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Kategorie: Service

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Echt oder nicht? – Fake-Journale als Problem der Wissenschaft

Medial steht das Thema "Fake-Journale" im Wissenschaftssystem gerade unter hoher Aufmerksamkeit: "Fake-Journale werden für Wissenschaft zum Problem" betitelt etwa der MDR seinen Beitrag. Da auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Dresden in derartigen Journalen publiziert haben, befragten Dr. Sebastian Hesse-Kastein und Ralf Geißler vom MDR auch Michael Wohlgemuth, Informationsspezialist für Open Access und Bibliometrie an der SLUB.

Einen Auszug aus dem Interview lesen Sie nachstehend.

 

Wie kommentieren Sie die Tatsache, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Dresden bei sogenannten Raubverlegern publiziert haben?

 

Abbildung: Was sind Fake-Journale?>>MW: Das Phänomen Raubverleger bzw. Fake-Journale ist ein seit Jahren bekannter und nicht gewollter Nebeneffekt im Publikationswesen, dem auch Wissenschaftler der TU Dresden zum Opfer gefallen sind. Raubverleger nutzen den Publikationsdruck, der auf den Wissenschaftlern lastet, schamlos aus, um sich zu bereichern. Wir beobachten diese betrügerischen Geschäftsmodelle aufmerksam und arbeiten offensiv daran, Publikationen in derartigen Zeitschriften zu verhindern.

 

Sehen Sie in den sogenannten Raubverlegern ein wachsendes, ernstes Problem? Warum?

 

>>MW: Zeitschriften, deren Kosten über Artikelbearbeitungsgebühren getragen werden, erlangen eine immer stärkere Bedeutung. Im Zusammenhang mit diesem Bedeutungszuwachs ist davon auszugehen, dass betrügerische Geschäftsmodelle an Bedeutung gewinnen.

Zu Ihrer Frage, ob es ein ernstes Problem ist: Ja, unbedingt. Da auf diesem Wege das Vertrauen in wissenschaftliche Erkenntnis in Frage gestellt wird. Zweitens, da öffentliche Gelder – also letztlich Mittel die wir alle als Steuerzahler erwirtschaften – betrügerischen Geschäftsmodellen zugeführt werden. Und drittens, da die Wissenschaftler, die derartigen Geschäftsmodellen zum Opfer fallen, ihrer wissenschaftlichen Karriere unwissentlich massiven Schaden zufügen können.

 

Kennen Sie Fälle, bei denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler versucht haben, eine Veröffentlichung zurück zu ziehen, nachdem sie bemerkt haben, dass es sich um einen unseriösen Verleger handelt?

 

>>MW: Derzeit bearbeiten wir pro Woche ca. 2 Fälle, in denen uns Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um eine Einschätzung von Journalen bitten. Idealerweise erreichen uns diese Anfragen vor der Einreichung. Aber auch nach der Einreichung ist es unseren Erfahrungen nach Wissenschaftlern möglich, ihre Manuskripte zurückzuziehen.

 

Sehen Sie in der Praxis, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei Raubverlegern publizieren, eine Gefahr für die wissenschaftliche Reputation?

 

>>MW: Eindeutig ja. Eine zentrale Komponente der Wissenschaft ist die sogenannte „intersubjektive Überprüfbarkeit“. Das bedeutet, dass wissenschaftliche Ergebnisse von Dritten nachgeprüft werden sollten. Diese „intersubjektive Überprüfbarkeit“ wird in der wissenschaftlichen Kommunikation oft durch einen Begutachtungsprozess (Peer Review) sichergestellt. Wird dieser Begutachtungsprozess nicht durchlaufen, kann gegen Geld grundsätzlich jede Information als wissenschaftliche Expertise verkauft werden. Angesichts der großen Bedeutung von wissenschaftlicher Expertise in unserer hochkomplexen Gesellschaft, ist der durch Fake-Journale geschürte Vertrauensverlust in wissenschaftliche Expertise eine große Gefahr für uns alle.

 

Fake-Journale erkennen

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf unserer Informationsseite Fragwürdige Journale.

