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Genuss für den Geist: Unsere Veranstaltungsreihe zum Thema „FOOD“ startet!

Essen in der Bibliothek? Das geht ja gar nicht! In unserer neuen Veranstaltungsreihe aber schon: Wir servieren ein buntes Menü zum Nachdenken und Mitmachen aus Workshops, Gesprächen und Kino. Los geht’s schon an diesem Freitag – seid dabei!

Wolf, Reinhart: Rote Wasserkastanien. Serie: Chinesische Esskultur. SLUB/Deutsche Fotothek. Aufn.-Nr.: adf_rw_0000316.

Vielleicht mag sich der eine oder die andere beim Durchblättern unseres Veranstaltungshefts schon gefragt haben, warum wir dem Thema Essen („FOOD“) in diesem Monat eine so große Aufmerksamkeit schenken. Die Gründe sind vielfältig und die Verbindung zur SLUB überhaupt nicht weit hergeholt. Johannes Wolff, Volontär in der Deutschen Fotothek und Initiator der Reihe, steht im Interview Rede und Antwort. Schmecken lassen!

Johannes, wie bist du auf die Idee gekommen, diese Veranstaltungsreihe ins Leben zu rufen? Wie kommt man von der Fotothek zum Essen?

Ich habe mich schon während meines Studiums viel mit dem Thema beschäftigt und schreibe derzeit auch meine Doktorarbeit über kulturgeschichtliche Fragen zum Thema Ernährung. Außerdem habe ich zwischen 2015 – 2017 beim DFG-Projekt „Weltsichten“ der Deutschen Fotothek mitgearbeitet und bei der Digitalisierung der historischen Fotos gesehen, mit welch großem Interesse bereits Forschungsreisende vor über 100 Jahren die Ernährungsgewohnheiten fremder Kulturen beobachtet und aufgenommen haben. Für mich persönlich gibt es da also viele Verbindungen.

Dass ich dann tatsächlich aber eine Veranstaltungsreihe an der SLUB konzipieren wollte, hat noch ganz andere Gründe, die direkt mit Dresden zu tun haben: Im Rahmen der „Zukunftsstadt“ 2030 beschäftigt sich die Stadt auch intensiv mit nachhaltiger Ernährung und Lebensmittelversorgung. Als weiterer Baustein ist nun die aktuelle Ausstellung „Future Food – Essen für die Welt von morgen“ des Deutschen Hygiene-Museums hinzugekommen. Wir als SLUB möchten uns gern in diesen Bewusstwerdungsprozess einbringen, ihn unterstützen und ein Zeichen in die Stadtgesellschaft senden.

Du hast gerade schon das „Weltsichten“-Projekt angesprochen. Findet man in den SLUB-Beständen noch weitere Schmankerl?

Auf jeden Fall! Ein weiterer, ganz wichtiger Hintergedanke ist, dass wir in der SLUB einen großen Bestand an Medien – über 15.000! – besitzen, die mit Ernährung zu tun haben und Forschenden und Interessierten zur Verfügung stehen.

 

Neben dem ältesten Kochbuch aus Sachsen haben wir mehrere spannende und hochkarätige Nachlässe. Da ist zuerst einmal Walter Putz zu nennen, der 50 Jahre als Oberkellner in den besten Hotels Deutschlands arbeitete und vor allem Literatur zur Kulturgeschichte der Gastronomie sammelte – darunter auch Drucke und Handschriften aus dem 16. Jahrhundert. Thematisch quasi nahtlos an schließt sich der Nachlass des Gastro-Kritikers Wolfram Siebeck, der aus Büchern, Manuskripten, Schriftwechseln, audiovisuellen Dokumenten, Zeichnungen und einer Sammlung von 770 herausragenden internationalen Speise- und Menükarten besteht. Siebeck selbst ist auch deshalb so bedeutend, weil er sich nach dem 2. Weltkrieg als einer der Ersten in Deutschland wieder mit Genussfragen und der Herkunft von Lebensmitteln beschäftigte und damit ein großes Publikum erreichte. Die SLUB besitzt hier wirklich ein wichtiges Stück deutscher Küchengeschichte. Gespannt sein darf man ebenfalls schon jetzt auf den jüngst erworbenen Nachlass von Ernst Birsner, früher Leiter des Kochstudios beim Burda Verlag. Sein ehemaliges Arbeitsarchiv, das eine historische Menü- und Speisekartensammlung mit über 10.000 Exemplaren sowie weitere Kostbarkeiten zur Geschichte der Tafelfreuden mit teilweise unikalen Charakter umfasst, wird derzeit von den Kolleg:innnen in den Bestand eingearbeitet.

