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Ein Buch über? Nein: Mit! Holz. SLUB-Lieblingsstücke 3

Unsere Kolleg*innen stellen ihre digital verfügbaren #SLUBLieblingsstücke vor. Dabei kommen nicht nur herausragende Bestände, sondern auch persönliche Geschichten ans Licht. Heute erzählt Simone Fleischer, unsere Koordinatorin des Fachinformationsdienstes Kunst, Fotografie, Design - arthistoricum.net, von einem besonders eindrücklichen Digitalisierungsprojekt, das sie in Kooperation mit der Kunstbibliothek der SKD realisierte.

Seit knapp drei Jahren arbeite ich an der SLUB Dresden und bin dort zuständig für den Fachinformationsdienst Kunst, Fotografie, Design – arthistoricum.net. Eine meiner Aufgaben besteht darin, die digitalen Angebote des FID auch durch fachbezogene Digitalisierungen zu bereichern und auf diese Weise seltenes oder schwer zugängliches Quellenmaterial bereitzustellen. Dabei begegnen mir immer wieder wunderschöne Bücher, Grafikmappen und Objekte, die in Erinnerung bleiben. Ein besonderes Objekt war gleichzeitig auch eines meiner allerersten Digitalisierungsprojekte für den FID. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden kontaktierte mich im Sommer 2017 mit der Frage, ob es möglich wäre, über den FID ein kürzlich erworbenes Buch zu digitalisieren. Dabei handelte es sich um „Burkart's Sammlung der wichtigsten europäischen Nutzhölzer in characteristischen Schnitten“, das um 1881 in Brünn erschien. Das Buch ist heute äußerst selten, es war ein Glücksfall, dass es dem Kunstgewerbemuseum der SKD angeboten wurde, nicht nur, weil es so selten ist, sondern auch, weil ein Exemplar ursprünglich einmal zur Bibliothek des Kunstgewerbemuseums gehörte. Es ist im historischen Bibliothekskatalog von Emil Kumsch, damaliger Leiter der Bibliothek, als erster Eintrag im Bereich „Technik“, Abteilung „Holz“ unter der Nummer 1761 geführt.

Warum aber ist das ein so besonderes Buch, dass die Kunstbibliothek es erwarb und uns um Digitalisierung bat? Der Titel „Burkart's Sammlung der wichtigsten europäischen Nutzhölzer in characteristischen Schnitten“ klingt  nach jenen Muster- und Vorlagenbüchern, wie sie Ende des 19. Jahrhunderts in vielfältiger Form veröffentlicht und von Kunstgewerbemuseen für die eigene Vorlagensammlung angeschafft wurden. Sie dienten Handwerkern, Kunstgewerblern und Entwerfern zum Studium der Materialkunde und der Ornament- und Formgestaltung. In der Regel enthielten diese Lehrmaterialien Bildtafeln mit gedruckten Zeichnungen oder fotografische Reproduktionen. Diese haben natürlich auch ihren ganz besonderen Reiz und beeindrucken nicht selten durch sehr aufwendige Druckverfahren und Gestaltungen (später, beim Aufbau der Digitalen Kollektion „Design“ durfte ich noch einige davon in den Händen halten). In diesem Fall aber – und das machte das Buch zu einem wahren Highlight – wurde das Originalmaterial, also echtes Holz, verwendet! Daher bestehen die vierzig Tafeln aus schwarzem Passepartout-Karton mit je drei Fenstern. In diese wurden von den vorzustellenden Holzarten hauchdünne Schnitte aus drei verschiedenen Perspektiven eingefügt. Im oberen Fenster ist im Querschnitt (bzw. Hirnschnitt) die charakteristische Gestalt der Jahresringe zu erkennen. Darunter sind zwei Längsschnitte angeordnet, die die Maserung des Holzes je nach Schnittrichtung zeigen. Komplettiert werden die Tafeln durch Angabe der Bezeichnung des Holzes in insgesamt sieben Sprachen und der botanischen Bezeichnung. Ein ausführliches Begleitheft stellt zusätzlich die einzelnen Holzarten in ihren Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten vor, so dass sich der Tischler oder Kunstgewerbler umfassend informieren kann.

Das Exemplar, um dessen Digitalisierung wir gebeten wurden, war in einem tadellosen Zustand. Keines der Holzfurniere fehlte oder war nennenswert beschädigt, ebensowenig die Passepartouts. Selbst der Einband hatte zwar schon bessere Tage gesehen, war aber alles in allem in einem wirklich guten Zustand. Als ich die Tafeln das erste Mal in der Hand hatte, fragte ich mich, wie die haptische Besonderheit des Objektes am besten in einem Digitalisat darzustellen wäre. Es „fühlbar“ zu machen, ist digital schwierig, auch die 3D-Oberfläche der Passepartouts würde vermutlich nur schwer darzustellen sein. Die Kollegen des Digitalisierungszentrums hatten schließlich die richtige Idee: Zusätzlich zu Vorder- und Rückseite der Tafeln fertigten wir Durchlicht-Aufnahmen an. Diese waren nicht nur optisch in vielen Fällen äußerst reizvoll. Sie zeigten außerdem zuverlässig Farbigkeit, Porigkeit und Struktur der verschiedenen Hölzer – fast besser als es im Original allein mit den Augen zu erfahren wäre. Mit diesen Aufnahmen konnten wir dem Original also noch eine neue Facette hinzugeben.

Nach dem Scannen wurden alle Tafeln und das Begleitheft umfassend erschlossen und „Burkart's Sammlung der wichtigsten europäischen Nutzhölzer in characteristischen Schnitten“ Teil der Digitalen Sammlungen der SLUB und damit frei für jedermann zugänglich. Und da ich für den FID Kunst, Fotografie, Design zuständig bin, wurde es natürlich auch Teil von arthistoricum.net, dem Portal des FID. Seit letzten Herbst stellt zusätzlich eine Themenseite historische Quellenliteratur zum Kunstgewerbe vor, darunter auch viele der oben erwähnten Vorlagen- und Musterbücher. Burkarts Buch hat natürlich auch dort seinen gebührenden Platz gefunden und eine besonders schöne Durchlichtaufnahme ist zum Titelbild der Seite „Ornamentvorlagen und Musterbücher“ geworden.

1 Comment(s)

  • Reimar Unger
    18.04.2020 11:56
    Interessantes Projekt - Bildqualität in der Onlineversion enttäuschend

    Liebe Frau Fleischer,

    Danke für die Vorstellung dieses Buchscanprojektes. Ich fand ihre Ausführungen sehr interessant. Als ich dann aber auf die Bildansichten gegangen bin und diese vergrößert habe um die Maserung und Faserstrukturen im Detail betrachten zu können, war sehr enttäuscht. Einerseits sind extreme JPEG-Artefakte zu sehen, anderseits ist die Online angebotene Auflösung für diese Art von Werken unzureichend. Das von ihnen angesprochene "Studium der Materialkunde und der Ornament- und Formgestaltung" ist nahezu unmöglich. Früher hätte ich eine Lupe genommen, heute würde ich "reinzoomen". Letzteres bringt bei diesem Digitalisat nichts mehr.

    Viele Grüße
    Reimar Unger

    PS: Vielleicht liegt es ja nur an der JPEG-Konvertierung für die Online-Darstellung

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