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Autor: Thomas Haffner

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SLUB-Schätze unterwegs: Sächsisches Stammbuch zu Gast in Prag

 

Knapp 100 Handschriften und wertvolle Drucke aus der SLUB wurden im vergangenen Jahr zu Ausstellungen im In- und Ausland verliehen. Bevor ein Stück auf die Reise gehen kann, wird sorgfältig geprüft, ob das Konzept der Ausstellung wissenschaftlich fundiert und schlüssig ist, ob das betreffende Objekt für den Transport und die Präsentation geeignet ist und ob die Anforderungen an das Raumklima und die Sicherheit in den Ausstellungsräumen erfüllt werden können.

Seit dem 24. Mai ist in der Ausstellung „Sachsen Böhmen 7000“ in der Nationalgalerie Prag noch bis zum 8. Juli eine herausragende Handschrift aus unserem Bestand im Original zu sehen: das sog. Sächsische Stammbuch (Mscr.Dresd.R.3). Es enthält 200 kolorierte Federzeichnungen mit 334 ganzfigurigen Bildnissen sächsischer Herrscher und ihrer Gattinnen, Geschwister und Kinder von den sagenhaften Anfängen bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts.

 

 

 

Zu Beginn präsentiert sich Alexander der Große, dessen Gefolgschaft gemäß einer bis ins 10. Jahrhundert zurückreichenden Überlieferung nach Deutschland gekommen und dort Sachsen genannt worden sein sollen. Er und alle anderen Dargestellten stehen auf ihren Wappen und zählen ihre Taten und Eigenschaften in gereimten Versen in ostmitteldeutscher bzw. frühneuhochdeutscher Schreibsprache auf.

 

 

 

Die Handschrift entstand großenteils um 1497/1498, möglicherweise im Auftrag Friedrichs des Weisen von Sachsen. 1532 erhielt sie einen Einband aus blindverziertem, schwarz gefärbtem Leder über Holzdeckeln mit metallenen Eckbeschlägen. Im selben Jahr und nochmals 1546 wurden wahrscheinlich in der Werkstatt Lucas Cranachs d. Ä. Ergänzungen vorgenommen. Zu unbestimmter Zeit gelangte das Buch in das Sächsische Staatsarchiv und 1854 von dort in die Königliche öffentliche Bibliothek in Dresden.

 

Im Rahmen eines 2008 bis 2015 von der DFG geförderten Projektes wurde das Sächsische Stammbuch im Handschriftenzentrum an der UB Leipzig wissenschaftlich erschlossen und im Digitalisierungszentrum der SLUB vollständig digitalisiert.  In Prag wird die oben abgebildete Seite mit den Darstellungen Herzog Albrechts des Beherzten (1443-1500) und seiner Gemahlin Sidonie von Böhmen (1459-1510) zur Illustration der sächsisch-böhmischen Beziehungen im 15. Jahrhundert gezeigt.

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Neue Ausstellung mit Raritäten aus fernen Ländern und vier Jahrtausenden

Fremde Kulturen übten auf die Menschen in Europa schon immer eine große Faszination aus. Sobald ein neues Land oder gar ein neuer Kontinent entdeckt und erobert wurde, begann man Artefakte und Naturalien von dort in die eigene Heimat mitzunehmen, um sie in Kunst- und Wunderkammern, Kuriositäten- und Naturalienkabinetten, Archiven, Museen und Bibliotheken zu sammeln und zu bewahren.

 

So gelangten auch Schriftzeugnisse aus aller Herren Länder in die 1556 gegründete Kurfürstliche Bibliothek in Dresden, aus der die heutige SLUB hervorging. Das älteste ist über 4000 Jahre alt, es handelt sich um einen sumerischen Tonkegel mit eingedrückten Keilschriftzeichen.

 

Seit heute und noch bis 12. August 2019 zeigen wir in der Ausstellung "Grenzenloses Sammeln – Raritäten aus fernen Ländern" einige unserer seltensten und wertvollsten Objekte - vom federleichten Miniatur-Koran bis zum mehrere Kilo schweren Naturalien-Buch. Jedes der Ausstellungsstücke erzählt Geschichten, die dazu einladen, in ferne Welten einzutauchen.

