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Autor: Thomas Haffner

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Kostbares Dresdner Gebetbuch in der Kunsthalle im Lipsiusbau zu sehen

 

Zu den Handschriftenschätzen der SLUB gehört ein Meisterwerk flämischer Buchmalerei, das als „Dresdner Gebetbuch“ in die Kunstgeschichte einging. Der anonyme Künstler, der von ca. 1470 bis ca. 1525 in Brügge tätig war, erhielt nach dieser Handschrift den Notnamen „Meister des Dresdener Gebetbuchs“.

 

Das nur 13,6 × 10 cm große Andachtsbuch enthält auf 150 Pergamentblättern zwölf Kalenderbilder und 28 Bilder mit Szenen aus Mariens und Jesu Leben sowie Darstellungen einiger Heiliger. Die Bilder und Gebetsanfänge werden von Blattwerk, Blüten, Früchten, Tieren, Menschen und allerlei Fantasiewesen umrahmt. Trotz des erheblichen Wasserschadens, den die Handschrift 1945 erlitten hat, ist die außerordentliche Qualität der Malereien, insbesondere der Landschaftshintergründe, noch erkennbar. 

 

Erster Besitzer des kostbaren Buches war wahrscheinlich der Florentiner Kaufmann und Bankier Francesco Sassetti (1421-1490) bzw. dessen Sohn Cosimo (1463-1527) und seine Frau Maria Niccolini. 1845 erwarb der damals in Florenz wohnhafte italienische Diplomat Tommaso Gar (1808–1871) das Gebetbuch für die Königliche Öffentliche Bibliothek in Dresden.

 

Noch bis zum 15. Januar 2017 besteht die seltene Gelegenheit, das Original in der Ausstellung „Das Paradies auf Erden. Flämische Landschaften von Bruegel bis Rubens“ in der Kunsthalle im Lipsiusbau zu sehen.

 

Den Katalog zur Ausstellung finden Sie auch bei uns in der SLUB. Überall und jederzeit können Sie das Gebetbuch in unseren Digitalen Sammlungen betrachten.

 

Weitere Informationen zum Gebetbuch gibt es in der Wikipedia.

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Mord und Totschlag in Text, Glosse und Bildern des Sachsenspiegels - Vortrag am 13.12. in der SLUB

Das berühmteste deutsche Rechtsbuch des Mittelalters, der Sachsenspiegel, enthält zu einem erheblichen Teil auch Normen, welche Reaktionen der Betroffenen und der Gesellschaft bzw. von deren Repräsentanten auf den Rechtsbruch festlegen. Sie verkörpern jenen Teil des Rechts, den wir heute als „Strafrecht“ bezeichnen. Der Reiz einer dezidierten Betrachtung dieses Rechtsbereiches auf der Grundlage des Sachsenspiegels ergibt sich unter anderem daraus, dass man grundsätzlich drei Quellengattungen zu den jeweiligen Missetaten und Sanktionen, einschließlich der dazu gehörigen Verfahrensarten, zur Verfügung hat: den Text des Sachsenspiegels (um 1225), die Glosse zum Sachsenspiegel-Landrecht (um 1325) und die Bilder in den berühmten codices picturati (Bilderhandschriften) des Sachsenspiegels (ca. 1300 – ca. 1375). So lässt sich die ferne Welt des mittelalterlichen Strafrechts im großen Wirkungsgebiet des sächsischen Rechts eindrucksvoll, anschaulich und farbenfroh entfalten.

 

Der Vortrag beruht auf den langjährigen Forschungen des Referenten zum Sachsenspiegel und auf den Editionsarbeiten zu den Sachsenspiegel-Glossen bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig.

 

Vom 28. November 2016 bis 9. Januar 2017 ist die Dresdner Bilderhandschrift des Sachsenspiegels im Buchmuseum zu sehen, täglich von 10 bis 18 Uhr. Jederzeit könenn Sie den Sachsenspiegel in unseren Digitalen Sammlungen betrachten.

