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Kategorie: Dresden concept

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Henry Arnhold Summerschool: Materialität – Neue Perspektiven auf Kultur und Technologie

Was ist Materie? - laut Wikipediaeintrag "eine Bezeichnung für die Substanz, aus der alle Dinge der Welt bestehen, unabhängig von ihrer Erscheinungsform". Doch wie verändert sich Materie in Zeiten digitaler Technologien, in denen Materialität flüchtiger wird und andere Formen annimmt? Welche Sichtweisen und Fragen haben Wissenschaflerinnen und Wissenschaftler in den Natur- und Geisteswissenschaften dazu? Mit diesem Thema beschäftigt sich die von Henry Arnhold finanzierte Henry Arnhold Summerschool 2017 vom 18.09.-29.09.2017 in Dresden.

 

Das gemeinsame Projekt der DRESDEN-concept-Partner TU Dresden, des Deutschen Hygiene-Museums Dresden, des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der SLUB ist ein interdisziplinäres Programm für junge Wissenschaftler und Museumsfachleute.

 

Folgen Sie den 20 jungen Teilnehmern unter @ddsummerschool auf Twitter. Hier geht es zum diesjährigen Summerschool-Programm.

 

 

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Die Geographie der tropischen Hochgebirge: Fotografien von Carl Troll & Co. online.

„Eine durch Pracht, Größe und Eigenart ausgezeichnete Natur“ habe den deutschen Geographen Carl Troll (1899-1975) in den bolivianischen Anden „die Mühsalen der Vermessung, die eisige Kälte beim zehnstündigen Arbeiten am Instrument, ebenso vergessen [lassen] wie die Romantik des Lagerlebens“. Zusammen mit verschiedenen Begleitern, darunter der Bergsteiger und Geophysiker Karl Wien (1906-1937) und der Geologe Rudolf Schottenloher (1911-1944) erforschte Troll in den 1920er und 1930er Jahren die geographischen Zusammenhänge in den tropischen Hochgebirgen Südamerikas sowie Ost- und Südafrikas.

 

Das Portal „Weltsichten“ der Deutschen Fotothek präsentiert die fotografischen Nachlässe Carl Trolls (1899-1975), Karl Wiens (1906-1937) und Rudolf Schottenlohers (1911-1944) aus der Sammlung der Deutschen Fotothek. Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Bilder ist Teil des im August 2015 begonnenen Projekts „Weltsichten – Digitalisierung und Erschließung fotografischer Archive bedeutender Forschungsreisender“, das von der Deutschen Fotothek der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) im Rahmen der Initiative DRESDEN-concept durchgeführt wird. Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

 

Es sind vor allem die überwältigenden Dimensionen, die diese Bilder so faszinierend machen: Die trockene Weite der abflusslosen Altiplano-Hochebene in Peru, die majestätischen Abbruchkanten im äthiopischen Simien-Gebirge, aufgrund seiner eindrucksvollen Landschaft und der seltenen Tier- und Pflanzenwelt schon 1978 zu einer der weltweit ersten UNESCO-Weltnaturerbestätten ernannt. Aufnahmen der Wassermassen des Lago Poopó, die die Fruchtbarkeit der sonst oft karg wirkenden Naturräume versinnbildlichen. Der ehemals zweitgrößte See Boliviens galt 2015 durch den hohen Wasserverbrauch lokaler Bergbauunternehmen und der örtlichen Landwirtschaft als ausgetrocknet. Bilder des seltenen Anden-Edelweißes oder von Affenbrotbäumen verdeutlichen die hohe Vielfalt der endemischen Vegetation.

 

Der gesellschaftliche Alltag in diesen Regionen war im frühen 20. Jahrhundert vorwiegend agrarisch geprägt. Das zeigen Fotografien der Kartoffellese oder eines Feldes für Sorghumhirse. Darstellungen des Marktplatzes in der bolivianischen Stadt Potosi oder einer Eisenbahnbrücke auf der Strecke zwischen den eritreischen Städten Massaua und Biscia zeigen die Entwicklungsstände wirtschaftlicher Infrastrukturen. Fotografische Studien zum traditionellen Handwerk dokumentieren das Spinnen von Baumwolle oder die Herstellung von Chicha, ein im Andenraum konsumiertes Bier, das hauptsächlich aus Wasser und Maisstärke hergestellt wird. Insgesamt eröffnet sich ein beeindruckendes Panorama der geologischen, klimatischen, botanischen, wirtschaftlichen und kulturellen Wechselbeziehungen in den Naturräumen und Lebenswelten der tropischen Hochgebirge Südamerikas und Afrikas in den 1920er und 1930er Jahren.

