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250 Jahre Beethoven: (auch) eine SLUB-Geschichte

Vor 250 Jahren, am 17.12.1770, wurde Ludwig van Beethoven, vermutlich einen Tag nach seinem Geburtstag, getauft und gab so schon vor einem Jahr Anlass, ein groß gefeiertes Jubliäumsjahr einzuläuten. Auch wir an der SLUB öffneten unsere Türen für "Beethoven bei uns" und präsentierten neben einem Kammerkonzert mit dem Ensemble Ampère Beethoven-Quellen aus unserem Bestand. Nun, ein Jahr später, erinnern wir erneut an die Spuren des Komponisten in Dresden und an der SLUB - diesmal rein digital.

Auch wenn Dresden in der Beethoven-Biographik keine besonders herausragende Rolle spielt, besucht hat Beethoven die Stadt doch, Ende April/Anfang Mai 1796 auf einer Reise von Prag nach Berlin (und vermutlich machte er auch auf der Rückreise noch einmal Station in Dresden). Mit seiner Klavier(kammer)musik rief er in den Salons der Stadt und schließlich auch am Hof Bewunderung hervor:

Beethoven hat sich ungefähr acht Tage hier aufgehalten jedermann, so ihn auf’m Klavier spielen gehört, war entzückt. Beim Kurfürsten von Sachsen, einem Kenner in der Musik hatte Beethoven die Gnade, abends ganz allein ohne Accompagnement bei 1 ½ Stunden zu spielen. S[eine] K[önigliche] D[urchlaucht] sind ausnehmend zufrieden gewesen und beschenkten denselben mit einer goldenen Tabatiere,

berichtete der pfalzbayrische Gesandte Carl Theodor von Schall dem Kölner Kurfürsten Max Franz, Beethovens früherem Dienstherrn, der, auch wenn er die Gehaltzahlungen im Zuge der napoleonischen Besetzungen des Rheinlandes und der kurfürstlichen Flucht einstellen musste, Beethoven-Nachrichten mit Interesse – und sicher auch Stolz – hörte.

Vor Friedrich August III., dem sächsischen Kurfürsten, dessen guter, aber konservativer Musikgeschmack bekannt war, spielte Beethoven, der wiederum ja, wie Waldsteins Stammbucheintrag prophezeite, in Wien gerade „Mozart’s Geist aus Haydens Händen“ erhalten hatte, vermutlich neben Clementi und Bach einige Klavierwerke Mozarts, bevor er mit eigenen Werken und Improvisationen das Konzert beschloss. Der Kurfürst schien angetan und sich Beethovens Namen gemerkt zu haben – jedenfalls orderte er in den kommenden Jahren einige Noten (so sind u.a. die 1798 in Wien erschienenen Streichtrios op. 9 in Dresden überliefert) und äußerte sich wohlwollend, als 1823 der Fidelio unter Carl Maria von Webers Leitung aufgeführt wurde (mit dem die 18-jährige Wilhelmine Schröder ihren Dresdner Einstand gab) oder die Missa solemnis zur Subskription angeboten wurde.

Auf diese Weise sind einige Beethoveniana – frühe Drucke und Abschriften, z.T. mit Beethovenschen Anmerkungen – in der SLUB überliefert. Ergänzt werden diese Werke aus der höfischen Musik-Sammlung durch autographe Beethoven-Skizzen, die vermutlich gezielt als Sammlerstücke erworben wurden, aber auch durch Materialien, die eine vielfältige Beethovenpflege an den sächsischen Landesschulen belegen.

Dass Beethoven der "meistgespielte klassische Komponist" nicht erst der Gegenwart ist, davon profitiert auch unsere Schellackplattensammlung in der digitalen Mediathek, die einige Beethoven-Einspielungen des frühen 20. Jahrhunderts enthält - unter ihnen eine Aufnahme der Klaviersonate op. 2, Nr. 2 mit Artur Schnabel, mithin vermutlich eine der Sonaten, die Beethoven 1796 bei seinem Dresdner Besuch Friedrich August III. vorgespielt haben mag.

Übrigens: Die Beethovenquellen der SLUB sind vor Ort derzeit nicht einsehbar - aber die Berliner Philharmoniker legen mit "Nahaufnahme Beethoven" eine Streaming-Reihe zum 250. Geburtstag des Komponisten auf, die in der Digital Concert Hall über das SLUB-Nutzerkonto erreichbar ist.

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