 

Mord und Totschlag in Text, Glosse und Bildern des Sachsenspiegels. Ein Beitrag zum Topos ’Gewalt’ im Mittelalter aus rechtsgeschichtlicher Sicht
Vortrag von Univ.-Prof. Dr. iur. Heiner Lück, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

13.12.2016, 18:00 Uhr
Vortragssaal der SLUB, Eintritt frei

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Der Weltuntergang im Postkartenformat: Der Dresdner Maya-Codex – Eine Virtuelle Ausstellung

Zwar konnte der Maya-Codex schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in der Kurfürstlichen Bibliothek zu Dresden bewundert werden – doch am Ende war es der amerikanische Regisseur Roland Emmerich und sein Film „2012“, der die Besucher in Strömen nicht nur in die Kinos, sondern auch in die Schatzkammer der SLUB in Dresden führen sollte.

 

Anlässlich des deutsch-mexikanischen Kulturjahres, welches am 11. April von Bundespräsident Joachim Gauck und dem mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto mit einem gemeinsamen Rundgang durch die Berliner Ausstellung „Die Maya – Sprache der Schönheit“ im Martin-Gropius-Bau eingeleitet wurde, stellt die Deutsche Digitale Bibliothek die Virtuelle Ausstellung „Die Dresdner Maya-Handschrift: Prophetie und Ritual aus Yukatan“ vor. Die Virtuelle Ausstellung, kuratiert von Dr. Thomas Haffner und Norman Köhler, beleuchtet die Geschichte, den Inhalt und die Bedeutung dieses für die Maya und für die heutige Maya-Forschung so wichtigen Dokuments.

 

Von Yukatan über Wien nach Dresden

Der Codex ist eines der ältesten erhaltenen Dokumente der Maya-Kultur – die Datierung wird vom Archäologen Eric Thompson auf 1200 bis 1250 n. Chr. geschätzt. Dies deutet auf eine Herkunft aus dem nördlichen Yukatan hin, wo in dieser Zeit das letzte große Gemeinwesen der Mayas existierte.

 

Wie und wann der Maya-Codex aus Mexiko nach Europa gelangte, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich reiste der Codex im 16. Jahrhundert mit den spanischen Eroberern nach Madrid und von dort nach Wien. Bekannt hingegen ist, dass der Codex in Wien 1739 vom Oberbibliothekar  der Kurfürstlichen Bibliothek in Dresden, Johann Christian Götze, als „unschätzbares Mexikanisches Buch mit hieroglyphischen Figuren“ erworben und nach Dresden gebracht wird.

 

Damit gerät das Dokument allerdings auch in Vergessenheit, bis Alexander von Humboldt die Schrift am 6. Juni 1791 sieht – er trägt sich an diesem Tag in das Besucherbuch der Bibliothek ein – und 1813 fünf Blätter daraus veröffentlicht. Ab 1835 wird der Maya-Codex in einer Vitrine im Japanischen Palais ausgestellt, dem damaligen Sitz der Königlichen Öffentlichen Bibliothek in Dresden. Der Veröffentlichung Humboldts folgend, beginnen die Forschungen und die endgültige Identifizierung als Maya-Handschrift 1853 durch den französischen Historiker und Archäologen Charles Étienne Brasseur de Bourbourg.

 

Die wasserausschüttende Göttin Chak Chel (Bild oben) mit den Zügen des Jaguars, Schlangenkopfputz und gekreuzten Knochen auf dem schwarzen Rock. Im Wasserschwall sind die Zahl 5.1.0 (=1.820) und die Hieroglyphe für den Tag Eb zu erkennen.

 

Von der Entschlüsselung der Hieroglyphen zur Prophezeiung der Apokalypse

Die Entschlüsselung der Handschrift begann erst Ende des 19. Jahrhunderts: Der Dresdner Oberbibliothekar Ernst Wilhelm Förstemann machte grundlegende Entdeckungen über das Zahlensystem, die Kalenderrechnung, die Bedeutung der astronomischen Tafeln und erkannte die Einteilung in 260tägige Abschnitte (Almanache). Der Berliner Gerichtsassessor Paul Schellhas etablierte ein noch heute genutztes Schema der Benennung der Maya-Götter mittels Großbuchstaben. Mitte des 20. Jahrhunderts fand der russische Wissenschaftler Juri Knorosow den Schlüssel zu der bis heute nicht abgeschlossenen Entzifferung der Maya-Hieroglyphen.

