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Vormarsch der E-Books. Wie geht's Ihnen damit?

"Der Bücherbranche geht es so wie der Musikbranche Ende der Neunziger mit den Tauschbörsen, sie erlebt gerade ihr Napster". Mit diesen Worten zitiert das Magazin "Spiegel" diese Woche den Gründer von Readmill, eines neuen Social Reading-Portals, und stellt in Aussicht, dass elektronische Bücher im diesjährigen Weihnachtsgeschäft "den Durchbruch schaffen" könnten.

Nun ist der zitierte Vergleich schon deshalb ein wenig gewagt, da die freie Musiktauschbörse "Napster" nach rasantem Wachstum von der Musikindustrie zum Rückzug gezwungen wurde. Richtig ist freilich, dass der Anteil elektronischer Bücher stetig wächst und auch der deutsche Markt vermutlich den Weg gehen wird, den der Buchhändler Amazon USA bereits vorgezeichnet hat: Nachdem Amazon im November 2007 das Lesegerät "Kindle" eingeführt hatte, verkaufte die Firma im Juli 2010 erstmals mehr Kindle-Books als gebundene Bücher. Im April diesen Jahres übertraf die Zahl der von Amazon USA verkauften E-Books schließlich erstmals die Gesamtzahl aller verkauften gedruckten Bücher (Hardback und Paperback).

Wir haben Ihnen vor kurzem über 200.000 zusätzliche E-Books in den SLUB-Katalog gespielt. Was wir an Resonanz statistisch messen können, übertrifft unsere Erwartungen. Daneben interessiert uns aber auch, was Sie jeweils persönlich von derlei Entwicklungen halten und wie Sie damit zurecht kommen. Wie geht es Ihnen mit der neuen Welt der Digitalen Bibliothek? Was bedeutet Sie Ihnen? Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Über Ihre Diskussionsbeiträge hier im Blog oder auf direktem Weg freuen wir uns.

7 Kommentar(e)

  • Promovierende
    21.11.2011 17:42
    Nachweis der E-Books im KVK

    Ich bin gerade bei der ersten großen Literaturrecherche für meine Dissertation in der Angewandten Sprachwissenschaft und freue mich darüber, dass eine große Zahl der Bücher als E-Books in der Slub verfügbar ist. So kann ich die große Fülle an recherchierter Literatur schnell und einfach sichten, einordnen und bewerten. Gerade für einen ersten Überblick über die Literatur finde ich das sehr hilfreich. Keine großen Bücherstapel mehr durch die Slub tragen, sondern nach der ersten Online-Sichtung gezielt die relevante Literatur ausleihen/drucken/... können.

    Aber eine Frage habe ich: Warum sind die E-Books der Slub nicht im KVK verzeichnet? Bei einer Recherche dort stößt man nicht auf das E-Book-Angebot.

    • Achim Bonte (SLUB Dresden)
      21.11.2011 22:53
      @E-Books im KVK

      Hallo,

      vielen Dank für das Lob. Dass die Titel im SLUB-Katalog erscheinen, meist aber nicht im KVK oder anderen überregionalen Verzeichnissen, resultiert aus der besonderen Erwerbungsform. S. das Blog-Post vom 7.11. Wir nehmen von Verlagen oder Großbuchhändlern E-Book-Titel in unseren Katalog auf, für die wir nur zahlen, wenn sie von Ihnen tatsächlich benutzt werden. Bei geringer Nachfrage entrichten wir eine Gebühr, bei stärkerem Zuspruch übernehmen wir die Titel automatisch fest in unseren Bestand. In diesem Fall gelangen sie dann auch in die überregionalen Kataloge, anderenfalls warten sie weiter ausschließlich im SLUB-Katalog auf Kundschaft. Da auch viele andere online verfügbare Quellen (wie Zeitschriftenaufsätze) exklusiv im SLUB-Katalog nachgewiesen sind, sollten Sie Ihre Suche hier beginnen.

      Viel Erfolg mit der Diss.!

  • let
    19.11.2011 13:52
    Interessantes Thema...