 

 

Miniatur-Koran

 

Wie das Fragment des griechischen Papyrus aus einem ägyptischen Tempel um 162 v. Chr., auf dem der Tempelaufseher einen königlichen Beamten bittet, die im Tempel dienenden Zwillingsschwestern mit den nötigen Vorräten zum Überleben zu versorgen. Oder die persische Handschrift mit Abhandlungen und Anekdoten über religiöse und moralische Themen, darin eine farbige Miniatur, die Mohammeds Himmelfahrt zeigt. Einer Legende zufolge soll dem Propheten eines Nachts in Mekka der Erzengel Gabriel in Begleitung eines menschenköpfigen Reittieres namens Buraq erschienen sein, auf dessen Rücken Mohammed nach Jerusalem geritten sei. Von dort aus habe ihn Gabriel durch die sieben Himmelssphären bis zum Paradies geleitet, wo er von Allah die Weisung zum fünfmaligen Tagesgebet empfangen habe.

 

Ein besonders sehenswertes Stück ist schließlich die Handschrift mit den Geschichten des weisen Ratgebers und Barden Dede Korkut. Die UNESCO nahm die Erzählungen im vergangenen Jahr in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Weltweit gibt es nur zwei Handschriften, in welchen die Geschichten festgehalten wurden - das Exemplar in der SLUB ist das einzige, das alle zwölf Geschichten enthält.

 

 

 Hebräische Handschrift auf Pergament

 

Sie sind neugierig geworden? Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Im Buchmuseum können Sie seit heute außerdem der Frage nachgehen "Was bleibt?!". Dort haben wir Exponate aus den Nachlässen von Victor Klemperer, Christian Borchert, Fritz Löffler und anderen ausgestellt. Mehr dazu erfahren Sie in den kommenden Tagen auch an dieser Stelle.

 

Grenzenloses Sammeln – Raritäten aus fernen Ländern
Ausstellung in der Schatzkammer des Buchmuseums der SLUB
10. Mai bis 12. August 2019
täglich 10:00 bis 18:00 Uhr, Eintritt frei
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Was bleibt?! – Nachlässe in der SLUB
Ausstellung im Buchmuseum der SLUB
10. Mai bis 12. August 2019
täglich 10:00 bis 18:00 Uhr, Eintritt frei
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„Freund der Wahrheit“ - Johann von Sachsen als königlicher Übersetzer Dantes

Philalethes („Freund der Wahrheit“) – unter diesem Pseudonym veröffentlichte der sächsische Prinz Johann (1801–1873), ab 1854 König von Sachsen, zwischen 1828 und 1849 eine metrische Übersetzung der „Göttlichen Komödie“ des berühmten italienischen Dichters Dante Alighieri (1265-1321). Die Dante-Leidenschaft des sprachbegabten und hochgebildeten Prinzen begann mit seiner ersten Italienreise (1821/22), während derer er ein Exemplar der „Divina Commedia“ erwarb und sich sofort in die Lektüre vertiefte. Sowohl die Übersetzung als auch den sie begleitenden Kommentar erstellte der Prinz mit Unterstützung verschiedener Fachleute, mit denen er sich regelmäßig im sogenannten „Dante-Kränzchen“, der späteren „Accademia Dantesca“, traf, um seine Übersetzung vorzutragen und zu diskutieren.

 

 

 

Noch bis 5. Mai 2019 sind im Buchmuseum der SLUB Johanns eigenhändiges Manuskript und die gedruckte Erstausgabe seiner Übersetzung zu sehen. Im Rahmen der Ausstellung „Blühe, deutsches Florenz! Dresden und Italien“ hält die Romanistin Dr. Elisabeth Leeker am 20. März 2019 einen Vortrag über die Entstehung der möglichst wortgetreuen Übersetzung und des noch heute wissenschaftlich anerkannten Kommentars.

Bereits um 18 Uhr führt Kurator Dr. Thomas Haffner durch die Schatzkammer-Ausstellung. Sie sind herzlich eingeladen, sich mit uns auf die Spuren des Königs von Sachsen zu begeben!

 

20. März 2019
18:00 Uhr Kuratorenführung durch die Ausstellung „Blühe, deutsches Florenz! Dresden und Italien"
19:00 Uhr Vortrag „Der königliche Übersetzer Dantes – Johann von Sachsen“, Dr. Elisabeth Leeker (Münster)
Klemperer-Saal der SLUB Dresden
Eintritt frei

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Geschichten von Dede Korkut werden UNESCO-Kulturerbe der Menschheit – SLUB bewahrt weltweit einzige vollständige Handschrift

Am 28. November 2018 wurden die turksprachigen Geschichten von dem weisen Barden Dede Korkut und den Helden aus dem Nomadenvolk der Oghusen von der UNESCO-Welterbekommission in die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ aufgenommen.