Da führte ja einer Veranstaltungsreihe zum Thema Essen bei uns gar kein Weg mehr vorbei! Welche Formate hast du denn im Angebot?

Am 14. Oktober um 19 Uhr freue ich mich, Dr. Philipp Stierand zu einem Gespräch im Klemperer-Saal begrüßen zu dürfen. Sein Buch und gleichnamiger Blog „Speiseräume“ begleiten mich schon lange. Stierand ist von Haus aus Raumplaner und beschäftigt sich mit dem Komplex urbaner Ernährung. Viele Verbraucher:innen sind unzufrieden mit der herrschenden Lebensmittelversorgung. Sie suchen nach Alternativen und neuen Ideen, bauen selbst an, wursten, brauen und gründen grüne Start-ups – zunehmend auch mit der Unterstützung der kommunalen Politik. Stierand sieht deshalb insbesondere die Stadt als Werkstatt für zukünftige Ernährungssysteme und ist mit dem Projekt „Kantine Zukunft Berlin“ selbst auch Teil dieser Transformation. Wir werden seine Berliner Erfahrungen mit der aktuellen Entwicklung in Dresden vergleichen. 

Einen wahren Augenschmaus bieten wir dann am 21. Oktober mit der japanischen Filmkomödie „Tampopo – Magische Nudeln“ an. Sie ist eine Hommage an das Essen selbst. Hinter dem vordergründigen Thema der japanischen Nudelsuppe steht eigentlich die Liebe zum Essen und die Lust an seiner Perfektionierung. Außerdem gefällt uns hier der wunderbar komödiantische Blick in einen anderen Kulturkreis: Liebe geht überall durch den Magen und gemeinsames Essen verbindet.

Schließlich bieten mein Kollege René Grodde, der seit vielen Jahren als Produkt- und Werbefotograf tätig ist, und ich am 28. Oktober um 17 Uhr einen Fotografie-Workshop als Einstieg in die Food-Fotografie an (Achtung: Im Klemperer-Saal, nicht im Makerspace). In Zeiten von Social Media und Food-Blogs sind Fotos vom (eigenen) Essen kein Nischenprodukt mehr. Wir wollen am Beispiel von Lebensmitteln zeigen, wie man aus Produktbildern mit kleinen Tricks mehr herausholen kann, theoretische Grundlagen vermitteln und noch etwas das Thema Bildbearbeitung anschneiden.

Das Thema hat neben dir nun auch noch andere Kolleg:innen zum Mitmachen inspiriert, sodass wir uns auf zwei weitere Workshops freuen können…

Ganz genau – das fand ich auch toll! Somit startet Dr. Julia Meyer nämlich unsere Reihe mit einer Kreativen Schreibwerkstatt in Kooperation mit dem Deutschen Hygiene-Museum am 9. Oktober im SLUB TextLab. Sie vermittelt praktische und theoretische Kenntnisse rund um das Kreative Schreiben und die Teilnehmer:innen können verschiedene Methoden und Techniken in der Praxis erproben. Am 8. Oktober können Interessierte an einer Führung durch die Sonderausstellung im DHMD als Vorbereitung teilnehmen.

Auch unsere Kolleg:innen vom Makerspace sind dabei und widmen sich am 15. Oktober ab 17 Uhr der Haute cuisine der besonderen Art: Wir kochen mit essbaren Kunststoffen! Ein Muss für die ganz Neugierigen unter uns!

Und zum Schluss: Was wünschst du dir für unsere Veranstaltungsreihe?

In erster Linie natürlich, dass die Besucher:innen Freude daran haben und auch etwas zum Nachdenken mit nach Hause nehmen. Gleichzeitig ist es mir ein Anliegen, die Beziehung zu unseren einmaligen Kulinaria-Beständen deutlich zu machen – diese Schätze warten darauf, von den Nutzer:innen der SLUB entdeckt zu werden!

Herzlichen Dank dir, lieber Johannes, für das spannende Gespräch! Und an alle Genießer:innen, Leckermäuler und Interessierte da draußen: Kommt vorbei – ihr seid herzlich eingeladen!

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