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Kategorie: Dresden

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Neue Ausstellung mit Raritäten aus fernen Ländern und vier Jahrtausenden

Fremde Kulturen übten auf die Menschen in Europa schon immer eine große Faszination aus. Sobald ein neues Land oder gar ein neuer Kontinent entdeckt und erobert wurde, begann man Artefakte und Naturalien von dort in die eigene Heimat mitzunehmen, um sie in Kunst- und Wunderkammern, Kuriositäten- und Naturalienkabinetten, Archiven, Museen und Bibliotheken zu sammeln und zu bewahren.

 

So gelangten auch Schriftzeugnisse aus aller Herren Länder in die 1556 gegründete Kurfürstliche Bibliothek in Dresden, aus der die heutige SLUB hervorging. Das älteste ist über 4000 Jahre alt, es handelt sich um einen sumerischen Tonkegel mit eingedrückten Keilschriftzeichen.

 

Seit heute und noch bis 12. August 2019 zeigen wir in der Ausstellung "Grenzenloses Sammeln – Raritäten aus fernen Ländern" einige unserer seltensten und wertvollsten Objekte - vom federleichten Miniatur-Koran bis zum mehrere Kilo schweren Naturalien-Buch. Jedes der Ausstellungsstücke erzählt Geschichten, die dazu einladen, in ferne Welten einzutauchen.

 

 

Miniatur-Koran

 

Wie das Fragment des griechischen Papyrus aus einem ägyptischen Tempel um 162 v. Chr., auf dem der Tempelaufseher einen königlichen Beamten bittet, die im Tempel dienenden Zwillingsschwestern mit den nötigen Vorräten zum Überleben zu versorgen. Oder die persische Handschrift mit Abhandlungen und Anekdoten über religiöse und moralische Themen, darin eine farbige Miniatur, die Mohammeds Himmelfahrt zeigt. Einer Legende zufolge soll dem Propheten eines Nachts in Mekka der Erzengel Gabriel in Begleitung eines menschenköpfigen Reittieres namens Buraq erschienen sein, auf dessen Rücken Mohammed nach Jerusalem geritten sei. Von dort aus habe ihn Gabriel durch die sieben Himmelssphären bis zum Paradies geleitet, wo er von Allah die Weisung zum fünfmaligen Tagesgebet empfangen habe.

 

Ein besonders sehenswertes Stück ist schließlich die Handschrift mit den Geschichten des weisen Ratgebers und Barden Dede Korkut. Die UNESCO nahm die Erzählungen im vergangenen Jahr in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Weltweit gibt es nur zwei Handschriften, in welchen die Geschichten festgehalten wurden - das Exemplar in der SLUB ist das einzige, das alle zwölf Geschichten enthält.

 

 

 Hebräische Handschrift auf Pergament

 

Sie sind neugierig geworden? Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Im Buchmuseum können Sie seit heute außerdem der Frage nachgehen "Was bleibt?!". Dort haben wir Exponate aus den Nachlässen von Victor Klemperer, Christian Borchert, Fritz Löffler und anderen ausgestellt. Mehr dazu erfahren Sie in den kommenden Tagen auch an dieser Stelle.

 

Grenzenloses Sammeln – Raritäten aus fernen Ländern
Ausstellung in der Schatzkammer des Buchmuseums der SLUB
10. Mai bis 12. August 2019
täglich 10:00 bis 18:00 Uhr, Eintritt frei
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Was bleibt?! – Nachlässe in der SLUB
Ausstellung im Buchmuseum der SLUB
10. Mai bis 12. August 2019
täglich 10:00 bis 18:00 Uhr, Eintritt frei
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Das Japanische Palais in Flammen – eine sensationelle fotografische Entdeckung

