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10 Zeitschriften für 192.000 Euro. Warum Open Access?

Nicht nur in den großen Tageszeitungen kann man gegenwärtig eine hartnäckige Debatte über Open Access und das Urheberrecht verfolgen, die nicht frei von Polemik ist und auch mehrere Einzelthemen vermengt. Wie nahezu alle wissenschaftlichen Bibliotheken plädiert die SLUB für eine Strategie, die einerseits die Publikationsfreiheit jedes Einzelnen und die rechtlichen Rahmenbedingungen sorgfältig achtet, andererseits auf die Sozialpflichtigkeit von öffentlich finanzierter Wissenschaft hinweist und für eine kostenfrei zugängliche, ggf. zusätzliche Publikation auf Internetplattformen wie dem sächsischen Dokumenten- und Publikationsserver Qucosa wirbt.

 

Angesichts vereinzelter auch gegen Bibliotheken gerichteter Attacken sei an einen wesentlichen Ausgangspunkt für Open Access erinnert, der sich durch nüchterne Fakten belegen lässt und viele Bibliotheken seit Ende der 1990er Jahre zu Reaktionen geradezu gezwungen hat: Die dramatisch steigenden Bezugspreise für wissenschaftliche Zeitschriften aus dem Bereich Naturwissenschaften, Technik und Medizin.

 

Aktuell bezahlt die SLUB allein für die zehn teuersten, für Wissenschaft und Forschung an der TU Dresden unentbehrlichen Zeitschriftentitel jährlich rd. 192.000 €. Während wir 1998 mit 2,53 Mio. € 10.270 Kaufzeitschriften bezogen, konnten wir 2008 für 2,99 Mio. € noch 6.032 Titel anbieten. Zu 18% höheren Kosten sind also lediglich noch 58% der Ausgangsmenge verfügbar.

 

Bibliotheken weltweit hat das zu teilweise spektakulären Protesten veranlasst. So zeichnete etwa die Brown University, eine der führenden Hochschulen der USA, alle Zeitschriften mit einem Jahresbezugspreis über 1.000 Dollar mit roten Preisschildchen aus. Die dort genannten teuersten Titel entsprechen im Übrigen weitgehend unseren Top ten.

 

Trotz sommerlicher Hitze wollen wir im Sinne der oben beschriebenen Strategie kühlen Kopf bewahren. Weitere Informationen zum Thema finden Sie in der Informationsplattform Open Access sowie beim Aktionsbündnis "Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft", an dem TU Dresden und die SLUB auch beteiligt sind.

11 Kommentar(e)

  • bigbug21 (Peter)
    19.10.2009 08:34
    Open-Access-Veranstaltung an der SLUB am 22. Oktober

    Durch Zufall bin ich im Eingangsbereich der Drepunct auf einen Kundenstopper aufmerksam geworden, der für eine Veranstaltung zu Open Access wirbt, die am Donnerstag (22. Oktober) von 10 bis ca. 16 Uhr im Vortragsaal der SLUB stattfinden wird. Wäre dies nicht eine Erwähnung bzw. gar einen eigenen Eintrag im Blog Wert?

    • Achim Bonte (SLUB)
      19.10.2009 13:42
      @Veranstaltung am 22. Oktober

      Hallo Peter,

      am besten fangen Sie bei uns an ;). Das entsprechende Blog-Post war ohnehin vorgesehen und kommt heute noch. Vielen Dank für den Kommentar!

  • René
    13.10.2009 19:15
    Archiv der SZ

    Da meine Frage am ehesten hierher passt:

    Die Sächsische Zeitung hat ihr Online-Archiv hinter einer kleinen Barriere aufgebaut. Abonnementen kommen kostenlos hinein, alle anderen zahlen 5 Euro monatlich. Da mich schon mehrfach /ein/ Artikel interessiert hat, dies jedoch deutlich weniger als zwölf Artikel pro Jahr waren, käme ich rechnerisch als Nichtabonnement auf 5 Euro pro Artikel, von dem ich nicht weiß, ob er meinen Erwartungen gerecht wird. Ergo habe ich nie diese Schranke überwunden.

    Da die SLUB jedoch (mind.) ein Abo der SZ hat, interessiert mich, ob es sich sinnvoll einrichten ließe, als Bibliotheksnutzer vom SLUB-Netz aus auf das Archiv zuzugreifen.

  • Torsten
    14.08.2009 17:50
    Open Library

    Mich würde die Stellung der SLUB zu solchen Projekten wie der Open Library interessieren, die den freien Zugang zu Büchern anstrebt.