Unser Service berät Sie gerne in Bezug auf die Auswahl seriöser Zeitschriften und hilft Ihnen, Einreichungen in Fake-Journalen zu vermeiden.

 

 

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Zum Amtsantritt: Neuer Generaldirektor Achim Bonte im Interview

Dr. Achim BonteSeit heute ist Dr. Achim Bonte neuer Generaldirektor der SLUB. Das Redaktionsteam des SLUBlog hat dies zum Anlass genommen mit ihm über seine Visionen der SLUB, anstehende Chancen und Herausforderungen zu sprechen.

 

 

 

Lieber Herr Bonte, Sie haben seit heute die Leitung der SLUB inne - Herzlichen Glückwunsch! Ganz neu sind Sie aber nicht: Sie kennen das Haus seit mittlerweile gut 12 Jahren als Stellvertreter des Generaldirektors. Wie würden Sie das Haus, das sie nun übernehmen, mit drei Worten beschreiben?

 

>>AB: Agil, engagiert, angesehen.

 

 

Was bedeuten diese Eigenschaften nun, wenn Sie daran denken, das Haus zu führen?

 

>>AB: Die SLUB hat vergleichsweise früh erkannt, dass der klassische Bibliotheksauftrag des Bildens und Vermittelns mit neuen Diensten und Werkzeugen erfüllt werden muss. Seitdem passen wir uns jeweils möglichst rasch und passgenau an veränderte Rahmenbedingungen der digitalen Informationsinfrastruktur an. Das herausragende Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SLUB zählt ebenfalls zu unseren Markenzeichen. Das gibt Zuversicht, muss aber auch gepflegt werden. Ein weiteres Pfund für eine erfolgreiche Zukunftsentwicklung ist das anerkannt hohe Renommee des Hauses innerhalb der Branche wie in der Wissenschaftsregion Dresden. Hierfür gilt dasselbe wie für das Bibliothekspersonal.

 

 

Was fasziniert Sie an der Arbeit in einer (wissenschaftlichen) Bibliothek allgemein und in der SLUB im Speziellen?

 

Außenaufnahme SLUB>>AB: Die Arbeit in einer Bibliothek ist einer der erfüllendsten Berufe, den man haben kann. Mitwirken an der Verbreitung von Information und Wissen, an der geistigen Entwicklung von Menschen und Gesellschaften, dabei zugleich täglich Neues zu erfahren und vor häufig wechselnden Herausforderungen zu stehen - was will man mehr? Die SLUB speziell bietet mit ihrem breiten gesetzlichen Auftrag und ihrer Betriebsgröße dazu noch erweiterte Handlungsmöglichkeiten, zumal in dem besonders lebendigen, exzellenten Wissenschaftsraum Dresden. Sich dafür einzusetzen, macht große Freude.

 

 

Welche Schwerpunkte möchten Sie bei Ihrer Arbeit setzen?

 

>>AB: Trotz drastischen Personalabbaus hat die SLUB in den letzten zwölf Jahren ihren Aufgabenkreis ständig erweitert: Sie hat neben den analogen Angeboten digitale Dienstleistungen entwickelt, ihren Service zunehmend auf den gesamten Forschungskreislauf vom Schreiben über das Publizieren bis hin zur Langzeitarchivierung ausgedehnt sowie neben Büchern und Texten zunehmend auch nicht-textuell codiertes Wissen in den Blick genommen. Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie im kontinuierlichen Austausch mit unseren zahlreichen Benutzerinnen, Benutzern und Kooperationspartnern wollen wir im Rahmen eines Strategieprozesses "SLUB 2025" in den nächsten Monaten unser Aufgabenportfolio ordnen und die Schwerpunkte schärfen.