In unserem kollektiven Bildgedächtnis ist der Zweite Weltkrieg vor allem schwarz-weiß. Ulf Matzat aus der Restaurierungswerkstatt der SLUB hat nun berührende Farbaufnahmen des zerstörten Dresden im Februar 1945 entdeckt – Bilder, die die damaligen Ereignisse ungleich lebendiger vor Augen führen. Besonders gefesselt hat ihn ein Bild des brennenden Japanischen Palais – damals Domizil der Sächsischen Landesbibliothek und eine kleine fotografische Sensation. Denn es ist das erste und einzige Farbfoto des Gebäudes aus dieser Zeit und es lag 74 Jahre unentdeckt im Bildarchiv der Eisenbahnstiftung. Matzat zeigte seiner Kollegin Katrin Nitzschke das Bild, die sofort tief erschüttert war. Katrin Nitzschke arbeitet seit 30 Jahren an der SLUB, kuratiert Ausstellungen für das Buchmuseum und kennt die Zeit um 1945 noch aus persönlichen Erzählungen von Kolleginnen und Kollegen. Das Foto ließ sie nicht mehr los und sie begab sich auf Spurensuche. Was sie herausgefunden hat, lesen Sie hier im SLUBlog.


Bild: Archiv Eisenbahnstiftung

 

Das damalige Domizil der Sächsischen Landesbibliothek befand sich seit 1786 im Japanischen Palais. Bei den Bombenangriffen am 13. Februar 1945 wurde das Gebäude getroffen, aber nicht völlig zerstört. Walter Hollnagel fotografierte das brennende Gebäude am 15. Februar 1945 von einem kleinen Hügel im Park des Palais aus. Das Datum lässt sich eingrenzen, weil auf einer zweiten Aufnahme vom gleichen Standpunkt aus, nur ein wenig nach rechts gedreht, die Stadtsilhouette bereits ohne Frauenkirche zu sehen ist.

 

Das Palaisdach ist durch die Nachtangriffe am Faschingsdienstag, dem 13. Februar 1945, bereits zerstört worden. Offensichtlich haben aber die verstärkten Decken des Gebäudes einer Ausbreitung des Feuers nach unten standgehalten. Durch die Explosion wurden die Fensterscheiben zerstört, aber ein größeres Feuer im Innern der Räume scheint auf den kleinen Teil des Elbflügels, am rechten Bildrand, und auf dem größeren Teil des Westflügels bis auf den Mittelteil des ersten Stockes nicht ausgebrochen zu sein, sonst wären die kleinteiligen Holzrahmen nicht mehr vorhanden. Gut sichtbar sind auch mehrere Schutzwände vor den Kellerfenstern, die als Splitterschutz dienten, denn hinter diesen Fenstern war ein Teil des Buchbestandes, des alten Bibliothekskataloges und des Archivs untergebracht, außerdem in dem darunterliegenden Tiefkeller die größten Kostbarkeiten der Bibliothek.

 

Offenbar wurde das Palais bei den Tagesangriffen am 14. bzw. am 15. Februar getroffen. Der Einschlag ist auf dem Bild links oberhalb des ersten Rundfensters an dem aufgeplatzten hellen Sandstein zu erkennen. So ist wahrscheinlich auch zu erklären, dass das Feuer genau an dieser Stelle ausbrach. In der Zoomansicht des Bildes sind die Metallregale im Feuer zu erahnen, auch sind die brennenden Häuser des davor liegenden Palais-Platzes zu sehen.

 

Walter Hollnagel (1895-1983) war für die Deutsche Reichsbahn als Fotograf tätig und auf einer Reise nach Oberschlesien im Februar 1945 in Dresden. Dort machte er mehrere Farbaufnahmen kurz nach den Angriffen auf die Stadt, die er bereits auf seiner Hochzeitsreise 1938 und im Spätsommer 1944 besucht hatte. Damals hatte er die unversehrte Stadt bereits in Farbe aufgenommen. Umso mehr wird der schreckliche Kontrast auf den Fotografien 1945 zu den tags zuvor zerstörten Gebäuden deutlich.

