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„Freund der Wahrheit“ - Johann von Sachsen als königlicher Übersetzer Dantes

Philalethes („Freund der Wahrheit“) – unter diesem Pseudonym veröffentlichte der sächsische Prinz Johann (1801–1873), ab 1854 König von Sachsen, zwischen 1828 und 1849 eine metrische Übersetzung der „Göttlichen Komödie“ des berühmten italienischen Dichters Dante Alighieri (1265-1321). Die Dante-Leidenschaft des sprachbegabten und hochgebildeten Prinzen begann mit seiner ersten Italienreise (1821/22), während derer er ein Exemplar der „Divina Commedia“ erwarb und sich sofort in die Lektüre vertiefte. Sowohl die Übersetzung als auch den sie begleitenden Kommentar erstellte der Prinz mit Unterstützung verschiedener Fachleute, mit denen er sich regelmäßig im sogenannten „Dante-Kränzchen“, der späteren „Accademia Dantesca“, traf, um seine Übersetzung vorzutragen und zu diskutieren.

 

 

 

Noch bis 5. Mai 2019 sind im Buchmuseum der SLUB Johanns eigenhändiges Manuskript und die gedruckte Erstausgabe seiner Übersetzung zu sehen. Im Rahmen der Ausstellung „Blühe, deutsches Florenz! Dresden und Italien“ hält die Romanistin Dr. Elisabeth Leeker am 20. März 2019 einen Vortrag über die Entstehung der möglichst wortgetreuen Übersetzung und des noch heute wissenschaftlich anerkannten Kommentars.

Bereits um 18 Uhr führt Kurator Dr. Thomas Haffner durch die Schatzkammer-Ausstellung. Sie sind herzlich eingeladen, sich mit uns auf die Spuren des Königs von Sachsen zu begeben!

 

20. März 2019
18:00 Uhr Kuratorenführung durch die Ausstellung „Blühe, deutsches Florenz! Dresden und Italien"
19:00 Uhr Vortrag „Der königliche Übersetzer Dantes – Johann von Sachsen“, Dr. Elisabeth Leeker (Münster)
Klemperer-Saal der SLUB Dresden
Eintritt frei

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Ausstellung „Erlesenes Schriftbild“. Jakob Hegner Verlag Hellerau

SLUB zeigt Ausstellung über Jakob Hegnerim Foyer der Zentralbibliothek vom 15.3.-29.3.2019.

 

 

Jakob Hegner (1882-1962) war ein Multitalent – Verleger, Übersetzer, Buchgestalter und Typograph – und prägte zwischen 1910 und 1930 maßgeblich das kulturelle Leben in der Gartenstadt Hellerau. Programmatisch widmete sich sein Verlag vornehmlich den Autoren aus dem Kreis des Renouveau Catholique, deren Werke Hegner nicht nur erstmalig ins Deutsche übertrug, sondern auch auf die Bühne brachte.

So besuchten namhafte Gäste wie Stefan Zweig, Gerhart Hauptmann, Oskar Kokoschka, Else Lasker-Schüler oder Franz Kafka die deutschsprachige Erstaufführung von Paul Claudels Verkündigung am 3. Oktober 1913 im Festspielhaus Hellerau. Der ausgestellte Band ist eine Vorzugsausgabe, die von Hans Goltz für Jakob Hegner angefertigt wurde, den Einband schuf Georg Gerhard Schrimpf.

 

Die Ausstellung zeigt zudem ausgewählte Exponate zur Typographie, für die Hegner überregional bekannt war: „Hegner wollte mehr, im Buch sollte die sinnfällige Gestalt mit dem inneren Gehalt zu einer echten Synthese verwachsen. […] Er arbeitete nur mit dem Handsatz – also ohne Setzmaschinen, ließ klassische Schriften des 16. und 17. Jahrhunderts nachgießen und experimentierte mit einer revolutionär materialgerechten Handwerksarbeit,“ erläutert Hans-Jürgen Sarfert, ehemaliger Mitarbeiter der SLUB Dresden und Experte für die in Hellerau entstandene Literatur.