 

Carl Troll sah sich in der empirischen Tradition Alexander von Humboldts (1769-1859). Schon während seiner Südamerikareise von 1926 bis 1929 beobachtete er zahlreiche Einzelphänomene, die er im Laufe der Ost- und Südafrikaexpedition von 1933 bis 1934 zusammen mit Karl Wien (1906-1937) und der Italienisch-Ostafrikareise von 1937 mit Rudolf Schottenloher (1911-1944) zu einem umfassenden geographischen Gesamtbild zusammenfügte. Meist zu Fuß oder mit dem Reittier, zum Teil auch mit dem Automobil, dem Schiff oder der Eisenbahn gelangten die Forschungsreisenden in abgelegene Gegenden, wo sie Landschaften kartographierten, Klimadaten erhoben, Pflanzen für Herbarien sammelten und zusammen über 10.000 Fotografien aufnahmen.

 

Mehr als 8.000 Aufnahmen wurden überliefert und sind nun erstmalig über das Internetportal „Weltsichten“ der Deutschen Fotothek abrufbar. Zusammen mit dem Nachlass Carl Trolls im Archiv des Geographischen Instituts Bonn oder den online recherchierbaren Herbarien, die der Geograph unter anderem an verschiedene botanische Gärten und naturkundliche Museen in den USA verkaufte, ergibt sich die einmalige Möglichkeit einer systematischen und historischen Aufarbeitung zentraler Ergebnisse der geographischen Erforschung der tropischen Hochgebirge.

 

Insgesamt werden im Rahmen des Projektes Weltsichten rund 86.000 historische Aufnahmen aus den umfangreichen Fotosammlungen der Deutschen Fotothek der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Staatliche Ethnographische Sammlungen Sachsen auf der Internetplattform www.deutschefotothek.de/weltsichten online gestellt.

 

Der Gesamtbestand umfasst geografische, geologische, botanische und anthropometrische sowie ethnografische Motive, die von europäischen Forschungsreisenden aus der Zeit von 1870 bis 1960 stammen. Neben Troll, Wien und Schottenloher gehören zu den Bildautoren bedeutende Geografen und Ethnologen wie Hans Meyer (1858–1929) oder Egon von Eickstedt (1892–1965). Ihre Aufnahmen verdeutlichen das ausgeprägte Interesse für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklungen in außereuropäischen Regionen der Welt im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Als historische Dokumente einer zunehmenden Globalisierung zeigen viele dieser Bilder zudem die Folgen des europäischen Kolonialismus. Das Erschließungsprojekt „Weltsichten“ möchte somit die kritische Auseinandersetzung mit eurozentrischen Betrachtungsweisen ermöglichen und multiperspektivische Sichtweisen auf die Welt eröffnen.

 

„Traurige Tropen“ nannte der französische Soziologe und Ethnologe Claude Lévi-Strauss (1908-2009) die Regionen in der heißen Klimazone, die seiner Ansicht nach schon in den 1930er Jahren akut durch westliche Einflüsse bedroht waren. Aus dieser Perspektive sind die Aufnahmen wichtige historische Bildquellen aus den tropischen Hochgebirgen, die im frühen 20. Jahrhundert noch relativ unberührt waren von den gravierenden Auswirkungen durch Urbanisierung, Klimawandel und Landwirtschaft. Indem sie die Einflüsse europäischer Kolonialmächte dokumentieren, zeigen sie jedoch auch die Anfänge dieser Entwicklungen. Letztlich werden den Aufnahmen weder pathetische Ergriffenheit noch kulturpessimistische Trauer gerecht. Für geographische Zwecke fotografiert ermöglichen sie vielmehr eine differenzierte Betrachtung der historischen Naturräume und Lebenswelten in den tropischen Hochgebirgen.

 

Bildquellen

 

www.deutschefotothek.de/documents/obj/71574889

www.deutschefotothek.de/documents/obj/71574927

www.deutschefotothek.de/documents/obj/71578123

www.deutschefotothek.de/documents/obj/71575181

 

Publikationen und Literatur in Auswahl

 

Schottenloher, Rudolf: Ergebnisse wissenschaftlicher Reisen in Äthiopien. II. Die Cercer-, Garamullata- und nördlichen Arrusi-Bergländer auf der Somali-Hochscholle. In: Petermanns geographische Mitteilungen, 85. Jahrgang, Gotha 1939, S. 265-277.

