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Kategorie: Ausstellungen

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Mord und Totschlag in Text, Glosse und Bildern des Sachsenspiegels - Vortrag am 13.12. in der SLUB

Das berühmteste deutsche Rechtsbuch des Mittelalters, der Sachsenspiegel, enthält zu einem erheblichen Teil auch Normen, welche Reaktionen der Betroffenen und der Gesellschaft bzw. von deren Repräsentanten auf den Rechtsbruch festlegen. Sie verkörpern jenen Teil des Rechts, den wir heute als „Strafrecht“ bezeichnen. Der Reiz einer dezidierten Betrachtung dieses Rechtsbereiches auf der Grundlage des Sachsenspiegels ergibt sich unter anderem daraus, dass man grundsätzlich drei Quellengattungen zu den jeweiligen Missetaten und Sanktionen, einschließlich der dazu gehörigen Verfahrensarten, zur Verfügung hat: den Text des Sachsenspiegels (um 1225), die Glosse zum Sachsenspiegel-Landrecht (um 1325) und die Bilder in den berühmten codices picturati (Bilderhandschriften) des Sachsenspiegels (ca. 1300 – ca. 1375). So lässt sich die ferne Welt des mittelalterlichen Strafrechts im großen Wirkungsgebiet des sächsischen Rechts eindrucksvoll, anschaulich und farbenfroh entfalten.

 

Der Vortrag beruht auf den langjährigen Forschungen des Referenten zum Sachsenspiegel und auf den Editionsarbeiten zu den Sachsenspiegel-Glossen bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig.

 

Vom 28. November 2016 bis 9. Januar 2017 ist die Dresdner Bilderhandschrift des Sachsenspiegels im Buchmuseum zu sehen, täglich von 10 bis 18 Uhr. Jederzeit könenn Sie den Sachsenspiegel in unseren Digitalen Sammlungen betrachten.

 

Mord und Totschlag in Text, Glosse und Bildern des Sachsenspiegels. Ein Beitrag zum Topos ’Gewalt’ im Mittelalter aus rechtsgeschichtlicher Sicht
Vortrag von Univ.-Prof. Dr. iur. Heiner Lück, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

13.12.2016, 18:00 Uhr
Vortragssaal der SLUB, Eintritt frei

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800 Jahre Kreuzchor? Neue Ausstellung mit Fragen zur ältesten Musikinstitution Dresdens

Eröffnung am 29.09. um 19:00 Uhr

 

Der Kreuzchor begeht in diesem Jahr sein 800-jähriges Bestehen. Jubiläen sind Gelegenheiten, Rückschau zu halten, sich zu erinnern und zu betrachten, was die eigene Geschichte an Geschichten aufgeschichtet hat. Etliches kommt dabei in acht Jahrhunderten zusammen und einiges wird, wie Sie wissen werden, in verschiedenen Veranstaltungen des Chores, der Schule, der Fördervereine, der Stadt über das ganze Jahr hinweg gezeigt und erzählt.

 

Auch die Musikabteilung der SLUB Dresden reiht sich in die tabula gratulatoria ein und widmet der Chorgeschichte eine Ausstellung. Allerdings werden dort weniger große Namen aneinander gereiht und chronologisch aufgezählt, an welchen Begebenheiten der Chor beteiligt war. Vielmehr nutzt die Bibliothek als ein Ort, an dem traditionell Thesen hinterfragt und Meinungen diskutiert werden, die Ausstellung, um (nicht nur) dem Jubilar Fragen zu stellen.



Thematisch gruppiert werden Akteure, Orte und Ereignisse vorgestellt, die Aufgaben und Funktionen des Chores in jeweils verschiedenen Chronotopoi und Kontexten verorten. Fragen werden aufgeworfen, die sich auf die Stellung des Chores innerhalb der Kirche, der Stadt, aber auch der Region und schließlich der Welt beziehen, dem Spannungsfeld von alltäglicher Dienstroutine ebenso wie dem Potential an Instrumentalisierung für verschiedene politische Zwecke. So versucht die Ausstellung, in der historisch der Bogen von den Anfängen bis in das 21. Jahrhundert gespannt wird, nicht nur Faktisches zu präsentieren und geläufige Chorgeschichten zu illustrieren, sondern die kursierenden Erzählungen wie auch die Erzählweise selbst zu thematisieren. Historische Objekte aus den Beständen der SLUB wie des Stadtarchives vergegenwärtigen Aspekte der Kreuzchorvergangenheit: ein Meißner Missale führt in die vorreformatorische Zeit, eine lebhaft annotierte Bibel zeigt die streitlustige Zeit der Reformation, Musikalien aus dem Repertoire des Kreuzchors von Orlando di Lasso bis Rudolf Mauersberger, Materialien der Opernbühne, von den Kantoren genutzte Schulbücher, Reiseandenken und Erinnerungen an vergangene Jubiläumsfeiern verdeutlichen die verschiedenen Kontexte, in die der Chor eingebunden war. Chor- und Stadtgeschichte sind dabei aufs engste miteinander verwoben: Der Kreuzchor gehört zu Dresden genauso wie Dresden zum Kreuzchor, beide wirkten und wirken wechselseitig aufeinander. Insofern öffnet die Bibliothek mit der Ausstellung auch einen Raum zur Reflexion nicht nur über Chorbilder, sondern auch über Stadt- und Gesellschaftsbilder.