 

Hollnagel arbeitete über die Erreichung der Altersgrenze hinaus für die spätere Deutsche Bundesbahn. Ein Teil seiner Aufnahmen, darunter die oben beschriebene, wird heute im Archiv Eisenbahnstiftung aufbewahrt. Als 2008 das vorliegende Foto in dem Band „Eisenbahnraritäten“ veröffentlicht wurde, versah man das brennende Palais mit einer falschen Beschriftung, indem man den Bau als R(eichs)B(ahn)D(irektion) Dresden bezeichnete. Heute, 74 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, berührt diese Aufnahme den Betrachter umso mehr.

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Hauptsache gute Kunst – Hedwig Döbele vermacht der SLUB ihr Galeriearchiv

Ein Wintertag in Dresden-Blasewitz. Wir sitzen gemeinsam mit Hedwig Döbele in ihrer Galerie und blättern durch deren Gästebücher. Dabei erzählt sie Anekdote um Anekdote: von Ausstellungen, Starkünstlern und den alltäglichen Stolpersteinen im Galeriebetrieb.

 

Thomas Stern, Referatsleiter Handschriften, Seltene Drucke und Kartensammlung an der SLUB, mit Hedwig Döbele in deren Galerie.

 

Hedwig Döbele ist Galeristin – mit Leib und Seele. Seit über 40 Jahren hat sie ihr Leben der Kunst verschrieben. 1976 gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann in Ravensburg die Galerie Döbele und bietet seitdem ein außergewöhnliches Programm. Außergewöhnlich, weil in der schwäbischen Galerie neben anderem der Schwerpunkt von Anfang an auch auf ostdeutscher, vornehmlich Dresdner Kunst lag: Hermann Glöckner, Ernst Hassebrauk, Josef Hegenbarth, Curt Querner, Albert Wigand, Otto Dix, Willy Wolff, aber auch die damals jüngere Generation: Herta Günther, Wilhelm Müller, Carlfriedrich Claus, Hubertus Giebe, Eberhard Göschel, Angela Hampel, Ralf Kerbach, Siegfried Klotz, A.R. Penck, Max Uhlig, Gerhard Kettner, Werner Stötzer. Die Liste der Künstler liest sich wie ein ›Who is Who‹ ostdeutscher Kunstgeschichte. Nun übergibt Hedwig Döbele das Galeriearchiv, Zeugnis deutsch-deutscher Kunstgeschichte, der SLUB.

 

»Ich wollte immer unter Beweis stellen, dass Dresden schon damals ein Zentrum der Bildenden Kunst war. Der deutsche Osten war kein kulturelles Niemandsland«

 

Hedwig Döbele sah das Potential ostdeutscher Kunst auch für den westdeutschen Kunstmarkt. Damit hatte sie sich kein einfaches Feld ausgesucht. Ostdeutsche Kunst im Westen auszustellen und zu handeln, das hieß, man musste kreativ werden. Nichts ging ohne den Staatlichen Kunsthandel der DDR. Und der hatte im Allgemeinen eine andere Vorstellung als die Döbeles, was im Westen gezeigt werden sollte. Mit Hartnäckigkeit und Überzeugung fanden sie dennoch Mittel und Wege, die Künstler auszustellen, deren Kunst sie überzeugte und die in der DDR im offiziellen Kunstbetrieb nicht selten durchs Raster fielen. Es ging immer um Qualität. Und gute Kunst fand sich eben auch im Osten.

