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Kategorie: Ausstellungen

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Bücher nach dem Aussehen beurteilen? Vortrag zu typographisch gesteuerter Literaturrezeption

Die tschechische Avantgarde der Zwischenkriegszeit ist für ihre originellen Ansätze zur Gestaltung von Büchern als Gesamtkunstwerk bekannt. Sie zeichnete sich durch einen bemerkenswerten Erfindungsreichtum im Hinblick auf die ästhetische Aufmachung aus und rechtfertigte in dieser Eigenschaft besonders eingängig das berühmte Diktum Kurt Schwitters (1924), Typographie könne „unter Umständen“ eine eigenständige Kunstform sein.

 

Dieser Kerngedanke lässt sich eindrucksvoll anhand der Ausstellung „Tschechische Avantgardebuchkunst. Die Sammlung Vloemans“, welche noch bis zum bis 31. August 2017 im Buchmuseum der SLUB zu sehen ist, nachvollziehen.

 

 

 

Am Abend des 28. Juni wird PD Dr. Anne Hultsch (Dresden) dies zum Anlass nehmen, Reflexionen darüber anzustoßen, inwiefern die äußere Gestalt von Büchern und Texten deren Rezeption beeinflusst. Ihr Vortrag unter dem Titel „Buchumschläge lesen, literarische Texte betrachten. Typographisch gelenkte Lektüren“ widmet sich mittels konkreter Beispiele der interessanten Frage, auf welche Art und Weise unser Zugang zu Literatur nach den Maßgaben ihrer jeweiligen typographischen Oberfläche gefiltert und manipuliert wird.

 

„Das Buch […] enthält ein Kunstwerk: das Literarische. […] Ein schlechtes Buch wird nicht besser, wenn es auch noch so schön mit vielen Streifen, Stäben und Punkten aufgemacht wird. Es bleibt ein schlechtes Buch“ (Théo van Doesburg). Diese These wird der Vortrag zur Debatte stellen, ebenso wie ihre direkte Umkehrung: Kann ein gutes Buch durch schlechte Aufmachung auch nicht verdorben werden? Anhand der Gegenüberstellung verschieden gestalteter Ausgaben jeweils ein und desselben Textes sind in dieser Angelegenheit überraschende und spannende Aufschlüsse zu erwarten.

 

 

 

Sie sind herzlich eingeladen: Die Veranstaltung im Vortragssaal der SLUB beginnt 19:00 Uhr, sie ist öffentlich und der Eintritt ist frei. Im Anschluss an den Vortrag besteht Gelegenheit zum Gespräch und zu einer öffentlichen Führung durch die Ausstellung. 

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documenta 14 mit spektakulärer Buch-Installation und SLUB-Exponat

„Von Athen lernen“ – unter diesem Motto öffnete am 10. Juni 2017 die documenta 14 in Kassel ihre Türen. Erstmals in ihrer über 60-jährigen Geschichte findet die wichtigste Schau zeitgenössischer Kunst nicht nur in Kassel, sondern zugleich auch an einem zweiten Ort statt: In Athen läuft die Ausstellung bereits seit dem 8. April 2017.

 

Mittelpunkt der documenta in Kassel ist „The Parthenon of Books“ der argentinischen Künstlerin Marta Minujín. Die aus Stahl, Kunststofffolie und mehr als 100.000 einst und heute verbotenen Büchern bestehende Installation auf dem Kasseler Friedrichsplatz bildet den Athena-Tempel auf der Athener Akropolis als Symbol für Demokratie nach. Sie setzt damit ein Zeichen gegen das Verbot von Texten und die Verfolgung der Autoren in der Vergangenheit und Gegenwart.

 

Eine andere bücherbezogene documenta-Installation in Form eines raumhohen Regals mit dem Titel „Unrechtmäßig aus jüdischem Eigentum erworbene Bücher" von Maria Eichhorn greift eine Problematik auf, der sich auch die SLUB stellt. In Kürze wird hier ein zweites Projekt zur Provenienzforschung starten, das auf die Identifizierung und Restitution von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut zielt.

 

Auch ein Exponat aus der SLUB (als Reproduktion) ist auf der documenta 14 vertreten: Der Dresdner Künstler Olaf Holzapfel, der sich in seinem Schaffen mit dem Thema Grenze auseinandersetzt, bezog in sein Projekt „Zaun“ einen 1560 entstandenen Waldriss (Vermessungszeichnung eines Waldes) aus dem Bestand der Handschriftensammlung ein.    

 

Publikationen zur aktuellen und den vorangehenden documenta-Ausstellungen finden Sie im SLUB-Katalog.

 

documenta 14:
Athen – 8. April bis 16. Juli 2017
Kassel – 10. Juni bis 17. September 2017
www.documenta14.de

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Ist das Kunst – oder kann das weg? Vortrag zur Rolle des Buches für die tschechische Avantgarde

Das Buch als höchstes Produkt der Kultur: Nach Ansicht des tschechischen Kunsttheoretikers und Publizisten Karel Teige verkörpert das Buch die ideale Synthese einzelner Kunstformen. Insbesondere die tschechische Zwischenkriegsavantgarde – in Form der Künstlergruppe Devětsil in den 20er Jahren und mit der Prager Surrealistengruppe in den 30er Jahren – fand diverse neue Zugänge zu einer künstlerischen Ausgestaltung und ästhetischen Wahrnehmung von Büchern. Experimente mit Bildgedichten, surrealistische Collagen, Fotomontagen und Artifizialismus galten als Hoffnung für ein poetisches Aufblühen der gelangweilten, tschechischen bildenden Kunst.