 

Nach meiner persönlichen Überzeugung sollte die Bibliothek ihre Angebote künftig nicht nur streng kundenorientiert, sondern weitgehend partizipativ anlegen. Sie sollte trotz orts- und zeitunabhängiger Verfügbarkeit von digitalen Informationen und Wissen mit ihren physischen Gebäuden mehr denn je auch als öffentliches Studien- und Kommunikationszentrum, als leistungsfähiger und attraktiver dritter Ort zwischen Zuhause und Arbeitsplatz fungieren. Sie sollte mit aktivem Engagement für Openness auch eine prononciert gesellschaftspolitische Funktion erfüllen, die sichtbar über die Wissenschaftskommunikation hinausreicht; and last but noch least sollte die SLUB auch weiterhin produktiv aus ihrer reichen Vergangenheit und kulturellen Überlieferung schöpfen.

 

 

Vor welchen größeren Herausforderungen sehen Sie die SLUB in den kommenden fünf Jahren?

 

>>AB: Nachdem wir bisher recht komfortabel von dem 2003 eröffneten Neubau der Zentralbibliothek gelebt haben, ist dringend eine umfangreiche Sanierung des Gebäudes notwendig. Daneben gilt es, den mit der Gründung des Staatsbetriebs eingeschlagenen Weg zu mehr Flexibilität und Agilität im betrieblichen Planen und Handeln konsequent fortzusetzen. Eine der größten Herausforderungen bleibt schließlich die Personalgewinnung und -entwicklung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SLUB sind der wichtigste Schatz, den dieses Haus für seine Zukunftsentwicklung besitzt.

 

 

Was macht Ihrer Meinung nach eine gute wissenschaftliche Bibliothek heutzutage aus?

 

>>AB: Für die Beantwortung dieser Frage bräuchte ich mehr Platz, als ich hier zur Verfügung habe. Ich beschränke mich auf einige Stichwörter: Konsequente Benutzerorientierung, Zusammenwirken von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren sowie Benutzerinnen und Benutzern bei der Entwicklung des Hauses, Geschwindigkeit bei der Meinungs- und Entscheidungsbildung, Kreativität, unternehmerischer Mut, belastbare Kooperationsnetze ...

 

 

Bitte vervollständigen Sie den folgenden Satz: Ich wünsche mir für das Haus in den kommenden Jahren...

 

>>AB: möglichst viele begeisterte Kolleginnen und Kollegen sowie Benutzerinnen und Benutzer, die notwendige Sanierung und weitere Verbesserung der Aufenthaltsqualität, maximales Verständnis bei Unterhaltsträger und Förderern.

 

 

Und noch eine persönliche Frage zum Abschluss: Gibt es ein Maxime, die Sie durch Ihren (Arbeits-)Alltag begleitet?

 

>>AB: "Think beyond the limits!"

 

Herzlichen Dank für das Gespräch und einen erfolgreichen Start als Generaldirektor!

 

 

Über Dr. Achim Bonte
>> Kurzvita
>> Aufgaben

 

 

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Literaturverwaltung, die Fünfte: Der SLUB-Ratgeber zur Literaturverwaltung neu aufgelegt

Nach fast zwei Jahren und wichtigen Versionsupdates bei den Programmen Zotero & Citavi war es dringend an der Zeit für eine Neuauflage des SLUB-Ratgebers "Literaturverwaltungsprogramme im Überblick". In der nunmehr 5. Auflage haben wir etablierte Vergleichskriterien wie "Import/Export", "Dateneingabe und -bearbeitung", "Zitieren und Literaturlisten" um ausführliche Hinweise zum "Kooperativen Arbeiten" und zur "Wissensorganisation" ergänzt, um die Anwendungen Zotero, Citavi, Mendeley, RefWorks, EndNote und JabRef daraufhin detailliert zu untersuchen.

Was hat sich getan?

 

Bereits im Juli 2017 erschien Zotero 5 mit tiefgreifenden Änderungen in der Systemarchitektur, welche sich im äußeren Erscheinungsbild jedoch kaum niederschlugen und dadurch dem Endnutzer den Versionswechsel enorm vereinfachten. Für die Installation von Zotero ist die Desktop App nun Pflichtprogramm, ergänzt um den passenden Browser Connector. Zotero-Erstanwender werden die nach wie vor aufgeräumte und klar strukturierte Programmoberfläche zu schätzen wissen, welche die Einarbeitungszeit sehr gering hält. Aktuelle Zotero-News sind unter anderem das Tool "ZoteroBib", welches eine webbasierte Erstellung von zitierstilflexiblen Literaturlisten ohne Installation oder Registrierung erlaubt.

