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Archiv: Juni 2015

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"abends langte ich gott sey danck widerum gesund in Straßburg an" - Johann Andreas Silbermann beendet seine Reise durch Mitteldeutschland

Eine Distanz von etwa 2.000 Kilometern, die er in weit mehr als 400 Stunden zumeist in der Postkutsche zurücklegte, hatte Johann Andreas Silbermann überwunden, als er am 21. Juni 1741, St. Johannis und Sommeranfang, abends „gott sey danck“ nach 121 Tagen von seiner durchaus ungewöhnlichen Reise durch Mitteldeutschland wieder zu Hause in Straßburg ankam. Sie bedeutete nicht nur die räumliche Entfernung zwischen Straßburg, Zittau und Berlin, sondern auch den Unterschied von einem überwiegend katholisch geprägten Kulturraum (mit der protestantischen Insel Straßburg) an der französischen zu einem protestantischen an der böhmischen und polnischen Sprachgrenze und die Strapazen einer Kutschreise durch mehrere Dutzend Kleinstaaten mit je verschiedenen Währungen, Maßen und bürokratischen Finessen. Diese Herausforderungen konnten Silbermann jedoch nicht hindern, die Heimat seines Vaters, die Lebens- und Arbeitswelt etlicher Verwandter (nicht nur des Onkels Gottfried) und nicht zuletzt die Wirkungsorte einiger berühmter Kollegen zu bereisen. In Leipzig, Freiberg, Dresden, Zittau, Wittenberg und Berlin hielt er sich mehrere Tage, manchmal Wochen, auf, andere Orte durchfuhr er mit nur kurzem Blick auf die Sehenswürdigkeiten – manchmal mit Bedauern, manchmal in Vorfreude schon auf die nächste Station.

 

Sein offener Blick, seine Neugier und sein vorurteilsfreies Interesse an allem Bekannten und Fremden spiegeln sich in den Aufzeichnungen wieder, die er während der Reise fast täglich vornahm, um das Erlebte zu dokumentieren. Die Texte reicherte er mit eigenen Skizzen oder erworbenen Kupferstichen an und füllte sein Journal so zu einem reichhaltigen, detaillierten, ungefiltert-direkten und oft auch lustigen Zeugnis für das Leben in Mitteldeutschland zur Mitte des 18. Jahrhunderts.

 

Gegen Ende der Reise beschleunigte Silbermann seine Fahrt wie auch seine Aufzeichnungen: In Frankfurt nahm er sich keine Zeit mehr, die Orgel zu inspizieren, danach hielt er sich nur kurz in Worms und Speyer auf, widmete den dortigen Besonderheiten nur wenige Zeilen und zählt Durchgangsorte rasch auf, ungeduldig endlich heimzukommen und wie um durch das unkommentierte Aneinandersetzen der nicht weit voneinander entfernten Orte das Tempo zu erhöhen:

 

d 18 Juny war ich zu St. Catharinen in der amtpredigt, und hörte den H pfarrer Wallter.

Und weilen ich eben eine Retour Kutsche nach Straßburg antraff, so fuhr ich darin in guter Compagnie wider von hier weg.

D 19 Juny Auf der Fliegenden Brücke über den Rhein nach Openheim gefahren.

Durch Gundersblum. Mittags kamen wir nach Worms und kehrten im Adler ein.

[…]  Nachmittag fuhren wir durch Franckenthal in dieser gegend sahe man Mannheim, ferner durch Studerheim und Obersheim, und abends kamen wir nach Speyer, da wir übernachteten.

d 20 Juny. […] Zu Rilsheim aßen wir zu mittag, und kamen durch den bewald nach Lutterburg da wir über nacht blieben.

d 21 Juny. fuhren wir d durch Seltz, Weinheim, Roppenum, Reschwo, drusenheim, offendorff und wantzenau, und abends langte ich gott sey danck widerum gesund in Straßburg an.

