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Autor: Barbara Wiermann

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Barabbas in Dresden. Uraufführung am 19. Mai 2016

Wer war Barabbas? Jeder kennt ihn, keiner kennt ihn. Überliefert sind die neutestamentlichen Erzählungen über ihn im Zusammenhang mit der Kreuzigung Jesu. Den Evangelienberichten zufolge wurde ein Verurteilter nach jüdischem Brauch zu Passah begnadigt und die Wahl der Menge fiel im Jahr 30 bekanntlich nicht auf Jesus, sondern Barabbas – „einen Mörder“, wie es bei Johannes und auf dieser Grundlage zum Beispiel in den Bachschen Passionen heißt. Viel mehr wird nicht von Barabbas erzählt und wer der Mensch gewesen sein mag, was ihn vor das römische Gericht geführt hatte und wie sein Weg weiterging, ist nicht überliefert.

 

Partitur Barabbas-Passion, (c) Verlag Juliane KleinHeinz-Joachim Simon, Autor historischer Romane und Kriminalgeschichten, nun griff die Geschichte Barabbas‘ auf und schildert in seinem Roman „Barabbas. Der zweite Sohn Gottes“, wie dessen Lebensgeschichte in einer Zeit ständiger Auseinandersetzung zwischen Römern, Juden und anders Gläubigen, einer Zeit tiefer religiöser Zweifel und Unsicherheiten ausgesehen haben könnte. Obwohl die kulturhistorischen Umstände genau recherchiert sind, verschwimmen Fakten und Fiktionen - müssen verschwimmen, da es für Barabbas keine anderen Zeugnisse als die Evangeliengeschichten und einige apokryphe Stellen gibt und die Religionswissenschaft bis heute die Möglichkeit betrachtet, Jesus und Barabbas (bar Abbas – Sohn des Vaters) seien identisch. Deutlich aber wird, dass mit Barabbas einer gemeint ist, der Widerstand leistet, einer, der sich den Plänen der Invasoren, damals der Römer in Palästina, entgegenstellt und für seine Ziele laut eintritt. Simons Roman wurde nun zur Grundlage einer Passionsvertonung durch den Berliner Komponisten Hermann Keller.

 

Herrmann Keller sieht Parallelen zwischen den gesellschaftlichen Unruhen um das Jahr 0 und unserer Gegenwart: „Mein Entsetzen über die Anschläge in Paris verband sich mit dem unbedingten Willen, die letzten Arbeiten an meinem Projekt [der Barabbas-Passion] schnell abzuschließen. Bestätigten diese Ereignisse doch nochmals die Aktualität dessen, was ich […] musikalisch ausgeführt habe. Barabbas nämlich […] war ein Zelot, ein Aufständischer […]. Nun wirft dies natürlich ein starkes Licht auf die überall stattfindenden Freiheitskämpfe in der Gegenwart. Auch damals gab es eben Widerstand gegen das Expansionsstreben und die Kriegsführung anderer, fremder Mächte.“ – Gedanken, die zur Diskussion herausfordern.

 

Am 19. Mai 2016 erfährt das Werk um 20:00 Uhr seine Uraufführung mit Studierenden der Dresdner Musikhochschule im Kleinen Saal der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber statt.

 

Die Musikabteilung der SLUB Dresden, die einige Autographe Kellers im Archiv für zeitgenössische Komponisten bewahrt, weist Sie gern auf diese Veranstaltung hin.

 

Keller, bekannt für seine eng mit Elementen der Improvisation verbundenen gattungsübergreifenden multimedialen Kompositionen, verknüpfte Passagen aus Simons Roman mit Versen des Neuen Testaments, Chorälen aus dem Evangelischen Gesangbuch, Volksliedern, Marx- und Rilkezitaten und eigenen Texten und vertonte dieses eindrucksvolle Libretto für 3 Baritonstimmen und ein Instrumentalensemble aus Streichquartett, Flöte, Klarinette, Horn, Trompete, Posaune, Tuba und Schlagwerk.

 

Wer sich genauer mit dem Werk beschäftigen möchte, findet in der SLUB die gedruckte Partitur.

 

Partitur Barrabas Passion Hermann Keller, Seite 28, (c) Verlag Juliane Klein

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Sammeln – Musizieren – Forschen. Internationales Kolloquium zur Dresdner höfischen Musik des 18. Jahrhunderts

Seit Sommer 2013 werden in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt "Die Notenbestände der Dresdner Hofkirche und der Königlichen Privat-Musikaliensammlung aus der Zeit der sächsisch-polnischen Union. Erschließung – Digitalisierung – Präsentation" zwei zentrale Musikaliensammlungen der SLUB aufgearbeitet.

 

Während sich das Vorgängerprojekt "Schrank II"– benannt nach dem ehemaligen Fundort der Quellen – der Instrumentalmusik der sächsisch-polnischen Union (1697–1763) widmete, werden nun die Notenmaterialien der katholischen Hofkirche und die überwiegend durch weltliche Vokalwerke geprägten privaten Musiksammlungen verschiedener Mitglieder der Wettinischen Herrscherfamilie fokussiert. Nach Abschluss des Vorhabens im Sommer 2016 wird eine der an Qualität und Umfang bedeutendsten Sammlungen höfischer Musik dieser Epoche vollständig erschlossen sein und für Forschung und Musizierpraxis digitalisiert zur Verfügung stehen.

 

Das aus diesem Anlass initiierte internationale Kolloquium vom 21. bis 23. Januar 2016 beleuchtet Fragen der Bestandsgeschichte, wendet sich bedeutenden Sammlerpersönlichkeiten des Dresdner Hofs zu, erörtert Aspekte des geographischen Quellentransfers sowie Fragen der Repertoireforschung. Es thematisiert ferner Methoden der Erschließung und Präsentation von Musikalien. Mit einleitenden Beiträgen zu den Zusammenhängen zwischen Sammlungsgeschichte und musikwissenschaftlicher Fachgeschichte und zur historischen Überführung höfischer Sammlungen in moderne wissenschaftliche Bibliotheken bildet die Tagung zugleich einen Beitrag zum 200-jährigen Bestehen der Musikabteilung der SLUB Dresden.

 

Die Vorträge sind öffentlich. Der Eintritt ist frei. Ein Konzert mit Werken aus dem Repertoire der Dresdner Hofkirche und der Königlichen Privat-Musikaliensammlung findet am Freitag, den 22. Januar ab 19:30 Uhr
im Vortragssaal der SLUB statt. Am Konzertabend werden die Originalhandschriften der gespielten Werke präsentiert. Das Konzert wird veranstaltet in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig.

 

Genaue Informationen zu den einzelnen Vorträgen finden Sie im Programm.