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„Schönheit im Detail“ – Die Miniaturmalerei des Stundenbuchs Mscr.Dresd.A.147

Ein detaillierter Blick auf ein wertvolles Objekt der SLUB Dresden verspricht vorweihnachtliche Stimmung.

Detailansicht des Blattes 60 verso der Pergamenthandschrift Mscr.Dresd.A.147. © SLUB Dresden.

Detailansicht des Blattes 60 verso der Pergamenthandschrift Mscr.Dresd.A.147. © SLUB Dresden.

Verschiedene Einzelblätter und -lagen der Pergamenthandschrift Mscr.Dresd.A.147 aus dem Jahre 1450 sind aktuell wechselweise in der Ausstellung „Zeitlose Schönheit. Eine Geschichte des Stilllebens“ der Gemäldegalerie Alter Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu sehen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Stundenbuch leider stark beschädigt, ein Schicksal, welches es mit vielen wertvollen Pergamenthandschriften der SLUB teilt (Schulz und Spreer 2017). Nun liegt die Handschrift in Einzellagen vor, welche zum Teil stark verfärbt und deformiert sind. Dabei ist es ein großes Glück, dass das Objekt mit seinen Buchmalereien trotzdem größtenteils so gut erhalten ist. Das Stundenbuch weist auf fast 200 Blatt zahlreiche Miniaturen und Bordürenrahmen in reichhaltiger Farb- und Formenpracht auf.

In der Restaurierungswerkstatt der SLUB Dresden wurden für die Zustandsbeschreibungen der Leihgabe die Farbschichten begutachtet und dokumentiert. Bei der mikroskopischen Betrachtung zeigten sich neben dem Zustand des Farbauftrags auch die detaillierten Kompositionen der Miniaturmalerei. Bei der Untersuchung kam vor allem Streiflicht, aber auch die 3D-Profilansicht in bis zu 500facher Vergrößerung zum Einsatz. Die Farben bekamen so eine Plastizität und die einzelnen Farbaufträge und Pinselstriche wurden sichtbar. So liegt die Vergoldung mal auf der Farbschicht, mal darunter. Das zum Teil starke Krakelee der Vergoldungen zeigte sich besonders gut ab einer 100fachen Vergrößerung im Streiflicht. 

Besondere Weihnachtsstimmung kommt bei der Krippenszene auf. Beeindruckend ist die Detailgenauigkeit und Feinheit der Strichführung. Nur einen Millimeter groß ist zum Beispiel die Brosche Marias. Die Miniatur der Geburt Christi zeigt die zeitgemäße Ikonographie der Szene: Maria als Zentralfigur im blauen Himmelsgewand, vor ihr das nackte Jesuskind auf einem goldstrahlenden Untergrund und Joseph hinter Maria stehend. Im Hintergrund ist die Verkündigung an die Hirten zusehen, dargestellt durch zwei herbeigeeilte Hirten mit erstaunten Gesten (Poeschel 2004). Ochs und Esel befinden sich ganz nah am Geschehen und es scheint fast so, als würden sie sich über das außergewöhnliche Ereignis im Stall verwundert austauschen.

Das gesamte Pergamentblatt ist um die Miniatur mit einer reich ausgearbeiteten Bordüre verziert, welche von einer stark vergoldeten Flechtbandornamentik umrahmt wird. In den größtenteils dekorativen Motiven aus Flora und Fauna finden sich auch christliche Symbole. So können die drei Blüten der blauen Akelei für die Dreifaltigkeit oder auch für den Heiligen Geist stehen. Die roten Nelken symbolisieren die reine Liebe, die Gänseblümchen die Unschuld (Jakobi-Mirwald 1997; Sachs 1998).

Die Pflanzensymbolik spielt in der christlichen Ikonographie eine genauso große Rolle wie die Symbolik der Lebewesen. Der Greif, ein Mischwesen aus Adler und Löwe, kann als „König des Himmels und der Erde“ und damit als Christussymbol gedeutet werden. Der Pfau gilt als Symbol der Unsterblichkeit und des Paradieses (Sachs 1998).

Grundsätzlich spielt neben der Symbolik auch die reine Freude am Dekorativen eine entscheidende Rolle (Sachs 1998). Und so können wir uns auch allein von der Farbenpracht begeistern lassen.

Zeitlose Schönheit. Eine Geschichte des Stilllebens
17.11.2023—01.09.2024
Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister

Quellen

Jakobi-Mirwald, Christine (1997): Buchmalerei. Ihre Terminologie in der Kunstgeschichte
Poeschel, Sabine (2004): Handbuch der Ikonographie. Sakrale und profane Themen der bildenden Kunst
Sachs, Hannelore (1998): Christliche Ikonographie in Stichworten
Schulz, Rebekka; Spreer, Lars (2017): Herausforderung. Fehlstellenergänzung an Pergament: eine Entwicklung aus der Praxis. In: Restauro.

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2 Kommentar(e)

  • S.
    15.01.2024 11:14
    Cat Content?

    Danke für den spannenden Beitrag!
    Schade das einige, wie ich finde, höchst relevante Fragen gar nicht behandelt wurden...z.B. Wer ist die Person im roten Kleid und was tut sie? Warum wurde das Jesusbaby *neben* die Krippe/Wiege gelegt?
    Und am aller wichtigsten: Was hat es mit der Katze in der oberen linken Ecke auf sich? ;D

    • S.
      15.01.2024 11:23
      Die Sache mit den Ecken...

      Gemeint ist natürlich die rechte obere Ecke!

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