 

Der Maya-Forscher Nicolai Grube von der Universität Bonn erklärte der FAZ zum Inhalt des Codexes: „Es ist ein Handbuch für Priester, das Almanache enthält, mit deren Hilfe man gute und schlechte Tage für Riten oder die Landwirtschaft vorhersagen kann“. Doch wie kam es zu der Annahme, der Codex würde den Weltuntergang vorhersagen?

 

Eine von ursprünglich 13 Seiten eines K’atun-Kalenders (Bild links) mit 13 mal 20 Jahren zu je 360 Tagen. Kämpfende Krieger oben und die Vorführung eines Gefangenen unten stehen für das Unheil, das nach Ablauf der ersten K'atun-Periode droht.

 

Als gesichert gelten kann, dass am 21.12.2012 ein Maya-Zeitalter endet und zwar der 13. Baktun – der 13. Vierhundertjahreszyklus seit der Erschaffung der Welt. Gleichzeitig steht über der Seite der Handschrift, die angeblich die Apokalypse in Form einer Flut zeigt, der Tag „5 EB“ – dieser tritt alle 260 Tage im Kalender auf und bedeutet laut Grube, dass „wenn an diesem Tag ein schwerer tropischer Sturm kommt, … vor einer möglichen großen Flut gewarnt [wird]“.

 

„5 EB“ hat jedoch nichts mit dem 21. Dezember 2012 zu tun und nach dem Ende des 13. Baktun beginnt: der 14. Baktun. Es handelt sich also vielmehr um eine Kalenderrechnung und detaillierte Wetterbeobachtungen der Maya. Die Interpretation dieses Blattes als Weltuntergangsszenario geschah durch westliche Esoteriker, Roland Emmerich gab der Geschichte den letzten Hollywoodschliff und somit war dem Dresdner Maya-Codex die Weltöffentlichkeit gewiss. Der Weltuntergang hingegen weniger.

 

Mehr interessante Hintergründe über den Codex, zum Beispiel zu den Göttern der Maya, ihrer Kalenderrechnung und der Hieroglyphenschrift bietet die Virtuelle Ausstellung „Die Dresdner Maya-Handschrift: Prophetie und Ritual aus Yukatan“ der Deutschen Digitalen Bibliothek.

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500. Geburtstag von Georg Fabricius – Sächsischer Philologe, Dichter, Geschichtsschreiber und Schulmann

Am 23. April 2016 jährt sich der Geburtstag des bedeutenden sächsischen Humanisten und Schulmanns Georg Fabricius (eigentlich Goldschmied) zum 500. Mal.

 

Georg Fabricius wurde am 23. April 1516 in Chemnitz geboren. Nach dem Besuch der Lateinschulen in Chemnitz und Annaberg studierte er 1535 bei dem evangelisch-lutherischen Gelehrten Caspar Borner in Leipzig. Anschließend wirkte er bis 1538 als Lehrer in Chemnitz und Freiberg. 1539 - 1543 hielt er sich gemeinsam mit dem jungen Grafen Wolfgang von Werthern (1519-1583) in Italien auf, um in Bologna und Padua zu studieren und das Land zu bereisen. Dabei hatte er auch Gelegenheit, die Vatikanische Bibliothek in Rom und die Bibliotheca Laurentiana in Florenz  zu besuchen. 1544 - 1546 unterrichtete Fabricius die beiden jüngeren Brüder Wolfgangs von Werthern  auf deren Familienstammsitz in Beichlingen (Thüringen) und brachte sie an das Gymnasium zu Straßburg. (Die über 3.000 Bände zählende Bibliothek der Grafen von Werthern wurde übrigens 1589 für die Kurfürstliche Bibliothek in Dresden angekauft). 1546 wurde Fabricius Rektor der Fürstenschule St. Afra in Meißen, wo er bis zu seinem Tod am 15. Juli 1571 wirkte.