 

Die Reise war vorerst beendet. Aber auch wenn Silbermann nicht mehr physisch unterwegs war – gedanklich kehrte er doch immer wieder an die besuchten Orte zurück, nahm am Schicksal der Gegend und der Bekanntschaften teil und dokumentierte Nachrichten weiterhin in seinem Tagebuch: klebte Zeitungsartikel z.B. zur Zerstörung des Heidelberger Schlosses ein, vermerkte voll Erschütterung, die sich am mehrmaligen Ansetzen der Notiz ablesen lässt, die fast vollständige Zerstörung Zittaus im 7-jährigen Krieg, ergänzte seine Aufzeichnungen im Fließtext durch neue Informationen. Sein Journal war ihm Erinnerungsstütze und Nachschlagewerk zugleich. Kuriose und unglaubliche Begegnungen kennzeichnete er mit Marginalien am Rand, um die Stellen schnell auffinden und das „Merckwürdige“ durch das Erinnern lebendig halten zu können. Auch seine Familie nahm lesend und hörend an den Erlebnissen teil. Carl Silbermann, ein Enkel, ließ die Aufzeichnungen 1813 binden und mit einem Rücken versehen, der nur „Sächsische Reisebeschreibung 1741“ auswies – ganz so, als ob eine Autorschaft nicht angegeben werden müsse, weil die „Sächsische Reysse“ längst zur Familiengeschichte geworden sei.

 

Mit Silbermanns Rückkunft in Straßburg endet auch die unmittelbare Reisebegleitung Silbermanns durch die SLUB (ihrerseits dokumentiert im Twitterkanal @JASilbermann) – aber uns und auch Ihnen bietet das digital bereitgestellte Tagebuch die Möglichkeit, weiter in den Aufzeichnungen zu blättern, Neues und Altes zu entdecken und die von Silbermann bereisten Orte wiederum auf seinen Spuren zu besuchen.

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Qucosa wächst - 2.500 Dissertationen der TU Dresden online

Einmal mehr erschallt es in der digitalen Landschaft – genau 2500 Dissertationen der TU Dresden haben bisher ihren Weg als frei zugängliche Onlineveröffentlichung zurückgelegt und damit einen Platz auf Qucosa, dem Sächsischen Dokumenten- und Publikationsserver eingenommen.

Ob mit oder ohne Doktorhut, Qucosa wächst und bildet inzwischen mit ca. 5000 Dokumenten der TU Dresden ein breites wissenschaftliches Spektrum unserer Volluniversität ab. Dabei geben überarbeitete Promotionsordnungen ordentlich Rückenwind, jährlich werden (ohne die Juristische und die Medizinische Fakultät) ca. 500 Dissertationen durch die Hochschulschriftenstelle der SLUB veröffentlicht.

Gut die Hälfte der Doktoranden entschied sich 2014 dem Trend bzw. ihrer Promotionsordnung folgend für eine Onlineveröffentlichung. Die Begeisterung daran variiert nach Fachdisziplin und Publikationskultur – vornehmliche Neigungen einzelner Fächer sind unverkennbar und verständlich. Doch wer sich aktiv mit den Aspekten befasst, wird bestätigen, dass Open Access einiges ermöglicht:

Open Access fördert die Sichtbarkeit der Forschung und die breite Rezeption von Forschungsergebnissen über Fächergrenzen hinweg, erleichtert damit den Transfer der Erkenntnisse, begünstigt die Nachnutzung und ermöglicht die Anwendung innovativer Arbeitstechniken.

Neben der Weiterentwicklung von Qucosa gestaltet die SLUB ihre Beratungs- und Dienstleistungsangebote für Open Access und Bibliometrie, um im Bereich des wissenschaftlichen Publizierens Transparenz und Nachhaltigkeit zu fördern. Damit Interessierte mit den Publikationen in virtuellen Forschungsumgebungen arbeiten können, sind ein dauerhafter Zugang zur Publikation sowie weitgehende Nachnutzungsrechte unumgänglich. Auch technische Maßnahmen sind teilweise erforderlich: mit dem Aufbau des sächsischen Langzeitarchivs entstand ein weiterer wichtiger Dienst der SLUB.

