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Heimat(forschung) als Herausforderung: die SLUB auf dem 7. Sächsischen Heimattag in Freiberg

"Sachsen in der Fremde – Fremde in Sachsen" ist das Thema des Sächsischen Heimattags 2017.

Nicht nur die Titelgeschichte im ZEITmagazin der vorvergangenen Woche spricht dafür, dass das Thema und der Begriff "Heimat" neu in den öffentlichen Debatten angekommen sind. Der 7. Sächsische Heimattag am 8. Oktober in Freiberg konnte so ein Thema von hoher politischer und gesellschaftlicher Relevanz aufgreifen. Gerade angesichts der weltweiten Migrationsbewegungen ist die alte Frage nach Heimat und Ankommen wieder aktuell. Zugleich ist diese Frage besonders in Sachsen eine hochemotionale, wie zuletzt die Ereignisse im Rahmen der Einheitsfeiern in Dresden gezeigt haben. Politische Parteien äußern sich in Positionspapieren und fordern etwa eine Verbindung von "Beheimatung und Weltoffenheit". 

Für eine Vereinigung wie den Landesverein Sächsischer Heimatschutz als wichtigster Organisation der Heimatforschung im Freistaat und als Veranstalter des Heimattages berühren solche Debatten das eigene Selbstverständnis zentral. Dies gilt auch angesichts der eigenen wechselvollen Geschichte: 1908 gegründet, musste der Verein in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR seine Arbeit zunächst einstellen. Erst 1990 konnte er sie wieder aufnehmen. Der seit 2009 jährlich durchgeführte Heimattag stand angesichts der aktuellen Debatten diesmal unter der Überschrift "Sachsen in der Fremde – Fremde in Sachsen". Die Vorträge widmeten sich Wanderungsbewegungen in Vergangenheit und Gegenwart – international, aber auch national und regional wie vor und nach der deutschen Wiedervereinigung. An der Schnittstelle von professionell betriebener Forschung, staatlich geförderten Regionalinitiativen und Bürgerwissenschaften wurde in acht Referaten deutlich, dass ",Heimat‘ ein notwendiges Konstrukt unserer Existenz [bleibt]" (Justus H. Ulbricht) – ein Konstrukt, dass in Gesellschaft und Politik immer wieder neu ausgehandelt und gerade im Kontakt mit dem vermeintlichen Fremden herausgefordert wird. Das bürgerschaftliche Engagement auf lokaler und regionaler Ebene, wie es sich unter anderem in der Tätigkeit vieler Hobbyforscher äußert, kann im Sinn einer modernen Heimatpflege zum Dialog zwischen Alteingesessenen und Neuankömmlingen beitragen. Auch in der sich immer weiter globalisierenden Welt kann die Arbeit an der und für die Heimat jenseits ideologischer Aufladungen so ihren Platz haben. Gerade historische Vergleiche können das Verständnis für gegenwärtige Geschehnisse fördern, wie etwa der Vortrag zum sächsischen Schriftsteller/Journalisten Edgar Hahnewald, der aus politischen Gründen aus Deutschland fliehen musste (Swen Steinberg) oder ein Erfahrungsbericht zur "verlorenen und gefundenen Heimat" nach der Flucht und Vertreibung 1945 (Manfred Schober) verdeutlichten. Das individuelle Fluchterlebnis und die Herausforderung der Neuorientierung ermöglichen einen besonderen Blick auf das Thema "Heimat" und die vielfältigen Aneignungsprozesse, die damit verbunden sind. Regional- und Ortsgeschichte als persönliche Geschichte kann so Ausgangspunkt für Begegnung und Austausch werden.

Auch die SLUB ist als sächsische Landesbibliothek für die Regionalforschung da. Die MitarbeiterInnen können Sie bei Ihren eigenen heimatkundlichen Projekten unterstützen, etwa indem wir Sie im Rechercheprozess beraten oder Sie bei den ersten Schritten im Bereich der Familienforschung begleiten. Schon seit längerer Zeit sind die Mitteilungen des Landesvereins – die sogenannten Grünen Hefte – in den Ausgaben bis zu ihrem vorübergehenden Erscheinungsende im Zweiten Weltkrieg in unseren Digitalen Sammlungen verfügbar, der Bestand in der Kollektion Saxonica wächst ständig. Neben der Bereitstellung von Quellen und Forschungsliteratur bieten wir Ihnen auch überregional sichtbare Publikationsmöglichkeiten für Ihre eigenen Arbeiten. Ein aktuelles Beispiel sind die "Beiträge zur Geschichte von Krögis, Barnitz und Nössige" im Landkreis Meißen. Ende 2012 als Gemeinschaftswerk mehrerer lokaler AutorInnen veröffentlicht, waren die Erstauflage und ein Nachdruck in kurzer Zeit vergriffen. Seit wenigen Wochen ist nun eine aktualisierte Fassung auf unserem Dokumentenserver Qucosa unter urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-75960 kostenfrei verfügbar und dauerhaft abrufbar. Ein Vorbild auch für Ihre Forschungsergebnisse? Sprechen Sie uns an.

Fremde in der Stadt

Zwischen Emotion und Kalkül. „Heimat“ im Prozess der Moderne

"Karl Herschowitz kehrt heim". Der Schriftsteller-Journalist Edgar Hahnewald zwischen sächsischer Identität und der Heimat im Exil

Teaserbild: The global flow of people, www.global-migration.info, CC BY-NC.

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1 Kommentar(e)

  • Anke Wartenberg (SLUB)
    11.10.2016 12:40
    Dem Vorbild gefolgt ...

    Im August informierte der Meissner Wochenkurier über das Erscheinen der Online-Version der erwähnten "Beiträge zur Geschichte von Krögis, Barnitz & Nössige" (http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-75960) und die Freude der AutorInnen über die Möglichkeit des elektronischen Publizierens auf Qucosa (http://slub.qucosa.de). Davon inspiriert, hat kürzlich ein weiterer Autor seine vielfach gefragte Arbeit über Qucosa veröffentlicht, um sie in weitaus größerem Rahmen Interessenten zur Verfügung zu stellen, als es mit der Druckausgabe möglich war: Chronik über Pinkowitz und seine Umgebung (http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-76831).

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