    Hm. Ich denke der Punkt des Napster-Vergleichs ist nicht ob Napster langfristig erfolgreich war, sondern den Einfluss den es auf eine relativ unvorbereitete Industrie hatte. Und da finde ich passt das schon.

    Zum Thema:
    Finde ich an sich sehr spannend. Ist aber irgendwie auch schwer einzugrenzen. Ich würde den Erfolg von drei Aspekten abhängig machen.

    1) Die Frage von Technik (E-Book Reader; offene Formate) und Verbreitungswege. Ich habe einen Kindle mit dem ich aus technischer Sicht zufrieden bin. Aber die Plattform finde ich doch sehr einengend. Die Verbreitung (komerzieller) digitaler Inhalte wird im Moment sehr stark von Firmen wie Apple und Amazon kontrolliert.Ich halte aber ein offener Standard für die Inhalte als wesentlich attraktiver.

    2) Die Verfügbarkeit von altem Material (analoge Bücher die einfach digitalisiert wurden). Ist für mich ein wichtiger Punkt. So könnte ich doch ab und zu durch die Bücher (Comics und Romane) meiner Jugend schauen. Die bei jedem Umzug mitzuschleppen war / ist mir nämlich zu aufwändig. Auch kann man so Medien betrachten die im Original / physikalisch einfach unmöglich zu bekommen sind.

    3) Die Innovation beim Erstellen neuer eBooks. Ich will auf lange Sicht auch Medien sehen die die digitale Technik ideal ausnutzen. Geschichtsbücher mit interaktiven Karten, Sprachlehrbücher mit Audioschnippseln. Eine Möglichkeit sich Hintergrundinformationen und Zitatquellen direkt anzeigen zu lassen.
    Da stellt sich natürlich die Frage inwiefern sich diese Technik noch vom bekannten WWW unterscheidet...

  • Christian
    18.11.2011 22:03
    Kommt auf die Art des Buches an

    Es kommt auf die Art/Verwendung des Buches an.

    Bücher die man gerne permanent um sich hat, wie Formelsammlungen, Nachschlagewerke oder Befehlsreferenzen werde ich mit Sicherheit weiterhin gedruckt nutzen. Aber die leihe ich wenn überhaupt nur aus, um zu überprüfen, ob sie kaufenswert sind.

    Gerade wenn man unterwegs ist wäre einem ein leichter E-Book-Reader gefüllt mit Lehrbüchern jedoch ganz recht - besser als das geschleppe von schweren Büchern.

    Entscheidend für mehr digitales Ausleihen ist jedoch die Hardware - auf einem gewöhnlichem PC macht das wenig Freude.
    Und da die Verlage im Bezug auf Preisgestaltung und DRM für den Kauf von E-Books für mich keinerlei Anreize geben, bleiben nur freie Inhalte und das Ausleihen aus der Bibliothek. Für mich als technik-affinen Menschen ist es allerdings wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich mir ein solches Gerät kaufen werde.

    Was man sich dann natürlich wünscht, wäre ein möglichst unkomplizierter Weg sich die Bücher direkt z.B. vom Tablet-PC(sei es nun ein IPad oder ein Android-Tablet) auszuleihen.
    Ich weiß nicht, wie da momentan die praktischen Hürden aussehen(ein paar Stichworte: VPN-Verbindung aufbauen, DRM ohne extra PC mit Adobe Software, Katalog geziehlt nach E-Books durchstöbern). Aber auf viele der möglichen Probleme hat die SLUB natürlich keinen direkten Einfluss.

    Ich finde es auf jeden Fall sehr gut, dass E-Books angeboten werden und (geeignete Hardware vorausgesetzt) werde ich die Angebote mit Sicherheit auch wahrnehmen. Auf dem Laptop machen E-Books aber keinen Spaß, da laufe ich lieber 5 Minuten von meiner Wohnung in die SLUB und hole mir das gedruckte Buch ;-)

  • Sven
    18.11.2011 19:34
    die Zeit wird es zeigen

    Wenn ich eBooks ausleihen könnte, sie mittels DRM verfallen und ich nichts zurück geben müsste, ach das wäre klasse. Da spricht der "faule" Student aus mir.