 

Bild: Handschrift Dede KorkutDie Erzählungen der Vorfahren von Türken, Aserbaidschanern und Turkmenen entstanden vor mehr als tausend Jahren in Vorderasien und werden insbesondere in der Türkei und in Aserbaidschan als Nationalepos hoch geschätzt. In Prosa und Versen werden Leben und Taten oghusischer Stammesführer und ihrer Söhne geschildert, Besitzer großer Herden und gewandte Reiter, die auf Brautfahrt und auf die Jagd gehen, untereinander ihre Kräfte messen und als fromme Muslime gegen die Ungläubigen zu Felde ziehen. Dede Korkut, der die Langhalslaute erfunden haben soll, tritt als Dichter, Sänger, Weissager und Ratgeber auf. 

 

Die mündliche Tradition wurde erstmals im 16. Jahrhundert im „Buch des Dede Korkut“ (türkisch Kitab-i Dedem-Korkut) schriftlich aufgezeichnet. Die SLUB bewahrt heute eine der beiden einzigen bekannten Handschriften aus dieser Zeit. Sie enthält zwölf Geschichten, während die andere Handschrift in der Vatikanischen Bibliothek nur sechs Geschichten überliefert. Seit 1750 im Bestand der Kurfürstlichen Bibliothek nachweisbar, wurde die Dresdner Handschrift erst 1815 durch den preußischen Gesandten und Privatgelehrten Heinrich Friedrich von Diez (1751-1817) bekannt gemacht. Er übersetzte die Geschichte von der Tötung des einäugigen Ungeheuers Depegös durch den jungen Helden Bassat, die an die Blendung des Zyklopen Polyphem in Homers Odyssee erinnert.

 

Bild: Handschrift Dede KorkutDie Dresdner Handschrift ist als identitätsstiftendes Kulturdenkmal und Forschungsgegenstand sehr gefragt.  Im kommenden Jahr können Sie sich selbst ein Bild von diesem einzigartigen Dokument machen: Von Mai bis August 2019 wird es in der Schatzkammer der SLUB zu sehen sein (die genauen Daten geben wir rechtzeitig an dieser Stelle bekannt). In den Digitalen Sammlungen der SLUB können Sie jederzeit in dem in sauberer arabischer Schrift geschriebenen Buch blättern.

 

 

Weitere Informationen:
https://www.slub-dresden.de/sammlungen/handschriften/kitab-i-dedem-korkut/
          

https://ich.unesco.org/en/RL/heritage-of-dede-qorqud-korkyt-ata-dede-korkut-epic-culture-folk-tales-and-music-01399

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9. Dezember: In memoriam Johann Joachim Winckelmann

Vor 300 Jahren, am 9. Dezember 1717, wurde Johann Joachim Winckelmann, Begründer der Wissenschaftsdisziplinen Klassische Archäologe und Kunstgeschichte, in ärmlichen Verhältnissen als Sohn eines Schusters in Stendal/Altmark geboren. Nach dem Besuch der Lateinschule in Stendal und des Cöllnischen Gymnasiums in Berlin studierte der begabte Schüler 1738-1740 mit mäßigem Erfolg Theologie in Halle. Nach abgebrochenen neuphilologischen sowie medizinisch-naturwissenschaftlichen Studien in Jena war er 1742-1748 als Lehrer u. a. für Griechisch und Latein in Hadmersleben und Seehausen/Altmark tätig.

 

 

Des preußischen Schuldienstes in der Provinz müde, zog er 1748 nach Nöthnitz bei Dresden, um dem Grafen Bünau als Bibliothekar und Hilfskraft bei der Erarbeitung von dessen „Kaiser- und Reichshistorie“ zu dienen. Im Herbst 1754 quittierte er den dortigen Dienst und verbrachte das darauffolgende Jahr in Dresden mit Studien in den reichen Kunstsammlungen, nahm beim befreundeten Maler Adam Friedrich Oeser Zeichen- und Kunstunterricht und veröffentlichte seine „Gedanken über die Nachahmung der Griechischen Wercke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst“. Im Herbst 1755 ging er als kurfürstlicher Stipendiat nach Rom, wo er es auf Empfehlung seines Gönners Kardinal Alessandro Albani schließlich bis zum Kommissar der Altertümer von Rom brachte.

 

 

Schon im nächsten Jahr gilt es, der 250. Wiederkehr des frühzeitigen Todes Winckelmanns durch Ermordung in einer Herberge in Triest am 8. Juni 1768 zu gedenken. Aus diesem Anlass werden vom 30. Mai bis 2. September 2018 in der Schatzkammer des Buchmuseums der SLUB eigenhändige Briefe, Handschriften, gedruckte Erstausgaben und bildliche Zeugnisse zum Wirken Winckelmanns als Gelehrter und Bibliothekar aus dem Bestand der SLUB und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu sehen sein. Seien Sie gespannt auf die neue Ausstellung im kommenden Jahr!