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"Mensch, da müssen wir auch mal hin!" – Gespräch über Staatskapell-Tourneefilme online

Die SLUB hat privat gedrehte Erinnerungsfilme eines Dresdner Staatskapell-Musikers digitalisiert und stellt sie in ihrer Mediathek zur Verfügung. Zum heutigen "Welttag des audiovisuellen Erbes" ist nun auch ein ausführliches Interview mit den Familienangehörigen online, das über die Hintergründe der Filmleidenschaft von Alfred Schindler Auskunft gibt.

Was wäre das für ein spannendes Thema für Alfred Schindler gewesen: Die Dresdner Staatskapelle zu Gast im "Neapel am Gelben Meer", der chinesischen Stadt Qīngdǎo! In der ehemaligen deutschen Kolonialstadt, in der deutsche Siedler 1903 die "Germania-Brauerei" gründeten, deren Nachfolgerin bis heute das beliebte chinesische Bier "Tsingtao" braut und in mehr als hundert Länder exportiert... Alfred Schindler, ein ehemaliger Solobratscher des Orchesters, drehte auf den vielen Konzertreisen kleine Filme, nahm neugierig Land und Leute auf, filmte Autos, Konsumprodukte und Straßenszenen in Venedig, Granada oder Toronto.

Im September hatte Alfred Schindlers Familie die Filme auf einer Pressekonferenz vorgestellt. In Anwesenheit der sächsischen Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch, und des amtierenden Orchesterdirektors der Sächsischen Staatskapelle, Adrian Jones, sprach Schindlers Tochter Gabriele Schacht ausführlich über die Filme; kleine Ausschnitte daraus brachten die Anwesenden zum Schmunzeln. Seitdem sind die Filme in der digitalen Mediathek der SLUB für jedermann abrufbar.

"Die privat gedrehten Schmalfilme unseres langjährigen Solobratschers Alfred Schindler stehen nun neben den 'offiziellen' Film- und Fernsehmitschnitten, die von der Staatskapelle aufgenommen wurden, und zeigen Kapellgeschichte aus einem ganz besonderen Blickwinkel. Hier werden die Orchestermitglieder, die allabendlich gemeinsam den berühmten Kapellklang herstellen, ganz privat sichtbar." (Janine Schütz, Leiterin des Historischen Archivs der Sächsischen Staatstheater Dresden).

Digitalisiert wurden die Filme im Rahmen des Programms "Sicherung des audiovisuellen Erbes in Sachsen", das seit zwei Jahren analoge Ton- und Filmschätze aus Privathand, aus Vereinen, Stadtarchiven, Bibliotheken, Fernsehanstalten und musealen Sammlungen für die Nachwelt erhält. Ab heute ist online nun auch ein ca. einstündiges Interview mit den Familienangehörigen abrufbar, das über die Hintergründe der Filmleidenschaft von Alfred Schindler Auskunft gibt. Hier erzählen Hiltraud Schindler (geb. 1927) und ihre Tochter Gabriele Schacht von den besonderen Eindrücken, die die Filme des Musikers bei den Vorführungen im Familienkreis machten. So erzählt Gabriele Schacht über die Wirkung auf die Daheimgebliebenen:

"Wenn man so einiges im Film gesehen hat, war das ein Aha-Erlebnis ... Wie man heute über andere Länder staunt und ein anderes Leben. Genauso war das. Und später sagten wir: Mensch, da müssen wir auch mal hin!"

Im Zuge der Beschränkungen der COVID19-Pandemie wurde vor einigen Wochen leider die geplante Asientournee der Sächsischen Staatkskapelle – und damit auch die beiden Konzerte heute und morgen in Qīngdǎo – abgesagt. So können sich Musikfreunde weltweit nun ersatzweise mit Schindlers Erinnerungsfilmen auf Gedankenreise in den fernen Osten begeben: etwa 1978 nach Japan (im Film zu sehen sind Kyoto, die Alte Kaiserstadt und das berühmte Kirschblütenfest).

Der Welttag des audiovisuellen Erbes ("World Day for Audiovisual Heritage") am 27. Oktober wurde im Jahr 2005 zum 25. Jahrestag der „Empfehlung zum Schutz und zur Erhaltung bewegter Bilder“ von der UNESCO ausgerufen. Er soll das Bewusstsein dafür schärfen, dass die Menschheit in den letzten gut 100 Jahren ein reichhaltiges audiovisuelles Erbe an Tonaufnahmen, Filmen und Videos geschaffen hat, die es als historische Dokumente zu erhalten gilt.


Titelbild: Diese Straßenszene vor einem Kyoter Bäckereigeschäft (ヤマサキパン – "Yamasaki Brot") hielt Alfred Schindler 1978 fest.

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