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Kategorie: Allgemein

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Geschichten von Dede Korkut werden UNESCO-Kulturerbe der Menschheit – SLUB bewahrt weltweit einzige vollständige Handschrift

Am 28. November 2018 wurden die turksprachigen Geschichten von dem weisen Barden Dede Korkut und den Helden aus dem Nomadenvolk der Oghusen von der UNESCO-Welterbekommission in die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ aufgenommen.

 

Bild: Handschrift Dede KorkutDie Erzählungen der Vorfahren von Türken, Aserbaidschanern und Turkmenen entstanden vor mehr als tausend Jahren in Vorderasien und werden insbesondere in der Türkei und in Aserbaidschan als Nationalepos hoch geschätzt. In Prosa und Versen werden Leben und Taten oghusischer Stammesführer und ihrer Söhne geschildert, Besitzer großer Herden und gewandte Reiter, die auf Brautfahrt und auf die Jagd gehen, untereinander ihre Kräfte messen und als fromme Muslime gegen die Ungläubigen zu Felde ziehen. Dede Korkut, der die Langhalslaute erfunden haben soll, tritt als Dichter, Sänger, Weissager und Ratgeber auf. 

 

Die mündliche Tradition wurde erstmals im 16. Jahrhundert im „Buch des Dede Korkut“ (türkisch Kitab-i Dedem-Korkut) schriftlich aufgezeichnet. Die SLUB bewahrt heute eine der beiden einzigen bekannten Handschriften aus dieser Zeit. Sie enthält zwölf Geschichten, während die andere Handschrift in der Vatikanischen Bibliothek nur sechs Geschichten überliefert. Seit 1750 im Bestand der Kurfürstlichen Bibliothek nachweisbar, wurde die Dresdner Handschrift erst 1815 durch den preußischen Gesandten und Privatgelehrten Heinrich Friedrich von Diez (1751-1817) bekannt gemacht. Er übersetzte die Geschichte von der Tötung des einäugigen Ungeheuers Depegös durch den jungen Helden Bassat, die an die Blendung des Zyklopen Polyphem in Homers Odyssee erinnert.

 

Bild: Handschrift Dede KorkutDie Dresdner Handschrift ist als identitätsstiftendes Kulturdenkmal und Forschungsgegenstand sehr gefragt.  Im kommenden Jahr können Sie sich selbst ein Bild von diesem einzigartigen Dokument machen: Von Mai bis August 2019 wird es in der Schatzkammer der SLUB zu sehen sein (die genauen Daten geben wir rechtzeitig an dieser Stelle bekannt). In den Digitalen Sammlungen der SLUB können Sie jederzeit in dem in sauberer arabischer Schrift geschriebenen Buch blättern.

 

 

Weitere Informationen:
https://www.slub-dresden.de/sammlungen/handschriften/kitab-i-dedem-korkut/
          

https://ich.unesco.org/en/RL/heritage-of-dede-qorqud-korkyt-ata-dede-korkut-epic-culture-folk-tales-and-music-01399

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Schon jetzt in den Kalender eintragen: Die SLUB-Highlights der nächsten Monate

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende, der Kalender für 2019 ist vielleicht schon gekauft, die Adventssaison ist eröffnet (zumindest hat der Dresdner Striezelmarkt seine Tore geöffnet) und in wenigen Wochen sitzen wir wie "alle Jahre wieder" mit unseren Familien und Freunden unter dem Tannenbaum. Aber natürlich gibt es auch Veranstaltungen jenseits des Heiligen Festes!

Die beste Medizin gegen vorweihnachtlichen Stress ist, so finden wir, ein Kinobesuch. Deswegen zeigen wir Ihnen am 20.12. zur Erholung vom Geschenke-Shopping das Kurzfilmprogramm "Made in Germany: Stadtleben". Die Veranstaltung findet im Rahmen des Kurzfilmtages statt.

Für alle, die sich aber durchaus gern in Weihnachtsstimmung bringen lassen wollen, denen sei unser Adventskonzert am 12.12. empfohlen. Dann interpretiert der Chor der Jugendkantorei des Wurzener Domes u.a. Motetten des Kreuzorganisten Herbert Collum. Seien Sie herzlich willkommen!

Ein Ausblick auf 2019

Bild: Qatar National LibraryAuch wenn 2019 noch weit entfernt scheint, so lohnt auch jetzt schon ein Blick in unser Programm für Januar bis März: Eine spannende Diskussion zur Rolle der Bibliotheken und ihrer Architektur im digitalen Zeitalter können Sie am 17.1. bei uns verfolgen. Auf dem Podium sitzen neben den Bibliothekaren Prof. Dr. Claudia Lux (HU Berlin) , Dr. Achim Bonte (Generaldirektor SLUB Dresden) auch die beiden Architekten Rem Koolhaas (Niederlande) und Georg Gewers (Stuttgart).

Ende Januar starten wir in eine vierteilige Konzertreihe zum Thema "Musik der DDR". Im Februar gastiert erneut der Geschichtsmarkt in unseren Räumen, auf den wir uns ebenso freuen, wie auf die Lange Nacht des Schreibens, die in diesem Jahr auf den 7. März fällt.