 

Gewidmete Zeichnung in einem Gästebuch der Galerie Döbele

 

Nach der Wende blieb Hedwig Döbele der Dresdner Kunst treu. Seit 1995 hat die Galerie, nun von ihr allein geführt, ihren Hauptsitz in der Elbestadt. Bis heute ist dort auch die Dresdner Kunst zu sehen. Nun beginnt die Galeristin, langsam an ein Leben nach der aktiven Galeriezeit zu denken. Dass das Galeriearchiv einen einzigartigen Einblick in deutsch-deutsche Kunstbeziehungen gewährt, ist ihr dabei bewusst. Die tiefe Verwurzelung in der Kunstszene Dresdens ließ die SLUB als geeigneten Ort erscheinen und so übergibt sie nun die Unterlagen und Korrespondenzen zu den Ausstellungen und Messeauftritten, zahllose Fotos und die Gästebücher mit gewidmeten Zeichnungen, Telegrammen und Medienberichten der Bibliothek, wo sie künftig für die kunsthistorische Forschung zugänglich sind. Ergänzend erhält die SLUB auch die Materialien, die nicht unmittelbar Dresden betreffen. Sie sind nicht weniger ergiebig und vermitteln ein Gesamtbild der seit 1976 aktiven Galerie in Deutschland.

Hedwig Döbele ist überzeugt, dass das Galeriearchiv in der SLUB gut aufgehoben ist.

 

»Wichtig war mir, dieses Stück Zeitgeschichte bestmöglich für die Nachwelt zu erhalten und zugänglich zu machen.«

 

Die Ausstellungs- und Messe-Ordner stehen bereits im Magazin am Zelleschen Weg. Nun beschriftet und sortiert Hedwig Döbele noch die Fotografien. Und auch darin ist sicher die ein oder andere Erkenntnis und Anekdote verborgen.

 

Text: Annemarie Grohmann und Simone Fleischer

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Sportlich ins neue Jahr: Jetzt Beiträge für den Dresdner Geschichtsmarkt anmelden

Wo sich heute das Hauptgebäude der SLUB befindet, lag bis vor 20 Jahren ein Sportgelände der TU Dresden. Mit der Geschichte von Sport und Tourismus in der Stadt und ihrer Umgebung befasst sich auch der 15. Markt für Dresdner Geschichte und Geschichten, der am 23. und 24. Februar 2019 in unseren Räumen stattfinden wird. Ehrenamtliche Historikerinnen und Historiker können hier die Ergebnisse ihrer
Forschungen zur Orts- und Regionalgeschichte vorstellen – mit Postern, Vorträgen und selbst gestalteten Publikationen. Noch bis zum 21. Dezember 2018 haben Sie die Möglichkeit, sich für eine aktive Teilnahme als Aussteller und/oder Referent anzumelden. Die digitalen Angebote der SLUB bieten viele Anregungen – bestimmt auch für Sie?

Einen Einstieg in die reichhaltige historische und aktuelle Literatur ermöglicht unsere Sächsische Bibliografie, etwa über eine Suche nach den Schlagworten „Dresden“ und „Sport“ bzw. „Dresden“ und „Tourismus“. Hier finden sich einige Überblickswerke wie die Festschrift zum 25jährigen Bestehen des Sportvereins Guts Muts Dresden aus dem Jahr 1927, die die sächsische Hauptstadt als Sportstadt porträtiert. Natürlich kann in der Bibliografie wie im SLUB-Katalog auch spezifischer nach einzelnen Sportarten recherchiert werden: Zum Klettern im Elbsandsteingebirge bieten wir neben aktuellen Führern auch ältere Anleitungen wie "Klettern am Fels" von 1961 an. Eine eigene Kollektion der Digitalen Sammlungen beschäftigt sich mit dem Radfahren (nicht nur, aber auch) in Sachsen und schlägt die Brücke zum Tourismus, z.B. mit dem "Radwanderbuch durch die Sächsisch-Böhmische Schweiz" von 1902 oder dem "Wanderbuch des Sächsischen Radfahrer-Bundes" von 1910 mit 13 von Dresden ausgehenden Touren - Nachfahren lohnt sich! Quellen zur Geschichte des Turnens haben wir in unserem landeskundlichen Blog "Saxorum" für Sie aufbereitet.

