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Das können Sie nicht wissen, aber... – Gesichter der SLUB #3 – Katrin Nitzschke

Die SLUB ist eine der größten und leistungsfähigsten wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland. Ihr Team besteht aus etwa 350 Mitarbeiter:innen der unterschiedlichsten Disziplinen. Manche wussten schon immer, dass sie in einer Bibliothek arbeiten wollten, für andere war die Bibliothek zuerst ein Buch mit sieben Siegeln.

Regelmäßig befragen wir in der Reihe „Gesichter der SLUB“ Kolleg:innen zu ihrer Arbeit und aktuellen Projekten. Diesmal an der Reihe: Katrin Nitzschke. Sie ist seit 1984 für das Buchmuseum verantwortlich, seit 2021 Corty-Galerie der SLUB.

Was sind Ihre Aufgaben an der SLUB?

Ich bin seit 1975 in der damaligen Landesbibliothek tätig, und leite seit 1984 das Buchmuseum, wo große und kleine Ausstellungen gezeigt werden. Corty Galerie heißt hier im Haus der Bereich für wechselnde Ausstellungen. Das hat sich natürlich geändert. Als ich das damalige Buchmuseum übernahm, waren es drei Räume im Norden Dresdens in einer ehemaligen Kaserne, dem früheren Bibliotheksdomizil. Das Buchmuseum selbst ist 1935 gegründet worden, im Japanischen Palais, wo bis 1945 die Sächsische Landesbibliothek untergebracht war. Dann vereinigten sich 1996 ja beide Bibliotheken, die Sächsische Landesbibliothek und die Bibliothek der TU Dresden, und 2003 zog man in dieses Haus ein. Damals hat man die Tradition wieder aufgegriffen, eine Schatzkammer und einen Bereich für wechselnde Ausstellungen zu installieren. In der Schatzkammer werden die besonders wertvollen Stücke gezeigt. Um dort die Maya-Handschrift zu sehen, kommen die Leute von überall her.

Entweder planen und realisieren die verschiedenen Abteilungen der SLUB die Ausstellungen selbst oder ich kuratiere sie gemeinsam mit den Mitarbeiter:innen. Dann sorge ich  für den zeitlichen Ablauf und die Einhaltung der Termine. Zusammen mit der Öffentlichkeitsarbeit bereiten wir die Ausstellungseröffnungen vor und planen ausstellungsbegleitende Veranstaltungen und Vorträge.

Was bedeutet Ihnen Arbeit?

Es gibt einen Ausspruch von einem berühmten Bibliothekar aus dem 19. Jahrhundert, Ernst Wilhelm Förstemann. Der hat mal gesagt: Begeisterung ist die Signatur meiner Tätigkeit. Diesen Satz kann ich eigentlich nur unterstreichen. Wenn man so eine Arbeit wie ich gemacht hat, dann kann man sich auch leicht damit identifizieren. Dabei war es mir immer wichtig, die Bestände des Hauses sichtbar zu machen, seit 1996 in einer noch größeren Sammlung. Ich wollte zeigen, dass Ausstellungen ein Schaufenster der Bibliothek sind, sowohl im historischen als auch im zeitgenössischen Kontext. Und das bedeutet natürlich, dass man sich auch mit der Bibliotheksgeschichte beschäftigt, vor allem mit den Personen, die mit ihr verbunden sind. Wie haben sie die Bibliothek geprägt? Damit sind wir unwillkürlich bei unserem heutigen Motto „Menschen machen Bibliotheken“.

Was verbinden Sie mit der SLUB?

Begeisterung für Arbeitsaufgaben, die in einer Bibliothek zu lösen sind, die ja zu den modernsten ihrer Art in Deutschland gehört. Und das klappt nur, wenn man sich auf seine Kolleg:innen verlassen kann, auf sie bauen kann. Das empfinde ich als großes Geschenk, dass hier Kollegialität und Hilfsbereitschaft Werte sind, die gerade in schwierigen Lagen präsent sind. So kann man auch schwierige Zeiten und Stress überstehen. Vor allem verbinde ich mit der SLUB auch Respekt vor der Arbeit der Kolleg:innen. Und da ist es mir eigentlich auch egal, ob es der Chef ist oder alle anderen - jede:r nimmt an seiner Stelle die Arbeit ernst. Und dass ich ihm oder ihr das aber auch mitteile, wie froh ich darüber bin, dass sie da sind. Das ist es. Und das war mir stets wichtig.

Was macht für Sie die Bibliothek der Zukunft aus?