Neugierig? Das ist prima. Wir glauben an die Open Access Strategie der TU Dresden. Qucosa erhöht die Sichtbarkeit des wissenschaftlichen Outputs und unser Ziel, die wissenschaftliche Ernte der eigenen Universität abzubilden, begeistert und vereint in der Sache.

Foto: Lars Ludwig - Doktorhut zu seiner auf Qucosa veröffentlichten Dissertation

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Ehre dem Ehrenamt. Der Jahresausflug der Ehrenamtlichen der SLUB

Als Dank und Anerkennung für engagierte Unterstützung in vielfältigen Bereichen der Bibliotheken lädt die SLUB ihre inzwischen über 30 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer jährlich unter anderem zu Sommerausflügen ein. Nachdem die Gruppe im letzten Jahr die Deutschen Werkstätten in Hellerau besucht und dort eindrucksvolle Einblicke in deren aktuelle Arbeit gewonnen hatte, stand in diesem Jahr im Schaudepot des Dresdner Kunstgewerbemuseums in Schloss Pillnitz die Geschichte dieser bedeutenden Möbelmanufaktur im Mittelpunkt.

 

Wie in den früheren Jahren gab es im Anschluss an die Führung bei Kaffee und Kuchen Gelegenheit zum Austausch mit Vertretern der Direktion über die Entwicklung der SLUB und die unterschiedlichen Tätigkeitsfelder des Ehrenamts. Zugleich konnten sich die Ehrenamtlichen so persönlich näher kennenlernen.

 

Wir  freuen uns über das große Engagement für unser Haus und sind auch an Ihrem Blick von außen, Ihrem speziellen Knowhow und Ihrem persönlichen Netzwerk interessiert. Nähere Informationen zum Ehrenamt in der SLUB finden Sie auf unseren Webseiten.

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Deutsche Fotothek präsentiert Nachlass Erwin Fiegers

Anfang Juni konnte der rund 30.000 Aufnahmen umfassende Nachlass von Erwin Fieger (1928-2013) in das Archiv der Fotografen in der Deutschen Fotothek an der SLUB aufgenommen werden.

 

Fieger zählt zu den Pionieren einer neuen Farbästhetik in der Colorfotografie der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit. Seine Ausstellungen auf der Photokina in Köln und zahlreiche Bildbände bahnen der Farbfotografie den Weg zu ihrer Etablierung als autonomes künstlerisches Medium.

 

Erwin Fieger verstand seine Fotografien als eine „Huldigung an das Leben“. Weitgehend ohne Aufträge bereiste er seit Ende der 1950er Jahre die Welt, um Farbfotografie zu betreiben, weit jenseits des damals Üblichen. Die Ergebnisse seiner Reisen publizierte er in Bildbänden, die Maßstäbe setzten - auch weil der studierte Grafiker Fieger eine seltene Einheit von Fotografie, Layout, Typografie, Druckqualität und Verarbeitung erzielte. 1951-1954 studierte er Graphik-Design an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Eugen Funk und arbeitete ab 1962 als selbständiger Bildjournalist.

 

