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SLUBlog

Autor: Nelly Ficzel

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NS-Raubgut in Bibliotheken: SLUB-Provenienzforschungsprojekt auf dem #BibTag19 weckt Interesse und macht Mut

Unter dem Titel "Kein Ende in Sicht?!" präsentierten unsere Kolleginnen Elisabeth Geldmacher und Nadine Kulbe letzte Woche auf dem Bibliothekskongress in Leipzig ihr aktuelles Forschungsprojekt: Seit September 2017 sondieren sie unsere Erwerbungen nach dem Kriegsende bis in die 1990er Jahre auf der Suche nach so genanntem 'sekundärem' Raubgut. Dabei handelt es sich um verfolgungsbedingt enteignete Bücher, die nach 1945 als herrenlose Bestände bzw. "geborgene" Bücher inventarisiert wurden und so in unseren Bestand übergingen.

 

Auf diese Weise schlossen viele Bibliotheken ihre durch den Krieg verursachten Bestandslücken. Mit ihrem Vortrag wollten unsere Kolleginnen auch anderen Häusern Mut machen, die Identifikation und Restitution solcher Raubgut-Bestände in Angriff zu nehmen - ein Anliegen, für das in aller Regel keine Eigenressourcen vorausgesetzt werden können, das aber eine realistische Chance auf Drittmittelfinanzerung hat.

 

 

 

Provenienzrecherchen zu NS-Raubgut-Verdachtsfällen sind in Deutschland hauptsächlich mittels Projektförderungen durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste (DZK) möglich. Aus diesem Grund widmete sich der zweite Teil des Vortrages den Herausforderungen und Chancen bei der Erstellung von entsprechenden Anträgen.

Die Suche nach NS-Raubgut in den Beständen beginnt in der Regel mit Zufallsfunden. Unsere Kolleginnen schilderten, dass sie den speziellen Vorteil hatten, auf bereits vorhandene Provenienzdaten zurückgreifen zu können, die im Rahmen eines vorangegangenen Projekts erhoben worden waren. Die fraglichen Bestände waren in diesem Zusammenhang bereits einer autoptischen Prüfung unterzogen worden und die Ergebnisse in einer Datenbank erfasst. Dabei waren Provenienzmerkmale aufgefallen, die auf NS-Raubgut hinwiesen: jüdische, gewerkschaftliche, religiöse, freimaurerische, SPD- oder KPD-Provenienzen. Diese Funde waren die Grundlage für einen Förderantrag beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste.

 

Anfänglich - so schilderten die Kolleginnen eindrücklich - waren sie von 600 verdächtigen Provenienzmerkmalen ausgegangen, die zu überprüfen seien. Diese Zahl habe sich durch das Auftreten sogenannter Parallelprovenienzen (mehrere Provenienzmerkmale in einem Buch) inzwischen auf gut 1.000 erhöht.

 

 

 

NS-Raubgutforschung, so betonten die Referentinnen, werde aktuell von politischer wie von medialer Seite mit großer Aufmerksamkeit bedacht, und die Chance, die gut ausgebauten Förderstrukturen nutzen und damit Unrechtsfälle aufklären zu können, sollte nicht vertan werden. Diesem Befund habe das interessierte Feedback auf dem Bibliothekskongress in sehr erfreulicher Weise entsprochen, bestätigten die beiden engagierten Kolleginnen im Nachgang, und betonten, dass sie jederzeit als Ansprechpartner in Sachen Provenienzforschung und Drittmittelbeantragung zur Verfügung stünden.

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Schlegels Hamlet-Übersetzung: Am 26.03. zeigen wir das Original-Manuskript!

Die SLUB verwahrt den Nachlass von August Wilhelm Schlegel, darunter das Manuskript seiner Hamlet-Übersetzung, welche den Titelhelden zur deutschen Symbolfigur machte und die Shakespeare-Rezeption im deutschsprachigen Raum entscheidend mitprägte. Dr. Kaltërina Latifi, Germanistin und Präsidentin der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft, hat diese Handschrift nun erstmals kritisch ediert: Am Dienstag, den 26.03. stellt sie ihr Buch bei uns vor, was wir gern zum Anlass nehmen, exklusiv das Original zu präsentieren!

