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Dresden gedenkt der Opfer des 13. Februar vor 70 Jahren

Als am Mittwoch, dem 14. Februar 1945 die "Amtliche Zeitung der NSDAP" für Dresden und Umgebung erschien, muss sie bei vielen ihrer Leser Ärger und Entrüstung hervorgerufen haben. Die Ausgabe des "Freiheitskampfes" mahnte die Hausfrauen im Zuge der geplanten Abwehrmaßnahmen, sich ein "klein wenig mit Taktik zu befassen", denn "der Taktiker wird mit all diesen Maßnahmen [zur Feindabwehr] nicht erst beginnen, wenn der Feind da ist".

Titelblatt der Zeitschrift "Der Freiheitskampf" vom 16.02.1945. SLUB/ Deutsche Fotothek

Dresden hatte gerade das traurigste Ereignis seiner jüngeren Stadtgeschichte erlebt. Die massiven Bombenangriffe hatten die Taktiker der Stadt völlig unvorbereitet getroffen und den propagandistischen Fauxpas erst ermöglicht. Als letzte verbliebende Tageszeitung Dresdens war die Ausgabe des „Freiheitskampfes“ schon vor den Angriffen gedruckt worden. Die Propaganda konnte mit dem dramatischen Kriegsgeschehen nicht mehr schritthalten. Erst mit der Ausgabe vom 16. Februar nahm die Redaktion um "Hauptschriftleiter" Fritz Hoffmeister ihre Arbeit wieder auf.

Obwohl die tragischen Ereignisse den meisten Einwohnern die Aussichtlosigkeit des Krieges vor Augen führten, nutzte die NS-Presse die Angriffe zur Propaganda. Mit Durchhalteparolen wie "Trotz Terror: Wir bleiben hart" und "Unser Kampfeswille bleibt unerschüttert" versuchte "Der Freiheitskampf" die demoralisierte Bevölkerung zum anhaltenden Kampf gegen die vermeintlichen "Untermenschen" zu mobilisieren.

Bis zur letzten Ausgabe am 8. Mai, die zwar gedruckt, aber nicht mehr ausgeliefert wurde, weil die Rote Armee bereits Dresden besetzte, blieb der "Der Freiheitskampf" propagandistisches Sprachrohr der nationalsozialistischen Führung.

Die Ausgaben des "Freiheitskampfs" und weitere Medien zum Dresdner Schicksalstag 1945 gibt es in den Beständen der SLUB. In einem aktuellen DFG-Pilotprojekt werden einige Zeitungen bereits digitalisiert.

Text: Johannes Wolff, Katrin Nitzschke

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