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Kategorie: Kartenforum

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Nouvelle France: Land- und Seekarten von Kanada

Kanada weckt Sehnsüchte – als Ziel für Auswanderer, als Reiseland, als Ziel der Träume selbst eines Tages dorthin auszuwandern und als weltoffenes tolerantes Gemeinwesen. Aus der Kanadaforschung wurde mit Dresdner Beteiligung auf der Grundlage historischer Land- und Seekarten aus der Kartensammlung der SLUB dieser neue Band veröffentlicht: "Die Vermessung der Nouvelle France. Historische Land und Seekarten von Kanada aus dem 17. und 18. Jahrhundert in der Kurfürstlichen Bibliothek zu Dresden."

 

Zahlreiche digitalisierte Kanadakarten finden Sie auch im Virtuellen Kartenforum der SLUB.

 

In der Kartensammlung der SLUB lagert eine große Anzahl wertvoller Land- und Seekarten, welche die Erforschung und Besiedlung Nordamerikas von französischer Seite dokumentieren. Bislang wurden diese Karten weder von der historischen Kanadaforschung wahrgenommen oder kartographisch als eigenes Korpus evaluiert, noch wurden sie im politisch-historischen Kontext nach systematischen philologischen und ikonographischen Kriterien aufgearbeitet. Dies war das Anliegen eines mehrjährigen, von Professor Kolboom geleiteten Forschungsprojekts an der Technischen Universität Dresden, dessen Ergebnis mit diesem Band erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. (SYNCHRON Wissenschaftsverlag)

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Das Virtuelle Kartenforum 2.0 geht in die nächste Runde

Nach dem es in den letzten Monaten etwas ruhiger um die Historischen Karten der SLUB war, ist ab heute eine neue Version des Virtuellen Kartenforum 2.0 (kartenforum.slub-dresden.de) öffentlich verfügbar. Die neue Version ist ein weiterer großer Schritt in die Richtung einer vollumfänglichen Georeferenzierung unserer historischen Kartenbestände.

 

Seit August 2014 wurden mit Hilfe des Virtuellen Kartenforums 2.0 knapp 5.700 historische Messtischblätter georeferenziert und der Öffentlichkeit frei und offen zur Verfügung gestellt. Mit der neuen Version wird dieser Kartenbestand um weitere Karten ergänzt, insbesondere die Topographische Karten des Deutschen Reiches (1:100.000), die Geologischen Karten von Sachsen (1:25.000) und die Äquidistantenkarten von Sachsen (1:25.000). Für deren Georeferenzierung sind wir auf tatkräftige Unterstützung der Community angewiesen, die dafür im Virtuellen Kartenforum 2.0 auf einen verbesserten Georeferenzierungsklienten (siehe Video) zurückgreifen kann.

 

Daneben bietet die neue Version kleinere Erweiterungen wie zum Beispiel eine Facettierte Suche nach Kartentypen, die Anzeige der aktuellen Kartenkoordinaten oder das Deaktivieren/Aktivieren aller Karten auf einmal. Technologisch wurde im Hintergrund der bis dato auf Geoserver beruhende Suchindex durch einen Elasticsearch-Suchindex ausgetauscht. Außerdem steht die Anwendung jetzt als TYPO3-Erweiterung anderen Institutionen zur Nachnutzung zur Verfügung. Das gleiche gilt auch für den Georeferenzierungsdienst der jetzt ebenfalls als eigenständiges Software-Modul zur Nachnutzung zur Verfügung steht.

 

Je stärker die Karte verzerrt ist umso mehr Passpunkte können für eine gute Georeferenzierung nötig werden. Die Anzahl der Passpunkte (10 bis 30) und deren gute Verteilung auf der Karte sind entscheidend für das Ergebnis der Georeferenzierung. Dazu sind vor allem gut zu lokalisierende Punkte wie Eisenbahnlinien mit kreuzenden Linienelementen, Straßenkreuzungen, Brücken, große Gebäude sowie markante topografische Formen unter Berücksichtigung des Maßstabs für die Georefenzierung besonders geeignet. Bereits im Maßstab 1:100 000 verdrängt eine 10 Meter breite Straße, durch ihre Darstellung als Doppellinie, Gebäude an der Straße um 1mm auf der Karte – das sollte bei der Auswahl der Punkte berücksichtigt werden.

 

Anmerkung: Aufgrund einer Systemumstellung mit der Aktualisierung des Virtuellen Kartenforums 2.0 sind bereits registrierte Nutzer des Virtuellen Kartenforums 2.0 dazu gezwungen ihr Passwort zurückzusetzen bzw. zu wechseln. Nutzen sie dafür den "Passwort vergessen" Dialog.

