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Mit der AfD in die Herbstferien - Buchempfehlung "Endland"

Während die einen sich für das neue Semester startklar machen, gehen die anderen in die Herbstferien. Aus dem SLUB-Fachreferat Kinder- und Jugendbuch kommt deshalb zum Ferienbeginn eine Buchempfehlung für junge Leser sowie für Lehrkräfte im Fach Deutsch oder Politik – und zugleich für alle, die sich nach der U18-Wahl in Sachsen fragen: Warum wählen unsere Kinder die AfD in vielen Wahlkreisen zur stärksten Partei?

 

„Sich ein Land vorzustellen, in dem die AFD die Macht hat? Ein interessantes Gedankenexperiment!“, befand DIE ZEIT in ihrer Rezension des Jugendromans Endland wenige Tage vor der Bundestagswahl. Heute sehen wir dieses Szenario in greifbare Nähe gerückt. Der Journalist und promovierte Politikwissenschaftler Martin Schäuble führt es uns vor Augen.

 

Sein dystopischer Science-Fiction-Thriller spielt in Endland, das sich in den drei Jahren, nachdem die Partei Nationale Alternative an die Regierung gewählt wurde, bereits deutlich verändert hat. Der junge Soldat Anton bewacht die Grenzmauer, die Endland nun umschließt. Begeistert von der Nationalen Alternative und vom Selbstbewusstsein seines Landes radikalisiert er sich zunehmend. Seinem besten Freund Noah ist diese Politik verhasst, die Flüchtlingen keinen Schutz mehr bietet. Im letzten noch verbliebenen Flüchtlingslager Endlands lebt Fana, die nach ihrer Flucht aus Äthiopien ausgerechnet auf Anton trifft und sich mit ihm anfreundet. Als Anton einen tödlichen Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft ausführen soll, ist er gezwungen, sich zu entscheiden: für eine nationale Ideologie oder für seine Freunde.

 

Martin Schäuble, dessen Bücher wie Die Geschichte der Israelis und Palästinenser oder Black Box Dschihad stets auf den Empfehlungslisten für Jugendliteratur stehen, ist als Journalist an seinen Themen ganz nah dran. Er erlernte sein schriftstellerisches Handwerk als Volontär der Chemnitzer Freien Presse, wo er anschließend als Nachrichtenredakteur schrieb. Auch wenn der inzwischen vielfach prämierte Sachbuchautor nun bereits seinen zweiten Jugendroman vorlegt, verzichtet er beim Schreiben fiktiver Texte nie auf journalistische Recherche.

 

In Interviews für den Hanser Verlag sowie für den Radiosender rbb berichtet Schäuble ausführlich von seinen Vorbereitungen für „Endland“: „Ich habe in den rechten Milieus recherchiert, Pegida besucht, an Parteiveranstaltungen teilgenommen, mit Sympathisanten gesprochen und mit Mitgliedern. Ich bin nach Äthiopien gereist und habe dort wie hier mit Flüchtlingen aus den verschiedensten Ländern gesprochen.“

 

Wer mag, führt Schäubles "Gedankenexperiment“ weiter aus und fragt nach der Rolle wissenschaftlicher Bibliotheken wie der SLUB in Endland. Welche Maßnahmen werden wir dort ergreifen, um das „Deutsche Leitbild“ als bildungs- und kulturpolitischen Auftrag umzusetzen? Ob wir als Landesbibliothek weiterhin sämtliche Publikationen aus Sachsen archivieren? Als sogenanntes „Pflichtexemplar“ kam die 2001 im Eigenverlag veröffentlichte Studie von Martin Schäuble über die Sächsische Schweiz in unseren Bestand. Der Titel Rausgehasst. Rassismus und Neonazi-Terror in einer Touristenidylle ist zwar nicht im Buchhandel lieferbar und wird weder auf der Website des Autors noch in seinem Wikipedia-Artikel genannt, steht aber in der SLUB ausleihbar für Sie bereit.

 

Mit diesen Lektüreempfehlungen wünschen wir allen Schülern, Lehrern und Eltern schöne Herbstferien. Vielleicht gehen Sie mal wieder in der Sächsischen Schweiz wandern? Berg Heil!

 

Autorenfoto: www.stephan-roehl.de

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