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30 Jahre Deutsche Einheit: Kinofilm »Schattensucher« digitalisiert und neu vertont

Heute, zum Jubiläum der Deutschen Einheit, wird der Nachwendefilm »Schattensucher« von Wolfgang H. Scholz in neuer Fassung im Dresdner Kulturpalast uraufgeführt und von einem Ensemble der Philharmonie live begleitet. Möglich wurde dies unter anderem durch die aufwendige Digitalisierung der Filmrollen im Programm zur Sicherung des sächsischen Film- und Tonerbes.

Lukas Hänel lässt im Film die Kindheitserinnerungen des Erzählers auferstehen.

Lukas Hänel lässt im Film die Kindheitserinnerungen des Erzählers auferstehen.

Ende der Achtziger Jahre. Wolfgang H. Scholz, Student im Abendstudium an der Kunstakademie Dresden, hat einen Ausreiseantrag gestellt, er wartet. Schließlich flieht er kurzentschlossen aus dem zu eng gewordenen Land. Nur wenige Tage später fällt die Mauer.

Anfang der Neunziger – Scholz lebt inzwischen in München und arbeitet als freier Redakteur und Regisseur für den Bayerischen Rundfunk – nimmt sein ehemaliger Klassenkamerad und Freund Rainer Promnitz den Kontakt auf. Promnitz hat sich direkt nach dem Cello- und Kompositionsstudium 1980 eine Stelle bei der Dresdner Philharmonie erspielt. Scholz erzählt von seinem neuen Projekt, einem halb dokumentarischen, halb gespielten Film über den Schillerplatz, über Blasewitzer und Loschwitzer Sonderlichkeiten und Kuriosa. Eine Suche nach Personen aus seiner Kindheit soll der Film werden. Der Titel daher: »Schattensucher«.

"Rainer Promnitz bot mir an, die Komposition für »Schattensucher« zu realisieren", erzählt Scholz." Ich hatte ein gutes Gefühl bei der Zusammenarbeit. Er hat meine Ideen und Geschichten von mir vor Drehbeginn bekommen und die Komposition während einer Tournee der Dresdner Philharmonie in New York geschrieben und dann in Dresden mit Musikern der Philharmonie eingespielt. Als ich die Musik für den Schnitt bekam, war es verrückt und wunderbar, weil die Sequenzen fast alle perfekt funktionierten."

Der anderthalbstündige Film wurde 1995 auf den beiden renommierten Dokumentarfilmfestivals in München und Leipzig gezeigt; für die feierliche Kino-Erstaufführung war bereits ein Jahr zuvor die Schauburg ausersehen gewesen. Um den Termin hatte es noch Aufregung gegeben: "Die erste Filmversion war grünstichig; wir mussten den Aufführungstermin ganz kurzfristig verschieben und haben dann unter Zeitdruck die gesamte Farbkorrektur wiederholt", erinnert sich Scholz.

Digitalisierung der Filmrollen rechtzeitig zur Aufführung abgeschlossen

Jetzt, 30 Jahre nach der Wende, hat sich Rainer Promnitz noch einmal an eine Neufassung seiner damaligen Komposition gesetzt. Mit Feuereifer, lacht der Musiker, habe er sich die Kompositionen noch einmal hergenommen, hier und da Passagen erweitert und die Stimmen etwas großzügiger besetzen können. So teilen sich nun etwa zwei Schlagzeuger den anspruchsvollen Part und können die unterschiedlichen Klänge aus Xylophon, Gongs, Röhrenglocken und Becken charakteristischer herauskitzeln. Durch Erweiterung des Instrumentariums um ein Akkordeon gibt es überraschende Momente – und weil diesmal Jonathan Stockhammer dirigiert, kann der Komponist und Cellist Promnitz den Sound von Violine, Viola, Cello, Bass, Saxophon, Harfe und Schlagzeug mit einem durchgehend komponierten Cellopart bereichern.

Und auch der Film selbst liegt nun pünktlich in einer neuen, vom Regisseur farbkorrigierten Fassung vor. Zuvor waren die Filmrollen im Rahmen des Programms zu Sicherung des audiovisuellen Erbes in Sachsen, das seit 2019 an der SLUB beheimatet ist, digitalisiert worden. Wolfgang H. Scholz, dessen umfangreiches filmisches Schaffen in der Digitalen Mediathek der SLUB archiviert ist, sieht dem Termin, bei dem die Filmmusik erstmals live zu den Bildern erklingt, mit Spannung entgegen. "Ich freue mich über die Möglichkeit der Aufführung in dieser Qualität. Nun ist es ja schon so etwas wie ein historisches Dokument..."

Hier geht es zur neuen Fassung des Filmes von Wolfgang H. Scholz in der SLUB Mediathek

3. Oktober 2020, 17.00 Uhr, Kulturpalast Dresden

»Schattensucher« eröffnet das Konzert »Lichtspielmusik« im Rahmen der Thementage "30 Jahre Deutsche Einheit". Die Neufassung der Filmmusik von Rainer Promnitz wird unter der Leitung von Jonathan Stockhammer uraufgeführt.
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