Lohnenswert ist natürlich auch ein Blick in die Bestände der Deutschen Fotothek. Das Archiv der Bildjournalisten und Pressefotografen Erich Höhne (1912-1999) und Erich Pohl (1904-1968) ist eine umfassende Fotodokumentation der DDR-Zeitgeschichte für die Stadt Dresden und den Raum Sachsen. Hier finden sich viele Abbildungen zur institutionellen und individuellen Sportgeschichte der Stadt und ihrer Umgebung: Rollschuhlaufen im Jahr 1960 ist hier ebenso dokumentiert wie Fußballspiele aus Anlass der staatlich verordneten deutsch-polnischen Freundschaft im April 1951 oder im April 1952, jeweils im Heinz-Steyer-Stadion, oder deutsch-tschechoslowakische Begegnungen im Oktober 1950 im alten Rudolf-Harbig-Stadion. Die Inszenierung des Sports für staatliche und pädagogische Zwecke wird auch in Aufnahmen von Richard Peter jr. sowie Renate und Roger Rössing deutlich.

Höhne und Pohl liefern darüber hinaus noch viele weitere spannende Einblicke in diverse Sportarten und Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung: die Spannbreite reicht vom Turmspringen am Freiberger Platz über den Altmarkt als Etappe auf der Friedensfahrt im Radrennen und Rudern in Blasewitz bis hin zum Klettern im Bielatal. Auch das für den Tourismus wichtige Gastronomiegewerbe wurde von beiden Fotografen umfassend porträtiert – werfen Sie einen Blick in die HO-Gaststätte „Oase“ in der Königsbrücker Straße, die Gaststätte Picknick in der Grunaer Straße oder in die Speisegaststätte Szeged in der Ernst-Thälmann-Straße (heute Wilsdruffer Straße).

Zu entdecken gibt es in der Fotothek wie in unseren anderen digitalen Angeboten natürlich noch viel mehr zum Themenfeld Sport und Tourismus – viel Spaß beim Stöbern! Und vielleicht erwächst aus den Beständen ja auch eine eigene aktive Beteiligung am Geschichtsmarkt?

15. Markt für Dresdner Geschichte und Geschichten, am 23. und 24. Februar 2019 im Klemperer-Saal der SLUB Dresden, Zellescher Weg 18

Sie wollen aktiv als Aussteller/in oder Referent/in teilnehmen? Bis zum 21. Dezember 2018 können Sie sich anmelden.

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Von Dresden nach Moskau und zurück - kriegsbedingt verlagerte Werke aus der SLUB werden digitalisiert

 

Hochkarätige Konzerte, Ausstellungen, ein Jazz-Festival, Lesungen, Diskussionen und Kongresse - beim International Cultural Forum in Sankt Petersburg sind an diesem Wochenende tausende Kulturschaffende aus aller Welt und prominente Vertreter aus Wirtschaft und Politik versammelt. Mit dabei: die SLUB. Generaldirektor Achim Bonte und Vadim V. Duda, Generaldirektor der Russischen Staatsbibliothek Moskau, haben im Rahmen des Forums einen wegweisenden Kooperationsvertrag unterzeichnet. Erstmals werden dadurch kriegsbedingt verlagerte Dresdner Bibliotheksbestände digital allgemein zugänglich.

 

SLUB-Generaldirektor Achim Bonte und der Generaldirektor der Russischen Staatsbibliothek Moskau, Vadim V. Duda, unterzeichnen den Kooperationsvertrag. ©International Cultural Forum

 

Ein neues Kapitel in den deutsch-russischen Beziehungen

 

Infolge des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmte die sowjetische Trophäenkommission ab 1945 zahlreiche Werke aus dem Bestand der Sächsischen Landesbibliothek. Die Objekte wurden zum größten Teil aus den Ausweichlagern in den sächsischen Schlössern und Rittergütern direkt über den Güterbahnhof Radeberg nach Russland gebracht. Ihr Verbleib ist bis heute nicht durchweg bekannt. Seit einigen Jahren arbeiten Vertreter deutscher und russischer Bibliotheken gemeinsam daran, die kriegsbedingt verlagerten Bestände zu lokalisieren und zu erschließen. Mit dem nun unterzeichneten Kooperationsvertrag zur Digitalisierung von 250 Musikhandschriften ist der SLUB und der Russischen Staatsbibliothek Moskau ein entscheidender nächster Schritt in der Zusammenarbeit gelungen.