 

Als guter Philologe besorgte Fabricius kritische Ausgaben römischer und frühchristlicher Dichter und beschäftigte sich mit römischen Inschriften. Als Historiograph des kursächsischen Hofes verfasste er Werke zur sächsischen Geschichte. Als lateinischer Poetiker und Dichter wurde er 1570 durch Maximilian II. zum Poeta laureatus gekrönt.

 

Im Bestand der SLUB sind von Fabricius 72 Druckschriften aus dem 16. Jahrhundert sowie 40 Autographen und Handschriften nachgewiesen, darunter seine Abschrift der verschollenen einzigen Handschrift der „Quedlinburger Annalen“ (Mscr.Dresd.Q.133,4), einer Weltchronik bis zum Jahr 1025 mit der Ersterwähnung Litauens im Jahr 1009.

 

Zum Jubiläum lädt das Agricola-Forschungszentrum Chemnitz zum 25. Agricola-Gespräch am 23. April 2016 ab 10 Uhr in die Aula des Sächsischen Landesgymnasiums Sankt Afra Meißen ein. Näheres zum Programm finden Sie hier (pdf).

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Ältestes vollständiges finnisches Gesangbuch entdeckt

Der finnische Liederdichter Jacobus Petri (Jaakko) Finno (ca. 1540-1588) - nach seinem Studium in Wittenberg und Rostock war er Rektor der Kathedralschule in Turku - veröffentlichte Ende des 16. Jahrhunderts (möglicherweise 1583) das erste finnische Gesangbuch, von dem heute nur noch ein einziges unvollständiges Exemplar in der Universitätsbibliothek Uppsala existiert. Diese Kirchenlieder waren zumeist Adaptationen oder Übersetzungen deutscher und schwedischer Originale. Nur einige wenige Lieder stammen von Finno selbst. Ein zweites finnisches Gesangbuch wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts von Hemmingius Henrici Maschoensis (ca. 1550-1619), dem Pfarrer der südwestfinnischen Gemeinde Masku herausgegeben.

 

Eine bisher unbekannte frühe Ausgabe dieses zweiten Gesangbuches hat die finnische Hymnologin Dr. Suvi-Päivi Koski kürzlich der SLUB Dresden entdeckt (Signatur: Lit.var.167,misc.1). Die Ausgabe mit dem Titel "Yxi Wähä Suomenkielinen Wirsikiria" ("Ein kleines finnisches Gesangbuch") wurde 1607 in Rostock gedruckt. Sie erweitert das Gesangbuch Finnos um mehrere Übersetzungen und eigene Lieder von Hemmingius. Die Ausgabe enthält keine Noten. Der Text der beiden frühesten finnischen Gesangbücher ist nicht nur für die religiöse Orientierung in Finnland um 1600 von Bedeutung, sondern auch für die Entwicklung der finnischen Schriftsprache, die mit der 1548 gedruckten Übersetzung des neuen Testaments durch den finnischen Reformator Mikael Agricola (ca. 1509-1557) begann.

 

Wann genau und durch wen das Exemplar in die vormalige Königliche Öffentliche Bibliothek zu Dresden gelangte, ist nicht bekannt. Einem Bibliothekskatalog aus dem 19. Jahrhundert zufolge war der nur 13 x 8,5 cm große Druck einst in Pergament gebunden, ebenso wie der gleichfalls 1607 in Rostock gedruckte lutherische Kleine Katechismus in finnischer Sprache (Signatur: Lit.var.167,misc.2), mit dem das Gesangbuch später in dem heutigen, auf dem Rückenschild als "Finnisches Gesangbuch 1607" bezeichneten Pappband vereinigt wurde. Beide Drucke sind in den Digitalen Sammlungen der SLUB online zugänglich.