Sie sind hier

  1. SLUB Dresden
  2. SLUBlog

SLUBlog

Kategorie: Deutsche Fotothek

8

Nicht nur für Radfahrer: Digitale Ideen mit Geschichte im Kartenforum

Fast einhundert neu digitalisierte Karten wurden im Virtuellen Kartenforum noch kurz vor Weihnachten veröffentlicht. Für Radfahrerinnen und Radfahrer sind fünf digitale Karten dabei – für die Gegenden um Prag, Chemnitz und Zwickau, Görlitz, Ostpreussen und für die Hauptrouten von Mitteleuropa.

 

Hauptroutenkarte von Mitteleuropa für Radfahrer : Blatt 2, 1:1 500 000. SLUB/ Deutsche Fotothek

 

Lohnende Ziele für Touren in 2016 finden Sie darin bestimmt über die Feiertage. Außerdem lohnt ein Blick in die alten Tourenbücher für Radfahrer. Die Sammlung wächst weiter, da in den vergangenen Monaten nicht nur in der SLUB, sondern auch in anderen Bibliotheken historische Radfahrerliteratur digitalisiert wurde. "Historische Radreisen" sind als Sammelgebiet ein verstreutes Puzzle regionaler Wegweiser, Radwanderführer, Fahrten- und Tourenbücher sowie länderüberschreitender Radreiseberichte. Die Autoren - Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend Männer - schufen als Verbandsfunktionäre, Verleger und "Sportfreunde" eine Vielzahl regionaler Reiseführer, die immer noch nützliches Material für die Heimatforschung sind - und Ausgangspunkt für Reisepläne.

 

Von wem stammen diese Karten? Ein Dresdner Kartograf und Verleger war Robert Mittelbach in Kötzschenbroda, der mit seinen Verlagen dort und in Leipzig verschiedenste Landkarten schuf, unter anderem für Rad- und Automobilfahrer. In Leipzig erschienen damals auch die Universal-Radsport-Karten von Eduard Gaebler und Wolf's Radfahrer-Karten in verschiedenen Verlagen. Der Schweizer Theophil Weber gründete in Leipzig den Sächsischen Radfahrer-Bund, den es heute noch gibt, und verlegte Tourenbücher für Radfahrer, die in der SLUB schon digitalisiert wurden. Ist diese Häufung ein Zufall? Allein die individuellen Geschichten der Verlage und ihrer Verleger, die Radtourenbücher und -karten veröffentlichten, sind höchst spannend. Die Vermutung liegt nahe, dass die geschäftlichen Interessen radelnder Verleger mit deren privaten Interessen als Radsportler und Radreisende um 1900 zusammentrafen. Mehr Freizeit, sinkende Anschaffungskosten und damit steigende Fahrradbegeisterung schufen Nachfrage nach Radreiseliteratur. Geschäftstüchtige Verlage bedienten diese Nachfrage gern und druckten diese Fahrradbücher – verschleißanfällige Gebrauchsliteratur, die inzwischen weit verstreut in unzähligen europäischen und amerikanischen Regionalbibliotheken, Antiquariaten und Digitalen Sammlungen darauf wartet, für neue Reisen wieder entdeckt zu werden.

 

Studentinnnen und Studenten der Technikgeschichte erforschen nun an der TU Berlin Fahrradgeschichte anhand digitalisierter Tourenbücher und bloggen ihre Erkenntnisse. Für HistorikerInnen - mit und ohne Fahrrad - bieten die Radfahrerbücher viel, auch alltägliche Auswirkungen der Weltgeschichte. Im Begleitwort der zweiten Auflage des Wanderbuchs des Bundes Deutscher Radfahrer Band für Ostdeutschland schrieb der Fahrradpionier und Radsportfunktionär Gregers Nissen 1925: "Die zweite Auflage von Ost-Deutschland umfasst das selbe Gebiet wie die I. Auflage, obgleich unserem Vaterland grosse Gebietsteile entrissen wurden und der Korridor uns von Ostpreussen trennt. Ich habe die Hauptstrassen durch die abgetrennten Teile aufgenommen, in der Hoffnung, dass es auch mal wieder anders kommen kann." Ältere digitale Radfahrerkarten für Polen, Sachsen und Böhmen finden Sie jetzt im Kartenforum in der Deutschen Fotothek.

 

Ergänzung: Die Karte vom "Gebiet des Deutschen Radfahrer-Bundes mit Gau - Eintheilung" von 1892 wurde von der Nationalbibliothek in Warschau digitalisiert.