Troll, Carl: Anden und Cordillera Real. In: Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Bd. 60, Innsbruck 1929, S. 35-53.

Troll, Carl: Meine Anden-Expedition 1926-1929. In: Deutsche Forschung. Aus der Arbeit der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft, Heft 13: Reisen und Ausgrabungen, Berlin 1930, S. 56-75.

Troll, Carl: Bericht über eine Forschungsreise durch das östliche Afrika. In: Koloniale Rundschau. Zeitschrift für koloniale Länder-, Völker-, und Staatenkunde, 26. Jahrgang, Heft 5, Berlin 1935, S. 273-306.

Lévi-Strauss, Claude: Traurige Tropen, Leipzig 1988. 

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"Open-Access-Tage? Hat das was mit dem Tag der offenen Tür zu tun?"

Als ich einer Freundin beim Mittagessen erzählte, dass ich bei der Vorbereitung der Open-Access-Tage mitarbeite, war das ihre erste Frage: "Hat das was mit dem Tag der offenen Tür zu tun?" Ich war ganz verblüfft. Auf den Gedanken, dass Open-Access-Tage an den Tag der offenen Tür denken lassen, war ich bisher noch nicht gekommen. Gleichwohl macht diese Assoziation eines deutlich: Mit dem Thema Open Access rennt man zur Zeit offensichtlich alles – bloß keine offenen Türen – ein.

 

Das ist schade. Denn der Grundgedanke von Open Access spricht allen aus dem Herzen, die einen geldbeutelunabhängigen Zugang zu wissenschaftlicher Information anstreben. Es geht darum, dass wissenschaftliche Publikationen unter Bedingungen veröffentlicht werden, die es jedem gestatten, diese Veröffentlichungen im Internet zu lesen, zu verlinken und nachzunutzen - und zwar ohne, dass dafür noch einmal bezahlt werden muss. Davon profitieren nicht nur die Lesenden, sondern auch die Wissenschaftler. Zum einen erleichtert es den fachlichen Austausch und zum anderen erhöht es die Sichtbarkeit derjenigen Forscher, die nicht in den prominenten und deshalb häufig sehr teuren Wissenschaftsverlagen veröffentlichen.

 

Doch auch wenn die öffentliche Resonanz des Themas noch etwas mager ausfällt: Es gibt in Deutschland und in vielen anderen Ländern eine sehr engagierte Community, die daran arbeitet, Open Access in der Wissenschaftslandschaft stärker zu verankern. Im deutschsprachigen Raum trifft sich die Bewegung alljährlich zu den Open-Access-Tagen. Das 11. Treffen findet nun in Dresden statt. Drei Institutionen haben die Tagung unter dem Dach von DRESDEN-concept e.V. organisiert: die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB  Dresden), das Helmholtz-Zentrum Dresden – Rossendorf (HZDR) und die Technische Universität Dresden (TUD). Erwartet werden über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem In- und Ausland – darunter Wissenschaftler aller Fachrichtungen, Verlagsvertreter und Unterstützer des wissenschaftlichen Forschungs- und Kommunikationsprozesses an Bibliotheken sowie in Forschungsinstituten und Fördereinrichtungen.

 

Während der 11. Open-Access-Tage werden Themen behandelt wie Finanzierungsmodelle und Publikationsinfrastrukturen für Open-Access-Bücher, der nationale Open-Access-Kontaktpunkt OA2020-DE, Forschungsdatenmanagement im Kontext von Open Access sowie Open Education als gemeinsames Zukunftsprojekt für Hochschulen und Bibliotheken. Letzteres wird gerade im Rahmen des Forschungsprojekts OERSax, einem interdisziplinären Projekt mehrerer sächsischer Hochschulen, erforscht. Dabei geht es vor allem um die rechtlichen Rahmenbedingungen für frei zugängliche Lehr- und Lernmaterialien.

 

Ebenfalls angedacht sind spontane Sessions, bei denen Themen diskutiert werden können, die nicht auf dem Tagungsprogramm stehen. Vielleicht sprechen die Teilnehmenden dort auch darüber, wie man Open Access stärker in den Köpfen verankern kann. Und wer weiß: Vielleicht rennt man in wenigen Jahren zumindest bei  Studierenden und Forschenden offene Türen ein, wenn am Mittagstisch über Open Access geredet wird. Immerhin: bei der Bundesregierung scheint das schon der Fall zu sein. Die hat sich nämlich in der Digitalen Agenda 2014-2017 klar zu Open Access bekannt. Mehr dazu vom 11. bis 13. September bei den Open-Access-Tagen in den Räumen der SLUB sowie im Trefftz-Bau der TUD.

