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Auf zum frohen Festgesang! Geschichten aus dem Digitalisierungszentrum

Die Massendigitalisierung in der SLUB, die werktäglich zahlreiche neue Titel hervorbringt, verführt leicht zum Geschichten erzählen. Für den 3. Februar lautete die Geschichte etwa so: Im Projekt VD 18, das die Erschließung und Digitalisierung aller im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 18. Jahrhunderts zum Ziel hat, arbeiten wir zu Beginn unsere Unikate auf, d.h. die Titel, die vermutlich nur die SLUB besitzt. Entsprechend befinden sich unter den bislang produzierten 935 digitalen Editionen noch nicht die Erstausgaben von Klopstock, Lessing, Goethe oder Schiller, sondern eher sogenannte Gelegenheitsschriften anlässlich von Geburt, Heirat oder Tod, Amtsdrucksachen, Predigten und ähnliches mehr. Für den oberflächlichen Betrachter geben diese Schriften nicht viel her, jedoch bilden sie unter anderem für die Kultur-, Literatur-, Sprach- und Sozialgeschichte eine unschätzbare Quelle.

Gestern fand zum Beispiel ein zum 24. Dezember 1798 verfasstes Lobgedicht in die digitale Welt, "dem Herrn Geheimen-Kriegsrath Müller und Herrn Baumeister Ludolph Hansen bey dem Empfange der Weihnachtsgeschenke ehrfurchtsvoll gewidmet von denen sämmtlichen Waisenkindern im Georgenhause zu Leipzig". Mit wenig Phantasie sieht man sie vor sich, die armen Waisenkinder des späten 18. Jahrhunderts, die ihren wohlhabenden Gönnern den gebührenden Dank abstatten mußten. Die Zustände in den Waisen- und Armenhäusern waren in der Regel äußerst prekär, die Kinder auf die Barmherzigkeit von Einzelpersonen zwingend angewiesen. Nach einer ebenfalls bereits digitalisierten Landesbeschreibung Sachsens aus dem Jahr 1803 befanden sich im Georgenhaus 1802 157 Jungen und 45 Mädchen, außerdem 63 männliche und 26 weibliche Gefangene, 112 "Versorgte und Wahnwitzige", 29 männliche und weibliche Bettler und "35 zur Correction". 1700/1701 am östlichen Ende des Brühls errichtet, wurde das Georgenhaus 1871 abgerissen. Eine zeitgenössische Ansicht des "Waisen-, Zucht- und Versorgungshauses" aus dem Dresdner Kupferstich-Kabinett ist in der Bilddatenbank der SLUB ebenfalls bereits online.

"Heil Euch, Euren Thaten weiht noch die Nachwelt Lieder; Auf sie blicken hocherfreut Gottes Engel nieder." Dass die Erinnerung der Nachwelt einmal im Internet stattfinden würde, hätten sich noch die Nachfahren aus dem späteren 20. Jahrhundert nicht vorstellen können.

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