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Autor: Konstantin Hermann

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Zu Diensten. Häusliches Dienstpersonal des 19. Jahrhunderts in den digitalen Quellen der SLUB

 

Vor wenigen Wochen konnte die 100.000er Marke in den Digitalen Sammlungen geknackt werden. Eine abstrakte Zahl, zunächst, aber: Je mehr gedruckte und handschriftliche Quellen digital zur Verfügung stehen, verknüpft und ausgewertet werden können, desto mehr ändert sich die Arbeitsweise in den historischen Wissenschaften. Die Anforderungen an Quellenkritik und das Beherrschen der Arbeitswerkzeuge einer Historikerin/eines Historikers bleiben.

 

In Vorbereitung des Landesdigitalisierungsprogramms für Wissenschaft und Kultur 2019/2020 stießen wir in einem Archiv auf fünf Bände einer sozial- und migrationsgeschichtlich wertvollen Quelle, einem Dienstbotenregister aus dem 19. Jahrhundert. Hier wurden alle diejenigen mit Namen, bisherigem sowie aktuellen Arbeitgeber erfasst, die sich als Dienstboten in den Haushalten verdingten. Die Register enthalten auch die Angabe über die Zeitdauer der Beschäftigung und die verbale Leistungseinschätzung sowie, wenn bekannt, den zukünftigen Arbeitgeber. Wir wollen diese Quelle digital zur Verfügung stellen, damit orts- und zeitunabhängig darauf zurückgegriffen werden kann.

 

Solche Dienstbotenregister sind, so Dörthe Schimke, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, für die großen Städte Sachsens kaum überliefert und stellen insgesamt eine recht selten erhaltene Quellengattung dar.  Dörthe Schimke erforscht für ihre Dissertation über häusliches Dienstpersonal im Königreich Sachsen (1806-1918) unter anderem den Stellenmarkt für Dienstboten in den sächsischen Städten. Wer im 19. Jahrhundert ein Dienstmädchen benötigte oder wer als Kindermädchen oder herrschaftlicher Kutscher eine Stelle suchte, der wurde zunehmend im Anzeigenteil der großen städtischen Tageszeitungen fündig. Die Analyse dieser Inserate ermöglicht erkenntnisreiche Einblicke in den historischen Stellenmarkt der Dienstboten: Welche Kenntnisse und Fertigkeiten sollte das häusliche Dienstpersonal aus Sicht der bürgerlichen Arbeitgeber idealerweise mitbringen? Mit welchen Eigenschaften warben Dienstmädchen für sich? In welchen Monaten traten männliche und weibliche Dienstboten typischerweise ihren Dienst an? Welche Stellen wurden überhaupt angeboten und gesucht: Waren es mehr Köchinnen und Kindermädchen oder Kutscher und Diener? Die Digitalisierung von Quellen und historischer Sekundärliteratur macht die Forschungsarbeit leichter und erlaubt Bezüge untereinander, die mit gedruckten Medien gar nicht oder wesentlich aufwändiger herzustellen waren. So können etwa die Ortsangaben aus den Stellenanzeigen mit wenigen Klicks mit den digitalisierten Adressbüchern abgeglichen werden, um etwa der Frage nachzugehen: Wer suchte überhaupt nach Dienstpersonal? Waren es Ärzte oder Beamte oder gar kleine Handwerker? In welchen Stadtvierteln konzentrierten sich Dienstboten bzw. deren wohlhabende Dienstherrschaften? Zentrale, dafür benötigte Quellen wurden in den vergangenen Jahren digitalisiert, die Dörthe Schimke verwenden kann: historische Tageszeitungen, die Protokolle des Sächsischen Landtags, Adressbücher und Jahresberichte von Dienstmädchenheimen. So ermöglichen letztere zum Beispiel Einblicke in den Alltag im Dresdner Marthaheim, einer von einem christlichen Verein getragenen Zuflucht und Ausbildungsstätte für nach Dresden ziehende, meist sehr junge Dienstmädchen ab 14 Jahren im 19. Jahrhundert.

 

Frau Schimke wünschen wir viel Erfolg bei ihrer weiteren Forschungsarbeit und freuen uns auf die Ergebnisse.