    Aber wer garantiert mir, dass mein eBook wirklich immer so bleibt. Amazon musste wegen einem Gerichtsurteil eBooks remote von seinen Geräten löschen bzw. kann auch remote Inhalte verändern. Da ziehe ich das gedruckte Wort vor.

    Wer garantiert mir die Unveränderbarkeit?

    Für Belletristik mag das eBook OK sein - Steve Jobs Biografie ließt sich nur auf einem iPad mit dem richtigen Flair :-)

    Aber wenn ich Quellennachweise brauche, ist mir das gedruckte Wort tausend Mal lieber.

    Ja, ich glaub es gibt noch zu viele "aber" in dem großen Ganzen. Die Vor- und Nachteile werden mit der Zeit die beiden Welt und deren Nutzer separieren, genau wie es bei Vinyl und CD der Fall war und ist.

    Ich bin gespannt was die Zukunft bringt, die SLUB ist aber sicherlich auf dem richtigen und vor allem spannenden Weg, weiter so!

    Viele Grüße
    Sven

  • micu
    18.11.2011 13:58
    eBook als sinnvolle Ergänzung zum Buch unter der Bedingung offener und freier eBook-Formate und guter Devices

    Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass das Buch—so wie wir es heute kennen—nicht (so schnell) aussterben wird. Wie das Radio die Zeitung nicht getötet hat, das TV nicht das Radio und das Internet nicht das Buch, wird auch das eBook das Buch nicht töten.

    Zum Genuss eines belletristischen Werks z.B. am Strand oder gemütlich im Bett ziehe ich ein herkömmliches Buch mit Sicherheit vor. Wenn ich aber im Zug unterwegs bin, sehe ich schon einen gewaltigen praktischen Nutzen darin, statt eines schweren Stapels Bücher nur ein einziges eBook-Device mitzuschleppen, das eine gesamte Bibliothek fassen kann.

    Allerdings halte ich eBooks nur unter der Bedingung Offener Standards [1] für die eBook-Formate für akzeptabel. Ansonsten wäre das eBook ein erheblicher Rückschritt gegenüber dem Buch, welches ja auch nicht DRM-verseucht ist.

    Außerdem muss das Device entsprechend komfortabel sein. Bis jetzt ist mir kein Lesegerät untergekommen, das diese Ansprüche wirklich erfüllt. Ein konventionelles Tablet wie das iPad, dessen transmissiver Bildschirm eine Hintergrundbeleuchtung benötigt und das man dementsprechend nur in (dunklen) geschlossenen Räumen sinnvoll benutzen kann, halte ich zumindest für vollkommen ungeeignet. Da geht das Amazon kindle mit seinem reflektiven E-Papier-Display [2] schon eher in die gewünschte Richtung. Das kann man dann aber wiederum ausschließlich zum Lesen verwenden. Eine Kombination aus beidem fände ich schon schön. Dafür bietet sich die Pixel-Qi-Technologie [3] an, welche aus dem OLPC-Projekt [4] hervorgegangen ist. Diese transflektive Bildschirmtechnologie kommt unter anderem im Adam tablet [5] zum Einsatz, das mir aber ein wenig zu klobig erscheint.

    Man wird sehen, wohin die Reise geht. Es bleibt auf jeden Fall spannend.
    ===========================
    [1] http://www.micuintus.de/2010/10/27/die-gesellschaftliche-bedeutung-freier-software-und-offener-standards/
    [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Elektronisches_Papier
    [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Pixel_Qi
    [4] https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=OLPC_XO-1&oldid=95759374#Bildschirm_f.C3.BCr_den_Innen-_und_Au.C3.9Fengebrauch
    [5] https://en.wikipedia.org/wiki/Adam_tablet

    • Jens Mittelbach (SLUB Dresden)
      22.11.2011 08:45
      @eBook

      Danke, micu, für den klugen Kommentar. Auch wir beobachten die technische Entwicklung mit Spannung und freuen uns über jeden, der eine Lanze für offene Standards, offene Daten und Open Access bricht.

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