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Kategorie: Forschung

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Arbeiterfotografie. Dresdner Projekt im DFG-Forschungsmagazin

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Dresdner Drittmittelprojekt die Titelseite des Magazins der Deutschen Forschungsgemeinschaft ziert. Die Arbeiterfotografie, ein gemeinsames Projekt des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde und unserer Deutschen Fotothek, hat es in der letzten Ausgabe geschafft. Die Familie aus dem Erzgebirge, die auf dem Bild in Heimarbeit Pfeifenreiniger produziert, hätte sich dergleichen noch viel weniger vorstellen können. Herzlichen Glückwunsch an alle Beteiligten. Informationen zum Projekt und alle Fotos finden Sie hier.


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SLUB restituiert abermals NS-Raubgut. Systematische Aufarbeitung alter Verbrechen

Bevor in den nächsten Tagen SLUBsemantics Ihre Aufmerksamkeit binden wird, wollen wir Sie über einen neuen Meilenstein bei einem völlig anderen, aber keineswegs weniger wichtigen Thema informieren: Am 9. November hat die SLUB an die Erben der Familie Steinthal einen Bestand von NS-Raubgut übergeben. Unter dem nationalsozialistischen Regime wurden jüdische MitbürgerInnen und politisch Oppositionelle systematisch entrechtet und deren beschlagnahmter Besitz entweder verkauft oder an öffentliche Einrichtungen abgegeben. Im Rahmen eines hier bereits vorgestellten Provenienzforschungsprojekts will die SLUB in ihren Beständen NS-Raubgut ermitteln, kennzeichnen und soweit möglich an die rechtmäßigen Erben restituieren. Nach der Rückgabe der Sammlung des Bankiers Victor von Klemperer von Klemenau und der Autographensammlung des Musikverlegers Henri Hinrichsen bekennt sich die SLUB auch im Fall Steinthal zu ihrer historischen Verantwortung.

 

Den Erben der Familie Max (1850-1940) und Fanny Steinthal (1866-1941) konnten 115 unrechtmäßig erworbene Bücher zurückgegeben werden. Max Steinthal war zunächst als Direktor und bis zu seinem vom NS-Regime erzwungenen Ausscheiden 1935 im Aufsichtsrat der Deutschen Bank tätig. Die Eheleute hatten eine bedeutende Kunstsammlung aufgebaut. Sie starben binnen eines Jahres in einem Berliner Hotel, wo sie auf ihre Ausreisemöglichkeit warteten. Fanny Steinthal bestimmte in ihrem Testament den noch in Deutschland lebenden Sohn Erich Steinthal, die nach Peru ausgewanderte Tochter Eva Vollmann sowie deren damaligen nichtjüdischen Ehemann Richard Vollmann als Erben.

 

Richard Vollmann, der wohl auch nach der Scheidung von seiner Frau den Steinthals freundschaftlich verbunden blieb, lagerte später wegen der beginnenden Bombardements auf Berlin die  Steinthal’sche Kunst- und Büchersammlung in seine Villa nach Dresden aus. Zu Beginn der 1950er Jahre floh Vollmann dann in die Bundesrepublik und der Besitz des "Republikflüchtigen" wurde eingezogen. Auf diesem Weg gelangten die Bücher über den Rat der Stadt Dresden an die damalige Sächsische Landesbibliothek.

 

Mit den Büchern geben wir den Familienerben wichtige Erinnerungsstücke zurück; zugleich erinnern wir an das doppelte Unrecht der Enteignung und Beschlagnahmung. Über die Fortschritte im eingangs genannten Provenienzforschungsprojekt informieren wir Sie kontinuierlich mit einer besonderen Webseite

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NS-Raubgut in der SLUB. Neues Projekt zur Aufarbeitung alter Verbrechen

Mit Fördermitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und unterstützt von der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/-forschung wird die SLUB bis Ende 2012 die Handschriften, Drucke und Karten der Zugangsjahre 1933 bis 1945 der ehemaligen Sächsischen Landesbibliothek systematisch auf unrechtmäßigen Erwerb untersuchen. Ziel ist, NS-Raubgut zu ermitteln, zu kennzeichnen und soweit möglich an die rechtmäßigen Erben zu restituieren. Neben der SLUB profitier(t)en unter anderem auch die Universitätsbibliothek Leipzig und das Sächsische Staatsarchiv von dem seit 2008 bestehenden Förderprogramm des BKM.

Dass es bedauerlicherweise auch in den Beständen der ehemaligen Sächsischen Landesbibliothek Grund für ein solches Provenienzforschungsprojekt gibt, ist lange bekannt. Bereits 1991 gab die SLUB 295 Bücher an die Erben des Bankiers Victor Klemperer zurück. 2001 meldeten wir 154 bibliophile Drucke des Prager Knopffabrikanten Heinrich Waldes an die "Lost Art"-Internet Database, 2004 erhielten die Erben der Leipziger Verlegerfamilie Hinrichsen Teile einer wertvollen Autographen-Sammlung zurück, die 1938 beschlagnahmt worden und 1943 über einen Leipziger Antiquar in die Bibliothek gelangt war. Mit der Washingtoner Erklärung (1998) ist das Jahrzehnte sträflich vernachlässigte Thema in Politik und öffentlichen Einrichtungen breiter angepackt worden. Ausführlichere Informationen zur Provenienzrecherche in der SLUB werden wir im Rahmen des Projekts auf unseren Webseiten veröffentlichen. Methode und Ergebnisse der Ermittlung von NS-Raubgut können Sie sich bis dahin zum Beispiel bei den KollegInnen der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg anschauen, die die sehr aufwändige, planmäßige Detektivarbeit schon etwas länger betreiben.