 

 

0

25 Jahre ist`s her: DDR-Alltag in Fotografien

Familienleben in Neubauwohnungen, fröhliche Pioniere, Soldaten an der innerdeutschen Grenze - im Bestand unserer Fotothek finden Sie zahlreiche Bilder, die den Alltag in der DDR zeigen und 25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung Erinnerungen aufkommen lassen.

 

Einer, der die DDR-Wirklichkeit von Beginn der 1970er Jahre bis zur Gegenwart besonders umfassend dokumentierte und 1983 auf dramatische Weise aus der DDR floh, ist der Journalist und Fotograf Uwe Gerig, dessen umfangreiche Sammlung die SLUB 2007/2008 übernahm. Dazu gehören 75.000 Kleinbildfarbdias, 10.000 Mittelformatfarbdias, 25.000 schwarz/weiß Kleinbild-Negative und 25.000 Digitalaufnahmen, die das Zeitgeschehen in der DDR, an der innerdeutschen Grenze und an der Berliner Mauer dokumentieren.

 

Nach seiner Flucht, über die der Spiegel 2013 berichtete, dokumentierte Gerig die innerdeutsche Grenze bis über die Wiedervereinigung hinaus.

 

Darüber hinaus beinhaltet die Sammlung Porträts von Politikern und anderen Persönlichkeiten sowie Stadtansichten, Architekturaufnahmen, aber auch Straßenszenen, Märkte und Plätze mit Passanten, Straßenkünstlern, Bettlern und Touristen.

 

 

Bild oben: Aufnahme von 1986 an der innerdeutschen Grenze im Bereich Niedersachsen. Blick über die Mauer. Wenn der Mann (Ost) aus seinem Haus in den Garten tritt, steht er unmittelbar vor der letzten Mauer nach Westen. Uwe Gerig

2. Bild von oben: Aufnahme von 1985 in West-Berlin. Kinder im Stadtteil Spandau beim Spaziergang unmittelbar an der Mauer. Uwe Gerig

3. Bild von oben: Aufnahme von 1982. Im Zentrum von Erfurt befindet sich dieses "Seefischhaus", mit leeren Schaufenstern. Uwe Gerig

Bild unten: Aufnahme von ca. 1978: Die kriegszerstörte Frauenkirche mit dem Lutherdenkmal davor, Dresden. Uwe Gerig

 

 

 

1

Deutsche Fotothek präsentiert Nachlass Erwin Fiegers

Anfang Juni konnte der rund 30.000 Aufnahmen umfassende Nachlass von Erwin Fieger (1928-2013) in das Archiv der Fotografen in der Deutschen Fotothek an der SLUB aufgenommen werden.

 

Fieger zählt zu den Pionieren einer neuen Farbästhetik in der Colorfotografie der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit. Seine Ausstellungen auf der Photokina in Köln und zahlreiche Bildbände bahnen der Farbfotografie den Weg zu ihrer Etablierung als autonomes künstlerisches Medium.

 

Erwin Fieger verstand seine Fotografien als eine „Huldigung an das Leben“. Weitgehend ohne Aufträge bereiste er seit Ende der 1950er Jahre die Welt, um Farbfotografie zu betreiben, weit jenseits des damals Üblichen. Die Ergebnisse seiner Reisen publizierte er in Bildbänden, die Maßstäbe setzten - auch weil der studierte Grafiker Fieger eine seltene Einheit von Fotografie, Layout, Typografie, Druckqualität und Verarbeitung erzielte. 1951-1954 studierte er Graphik-Design an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Eugen Funk und arbeitete ab 1962 als selbständiger Bildjournalist.

 

Fieger erhielt bereits als junger Fotograf die Einladung der photokina 1960, sich mit seinen London-Farbaufnahmen an der Ausstellung "Magie der Farbe" zu beteiligen und die Gesamtgestaltung der Schau zu übernehmen. Sie erhielt anschließend auf der photobiennale in Venedig die Goldmedaille, ebenso wie das Design des zwei Jahre später publizierten gleichnamigen Bildbandes. Zahlreiche Ausstellungen, Fotobücher und Auszeichnungen folgten. Den Kulturpreis der DGPH erhielt Fieger 1974 "in Anerkennung der wegweisenden Rolle, die seiner ganz persönlichen Leistung bei der Durchsetzung eigenständiger Formen der modernen Farbphotographie zukommt. Fiegers bedeutender Anteil prägt sich insbesondere aus in großangelegten, international erfolgreichen Bildbänden. Sie beruhen ganz auf seinen Ideen, und ihre Gestaltung ist in allen Einzelheiten sein Werk. Gegen überkommene Vorstellungen wie gegen materielle Schwierigkeiten hat er es verstanden, mit vorbildlicher Konsequenz die besonderen Gesetze der Farbphotographie einer neuen Form der Weltschilderung nutzbar zu machen." 2004 hatte er seine letzte Ausstellung, danach musste er wegen nachlassenden Sehvermögens seine photographische Tätigkeit einstellen.