 

 

August Wilhelm Schlegel übersetzte nicht weniger als sechzehn Shakespeare-Dramen, darunter auch "Hamlet, Prinz von Dänemark". Die Druckfassung erschien 1798. Es handelte sich damals nicht um die erste Übersetzung ins Deutsche, aber Schlegels Fassung setzte neue Standards und bleibt uns bis heute im Ohr: Schlagworte aus Hamlets 'deutschen' Monologen sind uns als Redewendungen in der Alltagssprache vertraut, zum Beispiel „Sein oder Nichtsein“ oder „Der Rest ist Schweigen“.

 

 

Schlegel bemühte sich sowohl um Werktreue als auch um eine gefällige und eingängige Sprache. Obwohl ihm gelegentlich vorgeworfen wurde, er habe Shakespeare für das deutsche Bildungsbürgertum übertrieben romantisiert, wurde jede nachfolgende Übersetzung an ihm gemessen. Jetzt ist im Georg Olms Verlag das Arbeitsmanuskript seiner Hamlet-Übersetzung - die "Dresdner Handschrift" - in kritischer Edition erschienen.

 

 

 

Mit dieser Ausgabe ermöglicht uns Dr. Kaltërina Latifi interessante Einblicke in Schlegels sorgfältige Herangehensweise und den gesamten komplexen Übersetzungsprozess. Die Edition gibt die Handschrift in Originalgröße wieder und stellt ihr eine gut lesbare und zeichengetreue Transkription gegenüber, die alle Änderungen nachvollziehbar macht. Hinzu kommen chronologisch durchgeordnete Dokumente zur Entstehungsgeschichte der Übersetzung. 

 

 

Schlegels Hamlet-Manuskript: Buchvorstellung und Gespräch mit der Herausgeberin, am 26.03.2019, 19:00 Uhr im Klemperer-Saal

 

 

 

Eine Veranstaltung mit finanzieller Unterstützung von Dresden Trust.

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Schneller anfangen, besser vorwärts kommen: Beim Schreibevent des Jahres wird Euch geholfen!

Zu langsam für Eure Deadline? Keinen roten Faden im Text? Angst vor dem leeren Blatt? Egal, was Euer Problem ist, Ihr seid nicht allein! Das Schreibzentrum der TU Dresden (SZD) lädt wieder zur Langen Nacht des Schreibens (LNDS) in die SLUB.

 

Unter dem Motto „Write through the night“ unterstützen wir Euch dabei, neuen Mut zu fassen und nützliche Strategien zu entwickeln: Konzentriertes Schreiben in Gemeinschaft, Motivation, Inspiration und Tipps gegen Aufschieberitis - alles das kriegt Ihr am Donnerstag (7. März 2019) von 17-24 Uhr bei uns!

 

 

 

Die Lange Nacht des Schreibens aka "Long Night against Procrastination" am ersten Donnerstag im März ist eine feste Größe im Veranstaltungskalender vieler Hochschulen und Universitäten weltweit. Die Idee dahinter: Gemeinsamkeit fördert die Motivation.

 

Wir bieten Euch den Rahmen für ein positives Schreiberlebnis! In Schwung bringen könnt Ihr Euch ab 17:00 mit einem von sechs Impuls-Workshops. Im Anschluss findet Ihr Euch in unterschiedlichen Schreibgruppen zusammen und legt los - die Schreibtutoren/-innen des SZD leiten Euch an. In unserem Klemperersaal gibt es den ganzen Abend über verschiedene Informations- und Unterhaltungsangebote: Ihr könnt eine individuelle Schreibberatung in Anspruch nehmen und/oder bei Schreibtischyoga, Suppe oder Kaffee entspannen.

 

Unsere SLUB-Kollegen erwarten Euch ebenfalls dort am #SLUBWissensbar-Helpdesk und freuen sich darauf, Euch das Leben leichter zu machen - zum Beispiel mit Hinweisen zum Recherchieren, Zitieren und Verwalten von Literatur. Kommt vorbei und bringt viele Fragen mit!

 

Hier findet Ihr das ganze Programm!

 

 

 

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Über die Sehnsucht nach einer "konservativen Revolution" - ein Autorengespräch 'Zur rechten Zeit'

Vier renommierte HistorikerInnen betrachten die Wiederkehr des Nationalismus und begründen ihre damit zusammenhängende Sorge um das demokratische und aufklärerische Selbstverständnis der Bundesrepublik. Nächsten Mittwoch kommen sie in die SLUB und stellen ihr gemeinsames Buch vor!

 

 

 

Das Buch, das gerade erst im Ullstein Verlag erschienen ist, kommt hoffentlich "zur rechten Zeit"! Es handelt von der Sehnsucht nach einer „konservativen Revolution", welche die Autoren in der gesamten deutschen Nachkriegsgeschichte am Werk sehen und mit der sie sich die aktuelle "Rückkehr des Nationalismus" und die jüngsten Erfolge der Rechtspopulisten erklären.