Das ist sicher nicht so einfach zu sagen. Im August gehe ich nach 46 Jahren in den Ruhestand. Wenn wir zurückblicken, dann sehen wir innerhalb dieser Zeit einen wahnsinnigen technischen Wandel. Ich habe noch 1975 mit der Hand und Füllfederhalter im alten alphabetischen Katalog geschrieben und mit einem Radiermesser gearbeitet. Dann kommt 1982 die elektrische Schreibmaschine. Es folgen 1992 die Schreibmaschine mit Diskette und 2000 der erste Computer. Das ist ein rasender Technikumbruch gewesen. Die Bibliothek, das Berufsbild des Bibliothekars, wie ich es erlebt habe, wird es in Zukunft sicher so nicht mehr geben. Wenn ich früher etwas wissen wollte, musste ich erstmal in ein anderes Stockwerk gehen. Und dann suchen, suchen, suchen. Das hat sich sehr gewandelt. E-Books, Datenbanken, die Digitalisierung – das findet man in jeder großen Bibliothek vor. Sie wird Veranstaltungs-, Event-, und Lernort sein. Aber ein Forschungsort wird sie immer bleiben. Durch ihre einmaligen Bestände, die sie besitzt und immer noch erwirbt. Trotz Digitalisierung kann man hier die Originale einsehen. Und das wird weltweit genutzt. Wir sitzen hier im Großen Lesesaal. Auf der Empore stehen viele Bibliographien. Die sagen Ihnen nichts mehr, und das verstehe ich auch. Wenn wir damals nach den korrekten Angaben für ein Buch gesucht haben, dann mussten wir in den Bibliographien nachsehen, ob zum Beispiel der Titel stimmt. Die sind alle nach Ländern geordnet. Da drüben, die grünen Mappen mit den weißen Beschriftungen, das ist der alte biografische Katalog. Hinter mir steht der Katalog der Library of Congress in Washington, dort der des britischen Museums in London. Da müssen Sie nicht mehr hineinsehen. Es ist schön, dass man sich die alten Kataloge noch anschauen kann. Aber nutzen werden wir sie kaum noch.

Was machen Sie nach Feierabend?

Wenn der Lockdown überstanden ist, werde ich wieder in den Chor der Friedenskirche in Radebeul gehen und dort u.a. das Weihnachtsoratorium mitsingen, viel reisen und neue Buchprojekte in Angriff nehmen. Ich habe u.a. Sachbücher über Dresden verfasst. Zum Beispiel einen Reiseführer über meine Heimatstadt und ein Buch über berühmte Dresdner herausgegeben. Mehrere Publikationen galten meinem sehr bedeutenden Vorgänger, Erhart Kästner. Wenn Sie mehr wissen wollen, dann geben Sie meinen Namen im Internet ein, und dann kommen ein paar Titel. (lacht) An "Bibliothekserinnerungen" schreibe ich schon. Na 46 Jahre, überlegen Sie mal. Da kennen Sie noch Menschen, die die Bibliothekszerstörung erlebt haben, das Verbrennen von Beständen, das Sterben von Kollegen. Sie sind es wert, dass man sich an sie erinnert, aber auch an die Bedingungen, die in der Bibliothek in den letzten Jahrzehnten geherrscht haben. Es ist mir wichtig, dass man das alles nicht vergisst. Dann wird man auch demütiger gegenüber dem, was man als selbstverständlich ansieht.

Was kann man von Ihnen lernen?

Dazu fällt mir nichts ein. Meine Stärken und Schwächen sind so unauffällig, dass es sich nicht darüber zu reden lohnt. Dass jemand von mir was lernt, das kann ich mir nicht vorstellen.

Worauf könnten Sie im Leben nicht verzichten?

Zwei Sachen: gute Freunde und ein gutes Buch. Menschen auf die man sich verlassen kann, das ist das Wesentliche. Man kann Dinge abschließen. Aber die Kolleg:innen, die werde ich vermissen.

 

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1 Kommentar(e)

  • Katrin Matteschk
    12.05.2021 07:52
    Ich habe viel von Ihnen gelernt

    ... liebe Frau Nitzschke! Was mich bei Ihnen immer begeistert, ist dieser Stolz auf die Bibliothek und das, was Sie über die Jahre an Projekten in der Bibliothek umgesetzt haben.
    Sie sind tatsächlich das wandelnde Lexikon der SLUB.
    Tür an Tür zu Ihnen - durfte ich viel von Ihnen profitieren.
    Ein gelungenes Portrait!

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