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Auseinandersetzung mit der Geschichte: Sächsische NS-Tageszeitung „Der Freiheitskampf“ digital zugänglich

Ausschnitt der Titelseite von "Der Freiheitskampf"

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist ein wichtiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen und politischen Lebens. Schwierige Aspekte der Vergangenheit aufzuarbeiten und ihre Auswirkungen auf die Gegenwart kennenzulernen, ist unerlässlich für ein demokratisches Miteinander. Dazu gehört es auch, das Gedankengut der NS-Zeit für Wissenschaft und Forschung verfügbar zu machen und in seinen Folgen zu untersuchen. Im Rahmen des DFG-Projekts Digitalisierung historischer Zeitungen hat die SLUB Dresden die Ausgaben der sächsischen NS-Zeitung „Der Freiheitskampf“ von 1930 bis 1945 digitalisiert; das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung erschließt diese inhaltlich in Form einer Online-Datenbank, um die Zeitungen leichter recherchierbar und für wissenschaftliche Zwecke effektiver nutzbar zu machen. Sowohl in der Bibliothek des HAIT als auch an einem passwortgeschützten Spezial-Arbeitsplatz in der SLUB kann "Der Freiheitskampf" eingesehen werden. Aktuell sind die Jahrgänge 1930 bis 1935 fertig bearbeitet und in der Datenbank verzeichnet.

 

Zum Hintergrund

Die nationalsozialistische Zeitung „Der Freiheitskampf“ erschien vom 1. August 1930 bis 8. Mai 1945. Neben Artikeln aus den Bereichen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erhielt sie auch wichtige Informationen zu Daten, Ereignissen und Personen von regionaler Bedeutung. Nach dem kriegsbedingten Verlust zahlreicher NS-Akten stellt die Zeitung eine der zentralen Quellen zur Geschichte des Nationalsozialismus in Sachsen dar. Der jetzt freigeschaltete Jahrgang 1935 soll hier beispielhaft herausgegriffen werden: Knapp zwei Monate vor der Verkündung der Nürnberger Gesetze auf dem Reichsparteitag der NSDAP erschien am 18. Juli 1935 auf der Titelseite des „Freiheitskampf“ eine Liste mit Personen, die seit Ende 1934 in Sachsen wegen „Rassenschande“ verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenburg verschleppt wurden. Allein ein Liebesverhältnis zwischen „arischen“ und „jüdischen“ Personen genügte, um namentlich und mit Wohnort in der Tageszeitung an den Pranger gestellt und bedroht zu werden.

 

 

 

Dies ist einer von vielen antisemitischen Artikeln, die sich im Jahrgang 1935 der sächsischen NS-Zeitung „Der Freiheitskampf“ finden lassen. Mit ihnen sollte der „Volkszorn“ angeheizt werden. In Dresden konnte die Bevölkerung die Stimmungsmache gegen die jüdischen Bürger kaum übersehen. So finden sich Zeitungsberichte über große Banner mit antisemitischen Parolen, die in mehreren Stadteilen sichtbar angebracht wurden. Das Besuchsverbot der städtischen Bäder für Juden verbuchte der „Freiheitskampf“ als direkten Erfolg, da dies die Zeitung bereits mehrfach von der Stadtverwaltung gefordert hatte. Andererseits finden sich auch vereinzelte Hinweise auf Gegenaktionen und solidarisches Verhalten mit den Verfolgten. 

Im Jahrgang 1935 ist außerdem viel über die neue nationalsozialistische Gemeindeordnung, über die Organisation der NSDAP in Sachsen oder über Strafverfahren gegen Kommunisten zu finden.

 

Lesetipp
Thomas Widera, Martin Munke und Matti Stöhr (2017).
"Der Freiheitskampf" – Digitalisierung und Tiefenerschließung einer NS-Zeitung.

 

Autoren: Christoph Hanzig (HAIT) unter Mitarbeit von Cynthia Meißner und Martin Munke (beide SLUB)

4 Kommentar(e)

  • René
    22.02.2018 17:31
    Die Freude wird getrübt

    Gratulation, der Ausschnitt zu den städtischen Bädern ist gut gewählt. Freute man sich damals in Dresden, dass endlich die Juden aus den Bädern verbannt waren, wies im gleichen Jahr die in Wien verlegte „Die Wahrheit“ unter der Überschrift „Dankbarkeit“ darauf hin, dass dem Stifter des [heute wieder nach ihm benannten] Georg-Arnhold-Bades, hätte er noch gelebt, „der Besuch seines eigenen Bades verwehrt [wäre], denn in Dresden ist Juden, wie in anderen deutschen Städten, der Besuch der Gemeindebäder verboten.“
    Drei Jahre später konnte man das in Österreich so auch nicht mehr schreiben.

    Schade ist allerdings die Art und Weise, wie die Digitalisate zugänglich gemacht werden: Nur bei physischer Präsenz im Hauptgebäude der SLUB an einem einzigen Rechner und dann noch immer passwortgeschützt. Dass auch eine Bibliothek Urheberrechte beachten muss, ist klar. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass mehrere Autoren den 1. Januar 1948 nicht mehr erlebt haben, sodass deren Werke bereits gemeinfrei sind. Vom Rest wird ein nicht unbedeutender Teil verwaist sein, einerseits die Erben von später verstorbenen Autoren gar nicht um ihre Rechte wissen, andererseits weil Autorenangaben fehlen. Aus dieser Perspektive scheint es mir unangemessen, dass sämtliche Texte des „jetzt freigeschaltete[n] Jahrgang[s]“ derart schwer zugänglich sind.

    • Martin Munke (SLUB)
      27.02.2018 14:41
      Re: Die Freude wird getrübt

      Hallo René,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Dass die aktuelle Lösung noch keinen Idealfall darstellt, ist uns bewusst. Hinsichtlich der Urheberrechtsproblematik hat ein im Rahmen des Projekts angefordertes Gutachten hat ergeben, dass knapp 25 Prozent der Beiträge im "Freiheitskampf" namentlich gezeichnet und urheberrechtlich noch geschützt sind, wenn die Beiträger nach 1945 noch gelebt haben - die Ermittlung der Autoren bzw. ihrer Erben würde mithin einen sehr hohen Aufwand bedeuten.

      Die Veröffentlichung in der aktuellen Form kann und soll gleichwohl nur ein Zwischenschritt sein. Mittelfristig wäre zumindest die Möglichkeit eines Fernzugriffs anzustreben, der immer noch eine Authentifizierung beinhalten würde – vgl. das Projekt zur SBZ-/DDR-Tagespresse der Staatsbibliothek zu Berlin (http://zefys.staatsbibliothek-berlin.de/ddr-presse/). Langfristig ist der Gesetzgeber gefragt, die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten zur Digitalisierung vergriffener Medien durch geeignete Regelungen auch auf Periodika auszuweiten, um einen wirklichen freien Zugang zu ermöglichen. Zum ganzen Themenkomplex hat Herr Prof. Bürger kürzlich einen Beitrag in der "Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie" veröffentlicht, den ich hierzu empfehle: http://dx.doi.org/10.3196/1864295017643469.

      Freundliche Grüße

      Martin Munke

  • Exil-Dresdner
    22.02.2018 09:57

    Hallo, ein Hinweis: Im Titel fehlt das s bei Freiheitskampf, bite korrigieren.

    Viele Grüße,

    Exil-Dresdner

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