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Zittauer Geschichtsquellen digital

Zittau ist dabei: Mit der Digitalisierung von über 1.100 historischen Titeln zur Stadt- und Regionalgeschichte Zittaus ist die Zahl der sächsischen Einrichtungen, die ihre Bestände auf dem Portal  Sachsen.digital präsentieren, weiter gewachsen.

 

Die Christian-Weise-Bibliothek Zittau mit ihrem wertvollen Altbestand nahm am Landesdigitalisierungsprogramm für Wissenschaft und Kultur 2018 teil. Das Programm verfolgt u.a. das Ziel, kleinere Institutionen zu unterstützen, ihre Bücher und Handschriften zu digitalisieren und frei zur Verfügung zu stellen. Das Landesdigitalisierungsprogramm leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Regionen in Sachsen.

 

Die Onlinepräsentation der digitalisierten Bestände wurde nun abgeschlossen. 350 digitalisierte Titel zur Geschichte Zittaus, der Oberlausitz und des nördlichen Böhmens gewähren einen interessanten Einblick in die Vielfalt der regionalen Literatur im Zittauer Altbestand. Dazu gehören u. a. die beiden Zittauer Geschichtswerke „Analecta Fastorum Zittaviensium“ (1716) von Johann Benedict Carpzov. Digitalisiert wurden auch die Exemplare aus dem Besitz des Heimatforschers Carl Gottlob Moráwek, die einen besonderen Quellenwert haben: Moráwek nahm in seinen Autorenexemplaren umfangreiche handschriftliche Ergänzungen vor und klebte zeitgenössische Zeitungsberichte ein.

 

Der zweite Bestandsteil, der digitalisiert wurde, umfasst die Sammlung „Gelegenheitsschriften von Christian Weise“ mit 750 Titeln. Christian Weise leitete von 1678 bis zu seinem Tod dreißig Jahre lang das Zittauer Gymnasium. Unter seiner Führung erlebte es seine Blütezeit. Weise war aber auch für die Zittauer Ratsbibliothek verantwortlich und als Schriftsteller erfolgreich. Vor allem seine Schultheaterstücke machten ihn bekannt. Darüber hinaus schrieb Christian Weise auch Gedichte, Romane sowie Lehrbücher in lateinischer und deutscher Sprache. Außerdem veröffentlichte er hunderte von Gelegenheitsschriften zu Geburten, Hochzeiten, Todesfällen, Amtsübernahmen Zittauer Bürger sowie Schulschriften.

 

Damit liegen unschätzbar wertvolle Quellen zur Zittauer und Oberlausitzer Bildungs- und Kulturgeschichte digital vor. Auch Genealogen werden noch manches darin entdecken können. Die Gelegenheitsschriften wurden bisher noch nicht in Weises „Sämtliche Werke“ aufgenommen.

 

Über 300 Jahre nach ihrem Erscheinen sind sie nun frei und im Volltext online verfügbar. Diese Präsentation bietet der Christian-Weise- und Barockliteraturforschung ganz neue Möglichkeiten und Impulse.

 

Uwe Kahl, Konstantin Hermann

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Buchstadt Leipzig – Leipziger Drucke auf Sachsen.digital

 

Gerade ist es wieder soweit: Die Leipziger Buchmesse startet und lädt Leserinnen und Leser, Autorinnen und Autoren, Fachpublikum und Verlage ein, sich rund ums Buch auszutauschen und zu informieren.

 

Leipzig als Buchstadt

 

Dass das Buch in Leipzig Tradition hat, zeigt ein kurzer Blick in die Stadtgeschichte. 1481 erschien in der Werkstatt des Buchdruckers Marcus Brandis der früheste bisher bekannte Leipziger Druck und noch um 1500 siedelten weitere Drucker in der Stadt ihr Unternehmen an. Auch Buchmessen gab es in Leipzig bereits seit den 1490er Jahren. Diese trugen zunächst eher regionalen Charakter, gewannen aber zunehmend an Bedeutung. So gelang es der Leipziger Buchmesse um 1680 der Frankfurter Messe ihre bis dahin führende Position streitig zu machen. Im 17. Jahrhundert hatte sich die Stadt zudem zu einem wichtigen Druckerei- und Verlagsstandort entwickelt und gewann auch als ein Zentrum des Zwischenbuchhandels bald weitreichende Bedeutung. Im Jahr 1900 gab es in Leipzig schließlich über 2.200 Unternehmen aus der Buchbranche. Der Großteil der Firmen, zu denen bekannte Namen wie Breitkopf & Härtel, Brockhaus oder Reclam zählten, befand sich dabei im Graphischen Viertel in der Leipziger Ostvorstadt. Die Gründung von aufs Buch spezialisierten Ausbildungsstätten und von Einrichtungen wie dem Börsenverein der Deutschen Buchhändler oder der Deutschen Bücherei stärkte darüber hinaus Leipzigs Position als Buchstadt. Durch die Kriegsgeschehnisse und politischen Umbrüche verlor die Stadt im 20. Jahrhundert ihre führende Rolle auf dem Gebiet des Buchhandels und -gewerbes. Unter anderem mit der ab 1991 neu gestarteten Leipziger Buchmesse und dem Literaturfest „Leipzig liest“ konnte Leipzig jedoch in jüngerer Zeit wieder an alte Traditionen anknüpfen.