Dass der Nationalismus - ein im 19. Jahrhundert entstandenes politisches Konzept - wieder derart attraktiv geworden sei, stelle "eine ebenso gefährliche wie erklärungsbedürftige Entwicklung dar", heißt es in der Einleitung, womit das wesentliche Anliegen dieses Buches bereits grob umrissen ist: Es geht darum, die neue alte Leidenschaft für nationale Identität im zeithistorischen Kontext plausibel zu machen und gleichzeitig präzise vor Augen zu führen, was dadurch auf dem Spiel steht - die liberale Demokratie und das Ideal einer menschenfreundlichen Gesellschaft.

 

Wir freuen uns auf das Buch und den Austausch mit Prof. Dr. Norbert Frei, PD Dr. Christina Morina, Dr. Franka Maubach und Dr. Maik Tändler! Moderieren wird Oliver Reinhard, Kultur-Redakteur der Sächsischen Zeitung, der sich kürzlich auf Facebook dazu bekannte, auf diesen Job "extrem gespannt" zu sein, was uns in der Gewissheit bestärkt, dass wir mit einer interessanten Diskussion rechnen dürfen!

 


Kommen Sie am 6. März um 19:00 Uhr in den Klemperer-Saal und seien Sie dabei: Die Veranstaltung ist öffentlich und der Eintritt wie üblich frei!

 

 

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Das Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek: Ein Projekt zur Zusammenführung aller digitalisierten Bestände!

Die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) ist eine Plattform in öffentlicher Verantwortung, die Objekte aus Kultur- und Wissenseinrichtungen zusammenführt, vernetzt und allgemein zugänglich macht. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert nun ein Projekt, in dem als Teil und auf der Basis der DDB ein nationales Zeitungsportal errichtet werden soll. Mittelfristig soll dieses Portal alle in Deutschland frei verfügbaren digitalisierten Zeitungsbestände präsentieren und nutzbar machen.

 

 

 

Das Förderprogramm, mit dem die Digitalisierung und Erschließung von Zeitungsbeständen finanziell unterstützt werden soll, basiert auf einem Masterplan, an dem die SLUB im Rahmen des DFG-Pilotprojekts „Digitalisierung historischer Zeitungen“ federführend mitgearbeitet hat. Ebenfalls mit Mitteln der DFG werden diese Bestände jetzt in einem aufwändigen Kooperationsprojekt zusammengeführt. Es geht darum, ein Portal zu entwickeln, das einen zentralen und nutzerfreundlichen Zugang zu den bereits digitalisierten Zeitungsbeständen realisiert, eine übergreifende Volltextsuche ermöglicht und die Recherche über verschiedene Einstiegspunkte erlaubt. Dahinter verbirgt sich aus Nutzersicht eine enorme Verbesserung, denn dieses Feature - der Einstieg über eine Kalendernavigation, in der bestimmte Daten oder Zeiträume angewählt werden können - lassen die Digitalen Sammlungen der SLUB bisher vermissen. Hier muss die Recherche derzeit noch mit einer konkreten Werkauswahl beginnen, bevor sich die jeweilige Kalenderansicht öffnet.

 

Unsere Kollegen sind in diesem Großprojekt vor allem mit der Entwicklung einer integrierten Anzeigenkomponente (Viewer) befasst: Die Nutzer sollen die Möglichkeit haben, die Bestände innerhalb der Portalumgebung zur Ansicht und zum Durchblättern aufzurufen. Zum Einsatz kommt dabei die bei uns entwickelte moderne Präsentationstechnologie Kitodo.Presentation, die nun noch weiter für die Darstellung von Zeitungen qualifiziert wird. Die Integration der Software in das Portal der DDB erfolgt nach dem Vorbild des (ebenfalls auf Kitodo basierenden und von der SLUB betriebenen) DFG-Viewers.

 

Das Projekt hat bisher noch keinen konkreten Namen und wird sicher erst am Ende der ersten Förderphase eine sichtbare bzw. klickbare Gestalt annehmen. Der angestrebte Funktionsumfang orientiert sich an Vorbildern wie ANNO - dem virtuellen Zeitungslesesaal der Österreichischen Nationalbibliothek - und lässt Großes erwarten.

Wir freuen uns auf diese Herausforderung und halten Sie über Fortschritte auf dem Laufenden!