Fieger erhielt bereits als junger Fotograf die Einladung der photokina 1960, sich mit seinen London-Farbaufnahmen an der Ausstellung "Magie der Farbe" zu beteiligen und die Gesamtgestaltung der Schau zu übernehmen. Sie erhielt anschließend auf der photobiennale in Venedig die Goldmedaille, ebenso wie das Design des zwei Jahre später publizierten gleichnamigen Bildbandes. Zahlreiche Ausstellungen, Fotobücher und Auszeichnungen folgten. Den Kulturpreis der DGPH erhielt Fieger 1974 "in Anerkennung der wegweisenden Rolle, die seiner ganz persönlichen Leistung bei der Durchsetzung eigenständiger Formen der modernen Farbphotographie zukommt. Fiegers bedeutender Anteil prägt sich insbesondere aus in großangelegten, international erfolgreichen Bildbänden. Sie beruhen ganz auf seinen Ideen, und ihre Gestaltung ist in allen Einzelheiten sein Werk. Gegen überkommene Vorstellungen wie gegen materielle Schwierigkeiten hat er es verstanden, mit vorbildlicher Konsequenz die besonderen Gesetze der Farbphotographie einer neuen Form der Weltschilderung nutzbar zu machen." 2004 hatte er seine letzte Ausstellung, danach musste er wegen nachlassenden Sehvermögens seine photographische Tätigkeit einstellen.

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"Jugend hackt" präsentiert Ergebnisse, die begeistern.

48 Stunden, 30 Jugendliche, 16 Mentor/innen und 8 spannende Projekte – das ist die Bilanz von Hack your City meets Jugend hackt Ost. Am vergangenen Wochenende tüftelten die jungen Teilnehmer/innen des Hackathons im Vortragssaal der SLUB sowie im SLUB-Makerspace an ihren Ideen für die Stadt von morgen.

 

Die Vielfalt und Kreativität der entstandenen Projekte ist beeindruckend. Eine Dresdner Gruppe entwickelte beispielsweise den Prototyp einer intelligenten Mülltonne. Die signalisiert dem Nutzer, wann es mal wieder an der Zeit für eine Leerung ist. Aber auch die restlichen Projekte konnten sich sehen lassen.

 

Von einem einfachen Lagersystem für Public Sharing, genannt Easybay, über geschickte Open Data Anwendungen wie Taxi Travel Time oder Meine grüne Welle, die sich mit der Verbesserung urbaner Mobilität befassen bis hin zu dem Kunstprojekt Neulandeuphonie. Der Hack soll den Anwender für staatliche Zensur und Manipulation sensibilisieren, indem er „böse Wörter“  auf Webseiten durch „gute Wörter“ ersetzt. Bilder werden gleich komplett mit Katzenbildern ausgetauscht.

 

All diese Projekte wurden während der Preisverleihung am Sonntag von der Jury in einer von fünf Kategorien ausgezeichnet. Besonders viel Applaus wurde für das Projekt TreeFi gespendet. Die Idee dahinter ist denkbar einfach: Nur wer Energie durch Radeln oder Schaukeln erzeugt, bekommt freies W-LAN durch Freifunk. Die gewonnene Energie wird gleich genutzt, um Bäume und andere Pflanzen damit zu gießen. Für diese clevere Verknüpfung von freiem W-LAN und Umweltschutz gab es zu Recht den Publikumspreis.

 

Die Veranstaltung demonstriert, wie schnell sich junge Entwickler/innen auf neue Themen einlassen, gesellschaftliche Probleme erkennen und sofort konstruktiv an machbaren Lösungen dafür arbeiten - frei nach dem Motto: Die Welt von morgen geht jeden an!

 

Hier finden Sie alle Projekte im Überblick – und die Aufzeichnung der Preisverleihung.

 

Jugend hackt wurde von der Open Knowledge Foundation Deutschland und mediale pfade ins Leben gerufen und blickt auf zwei erfolgreiche Veranstaltungen in Berlin zurück. Hack your City! ist ein Projekt im Rahmen des Wissenschaftsjahres Zukunftsstadt und wird in Kooperation mit Jugend hackt Ost veranstaltet. Vor Ort wurde der erste regionale Ableger von Jugend hackt durch das Medienkulturzentrum Dresden organisiert.

Kommentare

Ein interessanter Abend
22.11.2017 08:50
hak
20.11.2017 10:31
Mastodon
17.11.2017 13:10
Seid ihr auch auf Mastodon (ev...
17.11.2017 12:12
Zukunft?
08.11.2017 11:00

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