 

Am kommenden Donnerstag, den 29. September 2016, wird die Ausstellung um 19:00 Uhr im Beisein der Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange, der Kulturbürgermeisterin der Stadt Dresden, Annekatrin Klepsch, dem Landesbischof Carsten Rentzing und Kammersänger Peter Schreier sowie mit einem Vortrag "Der Kreuzchor ist unteilbar! Anmerkungen zu seiner Geschichte und Gegenwart“ von Prof. Dr. Matthias Herrmann eröffnet. Die musikalische Ausgestaltung übernimmt ein Männerensemble des Kreuzchors unter Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile.

 

Seien Sie herzlich eingeladen, Ihre Fragen an den Kreuzchor mit- und einzubringen.

800 Jahre Kreuzchor? Fragen an die älteste Musikinstitution Dresdens
Ausstellungseröffnung am 29. September 2016 19:00 Uhr im Vortragssaal der SLUB Dresden (Programm)

Öffnungszeiten der Ausstellung 30.9.2016 – 22.2.2017, täglich 10 —18 Uhr

Weitere Informationen zur Ausstellung und zu Führungen finden Sie hier.

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Schulgärten vergangener Zeiten – Wanderausstellung in der ZwB Erziehungswissenschaften

Auf 19 Schautafeln, mit Vitrinen und einem funktionalen Schulgartenmodell nimmt uns der Chemnitzer Ausstellungsmacher Klaus Reichmann mit in Schulgärten vergangener Zeiten.

 

Die Wanderausstellung widmet sich einem Aspekt der Reformpädagogik. Bekannte Protagonisten dieser Denkschule wie Peter Petersen und Maria Montessori sind auch Nicht-Pädagogen ein Begriff. Andere Lehrer verschrieben sich der Aufgabe, den Unterricht in ihrer eigenen Schule zu reformieren. Einen dieser Pädagogen - Friedrich Wilhelm Gerdes - stellt die Ausstellung "Schulgarten" vor. Sie ist bis 14. September in der Zweigbibliothek Erziehungswissenschaften zu sehen. Konzipert wurde sie an der Professur Schulpädagogik der Primarstufe der TU Chemnitz.

 

 

Begleitbroschüre zur Ausstellung: "Was der Schulgarten für den Unterricht leistet", Seite 21: Schulgartenplan von 1924 in West-Victorbu

 

Die Ausstellung erklärt "Friedrich Wilhelm Gerdes Reformbemühungen in Victorbur. Ausgewählte historische Quellen zu seinem pädagogischen Wirken geben Einsichten in die Berufsbiographie von Gerdes, seinen Schulversuch und den Unterricht im Arbeitsschulgarten." Die Begleitbroschüre zur Ausstellung "Was der Schulgarten für den Unterricht leistet", aus der dieses Zitat stammt, ist auch als Open Access-Dokument auf dem Hochschulschriftenserver Qucosa erhältlich.

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Der Weltuntergang im Postkartenformat: Der Dresdner Maya-Codex – Eine Virtuelle Ausstellung

Zwar konnte der Maya-Codex schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in der Kurfürstlichen Bibliothek zu Dresden bewundert werden – doch am Ende war es der amerikanische Regisseur Roland Emmerich und sein Film „2012“, der die Besucher in Strömen nicht nur in die Kinos, sondern auch in die Schatzkammer der SLUB in Dresden führen sollte.