 

 

 

Bücher aus Leipziger Verlagen auf Sachsen.digital

 

Ein Zeugnis für Leipzigs Blütezeit als Buchstadt findet sich nun auch auf Sachsen.digital. Die Universitätsbibliothek Leipzig hat aus Mitteln des von der SLUB koordinierten Landesdigitalisierungsprogramms für Wissenschaft und Kultur über 9000 Bände aus Leipziger Verlagen digitalisiert, die weltweit genutzt werden können und auf den Seiten der UB Leipzig und der SLUB Dresden bereitgestellt werden. Die Drucke stammen aus der Zeit 1851 bis 1920 und spiegeln damit die große Zeit des Leipziger Buchwesens wider, als mehrere Verlage ihren Sitz in der Stadt an der Pleiße hatten. Ein Blick in die von der SLUB digitalisierten Adressbücher Leipzigs in die Rubrik Buchhandlungen und Verlagsbuchhandlungen verdeutlicht die damalige reiche Verlagslandschaft mit ihren großen Namen

 

Besonders ertragreich für die Forschung zur Gründungsgeschichte der Weimarer Republik, deren Gesellschaft und der politischen Konflikte dieser Zeit könnten die Drucke von 1919/1920 sein. Diese stehen nun als frei zugängliche Quellen digital zur Verfügung. Dazu gehört auch „Der Fall Valentin“. Veit Valentin, außerordentlicher Professor an der Universität Freiburg, hatte vor der expansiven Politik der Alldeutschen im Ersten Weltkrieg gewarnt. Schnell geriet Valentin ins Visier Georg von Belows, des Prorektors der Universität, der ihm vorwarf, den alldeutsch gesinnten Ernst Graf von Reventlow in einer Rezension „persönlich erledigt“ zu haben. Aufgrund des massiven Drucks musste Veit Valentin 1917 auf seine Lehrberechtigung an der Universität Freiburg verzichten. Linksliberal und demokratisch, was sich in Valentins Veröffentlichungen deutlich ablesen lässt, emigrierte er 1933 nach England und später in die USA. Die von Felix Rachfahl, Geschichtsprofessor an der Universität Freiburg, herausgegebene Dokumentensammlung zum damals aufsehenerregenden Prozess um den „Fall Valentin“ finden Sie nun sowohl auf Sachsen.digital als auch in den Katalogen der SLUB und der UB Leipzig.

 

 

 

Wir wünschen Ihnen viel Freude und viele neue Erkenntnisse bei der Nutzung der Drucke Leipziger Verlage.

 

Konstantin Hermann / Annette Scherer
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SLUB unterstützt DEAL-Verhandlungen – Vertrag mit Wissenschaftsverlag Elsevier nicht verlängert

Am 31. Dezember 2018 lief der Vertrag zwischen dem Erwerbungskonsortium sächsischer Hochschulbibliotheken und dem Verlag Elsevier zum Bezug von Zeitschriften aus. In Absprache mit dem Rektorat der TU Dresden hat sich die SLUB wie zahlreiche andere Einrichtungen in Deutschland entschlossen, die Elsevier-Lizenzen aus wissenschaftspolitischen Gründen nicht zu erneuern. Wir werden damit die Verhandlungen der DEAL-Verhandlungsgruppe unterstützen, deren Ziel ist, eine angemessene Literaturversorgung von Forschung und Lehre auf nationaler Ebene langfristig abzusichern. Dazu gehört Preistransparenz ebenso wie die planvolle Transformation hin zu Open-Access-Publikationsmodellen. Zu den besonderen Schwierigkeiten mit dem Großverlag Elsevier informieren wir in diesem Brief. Informationen zum gegenwärtigen Stand der Verhandlungen finden Sie auf den Webseiten der DEAL-Gruppe, insbesondere in deren Blog: https://www.projekt-deal.de/aktuelles-blog-start/