  • Achim Bonte (SLUB)
    10.08.2009 15:58
    Sprachliche Abrüstung

    Sehr geehrter Herr Ulmer,

    besten Dank für Ihren Beitrag. Den Wunsch nach "sprachlicher Abrüstung" teile ich. Dazu gehören m.E. auch Wendungen wie "Kreuzzug der Bibliotheken gegen Verlage" (Ihr Kommentar v. 3.8.) oder "muntere Polemik der Bibliothekare" (Ihr Kommentar v. heute). Inwieweit ich in meinen Posts vom 30.7. und 3.8. ähnlich "aufgerüstet" bzw. tatsächlich polemisiert habe, mögen die LeserInnen beurteilen.

    Auch wenn ich zu Ihrem "Nachgehakt" Manches zu sagen und mit weiteren Fakten zu untermauern hätte, bin ich weiterhin nicht der Ansicht, dass sich dieses Blog für eine anhaltende Expertendebatte eignet. Zu einer Diskussion in anderem Rahmen bzw. anderen öffentlichen Foren bin ich stets gerne bereit.

  • Matthias Ulmer
    10.08.2009 14:51
    Nachgehakt

    Es sind zwei ganz unterschiedliche Themen, die absolute Höhe des Abopreises und die Preisentwicklung über die letzten Jahre. Ich fände es wirklich positiv, wenn man bei diesem Thema mal einen Schritt weiter käme.

    Deshalb wiederhole ich meine Frage: aus den bisher genannten Zahlen lässt sich eine durchschnittliche Preissteigerung von 7% pro Jahr ablesen. Diese muss ganz anders beurteilt werden, wenn es der identische Vertrag ohne jede Veränderung ist oder wenn es heute ein Abo mit Campus-, Remote-, Archiv-, Konsortial etc. etc. -Zugriff ist. Eine ganz einfache Frage eigentlich.

    Ich finde es auch kein gutes Argument, den schwarzen Peter den Verlegern hinzuschieben und zu sagen, die Bibliotheken seien durch Geheimhaltungserklärugen verboten diese Dinge auszuplaudern. Hier wird ja überhaupt nicht gefragt, um welche Zeitschrift es geht. Das ist also anonymisiert und damit auch kaum ein Vertragsbruch.

    Die Frage ist, ob die Bibliothekare überhaupt Transparenz in das Thema Abopreise bringen wollen, oder ob es nicht vielleicht erwünscht ist, das so intransparent zu halten, weil man dann einfach munter weiter polemisieren kann. Ihre Aussage, dass sie die genannten Zahlen auch ohne weitere Erläuterungen als Hinweis für ein krankes und kaputtes System sehen erschreckt mich, weil es so aussieht, als ob Sie Aufklärung bewusst unterlassen.

    Auch den Verlust von 4000 Titeln würde ich erst mal so nicht hinnehmen. Es klingt, als ob die Bibliothek gezwungen gewesen wäre 4000 Titel abzubestellen. Das ist eine Interpretation der Aussage, dass man heute 4000 Zeitschriften weniger hat. Aber wie viele wurden von den Herausgebern eingestellt? Wie viele haben fusioniert? Wie viele wurden abbestellt, weil sie nicht mehr gebraucht werden?

    Und noch eine Frage: wenn der Etat für Zeitschriften 1998 noch bei 2,53 Mio Euro lag, warum ist er 2009 dann nur bei 2,99 Mio Euro? Bei einer Inflation von 2% jährlich müsste er erheblich höher sein. Effektiv wurden also die Etats im genannten Zeitraum nicht einmal gehalten, sondern sogar gekürzt. Dabei bekommen wir doch dauernd die Aussage, dass wegen der "infamen" Preispolitik bei Zeitschriften der Etat für andere Anschaffungen fast auf Null gesunken ist.

    Ich fände es weiterhin erfreulich, wenn wir nicht didaktisch reduzieren sondern sprachlich abrüsten und es sachlich untersuchen, wie hoch die Preissteigerungen tatsächlich waren und wofür und warum.

  • Dale Askey
    06.08.2009 14:37
    Für einen einzigen Titel, sonst nichts.

    Interessante Beiträge bisher. Als Bibliothekar mit langjähriger Erfahrung mit dem Erwerb und auch mit der Abbestellung von Fachzeitschriften, wage ich es, mich hier einzumischen.