 

Anlässlich des deutsch-mexikanischen Kulturjahres, welches am 11. April von Bundespräsident Joachim Gauck und dem mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto mit einem gemeinsamen Rundgang durch die Berliner Ausstellung „Die Maya – Sprache der Schönheit“ im Martin-Gropius-Bau eingeleitet wurde, stellt die Deutsche Digitale Bibliothek die Virtuelle Ausstellung „Die Dresdner Maya-Handschrift: Prophetie und Ritual aus Yukatan“ vor. Die Virtuelle Ausstellung, kuratiert von Dr. Thomas Haffner und Norman Köhler, beleuchtet die Geschichte, den Inhalt und die Bedeutung dieses für die Maya und für die heutige Maya-Forschung so wichtigen Dokuments.

 

Von Yukatan über Wien nach Dresden

Der Codex ist eines der ältesten erhaltenen Dokumente der Maya-Kultur – die Datierung wird vom Archäologen Eric Thompson auf 1200 bis 1250 n. Chr. geschätzt. Dies deutet auf eine Herkunft aus dem nördlichen Yukatan hin, wo in dieser Zeit das letzte große Gemeinwesen der Mayas existierte.

 

Wie und wann der Maya-Codex aus Mexiko nach Europa gelangte, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich reiste der Codex im 16. Jahrhundert mit den spanischen Eroberern nach Madrid und von dort nach Wien. Bekannt hingegen ist, dass der Codex in Wien 1739 vom Oberbibliothekar  der Kurfürstlichen Bibliothek in Dresden, Johann Christian Götze, als „unschätzbares Mexikanisches Buch mit hieroglyphischen Figuren“ erworben und nach Dresden gebracht wird.

 

Damit gerät das Dokument allerdings auch in Vergessenheit, bis Alexander von Humboldt die Schrift am 6. Juni 1791 sieht – er trägt sich an diesem Tag in das Besucherbuch der Bibliothek ein – und 1813 fünf Blätter daraus veröffentlicht. Ab 1835 wird der Maya-Codex in einer Vitrine im Japanischen Palais ausgestellt, dem damaligen Sitz der Königlichen Öffentlichen Bibliothek in Dresden. Der Veröffentlichung Humboldts folgend, beginnen die Forschungen und die endgültige Identifizierung als Maya-Handschrift 1853 durch den französischen Historiker und Archäologen Charles Étienne Brasseur de Bourbourg.

 

Die wasserausschüttende Göttin Chak Chel (Bild oben) mit den Zügen des Jaguars, Schlangenkopfputz und gekreuzten Knochen auf dem schwarzen Rock. Im Wasserschwall sind die Zahl 5.1.0 (=1.820) und die Hieroglyphe für den Tag Eb zu erkennen.

 

Von der Entschlüsselung der Hieroglyphen zur Prophezeiung der Apokalypse

Die Entschlüsselung der Handschrift begann erst Ende des 19. Jahrhunderts: Der Dresdner Oberbibliothekar Ernst Wilhelm Förstemann machte grundlegende Entdeckungen über das Zahlensystem, die Kalenderrechnung, die Bedeutung der astronomischen Tafeln und erkannte die Einteilung in 260tägige Abschnitte (Almanache). Der Berliner Gerichtsassessor Paul Schellhas etablierte ein noch heute genutztes Schema der Benennung der Maya-Götter mittels Großbuchstaben. Mitte des 20. Jahrhunderts fand der russische Wissenschaftler Juri Knorosow den Schlüssel zu der bis heute nicht abgeschlossenen Entzifferung der Maya-Hieroglyphen.

 

Der Maya-Forscher Nicolai Grube von der Universität Bonn erklärte der FAZ zum Inhalt des Codexes: „Es ist ein Handbuch für Priester, das Almanache enthält, mit deren Hilfe man gute und schlechte Tage für Riten oder die Landwirtschaft vorhersagen kann“. Doch wie kam es zu der Annahme, der Codex würde den Weltuntergang vorhersagen?

 

Eine von ursprünglich 13 Seiten eines K’atun-Kalenders (Bild links) mit 13 mal 20 Jahren zu je 360 Tagen. Kämpfende Krieger oben und die Vorführung eines Gefangenen unten stehen für das Unheil, das nach Ablauf der ersten K'atun-Periode droht.

 

Als gesichert gelten kann, dass am 21.12.2012 ein Maya-Zeitalter endet und zwar der 13. Baktun – der 13. Vierhundertjahreszyklus seit der Erschaffung der Welt. Gleichzeitig steht über der Seite der Handschrift, die angeblich die Apokalypse in Form einer Flut zeigt, der Tag „5 EB“ – dieser tritt alle 260 Tage im Kalender auf und bedeutet laut Grube, dass „wenn an diesem Tag ein schwerer tropischer Sturm kommt, … vor einer möglichen großen Flut gewarnt [wird]“.