 

Hier geht's zur Anmeldung

 

Der an der TU Dresden promovierte Historiker Dr. Benedikt Krüger unterstützt im Rahmen seines Praktikums an der SLUB unter anderem die Vorbereitung und Durchführung der diesjährigen Open-Access-Tage, ehe er im Herbst ein Refendariat an der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek beginnt.

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Das chinesische Hawaii – Internetportal Weltsichten präsentiert Fotografien von Hans Stübel

Aus heutiger Sicht klingen Hans Stübels (1885-1961) Worte über die tropische Insel Hainan im Südchinesischen Meer beinahe prophetisch. Es sei „höchste Zeit“, schrieb der Ethnologe im Jahr 1937 über die Li und andere dort ansässige ethnische Minderheiten, „die ursprünglichen Zustände zu beschreiben, ehe sie unwiederbringlich verloren“ gingen. Die Insel, die Stübel im Rahmen zweier Expeditionen vor knapp 85 Jahren erforschte, sei akut durch die nationalistische Kulturpolitik der Republik China bedroht. (Vgl. Hans Stübel: Die Li-Stämme der Insel Hainan. Ein Beitrag zur Volkskunde Chinas, Berlin 1937, S. 3)

 

 

 

Das Internetportal „Weltsichten“ der Deutschen Fotothek präsentiert den fotografischen Nachlass des Ethnologen Hans Stübel aus der Sammlung des Museums für Völkerkunde Dresden. Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Bilder ist Teil des im August 2015 begonnenen Projekts „Weltsichten – Digitalisierung und Erschließung fotografischer Archive bedeutender Forschungsreisender“, das von der Deutschen Fotothek der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) im Rahmen der Initiative DRESDEN-concept durchgeführt wird. Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

 

Es sind vor allem Aufnahmen von handgewebten, gebatikten oder mit
Stickereien versehenen Textilien
, die dem Betrachter von Hans Stübels Fotografien sofort ins Auge fallen. Traditionelle Muster auf Rockbahnen, Tüchern oder Blusen stellen stilisierte Pflanzen, Tiere und Menschen dar. Sie sind ein faszinierendes Abbild der Lebenswelt ihrer Träger. Zusammen mit Aufnahmen von Hüten, Fächern und Essstäbchen zeigen die Bilder die Alltagskultur der Inselbewohner. Gleiches gilt auch für die Aufnahmen von Ohrringen, Haarpfeilen und anderen
Schmuckgegenständen
sowie die von Speeren und Steinschleudern, die zum Jagen verwendet wurden. Portraits von Dorfbewohnern sollten die Bestimmung von Rassenmerkmalen ermöglichen, dokumentierten aber auch deren Kleidungstile. Die Bilder ritueller Objekte wie eines Hühnerbeinorakels oder der Trommel eines Dorfoberhauptes, verweisen auf die spirituelle Weltsicht.

 

Die agrarische Prägung der Inselkultur wird deutlich anhand der Darstellungen vom Pflügen der Reisfelder, der Gewinnung von Rohreis sowie durch Tuchweberei oder Tragetechniken, die Gestalt der Dörfer und Gehöfte sowie durch die Baustile von Wohn- und Vorratshütten. Zusammen mit zahlreichen Aufnahmen der tropischen Landschaft ergibt sich ein umfassendes Bild der traditionellen Kulturen und Lebenswelten auf Hainan in den 1930er Jahren.

 

Hans Stübel bereiste Hainan aufgrund der für moderne Verkehrsmittel nicht ausgebauten Infrastruktur vorwiegend zu Fuß und zwar auf schmalen Pfaden, begleitet von zwei Dolmetschern, einem Koch, einem Diener und sechs Trägern. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfuhr die tropische Insel jedoch einen rasanten politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Wandel. Einer zeitweiligen Besetzung durch japanische Truppen im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg folgte 1950 die kommunistische Herrschaft. Hainan wurde Teil der Volksrepublik China.

 

Am nachhaltigsten veränderte die Insel wohl die Ernennung zur größten chinesischen Sonderwirtschaftszone im Jahr 1988. Wer aktuell Fotografien von Hainan sucht, findet vor allem Aufnahmen von weißen Sandstränden, Kreuzfahrtschiffen und Luxusresorts. Hainan hat sich zu einer der beliebtesten chinesischen Tourismusregionen entwickelt, daher rührt auch ihr Spitzname „Hawaii von China“.