 

Neben originalen Matrizen der rekonstruierten historischen Jean-Paul-Fraktur, die in der Hellerauer Druckerei Verwendung fanden (freundliche Leihgabe der Offizin Haag-Drugulin von Eckehart SchumacherGebler), zeigen wir auch Ausgaben mit neu entwickelten Schriften wie der expressionistischen Mendelssohn-Type. Werbeflyer, Programmzettel, Rechnungsformulare und Andrucke von Buchumschlägen aus dem Verlagsarchiv wurden von Michael Faßhauer für die Ausstellung zur Verfügung gestellt und runden das Gesamtbild ab.

 

Vor einem Jahr erklärte die UNESCO die Druckkunst als schützenswertes kulturelles Erbe, heute wird bundesweit der erste Tag der Druckkunst gefeiert. Mehr als 250 Veranstalter laden dazu ein, die sogenannte schwarze Kunst kennenzulernen.  Warum beteiligen wir uns als Digitale Bibliothek an dieser Aktion? Ist das nicht rückwärtsgewandt? Im Gegenteil: Angesichts der neuesten Ergebnisse aus der Stavanger-Studie zur digitalen Schreib- und Lesekompetenz gilt es, die Aspekte von Materialität der Schrift neu zu denken und auf eine sinnvolle Synthese analoger und digitaler Medien hinzuwirken. Nach dem iconic turn, der das Bildhafte in den Fokus rückt, stehen die Kulturwissenschaften zunehmend unter dem Zeichen des material turn und reflektieren das Verhältnis von Digitalität und Materialität. Im neuen SLUB TextLab erproben wir die Genealogie der Schrift vom Manuskript bis zum Digitalisat und laden herzlich ein, im kommenden Semester dort die Literatur des Hellerauer Jakob Hegner Verlags aus der Perspektive des material turn genauer zu betrachten. 

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Sachsen, die SLUB und Tschechien. Ein kostbares Buch mit vielen interessanten Kapiteln

 

Anlässlich des Tschechischen Kulturjahres und des nächste Woche startenden Gastlandauftritts der Tschechischen Republik bei der Leipziger Buchmesse lohnt es sich wieder einmal, auf die großen Erfolge der langjährigen engen Zusammenarbeit zwischen Sachsen und Tschechien hinzuweisen, die sich auch in der SLUB vielfältig manifestieren. Auf der Basis der „Sammlung Vloemans“, einer der international bedeutendsten Kollektionen zur tschechischen Avantgarde-Buchkunst, zeigen wir aktuell zum Beispiel eine Kabinettausstellung im Deutschen Buch- und Schriftmuseum in Leipzig. Eine größere Ausstellung zum selben Thema, gefördert vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und begleitet von einem Vortragsprogramm tschechischer und deutscher Expert*innen, hatte bereits 2017 breiter bekannt gemacht, mit welch ungeheurer Könnerschaft, Kreativität und Experimentierfreude Typografie und Buchkunst der 1920er und 1930er Jahre bei unseren Nachbarn betrieben wurden.

 

Glücklich sind wir auch über unsere besonders guten Beziehungen zur Mährischen Landesbibliothek in Brno, die wir im letzten Jahr in einem Kooperationsvertrag besiegelten. Die zweitgrößte Bibliothek der Tschechischen Republik passt hinsichtlich Auftrag und Aufgaben vortrefflich zur SLUB. Mit wechselseitigen Besuchen und Verabredungen auf operativer Ebene sorgen wir dafür, dass es in der Zusammenarbeit nicht nur beim Austausch von Freundlichkeiten bleibt, sondern echte grenzüberschreitende Zusammenarbeit entsteht.

