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Matthias Blumhagen - Der letzte Fotograf des 19. Jahrhunderts

Kürzlich konnte die SLUB den Vorlass des Dresdner Fotografen Matthias Blumhagen erwerben. Nun steht mit 680 Werken ein umfassender Teil seines Werkes im Archiv der Fotografen der Deutschen Fotothek online weltweit zur Verfügung.

Das analoge Foto zeigt mehrere übereinander gelehnte Glasscheiben. Diese sind teilweise beschädigt und ergeben ein vielschichtiges Muster.

Matthias Blumhagen, Ohne Titel, 1987, Eigentümer: SLUB / Deutsche Fotothek

Blumhagen (*1951 in Dresden), der in den 70er-Jahren an der HfBK Dresden Bühnenbild studierte, fand seinen Weg zur Fotografie als Autodidakt. Fasziniert vor allem vom handwerklichen Potential des Mediums, arbeitete er vorrangig mit historischen Kameras und experimentierte mit großformatigen Bild- und Aufnahmeformaten. Dabei sind seine Fotografien „ein Bekenntnis zum Kontaktabzug, einer eins zu eins Übersetzung des Formats vom Negativ aufs Papier, ohne jede Vergrößerung. Sie zeugen von einem perfekten Beherrschen des Zusammenspiels zwischen Papierqualitäten und Entwicklerchemikalien, mit dem er sehr spezielle Wirkungen zu erzielen vermag.“ [1] Nach Tätigkeiten als Bühnenbildner an Theatern in Potsdam und Frankfurt an der Oder kehrte er 1981 nach Dresden zurück und richtete sich dort sein erstes eigenes fotografisches Labor ein. In den Folgejahren entschied er, die Fotografie als sein primäres künstlerisches Medium zu verstehen und sich hauptsächlich mit dieser zu befassen und sein Werk erstmals im Rahmen von Ausstellungen zu präsentieren. Nachdem Blumhagen zwischen 1998 und 2003 diverse Lehraufträge an der HfBK Dresden innehatte, war er schließlich bis 2016 als Leiter der Werkstatt für Fotografie an der Hochschule tätig.

Neben einem präzisen Geschick für Komposition und Bildausschnitte, ist in Blumhagens Werk vor allem das Zusammenspiel von Melancholie und Sachlichkeit von zentraler Bedeutung. Handelt es sich bei seinen Motiven vorrangig um Stillleben, übermitteln diese Erinnerungen an Menschen und Geschehnisse – ob Sepulkralskulpturen auf Friedhöfen, durch Blitzeinschläge gezeichnete Bäume auf Usedom oder Arrangements von Alltagsgegenständen im privaten Raum. Insbesondere bei letzterer Reihe ist deutlich spürbar, welchen Einfluss Blumhagens ursprünglicher Beruf des Bühnenbildners darauf hatte, wie er Raum begreift, mit Materialität umgeht und Licht und Schatten als Gestaltungselemente einsetzt.

Der Vorlass enthält insgesamt rund 9.100 Negative, 435 Diapositive und rund 3.700 Prints sowie Digitalfotografien die im Zeitraum von 1978 bis 2020 entstanden sind. Ein Teil von Blumhagens Werk ist bereits jetzt online verfügbar, weitere Fotografien sollen zukünftig noch zugänglich gemacht werden. 

Die Werke weiterer Fotograf:innen sind im Archiv der Fotografen der Deutschen Fotothek zu finden.

[1] Grit Mocci: Der letzte Fotograf des 19. Jahrhunderts: Matthias Blumhagen, in: PluSZ; (2002), 13 vom 28.03.-03.04

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