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Herausforderung Reformation – Zum 31. Oktober 2017

Morgen ist es so weit, der 500. Jahrestag des Thesenanschlags. Luther hat mit seinen 95 Thesen an Kardinal Albrecht von Brandenburg mutig eine Reform der Kirche eingefordert – und eine Reform, eine Revolution des gesamten Staates, der Bildung, der Sprache, der Musik, der Medien ausgelöst, die uns bis heute prägt.

 

Die SLUB-Ausstellung gibt in ihrem Kern mit 31 Luther-Originalhandschriften und 64 Handschriften prominenter Zeitgenossen Einblicke in die Suche nach neuen Erkenntnissen und Wegen und in das enge Briefnetzwerk der Reformatoren. Die vorreformatorische Psalmenvorlesung von 1513 bis 1515 zeigt Luthers theologischen Aufbruch, seine „Warnung an seine lieben Deutschen“ von 1531 verdeutlicht mit dem Aufruf zum Widerstand gegen die altgläubige Obrigkeit den politischen Sprengstoff seines Wirkens.

 

Im SLUB-Museum rings um die Schatzkammer sind dann die frühesten Flugschriften zu sehen, mit denen die handschriftlichen Notizen Luthers, seiner Freunde und Gegner in rasender Geschwindigkeit verbreitet wurden. Herabwürdigungen, Polemiken, Verspottungen inklusive. Wie nah und zugleich fremd die Reformationszeit uns heute ist, verdeutlicht Luthers Kalender der Weltgeschichte (im Ausstellungsbuch die Nr. 43): für ihn dauerte die Schöpfung nur insgesamt 6000 Jahre, von denen 5500 Jahre abgelaufen seien. Luther glaubte also an das baldige Ende der Welt und hatte es deshalb eilig mit der Durchsetzung der Reformation.

 

Luthers Weltchronik: nach 5500 Jahren der Schöpfung sah er das Weltende nahen und hatte es eilig mit der Reformation (Ausstellungsbuch Nr. 43).

 

Luther forderte Schulen und Bibliotheken zu errichten, damit sich die Christen selbst bilden und die Bibel lesen lernten. Der evangelische Pfarrerssohn Lessing baute darauf auf und setzte sich 250 Jahre später für Aufklärung und Toleranz ein: Die Wahrheit zu besitzen könne jeder leicht behaupten, sich der Mühe der Suche nach Wahrheit zu unterziehen und sich durch vernünftiges und menschenfreundliches Verhalten, durch praktisches Handeln seines Glaubens würdig erweisen, das sei die bleibende Herausforderung – und ist es bis heute.

 

Zum Erbe der Reformation zählt, Menschen Bildung, Selbst- und Gottvertrauen zu ermöglichen, sie nicht „mitzunehmen“, wie es heute gutgemeint oft heißt, sondern die besten Voraussetzungen zu schaffen, dass sich der Mensch in Freiheit und Verantwortung selbst aufklären kann. Gibt es ein anspruchsvolleres, grandioseres Bildungsziel im Internetzeitalter?

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