 

Zahlreiche weitere Kooperationsmöglichkeiten ergeben sich im Rahmen des Netzwerks DRESDEN-concept, das erst im letzten Jahr eine neue Initiative zum vertieften wissenschaftlichen Austausch zwischen Prag und Dresden startete oder zwischen den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Prager Nationalgalerie einen Kulturzug verkehren ließ.

 

Nach alledem ist praktisch selbstverständlich, dass wir am kommenden Dienstag, am Vorabend der Buchmesseeröffnung, auch die durchreisenden tschechischen Autor*innen bei ihrem „Zwischenstopp“ in Dresden begrüßen werden. Wir freuen uns auf diese Veranstaltung sowie alle weiteren Gespräche und Projekte in der nächsten Woche und danken den tschechischen Freunden Tomáš Kubíček und Martin Krafl für die hervorragende Zusammenarbeit.

 

 

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Macht Citizen Science glücklich? Wir antworten auf dem #BibTag19

„Citizen Science“ – der Begriff klingt modisch, für ein neues Thema steht er aber nicht! Citizen Science-Projekte gibt es mindestens seit dem 19. Jahrhundert. BürgerInnen, die forschen, gibt es noch länger. Bibliotheken waren und sind seitdem wichtige Elemente solcher Forschungsprozesse – immer dann, wenn Wissen aus Büchern bzw. aus Bibliotheksbeständen erworben wurde, oder wenn Wissen in neuen Büchern den Weg zurück in Bibliotheken fand.

 

Mein Kollege Martin Munke und ich greifen diese Tradition beim diesjährigen Bibliothekskongress auf, mit dem Vortrag Macht Citizen Science glücklich? Bürgerwissenschaften in Wissenschaftlichen Bibliotheken.

 

 

 

 

Eine längere Textfassung des Beitrags ist in dem Blog Bürger Künste Wissenschaft zu finden. Hier eine ergänzende Zusammenfassung:

 

 "Citizen Science macht glücklich!", sagt Dr. Matthias Nuß vom Senckenberg-Institut in Dresden, wenn er über die Menschen spricht, die ihre Zeit, ihr Wissen oder gar ihr ganzes Leben leidenschaftlich und hobbymäßig in den Dienst der Wissenschaft stellen. Zum Beispiel indem sie mit extrem spezialisiertem Wissen helfen, wieder und wieder die Rote Liste gefährdeter Insekten zusammenzustellen: ohne sie ginge es kaum (so gut)! Nachwuchs ist wichtig, gerade in Zeiten, in denen jeder einzelne Wiesenbesitzer, Großbauer und Kleingärtner vom Wert bunt blühender Landschaften überzeugt sein will und muss.

 

Wir legen beim Bibliothekskongress in Leipzig in diesem Jahr dar, welche Bedeutung Citizen Science für die SLUB als wissenschaftliche und Landesbibliothek hat – und was daraus folgt. Unsere Perspektive ist die Landeskunde und das Portal Saxorum.de: Texte über Sachsen und andere Saxonica, regionale Geschichte, offene Werkzeuge für Kollaboration in der Heimatforschung, Wikisource und Wikidata.

 

 

Wir profitieren davon. Beispielsweise wurden die Artikel, die im 19. Jahrhundert im Illustrierten Familienblatt Die Gartenlaube über sächsische Orte, Ereignisse, Menschen, Bäume, Tiere und andere Themen erschienen, bislang nicht in der Sächsischen Bibliografie erfasst. Diese Datenbank ist ein Verzeichnis, in dem wir alle Werke über Sachsen systematisch erschließen, damit Sie schnell finden, was sie speziell über Sachsen suchen. Wie Dr. Solvejg Nitzke, die an der TU Dresden zu frühen ökologischen Narrativen des 19. Jahrhunderts forscht. Deutschlands merkwürdige Bäume, eine Gartenlaube-Serie, die ab 1883 erschien, konnten wir mit Hilfe neu angelegter Wikidata-Datenobjekte relativ einfach - und schön anschaulich - in einer Europakarte darstellen, auch für sie. In die Sächsische Bibliografie übertragen wir diese Daten noch. Bis dahin pflegen wir diese Saxonica erstmal in Wikidata.

