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Die Ausstellung zum Buch: Fotografien von August Kotzsch im Leonhardi-Museum

August Kotzsch: Müllers Kellereingang, 1860–1868, Deutsche Fotothek
„Wohl kaum eine andere Stätte könnte man sich vorstellen, wo eine Ausstellung über das Wirken von Friedrich August Kotzsch einen würdigeren Platz fände, als im Leonhardimuseum […]“, hieß es in einer Rezension in der „Union“ vom 14. Oktober 1986. Am 20. September war dort anlässlich des 150. Geburtstags des 1836 geborenen Loschwitzer Fotopioniers eine Retrospektive als erste monografische Ausstellung überhaupt eröffnet worden. Kuratoren waren der Dresdner Heimatforscher und spätere Direktor des Stadtmuseums Dresden Matthias Griebel, der Filmemacher und Kameramann Ernst Hirsch sowie Volkmar Herre, Urenkel von August Kotzsch. Der Ausstellung war die gemeinsame Arbeit der drei an der ersten Monografie zum Schaffen des Fotografen vorausgegangen. Im kleinen Ausstellungskatalog wurde nicht nur auf das Erscheinen dieser Publikation zu Ende des Jahres hingewiesen, sondern auch auf ein in Vorbereitung befindliches Werkverzeichnis.
Vierzig Jahre später sind erneut Fotografien von August Kotzsch im Leonhardi-Museum zu sehen. Der Anlass diesmal: das gemeinsam vom Ortsverein Loschwitz-Wachwitz e. V. und der Deutschen Fotothek in Dresden realisierte Werkverzeichnis, das im Frühjahr 2026 mit über 1.000 Einträgen erschienen ist. Nicht nur mit der Ausstellung am selben Ort schließt sich ein Kreis, sondern auch über die Kooperation mit dem Schirmer/Mosel-Verlag in München, der bereits 1986 die Lizenzausgabe für die Bundesrepublik der im Dresdner Verlag der Kunst erschienenen Monografie herausbrachte. Nicht zuletzt sind mit Matthias Griebel und Ernst Hirsch zwei der Protagonisten der frühen Kotzsch-Forschung am ambitionierten Unterfangen des Werkverzeichnisses beteiligt.
Befanden sich damals viele der tableauartig in großen Rahmen zusammengestellten 240 Abzüge noch im Besitz der Nachfahren des Fotografen, so ist der Großteil davon inzwischen in die Sammlung der Deutschen Fotothek eingegangen, von der die aktuelle Ausstellung im Leonhardi-Museum ausgerichtet wird. Schon 1935 hatte Kotzschs Sohn Otto der Fotothek ein erstes Glasnegativ geschenkt, 1953 folgte ein Ankauf weiterer Negative. In den letzten Jahren konnte der Bestand um bedeutende Konvolute erweitert werden. Aus dieser um 500 originale Aufnahmen angewachsenen Sammlung wird nun eine Auswahl von rund 100 Abzügen präsentiert, bereichert durch Leihgaben aus dem Dresdner Kupferstich-Kabinett, dem Museum für Sächsische Volkskunst und dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsen.
August Kotzsch wird in der Ausstellung mit verschiedenen Schwerpunkten seines breit gefächerten Schaffens vorgestellt. Da ist der Dokumentarist, der unermüdlich mit seiner Kamera und der fahrbaren Dunkelkammer in Loschwitz unterwegs war, und so ein bedeutendes Zeitdokument zu schaffen, das den Wandel vom Fischer- und Weinbauerndorf hin zum vornehmen Dresdner Vorort veranschaulicht. Allenfalls stellt Kotzsch eine sogenannte Staffagefigur in den Vordergrund, ansonsten setzt er hier auf die aufzeichnende Qualität des Mediums. Dann aber gibt es den Kotzsch, der – inspiriert von den spätromantischen Bildwelten seines Mentors Ludwig Richter – seine Motive sorgfältig inszenierte. Der gepflasterte Hof vor dem Wohnhaus der Familie am Loschwitzer Hang bot mit Bottichen, Holzstapeln und üppigen Kürbisranken malerische Ecken. Körperlicher Einsatz und ländliche Armut klingen durchaus an, doch werden sie von den für den städtischen Blick herausgestellten Pittoresken dieser mit Modellen arrangierten Genreszenen überlagert.
Ein besonderer Fokus der Ausstellung liegt auf Kotzschs „Studien nach der Natur“: seinen Pflanzenstudien, Waldstücken und seinen radikal reduzierten Stillleben. Hier scheint der moderne Kotzsch auf, der insbesondere mit seinen reduzierten Obst- und Gemüsestillleben formal seiner Zeit voraus war.

Die aus der Erarbeitung des Werkverzeichnisses gewonnenen Erkenntnisse zur besonderen Bedeutung von Kotzschs „Studien nach der Natur“ für den internationalen Vertrieb als Künstlervorlagen sowie zu seiner fotografischen Praxis fließen ebenso in die Ausstellung ein wie im Zuge der Recherchen neu entdeckte Motive. Einige Motive aus der Ausstellung von 1986 sind wiederzuentdecken, doch haben sich die fotohistorische Forschung und damit die Fragestellungen an Kotzschs Werk verändert, sind neue an Kotzschs Fotografien Interessierte hinzugekommen. Das manifestiert sich nicht zuletzt in einer zeitgenössischen künstlerischen Auseinandersetzung mit Kotzschs für den Verkauf seiner Bilder erstellten „Angebotsbogen“ durch Martin Bertelmann als neuem Beitrag zu Kotzschs künstlerischer Rezeption.
August Kotzsch. Fotografie
bis 21.6.2026
Leonhardi-Museum, Grundstr. 26, 01026 Dresden
Öffnungszeiten: Di–Fr 14–18 Uhr, Sa u. So 10–18 Uhr
Museumsnacht Dresden
Kuratorinnenführung mit Agnes Matthias
20.6.2026, 18 Uhr und 20 Uhr

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