Sie sind hier

  1. SLUB Dresden
  2. SLUBlog
  3. Beitrag

SLUBlog

Permalink

Von Weihnachtswünschen in „Römischen Schriften“ – Edition der Dresdner Winckelmann-Briefe erschienen

„Möge es Eure Exzellenz belieben, diese wenigen Zeilen zu erhalten […]“ Einst verschollen geglaubt, ist der Briefwechsel des Archäologen und Kunsthistorikers Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) mit dem Grafen Joseph Anton Gabaleon von Wackerbarth-Salmour im jüngsten Band der Reihe „Johann Joachim Winckelmann: Schriften und Nachlass“ herausgebracht worden.

Sie erinnern sich vielleicht: 2017, im 300. Geburtsjahr von Johann Joachim Winckelmann, dem berühmten Begründer der Wissenschaftsfächer Klassische Archäologie und Kunstgeschichte,  gaben wir an dieser Stelle bekannt, dass die SLUB mit finanzieller Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Kulturstiftung der Länder einen verschollen geglaubten italienisch-französischen Briefwechsel zwischen dem Gefeierten und dem Grafen Joseph Anton Gabaleon von Wackerbarth-Salmour (1685–1761), Erzieher und Oberhofmeister des sächsischen Kurprinzen Friedrich Christian, aus dem Antiquariatshandel erwerben konnte.
Noch im selben Jahr wurden die Briefe digital verfügbar gemacht und in der Schatzkammer der SLUB erstmals ausgestellt. 2018 wurden sie dort nochmals im Rahmen einer größeren Ausstellung anlässlich Winckelmanns 250. Todesjahres gezeigt. 

Als krönende Würdigung dieser bedeutsamen Erwerbung erschien im November 2020 eine wissenschaftliche Edition mit Übersetzung und Kommentar von Balbina Bäbler, Lilian Balensiefen, Max Kunze und Adelheid Müller unter Mitwirkung von Davide Ferri und Sabrina Welker im Band 9,2 „Römische Schriften“ der Reihe „Johann Joachim Winckelmann: Schriften und Nachlass“, die seit 1996 von der Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz herausgegeben wird.

Die Dresdner Winckelmann-Briefe sind in diesem Band gut platziert, da sie in Rom geschrieben wurden und über die dortigen Studien des Autors sowie über archäologische Funde aus Rom und Umgebung berichten. Das erste Schreiben, datiert vom 22. Dezember 1759, beginnt (passend zur Jahreszeit) folgendermaßen:

„Möge es Eure Exzellenz [Graf Wackerbarth-Salmour] belieben, diese wenigen Zeilen zu erhalten, mit denen ich erstmals vor Eurer Exzellenz erscheine, um Euch an diesem heiligen Weihnachtsfest die aus der Ergebenheit meines Geistes geborenen Glückwünsche für Eure Gesundheit und Eure Prosperität auszudrücken, die Euch das ganze Land Sachsen und inbesondere alle sich zu den schönen Künsten Bekennenden entgegenbringen.“
(Übersetzung aus dem Italienischen, S. 184 der Edition). 

Wackerbarth-Salmour antwortet am 19. Januar aus München, wo er sich mit dem kurprinzlichen Hof während der preußischen Besatzung Dresdens im Siebenjährigen Krieg aufhielt:

„Lieber Herr Winckelmann, ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre Glückwünsche zum Neuen Jahr in Ihrem Brief vom 22. des vorigen Monates. Meinerseits wünsche ich Ihnen auch jeden erdenklichen Wohlstand. Ich gratuliere Ihnen zu Ihren Fortschritten in der Kenntnis des Altertumes.“ (Übersetzung aus dem Französischen, S. 185 der Edition). 

Diesen guten und vorweihnachtlichen Wünschen schließt sich die SLUB gerne an! 

Creative Commons Lizenzvertrag

Dieser Artikel ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz

0 Kommentar(e)

Kommentar

Kontakt

Kommentar

Absenden