 

 

 

Gleiches geschah kollaborativ in den vergangenen Wochen mit den Fabriken aus den beiden reich bebilderten Alben der Sächsischen Industrie von 1865. Beide Bände wurden in der SLUB digitalisiert und ihre digitalisierten Texte in Wikisource korrigiert.

 

 

 

 

 

Grundlegend für Visualisierungen in beiden Karten ist die jahrelange Transkriptions- und Korrekturarbeit Freiwilliger in Wikisource. Geforscht wird dabei beiläufig in mehrfacher Hinsicht: Es entstehen Querverweise und Verbindungen, über das Gelesene hinaus neue Forschungsfragen und Ideen, z.B. zur Erschließung und Visualisierung dieser historischen Quellen. Und es entstehen mit Hilfe dieser leicht zugänglichen Quellen neue Publikationen, z.B. an der TU Dresden.

 

Was hilft's heute? Mit 'Die Gartenlaube' und mit dem 'Album der Sächsischen Industrie' stehen in Wikisource inzwischen zwei umfangreiche Textsammlungen weitgehend elektronisch durchsuchbar und frei für jeden jederzeit zur Verfügung: unter anderem voll mit sächsischer Industriegeschichte. Eine Idee: Was können wir für den kommenden Strukturwandel in Sachsen aus diesen Texten lernen, die vor allem beschreiben, wie die industrielle Revolution vor hundertfünfzig bis zweihundert Jahren hier Leben und Landschaft veränderte?

 

All dies ist Citizen Science; und es macht glücklich? Das auch. Die Grenzen zwischen Crowdsourcing, Citizen Science, Landeskunde und Heimatforschung sind fließend. So oder so – dümmer wird man dabei nicht. Darüber sprechen wir am Montagnachmittag beim Bibliothekskongress in Leipzig.

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Von Hang zu Hang: Neue Musik aus der DDR und Ostdeutschland in Hellerau

Wenn am kommenden Donnerstag in Hellerau die TONLAGEN - Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik eröffnet werden, rücken gleich zwei Themen in den Fokus des traditionsreichen Festivals: das diesjährige Motto "Stimme" ist, nicht explizit, aber in der Programmierung deutlich, inhaltlich gefüllt und verwoben mit etlichen Veranstaltungen, die sich Neuer Musik aus Ostdeutschland widmen.

 

 

Nicht nur das die Eröffnungsveranstaltung unserer eigenen Konzertreihe zur Neuen Musik aus Ostdeutschland ergänzende Konzert mit El Perro Andaluz und Werken von Friedrich Schenker, Georg Katzer, Annette Schlünz und Jörg Herchet am 16. März um 22 Uhr, sondern auch weitere Aufführungen von Werken Friedrich Goldmanns, Wilfried Krätzschmars, Christian Münchs und etlicher anderer "ostdeutscher" Komponisten stehen, wie auch mehrere Veranstaltungen mit AuditivVokalDresden, in ganz direktem Bezug zu unseren Archiven zeitgenössischer Musik - dem Dokumentationszentrum Neue Dresdner Vokalschule etwa oder dem Archiv für zeitgenössische Komponisten.

 

Die Kombination von "Stimme" und "Ostdeutschland" im diesjährigen Programm ist also ein Glücksfall für uns - und beschert uns hoffentlich einige eindrückliche Mitschnitte für unsere Archive.

 

 

Die Kooperation der Musikabteilung der SLUB mit Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste trägt von Hang zu Hang Früchte, die zum Genuss einladen und ebenso zur diskursiven Auseinandersetzung mit den Besonderheiten Neuer Kunst und Musik aus Ostdeutschland.

Nach den TONLAGEN gibt es dafür dann übrigens wieder bei uns im Klemperersaal Gelegenheit, und zwar am 30.3., 19.30 Uhr mit Werken von Hermann Keller.