In der Anwendercommunity herbeigesehnt, ging im Februar 2018 Citavi 6 an den Start. Highlight der neuen Version ist die nunmehr unterstützte Arbeit in der Citavi-Webcloud. Kooperatives Arbeiten und das Teilen eigener Referenzen setzt somit nicht mehr die Nutzung der kostenpflichtigen Versionen "Citavi for Windows" oder "Citavi for DBServer" voraus, sondern es reicht bereits Citavi Free, um im Team arbeiten zu können. Die Beschränkung auf max. 100 Referenzen in einem Projekt besteht allerdings nach wie vor. Einzige Voraussetzung für die Arbeit in der WebCloud ist ein Account bei Citavi. Weniger erfreulich ist indessen, dass mit Citavi 6 nur noch eine direkte Schreibunterstützung in MS Word mittels des Citavi WordAddIns möglich ist. Sonstige Textverarbeitungsprogramme wie das OpenSource-Produkt LibreOffice oder Mircosoft Writer werden durch den Wegfall des Publikationsassistenten leider nicht mehr unterstützt.

Für die Programme Mendeley, RefWorks, Endnote und JabRef sind nur kleine versionsinterne Aktualisierungen zu berücksichtigen gewesen. Allerdings sei an dieser Stelle angemerkt, dass für Endnote bereits ein Versions-Update von X8 auf X9 in den Startlöchern steht.
Für alle, die das für sich richtige Programm zur Literaturverwaltung suchen, heißt das: die nächste Auflage des Ratgebers kommt bestimmt!


Diese Übersicht aus dem Ratgeber finden Sie in höherer Auflösung auch auf flickr

 

Literaturverwaltung - Wir unterstützen Sie!

 

Natürlich ist der Programmvergleich nicht der einzige Rettungsanker, den wir Ihnen zu den Themen "Literaturverwaltung" und "wissenschaftliches Schreiben", "Korrekt zitieren" zuwerfen. Wir stellen Ihnen hierfür ein abgestimmtes Beratungs- und Dienstleistungsangebot zur Seite und stehen Ihnen für Ihre Fragen rundum zur Verfügung:

Über Ihre Kommentare und Anregungen freuen wir uns hier im Blog oder unter literaturverwaltung@slub-dresden.de!

 

 

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SACHSEN.digital – Sachsens Schätze weltweit und rund um die Uhr

Haben Sie es schon entdeckt? Seit einiger Zeit ist SACHSEN.digital online – das neue Portal für digitalisierte Kulturgüter aus Sachsen.

 

 

Virtuell vereinigt wird an dieser Stelle ein stetig wachsender Bestand an kulturellen Schätzen des Freistaates, die vorrangig im Rahmen des Landesdigitalisierungsprogramms digitalisiert und bereitgestellt werden. Die bislang 25 beitragenden Institutionen vertreten ein breites inhaltliches Spektrum und decken den gesamten sächsischen Raum ab. Die Nutzer haben so die einzigartige Möglichkeit, virtuell in den Beständen von verschiedenen Museen, Bibliotheken und Archiven aus zum Beispiel Plauen, Zwickau, Leipzig, Dresden, Bautzen, Görlitz oder Freiberg zu blättern, weltweit und rund um die Uhr. Die freien Lizenzen erlauben eine unkomplizierte Weiternutzung und sollen so zum kreativen Umgang mit dem Material und damit zur Verbreitung der Inhalte anregen. Erst kürzlich dienten beispielsweise Fotografien des Sorbischen Instituts Bautzen als Grundlage für ein preisgekröntes Projekt im Rahmen des Kulturhackathons Coding da Vinci Ost.

 

Wer sachsen.digital schnell und unkompliziert kennenlernen möchte, kann sich im neuen Film zum Portal einen ersten Überblick verschaffen.