 

„Damit gelingt es einer deutschen Bibliothek erstmals, in Folge des Zweiten Weltkriegs nach Russland gelangte Werke über den Weg der gemeinsamen Erschließung und Digitalisierung wieder allgemein zugänglich zu machen. Wir sind zuversichtlich, dass dieses erste Digitalisierungsprojekt für künftige Vorhaben strukturbildend wirkt.“, freut sich Achim Bonte. "Wir hoffen, weitere Musikalien, aber auch Texthandschriften, Inkunabeln und ausgewählte Drucke des 16.-18. Jahrhunderts gemeinsam erschließen zu können."

 

 

Über siebzig Jahre nach Kriegsende schlagen die beteiligten Stellen damit ein neues Kapitel in den deutsch-russischen Beziehungen auf. Nachdem der deutsche Überfall auf die Sowjetunion unendliches Leid über das Land gebracht und viele russische Kulturgüter zerstört hatte, bedeutete die Rückgabe verschiedener Museums- und Bibliothekssammlungen an die DDR zwischen 1955 und 1959 eine Geste der Versöhnung. Darunter waren die Kunstschätze der Dresdner Gemäldegalerie und des Grünen Gewölbes sowie ausgewählte Materialien der Sächsischen Landesbibliothek. Die nun beschlossene Digitalisierung wird begleitet vom beiderseitigen Wunsch nach einem vertieften wissenschaftlichen und kulturellen Austausch.

 

Musikalien des Dresdner Hofes

 

Bild: Kompositionsautograph der Kurfürstin Amalie von Sachsen (C) SLUB Dresden, Barbara WiermannBei den überwiegend aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert stammenden Handschriften, die nun digitalisiert werden, handelt es sich um Musikalien des sächsischen Hofes - unter anderem Aufführungsmaterialien des königlichen Musiklebens in Warschau, Handschriften aus der Privatsammlung der Musikmäzenatin Kurfürstin Maria Antonia Walpurgis oder Kompositionsautographe der Prinzessin Amalie von Sachsen.

 

Die entstehenden Digitalisate werden im internationalen Quellenlexikon der Musik, RISM, erschlossen und mit den in der SLUB überlieferten und bereits digital zugänglichen Hofmusikalien zusammengeführt. Wissenschaftler, Musiker und alle Interessierten erhalten somit einen nochmals vollständigeren Blick auf die Musikpflege des Dresdner Hofes. Erschließung und Digitalisierung werden in den nächsten Monaten in Moskau und Dresden durch gemeinsame öffentliche Veranstaltungen begleitet.

 

Auch an dieser Stelle halten wir Sie selbstverständlich auf dem Laufenden.

 

Empfehlungen zum Thema:

Fünf Tage – Fünf Nächte
, deutsch-sowjetisches Nachkriegsdrama - Leo Arnstam (Hauptregie), Heinz Thiel und Anatoli Golowanow, DEFA und Mosfilm 1961. Der Film behandelt die Übernahme der Werke der Dresdner Gemäldegalerie „Alte Meister“ durch die Sowjetische Trophäenkommission aus einem Blickwinkel des Jahres 1961. Exemplar der SLUB

Aktuelle Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: Kunstbesitz. Kunstverlust. Objekte und ihre Herkunft (noch bis 25.3.2019). Weitere Informationen finden Sie hier.