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Unwort des Jahres 2015

Edel sei der Mensch,

hilfreich und

( ) gut

( ) schlecht

( ) weiß nich

Denn das allein

Unterscheidet ihn

Von allen Wesen

Die wir kennen.

 

[Die Lösung finden Sie hier auf S. 333.]

 

Die sprachkritische Aktion Unwort des Jahres hat gestern entschieden: Das Schlagwort „Gutmensch“ in Zusammenhang mit der Flüchtlingshilfe diffamiere „Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd“, heißt es. Der Begriff „Gutmensch“ floriere dabei nicht mehr nur im rechtspopulistischen Lager als Kampfbegriff, sondern werde auch von Journalisten in Leitmedien als Pauschalkritik an einem „Konformismus des Guten“ benutzt.

 

Die ehrenamtliche und institutionell unabhängige Sprach-Jury in Darmstadt möchte das Sprachbewusstsein und die Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern. Sie lenkt den Blick auf sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen im öffentlichen Sprachgebrauch, um damit zu alltäglicher sprachkritischer Reflexion aufzufordern. Sprachliche Ausdrücke werden dadurch zu Unwörtern, dass sie von Sprechern entweder gedankenlos oder mit kritikwürdigen Intentionen im öffentlichen Kontext verwendet werden. Die Kritik an ihnen ist Ausdruck der Hoffnung auf mehr Verantwortung im sprachlichen Handeln. Inwieweit der Begriff im Nationalsozialismus Verwendung fand, untersuchte bereits das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung vor einigen Jahren.

 

Schätzen Sie doch einmal, wie viele Einträge die Suche nach „Gutmensch“ in unserem Katalog ergibt? 10, 100 oder gar 1000? Schauen Sie am besten in der Beta-Version des Katalogs nach, dann sehen Sie alle Medien auf einen Blick, die historische Entwicklung der Erscheinungsdaten, die Bandbreite der Fachgebiete, etc. Sie werden staunen! Mein persönlicher Favorit ist der Titel „Wettbewerbsvorteil Gutmensch“. Und Ihrer?

 

Machen Sie’s gut, Mensch!

1 Comment(s)

  • Kathrin Gläßer
    14.01.2016 09:43
    Mensch! Gut!

    Herzlichen Dank für diesen leicht aber deutlich formulierten Beitrag! Eine Wohltat!
    Wir durchwühlen Wörter nach inhaltlicher Effizienz und benutzen sie als Werkzeuge. Dabei bleibt der Zauber und der (Hinter-)Sinn der Sprache so oft auf der Strecke und auch das Selber-Denken!
    Sie haben sicher nicht nur bei mir den Spaß am Selber-Denken geweckt, selbst bei einem so ernsten Thema.

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