachhaltig gelingen soll.

 

Bund und Länder wollen - den Empfehlungen des Rats für Informationsinfrastrukturen (RfII) folgend - noch in diesem Jahr den Weg für eine Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) freimachen. Die Idee ist, dass sich Fachcommunities und Infrastrukturen auf starke Bündnisse verständigen und erfolgreiche Initiativen und Projekte national verstetigt und in internationalen Kontexten vernetzt und ausgebaut werden können. Das kluge Kombinieren und Ausbalancieren von wissenschaftlicher Konkurrenz und Kooperation, von Innovation und Nachhaltigkeit, von fachlicher und infrastruktureller Expertise wird also für das Zustandekommen der NFDI und ihr Gelingen ausschlaggebend sein.

Die Tagung lädt an den Digital Humanities Interessierte ein, die Chancen und Herausforderungen digitaler Wissensproduktion und -vernetzung anzunehmen und mitzugestalten.

Die Konferenz Forschungsdesign 4.0 - Datengenerierung und Wissenstransfer in interdisziplinärer Perspektive des ISGV e.V. findet vom 19.-21. April 2018 im Vortragssaal der SLUB statt.

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Frohe Festtage und ein gutes Neues Jahr

Liebe BesucherInnen der SLUB,

 

die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SLUB wünschen Ihnen frohe Festtage und ein gesundes und glückliches Neues Jahr. Zwischen den Jahren hat die Zentralbibliothek wie üblich für Sie geöffnet.

 

Unsere Online–Dienste stehen Ihnen wie gewohnt durchgehend zur Verfügung. Ein Vergnügen ist es, auf dem Tablet in den historischen Kollektionen zu stöbern und zu lesen. Die Karikatur unserer diesjährigen Weihnachtskarte finden Sie z.B. in einer Illustrierten von 1927. Schon vor 90 Jahren fühlten sich viele durch Einkauf und Umtausch zwischen den Jahren gestresst.

 

Entspannen Sie sich also und blättern Sie online z.B. in den digitalisierten Illustrierten

 

Wir freuen uns auf Sie im neuen Jahr.

Mit besten Grüßen
Ihr Thomas Bürger