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470 Jahre Hof- und Staatskapelle Dresden: Herzlichen Glückwunsch!

Am 22. September 1548, seinem Namenstag, unterzeichnete Kurfürst Moritz von Sachsen eine Cantoreyordnung, die der Musik am Dresdner Hof eine neue Wertigkeit bescheinigte. Mindestens elf „große Personen zum Baß, Alt und Tenor“ und neun „Knaben zum Diskant“ sollten fortan unter anderem Gottesdienste, Tafel- und Hoffeste musikalisch ausschmücken.

Damit verfügte das territorialpolitisch ambitionierte albertinische Haus über ein ausstrahlungskräftiges Instrument zur Demonstration seiner Macht und Herrschaftsansprüche nach außen und innen. Über alle - z.T. katastrophalen - Zeitläufe hinweg, wurde dieses Ensemble erhalten und diente der kulturellen Repräsentation des Hofes und später des Landes bis heute.

Die Beurkundung der Dresdner Hof- (heutigen Staats-)kapelle durch Moritz jährt sich nun zum 470. Mal und gibt damit Zeugnis über die älteste ununterbrochen aktive Kapelle – der wir alles Gute zum Geburtstag zurufen und wünschen, die nächsten Jahrhunderte mögen von ebenso viel Vitalität und Engagement für die jeweils aktuelle Musik geprägt sein, wie die vergangenen. Diese Geschichte der Staatskapelle lässt sich in ihren Quellen, die zum Bestand der SLUB gehören, auf das Beste nachvollziehen: Auch wenn ein großer Teil der älteren Kapellmusikalien 1763 zerstört worden sind, ist das Repertoire in Abschriften überliefert (die übrigens anzeigen, wie weit das Dresdner Musikleben als Vorbild reichte). Die jüngeren Notenbestände sind in mehreren Etappen in die Königliche Bibliothek, die Vorgängereinrichtung der SLUB, gelangt. Die Musikalien des sogenannten Schrank II oder des Opernarchivs belegen, digital zugänglich, beredt die Qualität der Kapelle, die Heinrich Schütz als „Liecht unter [anderen] Capellen“ pries, die Jean Jaques Rousseau 1767 in seinem Dictionnaire de musique als „das vollendetste und am besten zusammengesetzte Ensemble“ bezeichnete, von der Beethoven schrieb, „man hört allgemein, dass die Hofkapelle in Dresden die beste in Europa sey“, die Richard Strauss als „das beste Opernorchester der Welt“ rühmte, und deren hervorragenden Leumund man beliebig bis in die Gegenwart zitieren könnte.

Die Musikabteilung der SLUB als Aufbewahrungsort ihrer musikalischen Quellen bietet nicht nur optimale Bedingungen zur Bestandserhaltung dieses Erbes, sie kann durch ihre Infrastruktur auch den bestmöglichen Zugang zu den Zeugnissen der Musikgeschichte bieten. So werden derzeit beispielsweise die Aufführungsmaterialien des frühen 20. Jahrhunderts im Rahmen des LDP digitalisiert und geben demnächst über sachsen.digital jedem Interessierten neue Auskünfte zu Fragen der Interpretations-, Institutions- und Sozialgeschichte der Musik in Dresden. Unserem Glückwunsch zum Geburtstag schließen wir deshalb einen Dank für die gute Zusammenarbeit an und freuen uns auf die nächsten Projekte zur gemeinsamen Dokumentation der facettenreichen Kapellgeschichte.

 

Musikalien der Kapelle aus dem Schrank II und dem Opernarchiv hofmusik.slub-dresden.de

Die Deutsche Fotothek bietet zahlreiche Bilddokumente der Sächsischen Staatskapelle

 

 

Der Beitrag wurde von Katrin Bicher und Cynthia Meißner verfasst.

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