 

 

 

Und wiederkommen lohnt sich: Allein in diesem Jahr ist der Bestand bereits um ca. 1,5 Millionen digitalisierte Seiten gewachsen, weitere Projekte sind in der Vorbereitung. Gerade abgeschlossen wurde beispielsweise die Digitalisierung der Frauen-Zeitung der berühmten Leipziger Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters, kurz vor dem Start steht die Bereitstellung von wertvollen Notenmaterialien zu Dresdner Ur- und Erstaufführungen von Opern Richard Wagners aus dem Bestand der Sächsischen Staatskapelle / Staatsoper Dresden.

 

Egal, ob Citizen Scientist, Lehrer, Wissenschaftler oder Ahnenforscher, interessiert an Technik, Geschichte, Kunst oder Musik: Unter den bislang verfügbaren 18 Kollektionen mit rund 5 Millionen digitalisierten Seiten werden Sie mit Sicherheit das ein oder andere für Sie Unbekannte und Überraschende entdecken.

 

Wir laden Sie herzlich ein zum Stöbern und Entdecken – spannende Geschichte(n) warten auf Sie!

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Die Mischung macht's: Musikbibliothekare treffen sich in Leipzig zur IAML

Vom 22. bis 27.7.2018 findet der Kongress der International Association of Music Libraries (IAML) - die Internationale Jahrestagung der Musikbibliothekare - in Leipzig statt. Sie wurde in diesem Jahr hauptverantwortlich von der Leipziger Hochschule für Musik und Theater (HMT), dem Bacharchiv Leipzig, der Musikbibliothek der Städtischen Bibliotheken Leipzig und der Musikabteilung der SLUB organisiert. Die Leiterin der Abteilung, Dr. Barbara Wiermann (BW), spricht im Interview über Besonderheiten und Bedeutung der Tagung für Musikbibliothekare und hält einen Veranstaltungstipp parat.

 

Liebe Frau Wiermann, der Slogan der Konferenz heißt "It's all in the mix - C’est le bon mélange qui compte. - Die Mischung macht's" und geworben wurde mit einer bunten Blumenmischung: Verraten Sie uns die Idee dahinter?

                                             

>>BW: Es ist üblich, dass bei dem Vor-Jahres-Kongress mit einem kleinen Give-away für den Folge-Kongress geworben wird. Häufig werden Kugelschreiber oder Kühlschrankmagneten ausgegeben. Wir suchten etwas Leipzig-Typisches. Die Leipziger Mischung wird vom Netzwerk Stadtnatur vertrieben, das zu den vielen bürgerschaftlichen Initiativen der Stadt gehört, die Leipzig so bunt machen. Zudem hofften wir, dass wir über die Blumenmischung mit den Teilnehmern über das Jahr in Kontakt bleiben würden - und das ist auch tatsächlich passiert: In diesem Frühsommer erreichten uns erste Blumenbilder von fremden Balkonen. Die Mischung macht's  - das gilt für den Kongress in vielerlei Hinsicht: viele Menschen verschiedener Länder, mit unterschiedlichen Blickwinkeln auf das Bibliothekswesen, mit unterschiedlichen bibliothekarischen Aufgaben, aber auch mit unterschiedlichen Musikkulturen (hier sind wir im Übrigen noch viel zu eurozentristisch unterwegs) kommen zusammen. Sowohl das Fachprogramm als auch das Rahmenprogramm bieten eine große Vielfalt. Mit knapp 500 Teilnehmern haben wir einen wirklich großen Zuspruch gefunden. Besonders freut es mich, dass es gelungen ist, die Tagung so niedrigschwellig zu gestalten, dass knapp 130 Erstbesucher angemeldet sind.  

 

Bei der Tagung kommen also 500 Musikbibliothekare und Musikwissenschaftler aus knapp 40 Ländern zusammen: Ein spannender Austausch auch über kulturelle Grenzen hinweg. Welches sind die zentralen Themen in diesem Jahr?