Immer sehenswert sind die Ausstellungen in unserem Buchmuseum und in der Schatzkammer: Aktuell präsentiert die Deutsche Fotothek einen Teil ihrer umfangreichen Fotoalben-Sammlung und in der Schatzkammer können Sie eine Auswahl von Zeugnissen des Kulturaustausches zwischen Dresden und Italien bewundern. Lassen Sie sich gerne auch durch unsere Ausstellungen führen und erfahren Sie die eine oder andere Geschichte hinter den Exponaten. Die anstehenden Termine unserer kostenlosen Führungen finden Sie hier.

Immer gut informiert

Bild: SLUB Veranstaltungskalender Weitere Informationen lesen Sie im soeben erschienenen Programmheft. Es liegt ab 1.12. in der Zentralbibliothek der SLUB, unseren Zweigstellen sowie an vielen Bunte Medien-Ständern aus. Achten Sie auf das rote Quadrat! Bitte informieren Sie sich auch auf unserer Website und auf Facebook über weitere Veranstaltungen oder kurzfristige Änderungen. Für 2019 sind bereits viele weitere Veranstaltungen und Veranstaltungsreihen in Planung. Sie dürfen gespannt bleiben!

 

Sie möchten unser Programmheft bequem nach Hause bekommen?
Bitte schreiben Sie uns Ihre Postadresse an oeffentlichkeitsarbeit@slub-dresden.de.

Oder doch nur direkt ins Mailpostfach?
Teilen Sie uns dafür bitte Ihre E-Mail-Adresse mit und geben an, ob wir diese Adresse auch für die Zusendung weiterer Veranstaltungsinformationen (wie Einladungen zu Konzerten oder Ausstellungseröffnungen) verwenden dürfen. Vielen Dank!

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Von Parliamentary Papers bis SpringerLink: 10 Jahre zentraler Datenbankservice

Vor 10 Jahren, am 25. November 2008, ging der zentrale Datenbankservice für die sächsischen Hochschulen "Databases on demand" (DBoD) an den Start. Damit können über 1.600 Datenbanken heute online und mit einem Klick durchsucht werden: schnell, komfortabel, zeit- und ortsunabhängig, direkt aus dem Bibliothekskatalog heraus. Trotz Google-Zeitalter bilden diese Datenbanken einen unverzichtbaren Kern der wissenschaftlichen Fachinformation. Über zwei Millionen Zugriffe hat der Dienst seit seinem Bestehen registriert und zeigt damit unbestritten seine Relevanz im Bibliotheksumfeld.

Service für Sie

Der Service garantiert den Zugriff auf ein breites Spektrum an E-Ressourcen, zum Beispiel Online-Datenbanken, DVD/CD-Datenbanken, E-Books oder E-Jounals. Aber auch Zeitungsarchive und Lexika können mit DBoD genutzt werden. Aus den örtlichen Katalogen der Bibliotheken in Sachsen heraus können Sie heute etwa die "Datenbank für Normen und technische Regeln" (Perinorm), die Deutsche Biographische Enzyklopädie, die Encyclopedia of Popular Music, House of Commons Parliamentary Papers und unzählige weitere Titel aufrufen. Bis dato listet DBoD insgesamt 1656 bibliographische, Fakten- und Volltextdatenbanken, für 885 besteht Zugang über die SLUB.

Ein langer Prozess, den die SLUB koordiniert (hat), steht hinter dieser Entwicklung: Datenbanken von verschiedenen Bibliothekseinrichtungen in ganz Sachsen und mittlerweile über die Landesgrenzen hinaus mussten erfasst und eingearbeitet werden. Es folgten Datenmanagement und Tiefenerschließung - notwendig, um das in DBoD verborgene Wissen für eine normale Katalogrecherche und damit einfach verfügbar zu machen. So können Benutzer eine spezifische Suchanfrage zum Beispiel direkt im SLUB-Katalog stellen, ohne die passenden Fachdatenbanken oder deren spezifische Rechercheoberfläche kennen zu müssen. Insgesamt umfassen die Volltexte aller bis jetzt indexierten Datenbanken circa 2,5 Millionen Dokumentseiten. Das entspricht einem Papierstapel von etwa 250 Metern Höhe.


 

Weiterführende Artikel

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Alle Jahre wieder: Großer Buchverkauf in der SLUB

Bild: Bücherverkauf in der SLUBBei uns ist für alle etwas dabei: von Literatur zu den Naturwissenschaften, Sprachen, Geistes- und Sozialwissenschaften über Belletristik bis hin zu Schallplatten.
Zum Buchverkauf am kommenden Dienstag im Klemperer-Saal bieten wir für jeden Geschmack etwas aus unseren ausgesonderten Beständen.

 

Wir laden Sie und Ihre Freunde, Bekannte und Verwandte ein zum Stöbern, Finden und Kaufen zum kleinen Preis.