 

 

Die Versorgung unserer Nutzerinnen und Nutzer  mit Artikeln aus Elsevier-Zeitschriften ist auch vor dem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen  gewährleistet. Die SLUB besitzt das Archivrecht für einige Elsevier-Journals bis zum 31. Dezember 2015. Sie sind nach wie vor über ScienceDirect zugänglich. Darüber hinaus steht Ihnen das Open Archive von Elsevier zur Verfügung, in dem Aufsätze nach dem Moving-Wall-Prinzip verfügbar sind. Neuere Literatur aus Elsevier-Zeitschriften beschaffen wir Ihnen über unseren Fernleihservice. TU-Angehörigen sowie registrierten SLUB-Nutzern vor Ort standen die lizenzierten Elsevier-Zeitschriften bislang zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung. Um die Einschränkungen für Sie so gering wie möglich zu halten, setzen wir die Fernleihgebühren von 1,50 € pro Bestellung für alle angemeldeten Nutzerinnen und Nutzer der SLUB Dresden daher bis auf weiteres aus.

 

Bitte bestellen Sie Ihren gewünschten Artikel über unser Fernleihportal (https://slubdd.de/fernleihe). Die Lieferzeit für Fernleihbestellungen beträgt grundsätzlich ein bis zwei Wochen. Elsevier-Artikel, die aus e-Only-Zeitschriften stammen, können wir deutlich schneller zur Verfügung stellen. Bei Bestellungen, die aus Print-Zeitschriften bedient werden können und deren Umfang mehr als 20 Seiten beträgt, kommen Kosten auf Sie zu. Details zum Fernleihverfahren entnehmen Sie bitte unserer Webseite zur Fernleihe.

 

Wir hoffen, dass wir und viele andere Wissenschafts- und Informationseinrichtungen in Deutschland den Verlag Elsevier mit unserem Verzicht auf die weitere Lizenzierung seiner Produkte zu wissenschaftsfreundlicheren Vertriebsmodellen bewegen können. Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung.

 

Mehr zum Thema Open Access und entsprechenden Service-Angeboten der SLUB lesen Sie hier.

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Genealogiedatenbank Ancestry als SLUB-Lizenz

Als besonderes Angebot können Sie ab sofort innerhalb des Campusnetzes als registrierter Nutzer der SLUB eine der weltweit führenden genealogischen Datenbanken nutzen: Ancestry. Diese Datenbank bietet viele Millionen von diversen Daten zu Personen an. Sie ist damit nicht nur für Familienforscher, sondern auch für die Wissenschaft besonders relevant. Nicht nur Daten finden Sie in Ancestry, sondern auch im Direktzugriff die dazugehörigen Dokumente wie Auszüge aus Kirchenbüchern, Auswandererlisten u.v.a.m.

 

Wir haben die Datenbank zunächst testweise lizenziert und beabsichtigen nach entsprechender Nutzung, Ancestry auf Dauer zu lizenzieren. Hier geht es zum Zugang.

 

Der diesjährige 69. Deutsche Genealogentag findet übrigens dieses Jahr vom 22. bis 25. September im World Trade Center in Dresden statt. Das Programm steht unter dem Thema: „Europa in unseren Wurzeln. Sachsen und seine Nachbarn“ und ist damit hochaktuell. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SLUB werden daran mit ihren Vorträgen mitwirken. Die große Zahl von bisher angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Deutschen Genealogentag verdeutlicht das große Interesse an genealogischen Themen. Wir werden wie bisher auch Einführungsveranstaltungen zu den in der SLUB zur Verfügung stehenden Quellen und Literatur anbieten, auch in Kooperation mit der Dresdner Verein für Genealogie e.V.

 

 

 

Sie betreiben Familien- oder Ahnenforschung und/oder haben Interesse an Genealogie, wir wünschen Ihnen viele interessante Funde auf Ancestry.

 

Gern beraten wir Sie auch individuell.