    Mit der Vermutung, man bekäme für die 20.000 Euro was Besonderes liegt Herr Ulmer etwas daneben. 20.000 mag eine obere Grenze darstellen, aber viele Fachzeitschriften kosten deutlich mehr als 10.000 im Jahr. Klar bekommt man i.d.R. als Abonnent Zugriff auf alle online verfügbaren Jahrgänge. Das ist--und hier muß man Klartext reden und lesen--aber kein Mehrwert, den der Verlag ins Spiel steckt, denn die Bibliothek hat jährlich für diese Jahrgänge bezahlt. Ob vor 20 Jahren im Printmedium oder heutzutage als Online-Ausgabe, ist dieses historische Archiv teuer bezahlt. Es quasi als Grund für diese infame Preispolitik anzuziehen trifft einfach nicht zu.

    Darüberhinaus verlangt Herr Ulmer genaue Zahlen bezüglich der Abbestellung von Zeitschriften und der Nutzungsstatistik. Ist doch eine gute Frage, und wären wir nicht von jedem Verlag gezwungen, ein sog. NDA (nondisclosure agreement--bin doch Amerikaner, was hier keine Rolle spielt, außer sprachlich) für unsere Zeitschriftenbündeleinkäufe zu unterzeichnen, könnten wir alle mehr dazu sagen.

    Umgekehrt stellen Bibliotheken seit Jahren an die Verlage die Frage, warum die Preise so drastisch gestiegen sind. Schönfärberische Antworten bekommt man, aber schaut man auf die Jahresberichte der Großverlage und die Dividende, die diese AGs an die Aktionäre jährlich ausschütten, hat man wohl Antwort genug.

    Ich finde das Verhältnis Etat/Zeitschriftentitel, auch ohne weitere Erläuterung, das Herr Bonte schildert, hinweisend für ein krankes und kaputtes System. Es mag sein, in den Details sieht man einzelne Fälle, wo man anders hätte handeln können, aber ein Verlust von mehr als 4.000 Titel kann man einfach nicht hinnehmen, soviel steht klar.

  • Matthias Ulmer
    03.08.2009 13:28
    20.000 wofür?

    Dass im Sinne einer didaktischen Reduzierung der komplexe Sachverhalt nicht genau dargestellt werden kann und deshalb Aussagen wie: "dramatische Verteuerung" eben so stehen bleiben müssen, erscheint mir kein gutes Argument. Schließlich wird mit dem Banner der "dramatischen Verteuerung" seit Jahren von Bibliotheken ein Kreuzzug gegen Verlage geführt. Und da scheint es mir im Sinne einer didaktischen Anreicherung hilfreich, wenn man den Anlass für so einen Kreuzzug hinterfragt. Schließlich wird die "dramatische Verteuerung" als Begründung für Open Access, für die Einführung neuer Urheberrechtsschranken, für die Neuordnung des Verlagswesens usw. herangezogen.

    Warum kostet ein Zeitschriftenabo 20.000 Euro? Das wissen Sie viel besser als ich, haben Sie sich doch mit dem Thema Abopreise und Nature intensiv auseinander gesetzt. Nachdem das Einzelabo einer solchen Zeitschrift für ein ganzes Jahr oft nur 150 Euro kostet, wird es eine tiefere Begründung für den hohen Preis schon geben. Dazu müssten Sie aber präzisieren, was Sie für 20.000 Euro einkaufen.
    Ich vermute mal, das ist eine Jahreslizenz für nicht nur eine Bibliothek sondern einen gesamten Campus oder gar ein kleineres Konsortium, das beinhaltet eventuell den Remote Access aller Uni-Angehörigen und Studenten von zu Hause aus, ermöglicht eine Volltextsuche im historischen Archiv, gibt Zugriff auf das Archiv und lässt den Ausdruck oder Download der Artikel zu usw. usw.?

  • Achim Bonte (SLUB)
    03.08.2009 11:39
    Wie teuer?

    Sehr geehrter Herr Ulmer,

    besten Dank für Ihren Beitrag. Der gesamte Sachverhalt um Open Access ist in der Tat komplex und differenziert zu betrachten - was in der öffentlichen Diskussion oft nicht beachtet wird, im Sinne einer didaktischen Reduzierung vielleicht auch nicht immer beachtet werden kann. Unter Insidern lohnt sich sicher das vertiefende Gespräch. Weshalb einzelne Zeitschriftenabonnements pro Jahr über 20.000 EUR kosten müssen, was angesichts zahlreicher Holdings allein in Deutschland für solche Titel jeweils Jahresumsätze von mehreren Hunderttausend Euro bedeutet, bleibt eine offene Frage.

  • Matthias Ulmer
    03.08.2009 10:12
    Wie teuer?

    Vielen Dank für die Zahlentransparenz. Es bringt allen mehr, wenn man über Zahlen und Fakten spricht statt nur mit Vorwürfen Voruteile zu verstärken.