 

 

Buchverkauf in der SLUB
Dienstag, 20. November 2018, 10-17 Uhr im Klemperer-Saal der SLUB

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Zum Gedenken an den 80. Jahrestag der Novemberpogrome

„Als ich etwa anderthalb Wochen danach noch einmal nach Pirna fuhr, war inzwischen die Grünspanaffaire erfolgt. Vor der Fahrt hatte ich eben bei Natcheff gehört, dass man die Nacht zuvor ‚spontan‘ die hiesige Synagoge niedergebrannt u. jüdische Fensterscheiben eingeschlagen habe. Ich brauche die historischen Ereignisse der nächsten Tage, die Gewaltmaßnahmen, unsere Depression nicht zu schildern. Nur das Engpersönliche und conkret Tatsächliche“,

 

Bild: Synagoge vor der Zerstörung (SLUB / Deutsche Fotothek)notierte Victor Klemperer am 22. November 1938 in sein Tagebuch. Klemperer, dessen Nachlass von der SLUB verwahrt wird, wurde im gleichen Jahr auch die Nutzung der Landesbibliothek untersagt. Der Gedanke an Auswanderung wuchs in ihm angesichts der Pogrome, die vor genau 80 Jahren stattfanden und in deren Folge in ganz Deutschland Synagogen brannten, jüdische Geschäfte zerstört und Menschen ermordet wurden.

 

In Dresden brannte in der Nacht vom 9. auf den 10. November das 1840 von Gottfried Semper errichtete Gotteshaus nieder. Zuvor plünderten SA, SS und NSDAP-Mitglieder das Gebäude. Während des Brandes hielten die Nazis die Feuerwehr vom Löschen ab. Bild: Hauptportal Neue Synagoge Dresden (SLUB/Deutsche Fotothek)Dank des engagierten Feuerwehrmanns Alfred Neugebauer konnte aber der Davidstern gerettet werden, der heute mahnend das Portal der neuen Synagoge Dresdens ziert. Die Ruine der Sempersynagoge wurde zwei Tage später gesprengt und die Kosten der Beseitigung der Trümmer der Jüdischen Gemeinde aufgebürdet. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 waren die diskriminierenden Maßnahmen gegen jüdische Bürger immer weiter verschärft worden. Die staatlich koordinierten Novemberpogrome 1938 sollte die schon im Frühjahr 1938 begonnene Enteignung der jüdischen Bürger beschleunigen.

 

Das Attentat Herschel Grynspans auf das NSDAP-Mitglied und Legationssekretär in Paris Ernst Eduard vom Rath nutzen die Nationalsozialisten als Vorwand für den antisemitischen Terror. Grynszpans Familie war im Zuge der sogenannten Polenaktion vom 28./29. Oktober nach Polen abgeschoben worden. Er selbst ist vermutlich 1942 im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordet worden. Bild: Antisemitische Hetze im NS-Propagandablatt "Der Freiheitskampf" am 11. November 1938 (HAIT)„Das Maß ist voll!“, hetzte die NS-Propaganda-Zeitung „Der Freiheitskampf“ am 8. November 1938. Mit unverschleiertem Antisemitismus wurden Juden als „Kanaillen“, „Verbrecher“ und „Weltparasiten“ bezeichnet, denen gegenüber „keine Gnade am Platze ist“. Am Ende des Artikels die Drohung: „Deutschland wird nunmehr jene Konsequenzen aus dem feigen Mordanschlag ziehen, die nach Lage der Dinge unumgänglich geworden sind.“  Wie überall im Deutschen Reich organisierten sich SA- und SS-Verbände zur koordinierten Gewaltaktion gegenüber Juden, nachdem die Parteiführung Polizei und Feuerwehr zur Zurückhaltung aufgefordert hatte, damit sich die „Empörung des Volkes“, wie der "Freiheitskampf" am 11. November zynisch schrieb, entladen konnte.

 

Zum 80. Jahrestag der Novemberpogrome erscheint erstmals eine umfassende Studie zu den Ereignissen in Sachsen. Das Projekt Bruch|Stücke von Daniel Ristau, in dessen Kontext in Kooperation mit der SLUB auch eine Onlinedatenbank entstand, untersucht antijüdische Kundgebungen in 50 kleineren und größeren Orten in Sachsen. Der Verein Stolpersteine für Dresden e.V. organisiert für den 9. November Mahnwachen. Dabei wird auch der Familie Kaps und Max Geyer gedacht, deren Bücher als NS-Raubgut in der SLUB identifiziert und restituiert wurden. Zusammen mit dem Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e. V. an der TU Dresden arbeitet die SLUB an der Digitalisierung und Erschließung des nationalsozialistischen Propagandablattes "Der Freiheitskampf".

 

 

 

Der Text wurde verfasst und bearbeitet von den MitarbeiterInnen des Projektes "NS-Raubgut in der SLUB - Erwerbungen nach 1945": Elisabeth Geldmacher, Nadine Kulbe, Katrin Mai und Robin Reschke. Das Provenienzprojekt wird durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste gefördert.