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Wie der Hirsch schreiet - Vokalmusik aus den sächsischen Landes- und Fürstenschulen

Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser" - die Vertonung des 42. Psalms durch Johann Schelle (1648-1701) steht sinnbildlich für das Verlangen nicht nur der einzelnen Seele nach Gott, sondern auch nach adäquaten Ausdrucksformen dieser Sehnsucht.
Vor allem Musik gilt dabei seit jeher neben dem Wort als mächtiges Mittel zu spiritueller Kommunikation und Interaktion.
So wundert es nicht, dass Kurfürst Moritz - nachdem die Lehre Luthers seit 1539 in Sachsen auch ganz offiziell unterstützt wurde - kurz nach Antritt seiner Herrschaft mit der Gründung dreier Landesschulen (1543-1550) ein großangelegtes Bildungsprogramm umsetzte. Dieses diente dem wissenschaftlichen Nachwuchs für politische, theologische und pädagogische Ämter und räumte der Musik eine ganz besondere Rolle ein. Musik nämlich half den Schülern zwar auch, die lateinische Sprache zu lernen, sie half ihnen aber in erster Linie, Gottesdienste - im großen liturgischen wie im kleinen privaten Rahmen - sinnlich und sinnfällig zu feiern.

 

Musikalien der Fürsten- und Landesschule Grimma in der SLUB

Zeugnis dieser reformationshistorisch bedeutenden Musikpraxis legen große Sammlungen und Bibliotheken mit Schulmusikalien ab. Eine der wichtigsten überlieferten Musikalienbibliotheken stammt aus der Fürsten- und Landesschule Grimma und wurde seit Ende des 19. Jahrhunderts schrittweise in die heutige Musikabteilung der SLUB Dresden übernommen. In ihr wird der große Reichtum mitteldeutscher Schul-Musikpflege des 16. bis 20. Jahrhunderts deutlich, einer Musikpflege, die sich jahrhundertelang höchst aktuellen Kompositionen italienischer, mitteldeutscher, aber auch weiter reichender Provenienzen widmete.

Die Grimmaer Sammlung wird sukzessive im Rahmen des Landesdigitalisierungsprogramms online zugänglich und bietet damit der Musikforschung aber auch der Musikpraxis leichten Zugriff auf bisher womöglich wenig bekannte Facetten unserer Musikgeschichte.

Ein Programm des renommierten Sächsischen Vocalensembles stellt am kommenden Freitag, den 4. Mai 2018 in seinem Konzert um 20 Uhr in der Annenkirche Dresden Kompositionen aus den Sammlungen der sächsischen Landes- und Fürstenschulen in den Mittelpunkt und lädt ein, die Vielfalt und Komplexität schulischen Musizierens des 16. bis 18. Jahrhunderts zu erhören.

Auch wenn der Zugriff auf sehr viele Werke durch die Digitalisierung leicht wird: einige der Musikalien sind durch die Zeitläufte so stark mitgenommen worden, dass sie vor einer Digitalisierung restauratorisch behandelt werden müssen - ja, dass ihr Erhalt sogar ganz bedroht ist. Tintenfraß, aber auch äußere Einflüsse im Zuge von Kriegen und Katastrophen gefährden die Benutzbarkeit der Quellen unter Umständen irreversibel.


Durch die an der SLUB beheimatete Landesstelle für Bestandserhaltung kommen neueste Erkenntnisse der Restaurierung auch den Grimmaer Quellen zu Gute, wir freuen uns deshalb über jede Zuwendung, die den Erhalt der wertvollen und unikalen Zeugnisse der sächsischen Musikgeschichte unterstützt.

 

 

 

 

Wie der Hirsch schreiet - Vokalmusik aus den sächsischen Landesschulen / Konzert mit dem Sächsischen Vocalensemble / Freitag, 4. Mai 2018, 20 Uhr, Annenkirche Dresden

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