    Ihre Zahlen bedeuten doch erst Mal: Im Schnitt gab es eine jährliche Preissteigerungsrate von 7%. Ob das jetzt viel ist oder wenig kann ja jeder für sich entscheiden. Aber die 7% als Durchschnittswert der SLUB Dresden könnte man doch mal festhalten. Und sicher ist auch: die Preissteigerungsrate bei Zeitschriften lag über der durchschnittlichen Inflationsrate. Zum Vergleich: der Benzinpreis ist im gleichen Zeitraum jährlich um 10% gestiegen, die Buchpreise dagegen nicht mal um 2%.

    Wie bei jeder Preissteigerungsrate ist der rein statistische Wert problematisch. Man muss, um ihn richtig einschätzen zu können, eine Reihe von Fragen beantworten:

    Wie haben sich die Zeitschriften selbst verändert?
    Sind die Umfänge der Zeitschriften gleich geblieben oder auch gestiegen?
    Hat sich die Ausstattung verändert, gibt es mehr Farbe, mehr Abbildungen, mehr Grafiken?
    Vermutlich bekommen Sie heute deutlich mehr Zeitschriften elektronisch als 1998?
    Bekommen Sie zusätzlich zu den Zeitschriften noch Zugang zu Webseiten, Archiven etc.?

    Dann die Frage nach der Zusammensetzung Ihres Zeitschriftenportfolios:
    Haben Sie tendenziell eher die billigen Zeitschriften abbestellt oder eher die teureren? Oder anders gefragt: wie war die Preisentwicklung für die heute noch abonnierten 6032 Zeitschriften?

    Weiter wäre die Zahl der Nutzer interessant: wie haben sich die Nutzungszahlen der Zeitschriften verändert?

    Und dann gibt es natürlich noch die Seite der Produktionskosten beim Verlag, die bei den Preissteigerungen der einzelnen Zeitschrift die wesentliche Rolle spielen. Das waren in den vergangenen Jahren die Energiekosten (Papier, Farbe) oder die Personalkosten und Sozialabgaben. Bei wissenschaftlichen Zeitschriften ist der wichtigste Kostentreiber die Zahl der eingereichten Artikel. Je renommierter eine Zeitschrift ist, desto mehr Artikel werden eingereicht, desto geringer ist der Prozentsatz der veröffentlichten Artikel im Vergleich zu den zu prüfenden Artikeln und desto höher sind die Bearbeitungskosten pro veröffentlichtem Artikel. Das reine Reviewing fällt dabei nicht beim Verlag an. Aber die Verwaltung des Reviewing-Prozesses eben schon.
    Mit dem System der Impact-Faktoren und deren Bedeutung für die Karriere oder die Forschungsmittel an der Uni wurden diese Kosten bei den wichtigsten Zeitschriften extrem nach oben getrieben.

    Zurück also zur Ausgangsfrage: wie sind die 7% Preissteigerung bei wissenschaftlichen Zeitschriften zu bewerten? Durch eine Beantwortung wenigstens einiger der hier aufgeführten Fragen käme man eine sachlichen Bewertung dieser 7% sicher näher. Das würde Verlage und Bibliotheken ein ganzes Stück weiter bringen.

  • Achim Bonte (SLUB)
    30.07.2009 17:50
    Warum Open Access?

    Wie bestellt, erreicht uns heute ein am 22. Juli abgeschlossenes Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages. Darin heisst es: "Die Kritik an Open Access kann kaum nachvollzogen werden. Die hier gemachten Vorwürfe treffen eher auf die traditionellen Vertriebswege zu als auf das neue Publikationsmodell. Mit der digitalen Plattform steht den Rechteinhabern eine adäquate Publikationsalternative zur Verfügung, die insbesondere vor dem Hintergrund der Geschwindigkeit, in der neues Wissen geschaffen wird, erhebliche Vorteile gegenüber den in der Regel teureren traditionellen Vertriebswegen hat. Die Vorteile werden auch in den einschlägigen Untersuchungen der EU und der OECD bestätigt.

    Die Vorteile der Digitalisierung und digitalen Vermarktung urheberrechtlich relevanter Werke für Urheber und Verwerter werden in der gegenwärtigen Diskussion weitgehend ausgeblendet. So wird dadurch oft auch die Nachfrage nach den Werken in nicht digitaler Form wie z.B. nach Druckerzeugnissen gestärkt. Der Online-Buchhandel verzeichnet derzeit mit 20% die höchsten Zuwächse in der Buchbranche. Außerdem bietet das neue Medium vielen Autoren eine kostengünstige alternative Plattform, die keinen Verleger oder Verwerter für ihre Kreativwerke finden."

    Der gesamt Wortlaut unter http://www.bundestag.de/wissen/analysen/2009/heidelbergerappell.pdf

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