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SLUB-Lieblingsstücke 2: Von blühenden Büchern und starken Frauen

Es grünt so grün … passend zum Frühling bringen wir euch die Natur nach Hause – mit einem besonders blumigen SLUB-Lieblingsstück aus unserem historischen Bestand.

Foto: Ramona Ahlers-Bergner

Unsere Kollegin Katrin Nitzschke kann man wirklich als wandelndes SLUB-Lexikon bezeichnen: Sie arbeitet seit 1975 in der – damals noch – Sächsischen Landesbibliothek und kennt daher den Bestand und die Geschichte des Hauses wie ihre Westentasche. Sie begann als Hilfskraft, absolvierte bis 1979 ein Fachschulstudium in Leipzig, auf das von 1982-1987 ein Studium der Kulturwissenschaften folgte und übernahm 1984 die Leitung unseres Buchmuseums. Dort ist sie seitdem für Dauer- und zahlreiche Sonderausstellungen maßgeblich verantwortlich.

 Als Höhepunkte während meiner Zeit als Museumsleiterin fallen mir insbesondere zwei Ausstellungen ein: Als 1996 die „Dresden Treasures“ in der Library of Congress in Washington D.C. gezeigt wurden, waren wir die erste deutsche Bibliothek, die in den USA ausstellen durfte. Bei der großen Schau zum Maya-Codex 2011/12 hat mich die unglaublich positive Besucherresonanz überwältigt.

Katrin Nitzschke könnte wahrscheinlich 100 Lieblingsstücke nennen – besonders angetan hat es ihr aber das „Neue Blumenbuch“ Maria Sybilla Merians.

Sprichwörtlich in die Hände gefallen ist mir das Buch zum ersten Mal an meinem ersten Arbeitstag in der Landesbibliothek – ich war 19 Jahre alt und kannte bisher nur die Nachdrucke. Tatsächlich physisch in die Hand nehmen durfte ich es dann als Leiterin des Buchmuseums. Aufgrund seiner Berühmtheit ist es sehr oft für Ausstellungen ausgeliehen worden, sodass es sich nun im Magazin unter optimalen klimatischen Verhältnissen erst einmal vom vielen Reisen erholen muss.

Kein Problem, denn das Werk ist inzwischen komplett digitalisiert zu genießen, wobei Katrin Nitzschkes Herz natürlich insbesondere für das Original schlägt, das in vielerlei Hinsicht bemerkenswert ist.

Unser Exemplar ist eines der wenigen, das fast vollständig erhalten ist. Merian hat ihr Blumenbuch ja als Vorlage für Stickereien herausgebracht – sie selbst unterrichtete junge Damen darin. Es war also ein Gebrauchsgegenstand, was dazu führte, dass häufig Seiten herausgetrennt wurden, sowohl als Stickmuster als auch zum Dekorieren der Wohnung. Was außerdem hervorzuheben ist, sind die brillanten Farben. Sie sprechen dafür, dass die Künstlerin dieses Buch tatsächlich selbst koloriert hat.

 

Die einzigartigen Stiche faszinieren zum einen durch ihren Detailreichtum, zum anderen durch das kleine Augenzwinkern, das Merian jedem einzelnen mitgegeben hat: Hier flattert ein Schmetterling, da seilt sich eine Spinne herab, dort ist gerade auf einem Blatt eine Libelle gelandet. Gerade dieser liebevolle und interessierte Blick auf die Insektenwelt ist für die damalige Zeit alles andere als selbstverständlich – schließlich galten Insekten bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts lediglich als „Ungeziefer“, das keiner weiteren Betrachtung lohnte. Doch nicht nur das Buch selbst fasziniert Katrin Nitzschke, sondern auch dessen Autorin:

Maria Sybilla Merian war in ihrer Zeit eine absolute Ausnahme: Sie nutzte die wenigen Möglichkeiten, die ihr als Frau zur Verfügung standen – in ihrem Fall die Gestaltung von Handarbeitsbüchern – und verschaffte sich so einen Einstieg in Wissenschaftskreise, wo sie große Anerkennung erlangte. Auch nach der Trennung von ihrem Mann konnte sie so auf eigenen Beinen stehen und unternahm sogar allein mit ihrer Tochter ihre Forschungsreise nach Surinam. Wirklich eine starke Frau!

Und warum sollten sich möglichst viele Menschen Merians Werk anschauen?

Das Buch spricht alle Sinne an – es holt die Natur nach Hause in einer Zeit wie dieser, in der viele Menschen aufgrund von Ausgangsbeschränkungen etc. bedrückt sind. Auch nach dem 30-jährigen Krieg, als das Werk entstand, war der Alltag für die Menschen alles andere als leicht. Merian schafft es, mit ihren Büchern auch wieder Lebensfreude zu vermitteln.

Lassen wir uns also von Katrin Nitzschkes Begeisterung anstecken und freuen uns auf die Zeit, in der wir Schätze wie ihr #SLUBLieblingsstück wieder im Original im Buchmuseum bestaunen dürfen! Denn das ist für sie das Wichtigste an ihrer Arbeit:

Die Bibliothek soll ein offener Ort für alle sein!

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Ihr habt auch ein Lieblingsstück? Dann teilt es mit uns - wir freuen uns auf eure Anregungen in den Kommentaren!

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