 

Für den Massentourismus sind die gebatikten Stoffe oder die Tänze der ethnischen Minderheiten auf Hainan oft nicht mehr als Folklore. In gewissem Sinne scheint sich Stübels Prophezeiung also bewahrheitet zu haben. Zugleich wird den traditionellen Kulturen auf Hainan von offizieller chinesischer Seite heute wieder ein höherer Wert beigemessen. Auch die UNESCO ernannte verschiedene lokale Traditionen wie Web- und Färbetechniken oder den sogenannten Brennholzsammeltanz der Li zum Weltkulturerbe.

 

Insgesamt werden im Rahmen des Projektes Weltsichten rund 86.000 historische Aufnahmen aus den umfangreichen Fotosammlungen der Deutschen Fotothek der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Staatliche Ethnographische Sammlungen Sachsen (SES) auf der Internetplattform http://www.deutschefotothek.de/weltsichten online gestellt.

 

Der Gesamtbestand umfasst geografische, geologische, botanische und anthropometrische sowie ethnografische Motive, die von europäischen Forschungsreisenden aus der Zeit von 1870 bis 1960 stammen. Neben Stübel gehören zu den Bildautoren bedeutende Geografen und Ethnologen wie Hans Meyer (1858–1929), Carl Troll (1899–1975) oder Egon von Eickstedt (1892–1965). Ihre Aufnahmen verdeutlichen das ausgeprägte Interesse für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklungen in außereuropäischen Regionen der Welt im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Als historische Dokumente einer zunehmenden Globalisierung zeigen viele dieser Bilder zudem die Folgen des europäischen Kolonialismus. Das Erschließungsprojekt „Weltsichten“ möchte somit die kritische Auseinandersetzung mit eurozentrischen Betrachtungsweisen ermöglichen und multiperspektivische Sichtweisen auf die Welt eröffnen.

 

Die historischen Fotografien, die der Ethnologe Hans Stübel während seiner Forschungsreisen auf Hainan in den Jahren 1931 bis 1932 aufnahm, sind ein wichtiger Beitrag für ein tieferes Verständnis der Kulturen der ethnischen Minderheiten auf Hainan. Ganz im Sinne Stübels ermöglichen seine Aufnahmen eine respektvolle und verantwortungsbewusste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den kulturellen Traditionen Li, Miao oder Ki.

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Migration und Medien: Tagung vom 20. bis 22. Oktober in der SLUB Dresden

Das Institut für Romanistik der TU Dresden lädt vom 20. bis 22. Oktober zur internationalen Tagung "Migration und Medien" in den Vortragssaal der SLUB ein. Die Tagung behandelt die Themen Flucht und Asyl im sozialpolitischen Spannungsfeld zwischen den Polen des gesellschaftlichen Risikos und gesellschaftlicher Chancen.

 

Dieses Spannungsfeld wird mit medialen Mitteln wie Registern, Prognosen oder Statistiken organisiert und gedeutet, um politische, journalistische und gesellschaftliche Bewältigungs- und Deeskalationsstrategien materialgestützt austragen zu können. Zudem liefern künstlerisch-ästhetische Medien wie Literatur, Film, Fotografie, Musik und Theater Deutungsmuster, Reflexionen und Kommentare, welche die öffentliche Diskussion durchwirken, fortschreiben oder kanalisieren.

 

Die interdisziplinäre Tagung will das Zusammenwirken unterschiedlicher medialer Aktualisierungen von Migration sowie deren Resonanzräume und Emotionspolitiken systematisch erfassen und untersuchen. Unter anderem wird es Vorträge zu folgenden Themen geben:

  • Migration im neuen deutschen Film. Rainer Werner Fassbinders Angst essen Seele auf (BRD 1974) und Hark Bohms Nordsee ist Mordsee (BRD 1976) (Olaf Sanders, Hamburg)
  • Von 'irregulärer Migration' und 'Flüchtlingskrise': Zum Umgang mit Worten als einer Dimension publizistischer Qualität (Annett Schulze, Berlin)
  • 'These interloping colonials!' – Dracula und die Figur des 'blutsaugenden Migranten' (Wiland Schwanebeck, Dresden)


Das vollständige Tagungsprogramm steht zum Download (PDF) bereit.

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