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Mobil im Winter: Landkarten für Schneeschuhläufer – oder digitale Sammler

Sammelleidenschaften sind oft rein rational nicht erklärbar. Wer interessiert sich noch für Briefmarken? Und warum nicht?

 

Manchmal spielt der technische Fortschritt eine Rolle, wenn das Interesse an einem Hobby schwindet oder wächst. Digitale Landkarten zusammenzutragen, die im Sinne von Open Access möglichst viele nutzen und erforschen können, ist erst seit wenigen Jahren einfach möglich. Zuweilen entstehen solche neuen Hobbies auch durch Zufall, weil jemand ein Bild, ein Buch, eine Karte oder etwas anderes findet und darin mehr entdeckt: Geschichte und Geschichten, Erinnerungen oder eine Idee für deren Sammlung und Präsentation.

 

Wintersportkarte vom Riesengebirge für Schneeschuhläufer etc., 1930, SLUB/ Deutsche Fotothek

 

Wenn Sie sich für Wintersport interessieren - nun sind Ferien! -, dann ist diese Karte vielleicht der passende Einstieg in ein neues Sammelgebiet: eine offizielle Landkarte für Schneeschuhläufer. Hier zeigen wir ein Exemplar für das Riesengebirge, digitalisiert in der SLUB mit der Deutschen Fotothek – wie viele andere Karten des Riesengebirges auch. Weitere Karten des damaligen Schneeschuhläuferverbandes finden Sie in Antiquariaten. Für welche Regionen außerdem Schneeschuhläuferkarten gedruckt wurden, wäre eine Forschungsfrage für diesen Winter.

 

Die Karten für Radfahrer oder die alten Karten für Seefahrer, die gerade von der Deutschen Digitalen Bibliothek präsentiert werden, zeigen: Neugier, Entdeckungsreisen, Bewegungsdrang und Alltagsmobilität erfordern Orientierung – nicht nur in geografischer Hinsicht. Sammeln ist ein soziales Phänomen. Eine Werbepostkarte der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden für die vergangene Ausstellung "OKOLO OFFLINE TWO – Über das Sammeln" des Designkollektivs Okolo aus Tschechien brachte diese Idee auf den Punkt:

 

 

 Staatliche Kunstsammlungen Dresden: OKOLO OFFLINE TWO - Über das Sammeln

 

Auch Schneeschuhläufer waren in den 1930er Jahren offenbar in Vereinen organisiert und nutzten Spezialkarten für ihre Wanderungen, gedruckt auch vom Meinhold-Mittelbach Verlag in Sachsen. Heute können wir diese Karten studieren. Für die Zukunft hoffen wir auf Schnee im Riesengebirge.

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Bereich Geographie mit Atlanten und Karten komplett in der Zentralbibliothek

Wie bereits berichtet, sind unsere Karten und Atlanten vollständig von der Bereichsbibliothek DrePunct in die Zentralbibliothek (Ebene 0) umgezogen. Die aus dem Fachbereich Kartographie der TU Dresden stammenden kartographischen Medien wurden in die Kartensammlung der SLUB integriert (Ebene -2).

 

Auch für die mehr als 2.500 Atlanten haben wir im Freihandbereich der Zentralbibliothek direkt neben dem Bereich Geographie einen neuen Aufstellungsort gefunden. Diese Atlanten sind überwiegend Präsenzliteratur, die Sie in der Zentralbibliothek nutzen können.

 

Um die geographische Fachliteratur an einem Ort zu konzentrieren, haben wir im vergangenen Jahr begonnen, den RVK-Bereich R (Geographie) aus der Bereichsbibliothek DrePunct in die Zentralbibliothek zu verlagern – insgesamt circa 21.000 Bände, die wir dabei bewertet und medientechnisch überarbeitet haben, beispielsweise Altliteratur und beschädigte Bände. Die Arbeiten am Freihandbestand Geographie sind inzwischen soweit fortgeschritten, dass wir zur Jahresmitte 2016 zum Abschluss kommen werden. Damit ermöglichen wir die Nutzung der gesamten geographischen Fachliteratur unter dem Dach der Zentralbibliothek. Als Makerspace nutzen wir mit den Nutzern der SLUB und Kooperationspartnern den Raum des ehemaligen Atlantenlesesaals seit längerem für Workshops, Entwicklungsprojekte und Werkstatt.