1

'Wahnhaftes Erfinden' im DrePunct: Die technischen Visionen des Karl Hans Janke

Hochfliegende Raumfahrt-, Atom- und Automatisierungsvisionen revitalisierten seit den 1950er Jahren die Popularisierung von Zukunftstechnik. Selbst die Psychiatrische Landesanstalt Hubertusburg blieb von diesen Zeitströmungen nicht unberührt:

 

Karl Hans Janke (1909–1988) entwarf in den fast vier Jahrzehnten, die er in Wermsdorf wegen "chronisch paranoider Schizophrenie" verbrachte, tausende Fahr- und Flugzeuge, Raumschiffe und Triebwerke, Energiekonzepte und elektrische Geräte. Der begabte Zeichner und Konstrukteur bastelte zahlreiche Modelle und arbeitete an einer alternativen Entwicklungsgeschichte des Menschen, die er in seine Kosmologie einbettete. Dazu hielt er Vorträge und korrespondierte mit Betrieben und staatlichen Stellen.

 

Ausstellungseröffnung am 18. November 2014, 17 Uhr

 

In ihrem Janke-Archiv verwahrt die Deutsche Fotothek etwa 3500 Digitalisate der Janke-Zeichnungen und produziert daraus auf Anfrage hochwertige Drucke. Die studentische Ausstellung "Wahnhaftes Erfinden: Die technischen Visionen des Karl Hans Janke", die ab morgen im DrePunct der SLUB gezeigt wird, nutzt diesen Fundus. Sie wurde im Sommersemester 2014 im Rahmen eines Praxisseminars am Institut für Geschichte der TU Dresden erarbeitet und will Schlaglichter auf das faszinierende Werk Karl Hans Jankes werfen. Dabei soll die Breite seines Schaffens deutlich werden und weniger nach der Umsetzbarkeit technischer Ideen gefragt, als vielmehr auf die zahlreichen Anregungen hingewiesen werden, die Janke aus seinem Dialog mit einer Gesellschaft bezog, die ihn ausschloss.

0

Das Auge des Arbeiters. Arbeiterfotografie & Kunst – Ausstellungseröffnung in Zwickau

In Momentaufnahmen "von unten" belichtet die Ausstellung "Das Auge des Arbeiters" Arbeiterfotografie & Kunst um 1930 bis 3. August 2014 im Max-Pechstein-Museum der Kunstsammlungen Zwickau. Die Eröffnung findet am morgigen 23. Mai, um 17 Uhr statt.

 

 

Rund 200 Fotografien lenken den Blick auf bisher kaum wahrgenommene Akteure im Spannungsfeld zwischen privater Medienkultur und linker Propaganda: Arbeiter, Handwerker und Kleinbauern, die um 1930 ihre Lebenswelt fotografierten. Mit ihrem Alltag bildeten sie soziale wie politische Konflikte ab – und trugen damit zu deren agitatorischer Inszenierung in der Parteipresse bei. So erweisen sich die Amateuraufnahmen vom Beginn der Medienmoderne als Vorboten sowohl der DDR-Fotokultur als auch der heutigen Bilderflut des Internets.

 

Die Deutsche Fotothek ist in der Ausstellung mit rund 70 Aufnahmen von Kurt Beck, Hans Bresler, Kurt Burghardt, Erich Meinhold, Richard Peter sen. und Kurt Winkler vertreten. Acht großformatige Totenbilder von Richard Peter sen. werden eigens in einer Installation im Kuppelsaal des Museums präsentiert.

 

In der Ausstellung treten die Arbeiterfotografien in einen Dialog mit Malerei und Grafik der Neuen Sachlichkeit und des Kritischen Realismus. Ein Mittler zwischen den Welten war der Betonbauer Albert Hennig (1907–1998). Er wagte 1932 am Dessauer Bauhaus den Sprung vom proletarischen Amateurfotografen zum "Reklamemann". Als Künstler zu arbeiten, sollte ihm jedoch erst sehr viel später gelingen. Die Kunstsammlungen Zwickau bewahren Hennigs ebenso umfangreichen wie außergewöhnlichen Nachlass – darunter über 400 erstmals katalogisierte Fotografien, die im Archiv der Fotografen der Deutschen Fotothek online recherierbar sind. Eine Auswahl ist in der Ausstellung zu sehen.

 

Die Ausstellung gastiert bis 3. August in Zwickau, von August bis Oktober im Käthe-Kollwitz Museum Köln und ab März 2015 im Stadtmuseum Dresden.