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Der Begriff Nachhaltigkeit wird 300 – wie altes Wissen neu entdeckt wird

Ein Wort geht um die Welt, titelt DIE ZEIT ihren aktuellen Beitrag zum 300. Geburtstag des Begriffs Nachhaltigkeit. Als sustainable development ist der Begriff heute in der Politik allgegenwärtig. Die TU Bergakademie Freiberg feiert deshalb am 24. April den sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz, der vor genau 300 Jahren forderte, so den „Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuirliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe, weiln es eine unentberliche Sache ist…“ Dieser Nebensatz über die nachhaltende Nutzung für eine vorsorgende Waldwirtschaft hat den dicken Folianten über die Ökonomie der Waldkultur, die Sylvicultura oeconomica, berühmt gemacht.

 

nachhaltende Nutzung“, Sylvicultura oeconomica, Leipzig 1713, S. 105

 

Das in Leipzig 1713 gedruckte Buch mit der berühmten Seite 105 hat die SLUB nach dem Exemplar der 1816 gegründeten Forstakademie Tharandt, digitalisiert. Heinrich Cotta hatte die Forsthochschule zur Lehre der Waldwirtschaft ins Leben gerufen. Heute pflegt am gleichen Ort die Fakultät Umweltwissenschaften der TU Dresden die Profillinie Nachhaltige Entwicklung und Wertschöpfung im ländlichen Raum: Rohstoffe und Energie aus dem Wald.

 

Gegen die Erkenntnis über den notwendigen Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie made in Germany wurde seither oft verstoßen. Aufgabe der Bibliotheken ist es, die Erkenntnisse und Irrtümer der Welt präsent zu halten. Dank Digitalisierung und nachfolgender Volltextgenerierung werden in der Zukunft alle historischen Bücher originalgetreu durchsuchbar sein. Auch das ist ein Beitrag zur nachhaltenden Nutzung.    

1 Kommentar(e)

  • Yves Hoffmann
    23.04.2013 08:54
    Dr.

    Der Hype um den Begriff "Nachhaltigkeit" nimmt immer groteskere Züge an - wissenschaftliche Einrichtungen sollten sich davon besser fern halten. So wichtig die "Sylvicultura oeconomica" von Hans Carl von Carlowitz auch ist - mit dem, was ihm seit den Behauptungen des Journalisten Ulrich Crober vor einigen Jahren zugeschrieben wird, hat die Arbeit jedoch nichts zu tun. Aus Sicht der Holzfachleute ist das längst schon bekannt. Aus archivalischer Sicht hat kürzlich Dr. Herbert E. Kaden in Heft 4/2012 der Sächsischen Heimatblätter (S. 384-391) die Dinge wieder vom Kopf auf die Füße gestellt: Weder hat von Carlowitz den Begriff "Nachhaltigkeit" geprägt, noch hat er das Jahrhunderte zuvor schon bekannte Prinzip erstmals beschrieben.

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