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Aus dem Winterschlaf geholt – historische Filmrollen zu neuem Leben erweckt

Filme, Tonaufnahmen und Videos sind inzwischen ein unverzichtbarer Teil unseres kulturellen Erbes. Ihnen ist alljährlich der 27. Oktober gewidmet, der Welttag des Audiovisuellen Erbes. Die SLUB hat in diesem Jahr einen ganz besonderen Schatz ausgegraben: Erstmals sind historische Filme aus der Sammlung von Ernst Hirsch in der digitalen Mediathek zugänglich.

Sachsen war zwar nie das Produktionsland glamouröser Kinofilme, aber in hiesigen Archiven, Museen und Sammlungen überwintern Filmrollen, aus denen auf besondere Weise das pralle Leben der Region in den letzten hundert Jahren schimmert: Amateuraufnahmen ermöglichen heute einen unvergleichlich lebendigen Zugang zu Orten, die es so nicht mehr gibt, und zu scheinbar marginalen, alltäglichen Begebenheiten, deren Wert und Tiefe uns erst heute mit einem zeitlichen Abstand bewusst wird.

Ein unschätzbares Archiv solcher Rohdiamanten, aber auch Fragen provozierender Spiegelbilder hat der Filmemacher, Kameramann und leidenschaftliche Filmsammler Ernst Hirsch in Dresden aufgebaut. Facettenreich berichten die überlieferten 16mm-Amateurfilmbilder aus Dresden und seiner Umgebung, zumeist film- und sujetverliebt, mitunter im Dienst politischer Propaganda.  

Die berühmte Stadtkulisse ist teilweise in Farbe vor der Kriegszerstörung zu sehen, ebenso wie ihr Wiederaufbau und ihre moderne Umwandlung danach. Der beeindruckende filmische Architekturrundgang reicht von der nicht erhaltenen Sophienkirche bis hin zur Grundsteinlegung für den Bau des Kulturpalastes und zum neuen, hell erstrahlenden Wohnhaus- und Laden-Ensemble auf der Borsbergstraße im Jahre 1959.

Das quirlige Markttreiben vom „Bananen-Richter“ in der Friedrichstädter Markthalle 1934 ist fast zu riechen und – trotz stummer Aufnahmen – beinah lautstark zu hören. Aus anderen Filmbildern springt einen die ausgelassene, provokant-überdrehte Atmosphäre auf den Gauklerfesten der Kunststudent*innen an der HfBK Dresden 1957 förmlich an. Wiederholt entführen die Amateurfilmer in ihre private Lebensumwelt – unverstellter Alltag, den Kinofilme in dieser Art nicht vermitteln können.

Mit dem Förderprogramm „Sicherung des audio-visuellen Erbes in Sachsen“ holen die SLUB Dresden und der Filmverband Sachsen diese analogen Filmschätze aus ihrem Winterschlaf, digitalisieren sie und machen sie der breiten Öffentlichkeit zugänglich. Zum Welttag des audiovisuellen Erbes gibt es nun die ersten 12 Filme aus dem Hirsch-Film-Archiv in der Digitalen SLUB-Mediathek . Die restlichen 38 Hirsch-Filme aus der Zeit zwischen 1928 und 1993 werden derzeit fertig digitalisiert.

Darüber hinaus arbeitet die Koordinierungsstelle „Sächsisches audio-visuelles Erbe“ mit Hochdruck an der Digitalisierung von rund 500 weiteren historischen Film-, Video- und Tonbändern, die Anfang 2020 zugänglich gemacht werden. Und das ist erst der Anfang: 2020 sollen weitere Digitalisierungsvorhaben folgen. Dafür sammeln wir aktuell Vorschläge. Sie haben eine Idee oder vielleicht sogar selbst historische Film-, Video- und Tonaufnahmen daheim? Dann melden Sie sich bei uns! Denn wir sind sicher: Viele unscheinbare Kartons mit Film-, Video- und Tonschätzen sind noch ungeöffnet. Lassen Sie uns diese Schätze gemeinsam heben!

 

Koordinierungsstelle „Sächsisches audio-visuelles Erbe“
André Eckardt
Andre.Eckardt@slub-dresden.de
Tel.:  +49 351 4677-499

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