>>BW: Rund um den Globus spielt Digitalisierung im Bibliothekswesen natürlich eine ganz zentrale Rolle. Dabei geht es zunehmend nicht nur um Textquellen, sondern auch um audio-visuelle Medien, welche für Musikbibliotheken natürlich von besonderem Wert sind. Die Digitalisierung verändert unseren Umgang mit Quellen und die Möglichkeiten der Quellenarbeit, sie verändert aber auch grundsätzlich unser Verhältnis zu unseren Nutzerinnen und Nutzern. Gerade im Bereich der öffentlichen Bibliotheken ist durch die Vielfalt der Angebote auf dem freien Markt die Rolle unserer Einrichtungen zu hinterfragen und neu zu definieren.

 

Und mit welchen thematischen Schwerpunkten ist die SLUB vertreten?

>>BW: Ich freue mich, dass wir zum einen in der Opening session die Gelegenheit haben, das vom SMWK geförderte Landesdigitalisierungsprogramm für Wissenschaft und Kultur (LDP) vorzustellen. Damit können wir ein internationales Publikum mit einem einmaligen sächsischen Kooprationsprojekt bekanntmachen. Es steht für tolle Zusammenarbeit, es bietet Einblick in den Quellenreichtum in Sachsens Bibliotheken - von Zwickauer Textilmustern bis hin zu sorbischen Schulbüchern - und über das LDP konnten - für die Kongressteilnehmer ganz wichtig - viele Musikquellen zugänglich gemacht werden. Weitere Beiträge beschäftigen sich unter anderem mit dem von uns in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsbibliothek München betriebenen Fachinformationsdienst Musikwissenschaft oder mit unseren Aktivitäten für Audioquellen in der Deutschen Digitalen Bibliothek.

 

Was ist das Besondere am Standort Leipzig im Hinblick auf die Musikgeschichte?

>>BW: Wenn nun nach immerhin 26 Jahren der IAML-Kongress endlich mal wieder nach Deutschland kommt - er war zuletzt 1992 in Frankfurt am Main - wurde Leipzig bzw. Sachsen als Veranstaltungsort sicher bewusst gewählt. Man spürt es schon im Vorfeld, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich freuen, die Originalstätten der Musikgeschichte zu besuchen - das Bach-Archiv, das Mendelssohn-Haus, das Schumann-Haus etc. etc.  Auch bietet Leipzig zahlreiche herausragende Musikbibliotheken, in denen Führungen und Quellenpräsentationen angeboten werden.  

 

Aber auch die Stadt Dresden und die SLUB werden im Tagungsprogramm mit berücksichtigt...

>>BW: Ja, zum Abschluss der Veranstaltung wird es am 28.7. eine Post-Congress-Tour nach Dresden geben. Nach den kulturellen Highlights der Stadt besuchen die Gäste die SLUB, wo sie Einblick in die musikalischen Quellenbestände und die modernen Services unserer Bibliothek erhalten. 

 

Zum Schluss: Was wird für Sie der Höhepunkt der Tagung werden?

>>BW: Am Donnerstagabend, 26.7.2018, 20 Uhr wird im erst kürzlich neu eröffneten Paulinum der Universität Leipzig ein Konzert  "Katholische Kirchenmusik am Dresdner Hof", ausgeführt vom Sächsischen Vocalensembles und der Batzdorfer Hofkapelle, unter der Leitung von Matthias Jung, stattfinden. Wir haben die Gelegenheit genutzt, ein wenig bekanntes aber für Dresden typisches Repertoire auszuwählen, das verdeutlicht, wie sich der Hof zu Beginn des 18. Jahrhunderts als kulturelles Zentrum unter den Höfen Europas etablieren wollte. Es macht einfach Spaß, wenn unsere Quellen zum Erklingen kommen - und das mit tollen Ensembles, an einem einmaligen (wenn auch alles andere als katholischem (Lächeln) ) Ort, vor einem interessierten internationalen Publikum. Es handelt sich - das sollte ich noch betonen - um ein öffentliches Konzert. Karten gibt es an der Abendkasse. 

Donnerstag, 26.7.2018, 20 Uhr,
Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli, Leipzig