 

Am Abend des 14. Juni widmet sich Lenka Bydžovská der spannenden Frage „Gebrauchsgegenstand oder Kunstobjekt? Das Buch in Händen der tschechischen Avantgarde“. Im Mittelpunkt ihres Vortrags stehen die konkreten Auffassungen markanter Persönlichkeiten zum Buchschaffen – seien es nun Karel Teige oder Otakar Mrkvička, Toyen, Josef Šíma oder Jindřich Štyrský. Lenka Bydžovská forscht an der Tschechischen Akademie der Wissenschaften zur Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts.

 

Die Ausstellung „Tschechische Avantgardebuchkunst. Die Sammlung Vloemans.“ ist bis 31. August 2017 täglich von 10 bis 18 Uhr im Buchmuseum der SLUB zu sehen. Der Eintritt ist frei. Anfang 2016 erwarb die SLUB die Sammlung Vloemans von dem gleichnamigen, international renommierten holländischen Antiquar und Sammler. Seine weltweit geschätzte Kollektion umfasst über 400 Bücher und Periodika aus der Zeit von 1918 bis 1938, darunter viele Widmungs- und Vorzugsausgaben in bestem Erhaltungszustand. Diese werden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit tschechischen Partnern und mit der Förderung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

 

„Das Buch in Händen der tschechischen Avantgarde: Gebrauchsgegenstand oder Kunstobjekt?“ - Vortrag von Lenka Bydžovská
14. Juni 2017, 19:00 Uhr, im Vortragssaal der SLUB
Eintritt frei

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Ausstellung STICH PUNKT HELLERAU ab 24. Mai

Am 24. Mai 2017 wird in den Deutschen Werkstätten Hellerau die Ausstellung STICH PUNKT HELLERAU eröffnet, die erstmalig das fotografische Werk von Rudolf Stich (1879-1929) zeigt. Stich lebte mit seiner Familie seit 1912 in Hellerau und bildete als Amateurfotograf die Welt seiner Zeit ab. Von 300 bekannten Aufnahmen werden in der Schau 45 Fotografien gezeigt, eingeteilt in vier Themenbereiche:

 


LEBEN – Familie und Freunde / HELLERAU UND DRESDEN / WELT – Reisefotos / KRIEG.

 

 

Dresden-Hellerau, Elisabeth Stich mit den Söhnen Hans und Fritz an ihrem Haus beim Betrachten von Schafen (SLUB/ Deutsche Fotothek)

 

Das erhaltene fotografische Œuvre Stichs, bestehend aus Glasplatten- und Kunststoff-Negativen ist zur weiteren Veröffentlichung, Bearbeitung und Aufbewahrung als Schenkung an die Deutsche Fotothek gegangen und wird dort zukünftig dauerhaft präsentiert.

 

Die Ausstellung ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Fotoenthusiasten, Nachkommen des Fotografen, dem Verein Bürgerschaft Hellerau e.V., den Deutschen Werkstätten, der Deutschen Fotothek und dem Förderverein Weltkulturerbe Hellerau e.V..

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Bücher zum Sehen – Vortrag zu Fotografie in der tschechischen Avantgardebuchkunst am 3. Mai

Am Mittwoch, den 3. Mai 2017, ist ein weiterer Experte zur tschechischen Avantgardebuchkunst zu Gast in der SLUB: Jindřich Toman, Professor für slawische Sprachen und Literatur an der University of Michigan (USA).

 

Sein Vortrag bietet einen Überblick über die wichtigsten Tendenzen, die sich im Design des tschechischen Buchs der zwanziger Jahre abzeichnen. Die Rolle der verschiedenen Formen der Photographie, der Einfluss der abstrakten Kunst und neue Entwicklungen in der Typographie werden dargestellt. Der internationale Kontext dieser Tendenzen wird dabei betont – das Projekt des Buchs zum Sehen ging weit über die nationalen Grenzen hinaus.

Im Anschluss an den Vortrag führt Kuratorin Anne Hultsch durch die Ausstellung im Buchmuseum.

 

Die Ausstellung „Tschechische Avantgardebuchkunst. Die Sammlung Vloemans.“ ist bis 31. August 2017 täglich von 10 bis 18 Uhr im Buchmuseum der SLUB zu sehen. Der Eintritt ist frei. Anfang 2016 erwarb die SLUB die Sammlung Vloemans von dem gleichnamigen, international renommierten holländischen Antiquar und Sammler. Seine weltweit geschätzte Kollektion umfasst über 400 Bücher und Periodika aus der Zeit von 1918 bis 1938, darunter viele Widmungs- und Vorzugsausgaben in bestem Erhaltungszustand. Diese werden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit tschechischen Partnern und mit der Förderung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

 

Jindřich Toman „Bücher zum Sehen: Photographie, Photomontage und Neue Typographie im Buch der tschechischen Avantgarde“
3. Mai 2017, 19:00 Uhr im Vortragssaal der SLUB
Eintritt frei