 

„5 EB“ hat jedoch nichts mit dem 21. Dezember 2012 zu tun und nach dem Ende des 13. Baktun beginnt: der 14. Baktun. Es handelt sich also vielmehr um eine Kalenderrechnung und detaillierte Wetterbeobachtungen der Maya. Die Interpretation dieses Blattes als Weltuntergangsszenario geschah durch westliche Esoteriker, Roland Emmerich gab der Geschichte den letzten Hollywoodschliff und somit war dem Dresdner Maya-Codex die Weltöffentlichkeit gewiss. Der Weltuntergang hingegen weniger.

 

Mehr interessante Hintergründe über den Codex, zum Beispiel zu den Göttern der Maya, ihrer Kalenderrechnung und der Hieroglyphenschrift bietet die Virtuelle Ausstellung „Die Dresdner Maya-Handschrift: Prophetie und Ritual aus Yukatan“ der Deutschen Digitalen Bibliothek.

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Ausstellung Wolfgang G. Schröter: Das große Color-Praktikum – Auftrag Innovation

Farbfotografie! In den 1950er Jahren hielt sie weithin Einzug in Fotoalben und Zeitschriften. Ihre blassen Pastelltöne prägen bis heute unser Bild dieser Zeit. Zugleich aber war Farbe in der Fotografie noch bis in die 1960er Jahre ein weites Feld von Versuchen und Experimenten. Fotoindustrie und professionelle Farbfotografen schufen permanent neue Bildstrategien und kamen zu spektakulären visuellen Ergebnissen.

 

Zu den bemerkenswertesten Zeugnissen dieser Zeit zählen die Werke von Wolfgang G. Schröter: Ganzkörperfotogramme auf riesigen Diabahnen, Bewegungsstudien mit farbig gestaffeltem Stroboskop-Blitz, Röhrenbildschirm-Abbildungen von elektronisch veränderten Porträtfotografien, Teleskopaufnahmen von Galaxien und Sternennebeln, die äquidensitometrisch – also nach Lichtintensität – in Farbflächen zerlegt wurden...

 

In der neuen Ausstellung im LVR-LandesMuseum Bonn mit Werken Wolfgang G. Schröters aus dem Archiv der Fotografen in der Deutschen Fotothek erhalten wir die seltene und spannende Möglichkeit in äußerst komplexe, sowohl analoge als auch elektronische Prozesse der Bilderzeugung Einblick zu nehmen – ab 28. April bis 26. Juni 2016. Vor allem aber sehen wir einen Meister der frühen, kreativen und experimentellen Farbfotografie bei der Arbeit.

 

Seine Erfahrungen legte der Fotograf und Dozent 1966 in dem international vielbeachteten Lehrbuch „Das große Color-Praktikum“ nieder, dessen Titel wir nun für eine Präsentation seiner extrem farbigen, teils fast abstrakten Arbeiten aus dem Archiv der Fotografen in der Deutschen Fotothek verwenden.

 

Wolfgang G. Schröter etabliert sich in den 1950er Jahren als freier Bildjournalist und professioneller Farbfotograf in der DDR. Im Auftrag international operierender foto-optischer Unternehmen wie AFGA/ORWO in Wolfen und Carl Zeiss in Jena schafft er avantgardistische, ästhetisch und technologisch herausragenden Farbaufnahmen. Durch seine Kontakte zur Industrie hat er freien Zugriff auf Materialien und exklusive technische Geräte. Finanzielle und ideologische Beschränkungen seitens der Auftraggeber sind kaum gegeben.

 

Seine farbfotografischen Arbeiten in Werbedruckschriften, Zeitschriften und auf Messeständen entsprechen der Ästhetik der westlichen Industrie- und Wissenschaftsfotografie und finden als solche dennoch Eingang in den Bildkanon der künstlerischen Fotografie in der DDR.

 

Schröters Umgang mit Farbe, Fläche und Kontur in der angewandten und der Wissenschaftsfotografie – zunächst analog, schon seit Beginn der 1970er Jahre auch auf Basis elektronischer Bilderzeugung – erweist sich als visionäre Bildleistung. Er setzt klassische fotokünstlerische Verfahren wie das Fotogramm ebenso ein wie die prä-digitale elektronische Bildauswertung und überträgt wissenschaftliche Motivwelten in die Werbe- und Kunstfotografie. So antizipiert er eine Medienkunst, deren Ausmaß erst mit der digitalen Revolution um die Jahrtausendwende ihre ganze Tragweite entfaltet.