 

Sollten noch Fragen zum Stand dieses Umzugs auftreten, steht Ihnen dafür die Fachreferentin für Geographie, Geo- und Hydrowissenschaften Frau Stefanie Haacke gern zur Verfügung.

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Nicht nur für Radfahrer: Digitale Ideen mit Geschichte im Kartenforum

Fast einhundert neu digitalisierte Karten wurden im Virtuellen Kartenforum noch kurz vor Weihnachten veröffentlicht. Für Radfahrerinnen und Radfahrer sind fünf digitale Karten dabei – für die Gegenden um Prag, Chemnitz und Zwickau, Görlitz, Ostpreussen und für die Hauptrouten von Mitteleuropa.

 

Hauptroutenkarte von Mitteleuropa für Radfahrer : Blatt 2, 1:1 500 000. SLUB/ Deutsche Fotothek

 

Lohnende Ziele für Touren in 2016 finden Sie darin bestimmt über die Feiertage. Außerdem lohnt ein Blick in die alten Tourenbücher für Radfahrer. Die Sammlung wächst weiter, da in den vergangenen Monaten nicht nur in der SLUB, sondern auch in anderen Bibliotheken historische Radfahrerliteratur digitalisiert wurde. "Historische Radreisen" sind als Sammelgebiet ein verstreutes Puzzle regionaler Wegweiser, Radwanderführer, Fahrten- und Tourenbücher sowie länderüberschreitender Radreiseberichte. Die Autoren - Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend Männer - schufen als Verbandsfunktionäre, Verleger und "Sportfreunde" eine Vielzahl regionaler Reiseführer, die immer noch nützliches Material für die Heimatforschung sind - und Ausgangspunkt für Reisepläne.

 

Von wem stammen diese Karten? Ein Dresdner Kartograf und Verleger war Robert Mittelbach in Kötzschenbroda, der mit seinen Verlagen dort und in Leipzig verschiedenste Landkarten schuf, unter anderem für Rad- und Automobilfahrer. In Leipzig erschienen damals auch die Universal-Radsport-Karten von Eduard Gaebler und Wolf's Radfahrer-Karten in verschiedenen Verlagen. Der Schweizer Theophil Weber gründete in Leipzig den Sächsischen Radfahrer-Bund, den es heute noch gibt, und verlegte Tourenbücher für Radfahrer, die in der SLUB schon digitalisiert wurden. Ist diese Häufung ein Zufall? Allein die individuellen Geschichten der Verlage und ihrer Verleger, die Radtourenbücher und -karten veröffentlichten, sind höchst spannend. Die Vermutung liegt nahe, dass die geschäftlichen Interessen radelnder Verleger mit deren privaten Interessen als Radsportler und Radreisende um 1900 zusammentrafen. Mehr Freizeit, sinkende Anschaffungskosten und damit steigende Fahrradbegeisterung schufen Nachfrage nach Radreiseliteratur. Geschäftstüchtige Verlage bedienten diese Nachfrage gern und druckten diese Fahrradbücher – verschleißanfällige Gebrauchsliteratur, die inzwischen weit verstreut in unzähligen europäischen und amerikanischen Regionalbibliotheken, Antiquariaten und Digitalen Sammlungen darauf wartet, für neue Reisen wieder entdeckt zu werden.

 

Studentinnnen und Studenten der Technikgeschichte erforschen nun an der TU Berlin Fahrradgeschichte anhand digitalisierter Tourenbücher und bloggen ihre Erkenntnisse. Für HistorikerInnen - mit und ohne Fahrrad - bieten die Radfahrerbücher viel, auch alltägliche Auswirkungen der Weltgeschichte. Im Begleitwort der zweiten Auflage des Wanderbuchs des Bundes Deutscher Radfahrer Band für Ostdeutschland schrieb der Fahrradpionier und Radsportfunktionär Gregers Nissen 1925: "Die zweite Auflage von Ost-Deutschland umfasst das selbe Gebiet wie die I. Auflage, obgleich unserem Vaterland grosse Gebietsteile entrissen wurden und der Korridor uns von Ostpreussen trennt. Ich habe die Hauptstrassen durch die abgetrennten Teile aufgenommen, in der Hoffnung, dass es auch mal wieder anders kommen kann." Ältere digitale Radfahrerkarten für Polen, Sachsen und Böhmen finden Sie jetzt im Kartenforum in der Deutschen Fotothek.

 

Ergänzung: Die Karte vom "Gebiet des Deutschen Radfahrer-Bundes mit Gau - Eintheilung" von 1892 wurde von der Nationalbibliothek in Warschau digitalisiert.