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Gourmetkoch Lothar Eiermann verstorben

Bereits zu Lebzeiten übergab der ehemalige Direktor des Wald- & Schlosshotels Friedrichsruhe seinen Vorlass an das Deutsche Archiv der Kulinarik.

Lothar Eiermann in der Küche des Wald- und Schlosshotels Friedrichsruhe

Lothar Eiermann. Foto: Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe

Lothar Eiermann gehörte zu den Protagonisten der Erneuerung der Spitzenküche in Deutschland. Als Vertreter der Nouvelle Cuisine erkochte er bereits 1974 den ersten Michelinstern im Restaurant des Schlosshotels Friedrichsruhe. Dort hatte er 1973 die Leitung der Küche und des Hotels übernommen. 1979 erhielt Eiermann den zweiten Stern. Zu dieser Zeit war in Deutschland noch kein Koch mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Es gab lediglich acht Zwei-Sterne Restaurants. Lothar Eiermann reiht sich in die Riege der Köche des Deutschen Küchenwunders –  ein Begriff, den Gourmetkritiker Wolfram Siebeck prägte –  und steht damit in einer Reihe mit Eckart Witzigmann, Heinz Winkler, Herbert Schönberner, Jörg und Dieter Müller, Franz Keller, Jean-Claude Bourgueil, Hans-Peter Wodarz, Dieter Biesler, Otto Koch, Vincent Klink, Wolfgang Staudenmaier und anderen.

Neben seiner Leistung als Koch und Gastronom war Eiermann aber auch ein streitbarer Geist. Er erhitzte die Gemüter der Gourmandise, als er 1979 einen offenen Brief an Paul Bocuse schrieb. Bocuse, dessen Kochbuch eine Küche des Marktes propagierte, vermarktete mit seinem Konterfei gleichzeitig Dosensuppen. Eiermann hielt das für unvereinbar und kritisierte Bocuse in einem offenen Brief mit der Überschrift "Adieu á un Roi" („Abschied von einem König“). Der erzürnte Bocuse forderte daraufhin den Fürsten zu Hohenlohe auf, Eiermann als Küchenchef zu entlassen, hatte allerdings keinen Erfolg. Vielmehr behielt Eiermann seinen Posten. In den folgenden Jahren erhielt er neben den Sternen des Guide Michelin noch weitere Auszeichnungen. So wurde er 2007 als Koch des Jahres im "Großen Hotel & Restaurant Guide" gekürt und erhielt im Jahr 2009 als einziger Nichtfranzose den Titel "Grand Chef auf Lebenszeit" von "Relais & Chateaux". 2008 ging er in den Ruhestand. Lothar Eiermann verstarb am 10. Februar 2024.

Dem Deutschen Archiv der Kulinarik schenkte Lothar Eiermann 2021 neben der von ihm gesammelten Korrespondenz zum Streit mit Paul Bocuse vor allem Dokumente seines beruflichen Werdegangs und Unterlagen aus seiner Zeit im Wald- & Schlosshotel Friedrichsruhe, wie Presseberichte, Manuskripte von Vorträgen oder Korrespondenzen.

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